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Also gut, sagte sie sich. Du hast eine Stunde.

Die Sicherheitsangestellte von Nairobi hatte Schwierigkeiten zu verstehen, was die fast hysterische Japanerin sagte. Sie rieb sich ständig die Augen und schluchzte hemmungslos. Die zwei afrikanischen Wachen, beides Männer, lagen noch immer bewusstlos auf dem Betonboden.

Sie rief ihren Vorgesetzten übers Handy an und meldete den Fund: eine Zugmaschinen-Fahrerin und zwei Wachen — alle drei geblendet und außer Gefecht gesetzt.

»Wo ist der Schlepper?« Das Gesicht des Mannes schaute sie sogar auf dem kleinen Handydisplay unversöhnlich und grimmig an.

»Nicht hier«, antwortete sie.

Der Vorgesetzte lächelte fast. »Gut. Alle Zugmaschinen haben Funkbojen. Fragen Sie die Fahrerin nach der Kennung des Schleppers, und dann können wir sein Funkfeuer verfolgen und die Flüchtige aufspüren.«

»Vorausgesetzt, die Flüchtige ist überhaupt noch im Besitz des Fahrzeugs«, sagte sie spontan.

Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich noch mehr. »Natürlich unter dieser Voraussetzung«, knurrte er.

Es war nicht klug, klüger als der Chef sein zu wollen, wurde sie sich zu spät bewusst.

Pancho zögerte noch, als sie den Schneidkopf des Lasers an die gewölbte Metallwand hielt. Ich schneide ein Loch hinein, und die Luft entweicht blitzschnell. Die Leute hier tragen keine Anzüge. Sie konnten getötet werden.

Dann schüttelte sie den Kopf. Dafür ist die Kuppel zu groß. Wenn die Luft entweicht, schaffen sie Abdichtplatten heran und stopfen das Leck, bis eine Reparatur-Mannschaft eintrifft und es abdichtet. Niemandem wird etwas zustoßen außer dir, sagte sie sich, wenn du nicht endlich mit dem Arsch hochkommst.

Sie betätigte den Schalter des Lasers. Der Infrarot-Strahl selbst war unsichtbar, doch es erschien sofort ein kirschroter glühender Punkt an der Metallwand. Pancho hielt den Laserkopf wie einen altmodischen Bohrhammer in beiden behandschuhten Händen und führte ihn langsam in einem Bogen. Sie spürte nichts im Softsuit, sah aber, dass Staub auf dem Boden aufgewirbelt wurde und in der dünnen, rotglühenden Schneidnaht verschwand. Ich bin durch, sagte sie sich. Nichts als Vakuum da draußen.

Die Wand war dick, und die Arbeit ging nur langsam voran, doch schließlich hatte Pancho ein halbkreisförmiges Loch ausgeschnitten, das groß genug war, dass sie hindurchkriechen konnte. Staub und Metallspäne wurden durch die Öffnung gesogen. Als sie den Laser ausschaltete und durchs Loch schlüpfte, sah sie aber, dass noch eine Wand dahinter war. Verdammt! Ein Meteor-Schild.

Es war eine dünne Wand aus Wabenkernmetall außerhalb der eigentlichen Kuppel, die den Hagel von Mikrometeoriten absorbieren sollte, der unablässig auf die Mondoberfläche prasselte. Grummelnd nahm Pancho den Laser wieder auf und machte sich noch einmal an die Arbeit. Das geht jetzt aber viel schneller, sagte sie sich.

Sie hörte eine Stimme, die aus nächster Nähe etwas auf Japanisch brüllte — aber sie ignorierte es und sägte mit dem Laser hektisch ein Schlupfloch in den Meteor-Schild.

»Sie da!«, schrie eine Männerstimme. »Hören Sie sofort auf damit, oder ich schieße!«

Erzfrachter Cromwell

Trotz der Zuversicht, die er auf dem Kommandantensitz nach außen hin demonstrierte, war der Kapitän auf der Brücke der Cromwell ziemlich nervös, während der Seelenverkäufer von Erzfrachter in der Strahlenwolke auf Vesta zuflog. Verstohlen hielt er ein Auge auf die Konsole, die die Strahlungswerte innerhalb und außerhalb des Schiffes anzeigte. Ein grelles rotes Licht besagte, dass die Außensensoren eine extrem hohe Strahlung registrierten, die einen Menschen in wenigen Minuten getötet hätte. Neben diesem unheilverkündenden roten Glühen auf der Steuerkonsole meldete eine Kette friedlicher grüner Lampen, dass die Strahlungswerte innerhalb des Schiffes im normalen Bereich lagen.

Gut, sagte der Kapitän sich. Bis jetzt. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Er hatte mit dem Spezialwaffenmeister besprochen, wie nah sie an Vesta herankommen mussten, bevor sie die Raketen-Dubletten abschossen, die die Nanomaschinen enthielten. Sie hatten drei mögliche Szenarien entwickelt. Das erste war der ursprüngliche Angriffsplan — die Flugbahn, der sie folgen würden, wenn alles wie geplant lief und sie von Humphries' Leuten nicht entdeckt wurden. Dies war die Flugbahn, der sie nun folgten: sich im Schutz der Strahlenwolke anpirschen, bis sie den vorherbestimmten Austrittspunkt erreichten.

Wenn sie auf dem Flug nach Vesta entdeckt wurden oder wenn das Schiff einen technischen Defekt bekam, wie zum Beispiel das Versagen des Strahlenschutzschirms (eine Möglichkeit, bei der es dem Kapitän kalt den Rücken hinunterlief), würden sie die Raketen früher abschießen und hoffen, dass sie nicht gesehen oder von Vestas Verteidigungssystemen abgefangen würden. Der Skipper und der Waffenmeister hatten für diese Eventualität einen Austrittspunkt festgelegt. Es war nur noch sechs Stunden von ihrer derzeitigen Position entfernt.

Die dritte Option bestand darin, den Angriff überhaupt abzubrechen. Diese Entscheidung lag im ausschließlichen und alleinigen Ermessen des Kapitäns. Nur eine Katastrophe würde den Abbruch des Angriffs rechtfertigen, zum Beispiel eine gravierende Funktionsstörung der Systeme des Schiffes oder eine Konfrontation mit HSS-Schiffen.

Während er blind und taub in der Strahlenwolke kreuzte und die Sensoranzeigen auf der Steuerkonsole beobachtete, sagte der Kapitän sich, dass er von den drei fraglichen Optionen Nummer zwei bevorzugte. Fliegen wir zum frühen Austritts-Punkt, feuern wir die verdammten Raketen auf Vesta ab und verschwinden wir von hier, ehe noch etwas schief geht.

Er stand vom Kommandantenstuhl auf. Alle vier Besatzungsmitglieder drehten sich von ihren Konsolen zu ihm um.

»Ich werde mal 'ne Mütze voll Schlaf nehmen«, murmelte er. »Sie lösen sich der Reihe nach für Ihre Freiwache ab. Ms. Yamaguchi, Sie haben das Kommando. Wecken Sie mich in fünf Stunden.«

»Ja, Sir. Fünf Stunden.«

Der Kapitän duckte sich durch die Luke. Sein Quartier befand sich direkt achtern der Brücke. Fünf Stunden, sagte er sich. Ich werde die Entscheidung nach einem ausgiebigen Nickerchen treffen, wenn mein Kopf wieder frei ist.

Er wusste aber jetzt schon, wie die Entscheidung ausfallen sollte.

Das Hunphries-Anwesen

In seinem Kellerbüro schaute Humphries' Sicherheitschef mit zunehmender Besorgnis auf die Bildschirme an der Wand neben seinem Schreibtisch. Vier Leute halten zwei Dutzend meiner Leute auf. Die blöden Kerle sitzen dort rum wie ein Rudel verängstigter Eichhörnchen. Und nun brennt es auch noch im hinteren Treppenhaus. Humphries wird mir deswegen die Hölle heiß machen.

Zornig hieb er auf die Tastatur auf dem Schreibtisch. »Was, zum Teufel, macht ihr da? Wartet ihr vielleicht noch auf Steaks, um 'ne Grillparty zu veranstalten?«

Er hatte nur eine Tonverbindung mit seiner Truppe im ersten Stock, keine Bildübertragung. »Ich habe hier sechs Verletzte.«

»Und ihr habt noch anderthalb Dutzend Gesunde! Schnappt euch die Einbrecher!«

»Wieso sollten wir bei einem Sturmangriff noch mehr Ausfälle riskieren? Sie haben keine Fluchtmöglichkeit. Wir können sie aushungern.«

»Während das verdammte Haus niederbrennt?«, schrie der Sicherheitschef.

»Dann werden wir sie eben ausräuchern!«

Der Sicherheitschef ließ sich das durch den Kopf gehen. Humphries hat sich in der Suite eingeigelt. Sie kommen nicht an ihn ran. Das Feuer hat den automatischen Alarm ausgelöst. Das Obergeschoss ist durch Brandschutztüren isoliert. Die Fenster sind auch schon mit Blenden versperrt. Okay. Wir überlassen dem Feuer die Arbeit.