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Fuchs lehnte sich mit dem Rücken gegen die schwere Stahl-Luke und plumpste auf den Po. Er war plötzlich erschöpft. Der Garten brannte nun großflächig. Mit lautem Prasseln züngelten die Flammen an den Bäumen empor, sprangen auf die blühenden Büsche über und vernichteten alles, was ihnen in den Weg kam. Graue Rauchwolken stiegen auf und zogen unter der rauen Felsendecke entlang, als ob sie einen Abzug suchten — und sei er noch so klein —, um dem Inferno zu entkommen.

Humphries handelte nun streng logisch. Der Wandschrank im Schlafzimmer hatte die Funktion einer Notfall-Luftschleuse. Es gab dort sogar einen Raumanzug, obwohl Humphries ihn noch nie angezogen hatte. Der Architekt von der Erde, der das Anwesen entworfen hatte, hatte sich darüber mokiert, dass Humphries auf solchen Vorsichtsmaßnahmen bestand; doch das wissende Grinsen in seinem Gesicht verschwand, als Humphries seine Firma aufkaufte, ihn entließ und zur Erde expedierte.

Das Anwesen war dann von jemand anders fertig gestellt worden, und die Notfall-Luftschleuse entsprach den höchsten Sicherheitsstandards.

Im Bewusstsein, dass es dort zwei Sauerstoffflaschen gab, ging Humphries zum Wandschrank.

»Was tun Sie da?«, schrie Ferrer ihn an. »Wir müssen hier raus!«

»Du musst hier raus«, sagte er eisig und erinnerte sich an die Ohrfeige, die sie ihm versetzt hatte. »Ich werde hier bleiben, bis alles vorbei ist.«

Er schob die Tür zum Wandschrank auf. Alles, was Ferrer dort sah, war eine Kleiderstange mit ordentlich aufgehängten Kleidungsstücken.

»Was haben Sie da drin?«, fragte sie von der anderen Seite des Schlafzimmers. Ihre Selbstsicherheit und ihre Attraktivität waren verflogen. Ihr dunkles Haar war ein wirrer Schopf, und der weiße Bademantel war halb offen. Sie wirkte entsetzt, verwirrt und gar nicht mehr verführerisch.

»Genug Sauerstoff für mindestens einen Tag«, sagte er und lächelte sie an.

»Gott sei Dank!«, sagte sie und lief zum Wandschrank.

Humphries drückte auf den Knopf im inneren Türrahmen des Wandschranks, und eine luftdichte Platte schob sich blitzschnell davor. Er sah das fassungslose Entsetzen in ihrem Gesicht, bevor die Platte sich schloss und sie aus seinem Blickfeld aussperrte.

Er hörte, wie sie gegen die Stahlplatte schlug. »Martin! Öffnen Sie die Tür! Lassen Sie mich rein!«

Er ging tiefer in den Wandschrank hinein, damit er ihr Gejammer nicht mehr hören musste. Er schob eine Reihe Hosen beiseite und sah den Raumanzug wie eine mittelalterliche Rüstung an der hinteren Schrankwand stehen.

»Martin! Bitte! Lassen Sie mich rein!«

»Damit du mich wieder schlagen kannst?«, murmelte er. »Geh zum Teufel!«

Der Leiter der Rettungsmannschaft ließ fast sein Funkgerät fallen, als er sah, wer da im Gang auf sie zukam.

»Mr. Stavenger!«

»Hallo … Pete«, sagte Stavenger nach einem schnellen Blick aufs Namensschild des Einsatzleiters. »Wie ist die Lage?«

Stavenger sah, dass ein Trupp aus drei Männern und vier Frauen eine tragbare Luftschleuse montierte und sie vor der Luke aufbaute, die zur Felsenhöhle führte. Der Einsatzleiter erläuterte Stavenger diesen Sachverhalt.

»Wie lang wird das dauern?«, fragte Stavenger.

»Noch zehn Minuten. Vielleicht auch zwölf.«

»Wie viele Personen können Sie auf einmal durchschleusen, wenn Sie fertig sind?«

Der Einsatzleiter schüttelte den Kopf. »Es haben nur jeweils zwei Leute Platz.«

»Da sind mindestens dreißig Leute drin«, sagte Stavenger. »Der Sauerstoff dürfte schnell knapp werden.«

»Eine andere Mannschaft arbeitet an der Wasserleitung. Wenn es uns gelingt, die Sprinkler zu aktivieren, müssten wir das Feuer ziemlich schnell löschen können.«

»Aber die Leute brauchen Atemluft.«

»Ich weiß«, sagte der Einsatzleiter. »Ich weiß.«

Fuchs sah dunkel gekleidete hustende Gestalten den Pfad entlangstolpern. Er rappelte sich wieder auf und griff sich eine der fast leeren Pistolen.

»Bleibt, wo ihr seid!«, schrie er und musste selbst husten.

Der vorderste Mann warf seine Pistole in die Büsche. »Lasst uns raus!«, brüllte er. »Das Feuer …«

Die anderen hinter ihm warfen die Pistolen auch weg. Sie wankten hustend auf Fuchs zu und rieben sich die Augen. Hinter ihnen breiteten die Flammen sich immer schneller zwischen den Blumen und übers Gras aus und krochen einen Baumstamm hinauf. Die belaubte Krone ging in Flammen auf.

»Die Luke ist verriegelt«, sagte Fuchs ihnen. »Wir alle sind hier gefangen.«

Die Wachen glaubten ihm nicht. Ihr Anführer lief zur Luke und tippte sinnlos auf der Tastatur herum.

»Jesus, Maria und Josef«, knurrte er. »Von allen abgehackten …«

»Es ist eine automatische Sperre, nehme ich an«, sagte Fuchs resigniert. »Da können wir nichts machen.«

Die Wache starrte ihn an. »Aber es muss doch … Rettungsmannschaften geben. Irgendetwas …«

In diesem Moment drang eine Stimme durch die schwere Luke: »Hier ist der Rettungsdienst von Selene. Ist irgendjemand da drin? Klopfen Sie an die Luke.«

Fuchs hätte vor plötzlicher Freude und Hoffnung fast einen Luftsprung gemacht. Er hämmerte mit dem Pistolenknauf gegen die Stahlluke.

»Okay. Wir bauen eine Luftschleuse auf. Sobald sie fertig ist, werden wir Sie rausholen. Wie viele sind Sie?«

Fuchs zählte schnell durch und klopfte dann elfmal an die Luke. Vielleicht überstehen wir das hier, sagte er sich. Vielleicht kommen wir hier doch noch lebend raus.

Flugpläne

Pancho wusste, dass sie schnell reagieren musste, aber die Lähmung durch die Erschöpfung und Strahlenkrankheit gab ihr ein Gefühl, als ob sie in schwere nasse Decken gewickelt wäre.

Brennstoff-Bingo, sagte sie sich. Ich habe noch genug Saft für eine automatische Landung. Aber nicht mehr genug, um den Stützpunkt zu erreichen. Soll ich die Automatik per Überrangbefehl deaktivieren und sehen, wie weit ich mit dem Vogel noch komme? Versuch's nur. Dann wirst du nicht landen, sondern über dem Landeplatz abstürzen — falls du überhaupt so weit kommst. Soll ich in den Gleitflug gehen und den Vogel landen, wo er gerade runterkommt? Dann wirst du irgendwo in der Pampa landen. Nein, du wirst nicht landen, sondern an den Felsen zerschellen.

»Wir haben Sie auf dem Schirm, Ms. Lane, und wir bekommen auch ein Satellitenbild«, sagte die Stimme des Malapert-Controllers. »Ich befürchte aber, dass Sie es nicht bis zum Stützpunkt schaffen werden. Wir schicken eine Such- und Rettungsmannschaft los. Wenn Sie einen halbwegs ebenen Platz finden, rücken wir aus und holen Sie ab.«

»Verstanden. Such- und Rettungseinsatz«, sagte Pancho mit schmerzlich trockenem Hals. »Ich werde so nah wie möglich an der Basis runtergehen.«

Wenn ich mich lang genug auf den Beinen zu halten vermag, fügte sie stumm hinzu.

»Malapert?«, rief sie. Ihre Stimme war nur noch wenig mehr als ein Krächzen.

»Malapert hier, Ms. Lane.«

»Sie sollten besser ein paar Sanitäter bei der Such- und Rettungsmannschaft mitschicken. Ich habe eine ordentliche Strahlungsdosis abbekommen.«

Für einen Sekundenbruchteil zögerte die Gegenstelle. Dann: »Verstanden, Ms. Lane.«

Okay, sagte Pancho sich. Nun musst du nur noch lang genug wach bleiben, um den Vogel runterzubringen, ohne dir dabei den Hals zu brechen.

Sie hätte lächeln mögen. Wenn ich nicht so verdammt müde wäre, würde das richtig Spaß machen.

Ungefähr eine halbe Milliarde Kilometer entfernt beschloss Dorik Harbin, die Brücke der Samirkand zu verlassen und das Schiff persönlich zu inspizieren. Sie wurden nun völlig vom Strahlensturm eingehüllt, und obwohl alle Schiffs-Systeme ordnungsgemäß funktionierten, wusste Harbin, dass es der Besatzung Unbehagen verursachte, blind und taub in einer riesigen Wolke aus energiereichen Partikeln zu fliegen, die einen ungeschützten Menschen in kürzester Zeit umbringen konnte.