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»Das Wasser ist abgestellt«, erinnerte sie ihn.

»Kein Wasser?«, blökte Humphries.

»Das Gebäude ist aus Beton«, sagte Ferrer. »Isolieren Sie den brennenden Bereich, bis das Feuer den ganzen Sauerstoff verbraucht und sich selbst verzehrt hat.«

Humphries spürte, dass die Panik etwas gelindert wurde. Sie hat Recht, sagte er sich. Soll das Feuer sich selbst verzehren. Er straffte sich und schaute auf die Anzeige des Wandbildschirms.

»Alle, die dort gefangen sind«, sagte er und wies zittrig auf den Bildschirm, »werden im Feuer umkommen. Fuchs wird gebraten werden wie in der Hölle.«

Fuchs rannte zur provisorischen Barrikade am oberen Absatz der Haupttreppe. Er roch den Rauch, der von der hinteren Treppe zu ihm herüberwaberte.

»FEUER!«, sagte eine synthetische Stimme. Sie klang ruhig und monoton, war aber stark verstärkt. »FEUER IM HINTEREN TREPPENHAUS.«

»Wir müssen hier raus«, zischte Sanja ihm ins Ohr.

»Nein!«, blaffte Fuchs. »Erst wenn wir Humphries erwischt haben.«

Amarjagal kam zu ihnen gekrochen. »Es sammeln sich immer mehr Wachen unten«, sagte sie. »Sie werden gleich die Treppe hochstürmen.«

Aus dem Augenwinkel sah Fuchs den flackernden Feuerschein im hinteren Treppenhaus. Aus dieser Richtung können sie uns nicht angreifen, sagte er sich. Wir können uns aber auch nicht auf diesem Weg zurückziehen.

Laserstrahlen zischten gegen den umgestürzten Tisch und versengten die Wand hinter ihnen.

»Sie kommen!«

Selbst im trüben Licht vermochte Fuchs einen Trupp Wachen zu sehen, die die Treppe stürmten. Sie feuerten ihre Waffen ab, und die anderen unten in der Eingangshalle schossen ebenfalls auf sie.

Fuchs rollte zu der Seite des Tisches, wo seine Leute eine schwere Marmorbüste von einer Anrichte in der Halle abgelegt hatten. Er bemerkte, dass einer der Laserschüsse ein Gemälde an der Wand hinter ihnen in Brand gesetzt hatte. Angestrengt grunzend hob er die Büste mit beiden Händen an, wuchtete sie über die Kante des umgestürzten Tisches und warf sie die Treppe hinunter. Sie polterte die Stufen hinab und trieb die sich nähernden Wachen auseinander wie eine Bowlingkugel. Sanja und Amarjagal eröffneten das Feuer auf sie. Fuchs hörte Schmerzensschreie.

»Wir müssen hier raus«, sagte Amarjagal nüchtern. Es lag keine Panik in ihrer Stimme, nicht einmal Furcht. Es war einfach eine Tatsachenfeststellung.

Und Fuchs wusste, dass sie Recht hatte. Aber sie waren von Feinden umzingelt und saßen in der Feuerfalle. Und Humphries war unversehrt.

Basis Leuchtender Berg

Ist schon länger her, dass ich einen Schlepper gefahren habe, sagte sich Pancho, als sie die Rampe zur höchsten Ebene der Basis hinaufhetzte. Sie haben sich seither aber kaum verändert und sind auch nicht weiterentwickelt worden.

Der Umstand, dass die Nairobi-Basis so groß war, gereichte ihr nun zum Vorteil. Sie schwärmen auf der Suche nach mir in alle Richtungen aus; sie müssen ein großes Gebiet absuchen. Ich bin in Sicherheit, bis diese drei Geblendeten anfangen zu reden.

Die Zugmaschine erreichte das obere Ende der Rampe. Pancho fuhr an einer Gruppe von Bauarbeitern in blauen Overalls vorbei und steuerte eine ruhige, verlassene Stelle an der Basis der Kuppel an. Sie vermutete, dass es eine gute halbe Stunde dauern würde, um den Laser aufzuladen und ein hinreichend großes Loch in die metallene Wand der Kuppel zu schneiden. Du ziehst dir vorher besser den Softsuit an, sagte sie sich. Es sei denn, du willst Vakuum atmen.

Nobuhiko bedauerte Daniel Tsavo. Der Mann saß in einem Klapprollstuhl im Krankenhaus der Basis; er hatte sich fast in einer fötalen Position zusammengekrümmt, die Fäuste im Schoß geballt und die blinden Augen auf den Boden gerichtet. Es muss schrecklich sein, wenn man blind ist, sagte Nobu sich — selbst wenn es nur vorübergehend ist.

Zwei Ärzte und drei Krankenschwestern beendeten ihre Verrichtung; sie hatten Tsavos Augen bandagiert, während der Mann leise und zornig nuschelte, was Pancho ihm angetan hatte.

Obwohl Nobu sich Tsavos gemurmelte Geschichte mit ausdruckslosem Gesicht anhörte, kam er nicht umhin, eine gewisse Bewunderung für Pancho zu hegen. Sie ist in die Höhle des Löwen spaziert, wurde er sich bewusst. Sie ist hierher gekommen, um sich über Nairobi zu informieren. Ich frage mich, ob sie nun weiß, dass Nairobi ein Werkzeug der Yamagata Corporation ist? Und wenn sie es weiß, was soll ich dagegen tun?

Ich sollte meinen Vater anrufen, sagte Nobuhiko sich. Aber nicht hier. Nicht jetzt. Nicht vor diesen Ausländern. Warte. Hab Geduld. Du bist die ganze Strecke zum Mond geflogen und kannst dich nun auch in Geduld üben, bis sie Pancho fassen. Dann werden wir herausfinden, wie viel sie weiß. Und wenn wir das wissen, ist es an der Zeit zu entscheiden, wie wir mit ihr verfahren.

Pancho dachte an Yamagata, als sie den Laser von der Ladefläche des Minischleppers zur gewölbten Metallwand der Kuppel trug. Auf der obersten Ebene der Basis war es ruhiger als auf den tieferen Niveaus. Die Bauarbeiten hier waren fast abgeschlossen — von kleinen Gruppen abgesehen, die auf dem Boden der Kuppel verstreut Malerarbeiten ausführten und Trennwände aufstellten. An allen Luftschleusen waren Wachen postiert und noch mehr an den Spinden, in denen Raumanzüge aufbewahrt wurden.

Sie duckte sich und nutzte den Schlepper als Deckung; in der Hoffnung, dass die Leute, die auf dieser Ebene nach ihr suchten, nichts anderes als eine Zugmaschine sahen, die an einem freien Abschnitt der Wand geparkt war. Bis der Laser Funken aus geschmolzenem Metall sprüht, doch dann ist es zu spät, mich noch aufhalten zu wollen. Hoffe ich zumindest.

Wieso sponsert Yamagata Nairobi, fragte sie sich, während sie das Stromkabel mit dem thermionischen Generator des Schleppers verband. Nobuhiko hat doch gesagt, dass Yamagata sich nicht mehr an Weltraumoperationen beteiligt, weil sie alle Anstrengungen auf die Erde konzentrieren. Ja, sicher. Nobu hat mich belogen. Der Hundesohn benutzt Nairobi, um sich auf dem Mond zu etablieren. Aber wieso?

Erst als sie den Laser einsatzbereit hatte und den Softsuit aus der Reisetasche zog, fand Pancho die Antwort. Yamagata will den Gürtel übernehmen! Sie lassen Astro und Humphries ausbluten und gehen dann über die Leichen und übernehmen die Kontrolle über den Gürtel! Sie helfen uns noch dabei, diesen verdammten sinnlosen Krieg zu führen!

Plötzlich wurde Pancho wütend. Über sich selbst. Ich hätte das sehen müssen, sagte sie sich. Wenn ich auch nur die Hälfte der Intelligenz hätte, die Gott einer Wasserbüffelkuh vermacht hat, wäre ich schon vor Monaten darauf gekommen. Verdammt! Ich bin genauso blind gewesen, wie ich die Leute dort unten gemacht habe.

Okay, sagte sie sich. Du bist also reingelegt worden. Dann pass jetzt wenigstens auf, dass du nicht auch noch draufgehst. Check den Anzug gründlich durch!

Der Softsuit war leicht anzuziehen. Man trat einfach hinein wie in einen Overall, schob die Arme durch die Ärmel und schloss die Vorderseite wie mit einem Klettverschluss. Die Nanomaschinen werden durch die Körperwärme aktiviert, wie sie wusste. Sie schob die Finger in die hauchdünnen Handschuhe und fragte sich erneut, wie die virengroßen Nanos sie vorm Vakuum des Raums zu schützen vermochten, ohne sich zu versteifen, wie es bei normalen Handschuhen und Gewebe-Anzügen der Fall war.

Sie hatte noch nie zuvor einen Nanotech-Helm getragen. Er hing schlaff in ihren behandschuhten Händen wie ein leerer Plastikbeutel. Pancho las die bebilderte Bedienungsanleitung auf dem Palmcomp und blies ihn auf wie einen Luftballon. Er blähte sich zu einem starren Kugelhelm auf. Er fühlte sich zwar etwas schwammig an, doch Pancho setzte sich den Helm auf den Kopf und versiegelte ihn am Kragen des Anzugs, indem sie mit zwei Fingern an der Naht entlangfuhr. Wie man einen Gefrierbeutel versiegelt, sagte sie sich.

Es gab keinen Lebenserhaltungs-Tornister; nur eine kleine grüne Sauerstoffflasche, die für eine Stunde reichte. So stand es jedenfalls in der Bedienungsanleitung.