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Die Monitore auf den Bedienflächen waren alle im grünen Bereich, wie er sah — außer ein paar unwichtigen Maschinen, die gewartet werden mussten. Ich werde die Mannschaft damit beschäftigen, sagte Harbin sich und stand vom Kommandantensitz auf. Es ist besser für die Moral, wenn die Leute etwas zu tun haben und nicht nur darauf warten, dass die Strahlungswerte wieder in den normalen Bereich zurückkehren.

Er übertrug dem Piloten das Kommando und ging zur Luke. Für einen Moment hielt er inne und warf einen Blick auf die Strahlenschirm-Anzeigen. Alles im grünen Bereich. Gut.

An Bord der Cromwell wachte der Kapitän ein paar Minuten auf, bevor der Erste Offizier sich per Interkom meldete. Er wuchtete sich aus der Koje, wusch sich das Gesicht und zog einen frischen Overall an. Kämmen war freilich unnötig; das Haar war auf eine Länge von einem Zentimeter gestutzt.

Er ging auf die Brücke und sah, dass alle Schiffs-Systeme funktionierten. Und sie flogen noch immer in der Wolke aus ionisierten Partikeln. Die Strahlenintensität hatte sich allerdings verringert, wie er feststellte. Die Wolke dünnte mit zunehmender Entfernung von der Sonne aus.

»Sind wir noch immer gegen Radar abgeschirmt?«, fragte er den Nachrichtentechniker.

»Theoretisch, Sir«, erwiderte der Mann mit einem Nicken.

»Ich bin an Theorien nicht interessiert, Mister«, blaffte der Kapitän. »Können die Radaranlagen auf Vesta uns nun ausmachen oder nicht?«

Der Techniker blinzelte. »Nein, Sir«, sagte er dann. »Es sei denn, sie würden die Ausgangsleistung auf das Zwei oder Dreifache des normalen Betriebswerts erhöhen, Sir.«

Es sei denn, grummelte der Kapitän stumm.

»Sie geben Laut, wenn wir aufgefasst werden«, wies er den Funktechniker an.

»Ja, Sir.«

»Zeit für eine ›Skull Session‹«, wandte der Kapitän sich an den Waffenmeister. »In meinem Quartier.«

Der Waffenmeister war eigentlich ein Physiker von der Nanotechnologie-Abteilung der Astro Corporation und so hochgewachsen, dass er sich beim Durchgang durch die Luken ständig den Kopf stieß. Er wirkte so jung wie ein Teenager, jedoch ohne die obligatorische mürrische und teilnahmslose Teenager-Attitüde. Stattdessen war er offen, fröhlich und engagiert.

Und doch machte er nun einen finsteren Eindruck, als er sich so tief bückte, um nicht mit dem strohblonden Kopf gegen die Kante zu schlagen.

»Wir werden in ein paar Minuten am entscheidenden Punkt sein«, sagte der Kapitän, setzte sich auf die Koje und bedeutete dem jüngeren Mann, auf dem einzigen Stuhl in der Kabine Platz zu nehmen.

»Achtzehn Minuten«, sagte der Physiker, »und abnehmend.«

»Gibt es einen Grund, weshalb wir die Raketen nicht abfeuern sollten?«

Die hellblonden Brauen des Physikers hoben sich fragend. »Der … Plan sieht vor …«

»Ich weiß, was der Plan vorsieht«, unterbrach der Kapitän ihn ungeduldig. »Meine Frage lautet, ob die Raketen zum Abschuss bereit sind?«

»Ja, Sir, das sind sie. Ich habe sie erst vor einer Stunde überprüft.«

Der Kapitän schaute in die hellblauen Augen des Jungen. Ich könnte die Raketen abfeuern und endlich von hier verschwinden, sagte er sich.

»Aber wenn wir bis zum Endpunkt warten, ist die Chance viel größer, dass sie nach Vesta durchkommen, ohne entdeckt oder abgefangen zu werden«, sagte der junge Mann.

»Ich verstehe.«

»Es gibt in meinen Augen keinen Grund, sie vorzeitig abzufeuern.«

Der Kapitän entgegnete nichts. Der Junge ist ein typischer Wissenschaftler, sagte er sich. Solange alle Anzeigen auf den Konsolen im grünen Bereich sind, glaubt er, dass alles in Butter ist. Andererseits, wenn ich die Raketen verfrüht abfeuere und etwas geht schief, wird er seinen Vorgesetzten sagen, dass es mein Fehler war.

»Also gut«, sagte er schließlich. »Ich möchte, dass Sie zwischenzeitliche Abschusspunkte berechnen …«

»Zwischenzeitliche …?«

»Geben Sie mir noch drei Punkte auf der Route nach Vesta, wo ich die Raketen abschießen kann.«

»Drei Punkte vor dem definierten Abschusspunkt?«

»Stimmt.«

Der Junge musste grinsen. »Das ist ein Kinderspiel. Ich werde das gleich hier erledigen.« Sprach's und zog seinen Palmcomp aus der Brusttasche des Overalls.

Selene: Ebene Sieben

Es wird wärmer hier drin, sagte sich Humphries. Nein, das ist nur Einbildung, korrigierte er sich. Dieser Raum hat eine Brandschutz-Isolierung. Er schob ein paar Anzüge beiseite, die ordentlich im Wandschrank hingen, und legte die Hand auf die nächste der drei grünen Sauerstoffflaschen, die an der Rückwand aufgereiht waren. Ich habe alles, was ich brauche. Sie können mich nicht ausräuchern.

Langsam ging er an den Anzügen, Hosen, Jacken und Hemden vorbei, die alle akkurat geordnet waren, alle bündig an den Kleiderbügeln hingen und nur darauf warteten, dass er sich für einen von ihnen entschied. Er streifte sie mit der Schulter und war versucht, ihnen über die Ärmel zu streichen — ja sogar sie beruhigend an der Wange zu reiben. Wie ein Baby mit seiner Kuscheldecke, sagte er sich. Tröstlich.

Stattdessen ging er zur Tür, die noch immer mit der Cermet-Platte gesichert war. Zögernd berührte er sie mit den Fingerspitzen. Sie war nicht heiß. Nicht einmal sonderlich warm. Vielleicht ist das Feuer schon aus, sagte er sich. Und Ferrer hämmert auch nicht mehr gegen die Tür. Sie hat es aufgegeben. Ich frage mich, ob sie aus dem Haus entkommen ist? Sie ist zäh und klug; ob sie das Feuer überlebt hat? Er verspürte plötzlich Besorgnis. Wenn sie es überlebt, wird sie jedem erzählen, dass ich in Panik geraten bin! Sie wird überall herumerzählen, dass ich mich im Bunker verkrochen und sie draußen dem Tod überantwortet habe!

Humphries ballte die Fäuste so fest, dass die Fingernägel schmerzlich in die Handflächen schnitten. Nein, die kleine Schlampe wird mir damit drohen, alles auszuplaudern und dieses Damoklesschwert für den Rest ihres Lebens über mir schweben lassen. Ich werde sie loswerden müssen. Für immer.

Ich gehe zum Schein auf ihre Forderungen ein und lasse sie dann von Harbin oder sonst einem erledigen.

Nachdem er diesen Entschluss gefasst hatte, durchschritt Humphries den Kleiderschrank noch einmal auf ganzer Länge und fragte sich, woher er wissen sollte, wann er sich wieder aus dem luftdichten Schutzraum herauswagen durfte.

Wenigstens breitet sich das Feuer nicht mehr so schnell aus, sagte sich Fuchs. Er lag flach auf dem Ziegelpfad vor der Luftschleuse. Die Felsenhöhle war ein Inferno aus Flammen und Rauch, der mit jeder Sekunde dichter zu werden schien. Die Hitze verbrannte ihm schier das Gesicht. Nodon hatte wieder das Bewusstsein verloren; Amarjagal und Sanja lagen reglos neben ihm im Gras und starrten auf das langsam sich nähernde Feuer. Die schwarz gekleideten Wachen lagen überall verstreut und husteten. Die Pistolen hatten sie weggeworfen und ihre Verpflichtungen gegenüber Humphries vergessen.

»Wie lang …?«, fragte eine der weiblichen Wachen und brach in ein würgendes Husten aus.

Wie eine Antwort auf die nicht beendete Frage dröhnte die Stimme auf der anderen Seite der Luke: »Wir haben die Luftschleuse aufgestellt. In einer halben Minute öffnen wir die Luke. Wir können zwei Personen gleichzeitig aufnehmen. Die ersten beiden sollen sich fertig machen.«

Fuchs rieb sich die brennenden Augen und sagte: »Amarjagal und Nodon.«

Die Frau schlang sich Nodons unverletzten Arm um die breiten Schultern und kam mit Sanjas Hilfe auf die Füße. Ein paar Sicherheitsleute rührten sich, und Fuchs griff nach der Laserpistole, die neben ihm auf dem Boden lag.

»Wir werden alle rauskommen«, sagte er streng. »Zwei auf einmal.«