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Bringt’s ihnen schonend bei, ja? Fragt, ob sie eventuell ihre Kleider oder ihre Handtasche wiedererkennen würden. Mollie soll hingehen, falls sie Dienst hat. Sie macht es den Leuten immer etwas erträglicher; wischt den ersten Schmerz auf. Ja, schickt Mollie hin. Sagt ihr, sie soll noch einen Wachtmeister mitnehmen, wenn sie will.«

Er lauschte noch einige Augenblicke, dann legte er auf.

«Das arme Mädel ist schon seit sechs Monaten oder länger tot«, sagte er zu Dee-Dee.»Alles, was von ihr übrig ist, sind saubere, weiße Knochen.«

Dee-Dee sah so aus, als wäre diese Vorstellung schon ekelhaft genug, aber ich mußte einsehen, daß Doones rauhbeinige Menschlichkeit doch auch tröstete. Er war wie ein Chirurg mit Wurstfingern, fiel mir ein: entgegen aller Wahrscheinlichkeit feinfühlig in seinem Handwerk.

Er fragte Dee-Dee, ob sie wüßte, aus welchen Gründen Angela Brickell hätte verschwinden können. War das Mädchen unglücklich gewesen? Hatte es einen Streit mit dem Freund gehabt?

«Ich habe keine Ahnung. Erst als sie schon weg war, stellte sich heraus, daß sie Chickweed die Schokolade gegeben haben mußte. Das war dumm von ihr!«

Doone sah verloren aus. Ich erklärte ihm die Sache mit dem Theobromin.»Steht alles in den Zeitungsartikeln«, fügte ich hinzu.

«Wir haben bei dem Mädel einige Schokopapierchen gefunden, aber keine Schokolade«, sagte er.»Ist etwa das damit gemeint, wenn in unseren Aufzeichnungen steht: >hat möglicherweise ein Pferd gedopt, das in ihrer Obhut war<?«

«Treffer!«sagte ich.

«Schokolade!«Er verzog angewidert das Gesicht.»Dafür lohnt es sich nicht zu sterben.«

Jetzt ging mir ein Licht auf.»Haben Sie nach einer großen Verschwörung gefahndet? Nach einem Rauschgiftring?«

«Man muß mit allem rechnen.«

Dee-Dee sagte aus vollster Überzeugung:»Angela Brik-kell hatte nichts mit einem Rauschgiftring zu tun. Sie wissen ja nicht, was Sie da sagen.«

Doone ließ die Sache auf sich beruhen und sagte, er wolle jetzt mit den restlichen Stallangestellten reden; Dee-Dee solle inzwischen niemandem sonst von den Neuigkeiten berichten, das würde er gerne selbst tun. Außerdem wolle er nicht, daß jemand vorzeitig mit dieser Tragödie ins Haus der Eltern hineinplatzte.

«Aber Fiona darf ich es doch wohl erzählen«, protestierte sie.

«Wer ist Fiona?«Doone runzelte die Stirn, als versuche er sich zu erinnern.

«Fiona Goodhaven, ihr gehört Chickweed.«

«Ach ja. Nein, ihr auch nicht. Ihr schon gar nicht. Ich habe es lieber, wenn ich die spontanen Reaktionen der Leute mitkriege, als mir anzuhören, was sie davon halten, nachdem sie stundenlang mit all ihren Freunden darüber diskutiert haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die ersten Gedanken klarer und wertvoller sind.«

Er hatte sie eher überzeugt als angewiesen, mit dem Resultat, daß Dee-Dee ihm versprach, vorerst die Buschtrommeln ruhen zu lassen. Sie fragte nicht, wie das Mädchen gestorben war. Sollte sie bemerkt haben, daß Doones Äußerungen am ehesten auf ein Mordszenario hinwiesen, so ließ sie sich nichts anmerken. Vielleicht wollte sie solche Dinge einfach nicht wissen.

Doone verlangte, zu den Stallungen geführt zu werden. Unterwegs ersuchte ich ihn darum, falls er Mackie, Tremaynes Schwiegertochter und Assistentin, traf, daran zu denken, daß sie schwanger war.

Er warf mir einen stechenden Blick zu.

«Sie sind ein rücksichtsvoller Mensch«, sagte ich sanft.»Ich dachte mir, daß Sie den Schock vielleicht etwas abschwächen möchten.«

Das schien ihn etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen, doch er machte keine Versprechungen. Als wir dann bei den Stallungen ankamen, stellte sich heraus, daß Mackie schon nach Hause gegangen war und Bob Watson allein emsig wie ein Biber mit Hammer, Säge und Nägeln an einem neuen Sattelbock für den Zeugraum herumbastelte. Wir fanden ihn vor der Tür zum Zeugraum; er war nicht besonders davon begeistert, bei der Arbeit gestört zu werden.

Ich stellte die beiden einander vor. Doone sagte ihm, daß man menschliche Überreste gefunden habe, von denen angenommen wurde, daß sie die von Angela Brickell waren.

«Nein!«sagte Bob.»Im Ernst? Armes kleines Luder. Wie ist das passiert? Ist sie in einen Steinbruch gefallen?«Er betrachtete abwesend ein Stück Holz, als hätte er zeitweilig vergessen, zu was es gut war.

«Wie kommen Sie darauf, Sir?«fragte Doone hellwach.

«Nur so eine Redewendung. «Bob zuckte die Achseln.»Ich dachte immer, sie hat einfach die Fliege gemacht. Der Boss war überzeugt davon, daß sie Chickweed mit Schokolade gefüttert hat, aber ich glaub’s nicht. Mensch, wir wissen doch alle, daß so was nicht erlaubt ist. Wer hat sie denn gefunden? Wo war sie überhaupt?«

«Man hat sie zufällig gefunden«, sagte Doone erneut.»Hatte sie Kummer wegen einem Freund?«

«Nicht daß ich wüßte. Aber hier gibt es zwanzig Burschen und Mädchen, ein ständiges Kommen und Gehen. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht sehr gut an sie erinnern, außer daß sie sexy war. Fragen Sie Mrs. Goodhaven, die war immer nett zu ihr. Fragen Sie die anderen Mädchen, ein paar haben mit ihr zusammen in der Gemeinschaftsunterkunft gewohnt. Warum haben Sie nach einem Freund gefragt? Sie ist doch nicht etwa irgendwo runtergesprungen? Oder doch?«

Doone antwortete weder mit Ja noch mit Nein. Ich verstand jetzt, was er damit meinte, daß er sich lieber die unverfälschten ersten Gedankengänge anhörte, die ersten Bilder und Vorstellungen, die den Leuten in den Sinn kamen, wenn sie befragt wurden.

Er unterhielt sich noch eine Weile mit Bob, erfuhr aber, soweit ich das erkennen konnte, nichts Besonderes.

«Sie sollten mit Mackie reden«, sagte Bob am Schluß.»Das ist die junge Mrs. Vickers. Die Mädchen erzählen ihr Sachen, die sie mir nie erzählen würden.«

Doone nickte, und ich führte ihn und den allgegenwärtigen Rich um das Haus herum zu Mackies und Perkins Eingang und klingelte an der Haustür. Perkin selbst, in einen khakifarbenen Overall gekleidet, öffnete uns. Er sah darin wie ein richtiger Handwerker aus und verströmte einen faszinierenden Geruch von Holz und Leinöl.

«Hallo«, sagte er, erstaunt über meinen Anblick.»Mac-kie ist unter der Dusche.«

Diesmal übernahm es Doone selbst, sich formell vorzustellen.

«Ich bin hier, um Mrs. Vickers davon zu unterrichten, daß Angela Brickell gefunden wurde«, sagte er.

«Wer?«fragte Perkin unbeeindruckt.»Ich wußte nicht, daß jemand vermißt wird. Ich kenne keine Angela… Angela, wie hieß sie noch?«

Doone erklärte ihm geduldig, daß sie schon seit sieben Monaten oder länger vermißt wurde, Angela Brickell..»Gott im Himmel, wirklich? Und wer ist das?«Langsam dämmerte es ihm.»Ist das etwa das Stallmädel, das im letzten Jahr durchgebrannt ist? Ich erinnere mich, daß es da Unruhe gegeben hatte.«

«Genau die.«

«Na schön, meine Frau wird sich freuen, daß sie wieder da ist. Ich werde es ihr ausrichten.«

Er machte Anstalten, die Tür wieder zu schließen, doch Doone sagte, er wolle Mrs. Vickers persönlich sprechen.

«Oh? Von mir aus. Dann warten Sie doch besser hier drin. John? Kommen Sie auch mit?«

«Danke«, sagte ich.

Er brachte uns in eine Wohnküche, die ich noch nicht kannte, und bot uns Rattansessel an, die um einen Tisch standen, der aus einer runden Glasplatte auf drei gotischen Säulen aus Gips gefertigt war. Die Vorhänge und die Sesselbezüge waren hell türkis, mit großen grauen, schwarzen und weißen Blumen bedruckt, auch sonst war die Kücheneinrichtung in grauweiß gestreiften Oberflächen gehalten; absolut modern.

Perkin bemerkte meine Überraschung und sagte ironisch:

«Mackie hat das alles in einer Revolte gegen den guten Geschmack ausgesucht.«

«Es wirkt fröhlich«, sagte ich.»Beschwingt.«