Выбрать главу

Sie lächelte fast. »Ich sagte mir nur, das würde Sie vielleicht interessieren.«

»Danke, Pancho.«

»Jederzeit, Martin.« Der Bildschirm wurde dunkel.

Humphries ging zu dem kleinen Tisch am Ende der Couch, nahm die darauf stehende Lampe und schleuderte sie gegen den Wandbildschirm. Die Lampe prallte ab und fiel mit einem dumpfen Schlag auf den Teppich.

»Verdammtes Biest! Sie hat ihm bei der Flucht geholfen. Nun fliegt er in den Gürtel zurück, um sich bei seinen Felsenratten-Kumpels zu verstecken.«

»Wir könnten ihn abfangen«, sagte Grigor.

Humphries schaute seinen Sicherheitschef finster an. »Er wird lautlos fliegen. Sie würden das ganze Gebiet zwischen hier und dem Gürtel absuchen müssen. Es gibt nicht genug Schiffe …«

»Er wird irgendwo Vorräte bunkern müssen«, sagte Grigor. »Das Habitat Chrysallis bei Ceres ist der einzige Platz dafür.«

»Die werden ihn nicht reinlassen«, sagte Humphries mit grimmiger Miene. »Sie haben ihn vor Jahren verbannt.«

»Vielleicht«, entgegnete Grigor mit einem knappen Nicken. »Aber er wird sich mit einem Versorgungsschiff in diesem Gebiet in Verbindung setzen.«

»Oder eins kapern, der verdammte Pirat.«

»Wie auch immer, Chrysallis ist der Schlüssel zu seinem Überleben. Wenn wir das Habitat bei Ceres kontrollieren, werden wir ihn früher oder später erwischen.«

Humphries musterte seinen Sicherheitschef für eine Weile schweigend. »Ganz recht«, sagte er dann. »Sagen Sie unseren Leuten auf Vesta, sie sollen eine Einsatzgruppe nach Ceres schicken und die Kontrolle über Chrysallis übernehmen.«

Ein unglücklicher Ausdruck schlich sich in Grigors verdrießliches Gesicht. »Wir haben den Kontakt mit Vesta verloren«, sagte er, wobei er die Worte in einem Schwall ausstieß.

»Was?«

»Ich bin sicher, dass das nur vorübergehend ist.«

»Kontakt verloren?« Humphries' Stimme hob sich um eine Oktave.

»Es könnte der Sonnensturm sein«, sagte Grigor fast zu sich selbst, »obwohl die Wolke schor wieder aus dem Gürtel abgezogen ist.«

»Der Kontakt zum Stützpunkt ist abgebrochen?«, schrie Humphries. »Abgebrochen?«

»Seit mehr als zwölf Stunden«, gestand Grigor fast im Flüsterton.

Humphries wollte schreien. Und er tat es auch — so laut und hysterisch, dass Tatiana Oparin nun doch ins Wohnzimmer eilte. Als sie ihn nicht zu beruhigen vermochte, rief sie die medizinische Abteilung von HSS an und verständigte Humphries' Leibarzt.

Flaggschiff Samarkand

Harbin hasste diese Einweg-Nachrichten. Ich muss hier wie ein gehorsamer Hund sitzen, während mein Herrchen mit mir spricht, grämte er sich. Aber es gab keinen anderen Weg. Grigor war in Selene und Harbin in seiner privaten Kabine an Bord der Samarkand — so tief im Gürtel, dass das Licht mehr als eine Stunde brauchte, um die Entfernung zwischen ihnen zu bewältigen.

Grigors Gesicht auf dem Bildschirm wirkte noch mürrischer als sonst. Er ist besorgt, sagte Harbin sich. Geradezu verängstigt.

»… hat Humphries' Anwesen hier in Selene völlig zerstört und vier Wachen getötet«, sagte der Sicherheitschef, wobei er die Worte nervös hervorstieß. »Sie haben auch Humphries' persönliche Assistentin getötet, diese Ferrer. Der Angriff wurde von Lars Fuchs angeführt.«

Fuchs hat Humphries auf seinem eigenen Boden angegriffen, staunte Harbin. Er hegte eine gewisse Bewunderung für solche Kühnheit. Triff den Feind so hart wie möglich. Ziele auf sein Herz.

»Astro hat Fuchs anscheinend zur Flucht verholfen«, nölte Grigor weiter. »Höchstwahrscheinlich ist er auf dem Rückweg zum Gürtel. Er muss Freunde in Ceres haben, Verbündete, die ihn mit Vorräten versorgen und noch mehr Leute zur Verfügung stellen. Ihr Befehl lautet, Fuchs aufzuspüren und ihn zu töten. Alles andere ist sekundär. Bringen Sie Mr. Humphries den Kopf von Fuchs. Mit weniger wird er sich nicht zufrieden geben.«

Harbin nickte. Das ist nicht das erste Mal, dass Humphries Fuchs' Leben gefordert hat, rief er sich in Erinnerung. Aber das ist nun das letzte Mal. Endgültig. Fuchs hat Humphries Angst gemacht. Bisher hat Humphries diesen Krieg vom trauten Heim aus geführt. Doch nun hat Fuchs ihn bedroht und in Angst und Schrecken versetzt. Nun wird er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die Bedrohung zu eliminieren, die Fuchs verkörpert. Nun ist es Zeit für Fuchs zu sterben.

»Noch etwas«, fügte Grigor mit unstetem Blick hinzu. »Die Basis auf Vesta ist verstummt. Wir wissen nicht, wieso. Ich habe eins unserer Kampfschiffe zum Asteroiden geschickt, um nachzusehen. Sie halten sich aber von Vesta fern. Nehmen Sie direkt Kurs auf Ceres und das Habitat Chrysallis. Schnappen Sie sich Fuchs. Ich kümmere mich um Vesta.«

Das verdrossene Gesicht des Sicherheitschefs verschwand von Harbins Bildschirm. Er war wieder allein in der Kabine.

Er will sich um Vesta kümmern, ärgerte Harbin sich. Und was ist mit meinen Vorräten? Wo soll ich Treibstoff und Proviant für meine Mannschaft hernehmen? Wie soll ich es mit den paar Tropfen im Tank die ganze Strecke bis nach Ceres schaffen? Zumal ich das Schiff auch der Panzerung beraubt habe. Was, wenn ich auf ein Astro-Kampfschiff stoße? Das Arschloch kann leicht Befehle geben, wenn ich sie ausführen muss.

Doug Stavenger machte die lange Zeitverzögerung zwischen Selene und dem Gürtel auch zu schaffen. Edith näherte sich in der Elsinore Ceres. Sie würde das Habitat Chrysallis in weniger als vierundzwanzig Stunden erreichen.

»… Fazit ist«, sagte er zu ihr, »wärst du hier geblieben, dann wäre dir eine große Story förmlich vor die Füße gefallen. Humphries lässt keine Berichterstatter in sein Haus — nicht einmal in den Garten oder das, was davon noch übrig ist. Nach dem, was die Sicherheitsinspektoren mir aber erzählen, ist das Haus ein ausgeglühtes Skelett, und der große schöne Garten ist völlig verwüstet.«

Er hielt inne, lehnte sich im Sessel zurück und versuchte die Gedanken zu strukturieren. Es war schwer, mit einem dunklen Monitor zu sprechen. Als ob man ein Selbstgespräch führte.

»Edie, dieser Krieg ist nun weit genug gegangen. Ich muss ihn irgendwie beenden. Die Kämpfe haben schon auf Selene übergegriffen, und das kann ich nicht zulassen. Wenn das Feuer von Humphries' Garten sich weiter ausgebreitet hätte, dann hätte es hier viele Todesopfer gefordert. Vielleicht wäre sogar die gesamte Bevölkerung umgekommen. Ich kann nicht zulassen, dass diese Leute eine solche Bedrohung für uns darstellen. Ich muss sie stoppen.«

Ja, sagte Stavenger sich. Du musst sie stoppen. Es wird Zeit, die Reservebank zu verlassen und aufs Spielfeld zu gehen. Aber was soll ich tun? Wie soll man zwei der größten Konzerne im Sonnensystem daran hindern, Selene in ein Schlachtfeld zu verwandeln?

Ich muss einen Weg finden, wurde er sich bewusst. Sonst werden sie alles zerstören.

Als seine Nachricht die Elsinore erreichte, sah Edith Elgin die tiefen Sorgenfalten im Gesicht ihres Mannes.

Doch in ihrem Kopf rief eine Stimme: Fuchs kommt her! Das muss er. Er hat Freunde unter den Felsenratten. Auf die eine oder andere Art wird es ihm gelingen, sich nach Ceres zu schleichen — zumindest um aufzutanken und Proviant und Vorräte an Bord zu nehmen. Und ich werde da sein und ihn interviewen!

Vor lauter Aufregung sprang sie auf, verließ ihre Kabine und lief den schmalen Gang zur Brücke hinauf. Ich muss herausfinden, wann genau wir an Chrysallis andocken, sagte sie sich. Und schauen, ob der Kapitän noch irgendwelche anderen Schiffe zu orten vermag, die zum Habitat unterwegs sind. Fuchs' Schiff wird auf dem Radar auftauchen, nachdem die Strahlenwolke abgezogen ist.