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Nur vier der sechs Mädchen waren zur gleichen Zeit wie Angela auf dem Hof beschäftigt gewesen, sagten sie. Sie hatte ganz bestimmt kein einziges Pferd gedopt; sie hielten die Idee für ausgesprochen amüsant. Dazu sei sie nicht schlau genug gewesen, sagte eins der Mädchen wenig schmeichelhaft. Keine war mit Angela enger befreundet gewesen. Sie war launisch und geheimniskrämerisch, da waren sich alle einig, aber sie wußten nichts von einem bestimmten festen Freund. Sie vermuteten, daß Sam sie wahrscheinlich gehabt hatte, aber darauf sollte man nicht viel geben. Welcher Sam? Sam Yaeger, der Jockey des Stalles, der nicht nur die Pferde ritt.

Ein paar Mädchen kicherten. Doone, Vater dreier Töchter, interpretierte das Gekicher richtig und schaute betroffen drein.

«Hatten Angela und Sam Streit?«

«Mit Sam Yaeger streitet man sich nicht«, bekannte die hellste von ihnen.»Man geht mit ihm ins Bett. Oder ins Heu.«

Noch mehr Gekicher.

Sie waren alle Teenager, dachte ich. Unbedarft, hoffnungsfroh, aufgeklärt.

Das helle Mädchen sagte:»Aber niemand nimmt Sam ernst. Das ist alles nur Spaß. Er macht sich einen Spaß draus. Wenn man nicht will, sagt man einfach nein. Die meisten von uns sagen nein. Er würde nie eine dazu zwingen.«

Die anderen schüttelten sich bei dem bloßen Gedanken daran.

«Es ist wirklich total zwanglos mit ihm.«

Ich fragte mich, ob Doone dachte, daß es mit Angela möglicherweise nicht ganz so zwanglos vonstatten gegangen war.

Das helle Mädchen, sie hieß Tansy, erkundigte sich, wann man das arme Luder gefunden habe.

«Wann?«Doone mußte kurz überlegen.»Sie wurde am vergangenen Sonntagmorgen gefunden. Ihr müßt euch vor Augen führen, daß derjenige, der sie entdeckt hat, sich nicht sonderlich damit beeilt hat, er konnte ja sehen, daß sie da schon sehr lange friedlich lag, aber dann rief er uns doch an, und die Nachricht erreichte mich am späten Sonntagnachmittag, als ich gerade beim Mittagsschläfchen war, nach dem leckeren Yorkshire Pudding meiner Frau — ein göttliches Essen — , und so bin ich am Montag los, um mir das Mädel anzusehen, und wir haben versucht herauszukriegen, wer sie war, denn wie ihr euch denken könnt, haben wir eine lange Liste mit vermißten Personen. Gestern haben wir dann ihre Handtasche gefunden, da war dieses Foto drin, und deshalb bin ich heute morgen hierher gekommen, um herauszufinden, ob es sich um das vermißte Stallmädchen handelt, das auf unserer Liste steht. Man könnte also sagen, daß wir sie eigentlich erst heute morgen gefunden haben.«

Seine Stimme hatte sie soweit eingelullt, daß sie ihn wohlwollend akzeptierten und sich bereitwillig das Foto betrachteten, das er herumgehen ließ.

«Das ist Chickweed«, sagten sie und nickten.

«Seid ihr sicher, daß man ein Pferd vom anderen unterscheiden kann?«

«Na klar«, sagten sie,»wenn man jeden Tag mit ihnen zu tun hat.«

«Und der Mann?«

«Mr. Goodhaven.«

Doone bedankte sich bei ihnen und steckte das Foto wieder weg. Rich machte sich gemächlich Notizen, keines der Mädchen nahm ihn zur Kenntnis.

Doone wollte wissen, ob Angela Brickell zufällig einen Hund besessen habe. Die erstaunten Mädchen verneinten das. Wie er darauf komme? Man habe nicht weit von ihr entfernt ein Hundehalsband gefunden und einen zerkauten Ball. Keine von ihnen besitze einen Hund, sagte Tansy.

Doone stand auf und ermahnte sie, ihn sofort zu benachrichtigen, wenn ihnen irgend etwas auffiel.

«Was denn?«fragten sie.

«Seht mal«, sagte er freundlich,»wir wissen jetzt, daß sie tot ist. Wir möchten aber auch wissen, wie und warum sie gestorben ist. Das ist besser. Wenn man euch eines Tages finden würde, dann wolltet ihr bestimmt auch, daß die Leute erfahren, was da passiert ist, oder nicht?«

Doch, nickten sie, das wollten sie ganz bestimmt.

«Wo ist sie denn gewesen?«erkundigte sich Tansy.

Doone war knapp davor, ihr übers Haar zu streichen, aber er hielt sich gerade noch zurück. Das hätte wohl seine väterliche Vorarbeit zunichte gemacht. Sie mochten zwar bereitwillig sein, doch waren diese kleinen Emanzen zu klug, um sich bevormunden zu lassen.

«Wir müssen zuerst noch einige Tests durchführen, Miss«, sagte er düster.»Doch wir hoffen, daß wir bald eine definitive Aussage machen können.«

Das nahmen sie ohne Widerspruch hin. Wir verabschiedeten uns und fuhren durch das Dorf zurück bis vor einen Bungalow in der Nähe von Bob Watsons Haus, wo die unverheirateten Stallburschen untergebracht waren.

Der Aufenthaltsraum in der Männerunterkunft unterschied sich kraß von dem der Mädchen; keine Pflanzen, keine Kissen, übersät mit Zeitungen, leeren Bierdosen, Pornoheftchen, schmutzigen Tellern und lehmverkrusteten Stiefeln. Nur der Fernseher und der Videorecorder sahen in beiden Häusern gleich aus.

Die jungen Männer wußten bereits, daß man Angela Brickell tot aufgefunden hatte; einer von ihnen hatte mit Bob Watson gesprochen. Keiner schien sich großartig darum zu kümmern (genau wie die Mädchen), und auch sie hatten keine Informationen und nur kaum eine Meinung zu Angela Brickell.

«Sie konnte gut reiten«, sagte einer von ihnen achselzuckend.

«Sie war ’ne ziemlich heiße Biene«, sagte ein anderer.

Sie identifizierten Chickweed sofort, und einer von ihnen fragte, ob er das Foto haben könne, wenn die Polizei es nicht mehr brauchte.

«Warum?«fragte Doone.

«Weil ich mich jetzt um den alten Scheißer kümmere, darum. Hätte ganz gerne ein Bildchen von ihm.«

«Laß dir lieber ein neues machen«, riet ihm Doone.»Nach dem Gesetz gehört das hier den Eltern des Mädchens.«

«Und nun?«fragte er mich, nachdem wir wieder gegangen waren.»Was denken Sie?«

«Es ist Ihre Aufgabe zu denken«, protestierte ich.

Er lächelte frostig.»Da liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wenn Ihnen etwas einfällt, sagen Sie es mir. Ich höre mir alles an, was die Leute mir zu sagen haben. Ich bin nicht stolz. Ich finde nichts dabei, wenn mir die Leute die Antworten ins Haus bringen. Sorgen Sie dafür, daß das alle wissen, wären Sie so nett?«

«Jawohl«, sagte ich.

An diesem Nachmittag fing das Telefon in Shellerton an zu läuten und löste einen Tumult aus, der mehrere Tage anhielt. So verschwiegen Doone auch gewesen war, die Neuigkeiten hatten sich im Ort bereits wie ein Lauffeuer verbreitet, daß schon wieder ein junges Mädchen aus dem Umfeld von Tremayne Vickers’ Haus und Hof tot aufgefunden worden war. Die rasch alarmierten Zeitungen verlangten rigoros zu wissen, wo, wann und warum. Dee-Dee wiederholte ein ums andere Mal, daß sie es nicht wüßte, bis sie beinahe in Tränen ausbrach. Ich löste sie eine Weile ab und versprühte eine Menge Höflichkeit und guten Willen, jedoch keine Fakten, die mir, zumindest zu diesem Zeitpunkt, ebensowenig zur Verfügung standen.

Fast den gesamten Freitag über arbeitete ich an dem Buch und machte Telefondienst; Doone bekam ich nicht zu Gesicht, doch am Samstag erfuhr ich, daß er den vorangegangenen Tag damit zugebracht hatte, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Tremayne hatte mich gefragt, ob ich nicht lieber mit Fiona, Harry und Mackie nach Sandown fahren wolle, was er für erquicklicher halte. Er selbst müsse in Chepstow fünf Pferde auf die Bahn bringen und zwischendurch mit zwei Gruppen anstrengender Eigentümer verhandeln.»Um ehrlich zu sein, Sie würden mir nur im Weg stehen. Gehen Sie mit Mackie und helfen Sie ihr beim Tragen.«