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«Könnte aber.«

«Sie war römisch-katholisch, sagt Ingrid.«

«Was hat das damit zu tun?«

«Die sind gegen die Abtreibung.«

Er glotzte ein Loch in die Luft.

Ich sagte:»Harry hat Ärger. Haben Sie schon davon gehört?«

«Nein, was für Ärger?«

Ich erzählte ihm von Doones Anschuldigungen; davon, wie Chickweed den Sieg errungen hatte und von Lewis’ mehr oder weniger deutlichem Geständnis, einen Meineid geleistet zu haben. Tremayne mixte sich einen der Lage entsprechenden Gin Tonic von gargantuesken Ausmaßen und teilte mir mit, daß er seinerseits einen miesen Tag in Chepstow hinter sich hatte.

«Eins meiner Pferde ist zusammengebrochen, ein anderes ist kopfüber hinter der letzten Hürde gelandet, mit dem Sieg bereits in der Tasche. Sam hat sich den Daumen ausgerenkt, ist angeschwollen wie ein Ballon; es geht ihm zwar soweit gut, aber realistisch gesehen ist er nicht vor Dienstag einsatzfähig, was wiederum heißt, ich muß mir den Hals nach einem Ersatz für Montag ausrenken. Und dann hatte eine Gruppe von Besitzern nichts anderes zu tun, als die ganze Zeit über zu meckern und zu jammern, bis ich ihnen am liebsten die Köpfe zusammengedonnert hätte, dabei muß ich immer hübsch nett zu ihnen sein, doch manchmal könnte ich glatt die Wände hochgehen, wenn ich mal ehrlich sein darf.«

Er wuchtete seinen schweren Körper in einen Lehnsessel, streckte die Beine aus und versenkte den Blick in die Schuhspitzen; er dachte nach.

Nach einer Weile fragte er:»Setzen Sie Doone über diesen Schwangerschaftstest in Kenntnis?«»Ich denke schon. Es lastet auf Ingrids Gewissen. Wenn ich nicht weiterleite, was sie mir gesagt hat, dann wird sie sich ein anderes Sprachrohr suchen.«

Er seufzte.»Das wird Harry nicht viel nützen.«

«Aber auch nicht schaden.«

«Es ist ein Motiv. Geschworene lieben Motive.«

«Harry wird nicht vor Gericht gestellt«, grunzte ich.

«Nolan ist es passiert. Mit einem guten Motiv wäre er hinter Gittern gelandet, das können Sie nicht abstreiten.«

«Dieser Schwangerschaftstest wird keine Rolle spielen«, sagte ich.»Ingrid hat die leere Schachtel weggeworfen, es gibt keinen Beweis, daß sie je existierte. Niemand weiß, ob oder wann Angela den Test benutzt hat, wir wissen nichts über das eventuelle Ergebnis und erst recht nicht, mit wem sie geschlafen hat.«

«Sie hätten Anwalt werden sollen.«

Mackie und Perkin kamen auf den üblichen Drink und den Austausch von Neuigkeiten vorbei, doch sogar Chickweeds Sieg vermochte die düstere Stimmung nicht zu vertreiben.

«Angela schwanger?«Mackie schüttelte unwirsch den Kopf.

«Sie hat nie etwas davon erwähnt.«

«Zu gegebener Zeit hätte sie es vielleicht getan«, gab Tremayne zu bedenken.»Wenn der Test positiv ausgefallen wäre.«

«So was Leichtsinniges«, sagte Perkin.»Dieses dumme Mädchen macht uns nichts als Scherereien. Mackie regt sich unnötig auf, gerade jetzt, wo sie sich entspannen und glücklich fühlen sollte. Das gefällt mir nicht.«

Mackie streckte eine Hand aus und drückte dankbar Perkins Hand, die unterschwellige Freude kam wieder nach oben, so hartnäckig wie die Schwangerschaft selbst. Vielleicht hatte, so spekulierte ich, Angela Brickell sich sehr darüber gefreut, daß sie den Test durchführen mußte; wer weiß?

Gareth platzte herein, den Kopf voller Pläne für eine Expedition, die ich glatt vergessen hatte — was er untrüglich von meinem Gesicht ablesen konnte.

«Aber Sie sagten doch, Sie würden uns alles mögliche beibringen, und wir würden ein Feuer machen. «Die Enttäuschung ließ seine Stimme in die höheren Regionen kippen.

«Ähm… frag deinen Vater«, sagte ich.

Tremayne hörte sich Gareth’ Bitte um ein Stückchen Land, wo man ein Feuer machen könne, an, blickte zu mir herüber und zog die Augenbrauen hoch.

«Wollen Sie sich wirklich damit belasten?«

«Eigentlich habe ich es selbst vorgeschlagen, in einem unbesonnenen Augenblick.«

Gareth nickte lebhaft.»Coconut kommt um zehn Uhr vorbei.«

Mackie sagte:»Fiona hat uns für morgen früh eingeladen, um einen auf Chickweed zu trinken und Harry etwas aufzumuntern.«

«Aber John hat es versprochen«, sagte Gareth bekümmert.

Mackie lächelte ihm nachsichtig zu.»Ich werde John entschuldigen.«

Der Sonntagmorgen kroch grau in grau mit einem beinahe eisigen Nieselregen über das Land, ausreichend, um die Lebensgeister aller Möchtegernabenteurer auf die Probe zu stellen. Tremayne, der um halb zehn in der Küche noch das Licht anhatte und seinen Kaffee trank, schlug vor, die ganze Geschichte abzublasen; sein Sohn werde absolut nichts davon haben. Sie gingen dann beide auf meinen Kompromißvorschlag ein, beim ersten Niesen sofort den Rückzug anzutreten. Da kam auch schon Coconut mit leuchtend gelbem Ölzeug auf seinem Fahrrad an und schenkte uns ein Grinsen, das seinesgleichen suchte.

Es war nicht schwer zu erkennen, wie er zu seinem Namen gekommen war. Er stand tropfend in der Küche, streifte sich einen Südwester vom Kopf und enthüllte einen drahtigen Schopf hellbrauner Haare, die ihm eigenwillig vom Kopf abstanden. (Sie blieben einfach nicht richtig liegen, erklärte mir Gareth später.)

Coconut war knapp fünfzehn Jahre alt. Unterhalb des Haarwirbels saßen helle, intelligente Augen, eine große Nase und ein weicher Mund mit noch kindlichen Lippen, gerade so, als befände sich sein Gesicht noch nicht im Einklang mit seinem sich ausformenden Charakter. Noch ein Jahr oder zwei, dachte ich mir, dann verfestigt sich die Schale und bildet einen richtigen Mann.

«Da oben hinter dem Obstgarten ist ein Stückchen Brachland«, sagte Tremayne.»Dort könnt ihr hingehen.«

«Aber Dad…«:, wollte Gareth protestieren.

«Hört sich doch gut an«, sagte ich entschlossen.»Überlebende haben keine Wahl.«

Tremayne sah mich und dann Gareth nachdenklich an und nickte, wie um einen heimlichen Gedanken zu bekräftigen.

«Aber Februar ist ein schlechter Monat«, sagte ich,»und ich vermute, es ist besser, wenn wir keine Fasane stehlen, deshalb müssen wir ein bißchen tricksen und etwas Speck mitnehmen. Vergeßt eure Handschuhe und eure Taschenmesser nicht. Wir brechen in zehn Minuten auf.«

Die Jungs rannten los, um für Gareth ein Paar wasserdichte Stiefel zu holen, und Tremayne fragte mich, was genau ich mit ihnen vorhätte.

«Einen Unterschlupf bauen«, sagte ich.»Ein Feuer anzünden, ein bißchen Essen sammeln und es kochen. Das reicht fürs erste, denke ich. Wenn man bei Null anfängt, dauert alles ewig.«

«Zeigen Sie ihnen, wie gut sie es haben.«

«Hm.«

Er begleitete uns zur Tür, um die unerschrockene Expedition zu verabschieden. Wir stiefelten so gut wie ohne Ausrüstung los, abgesehen von dem Überlebenspaket (plus Speck), das ich um die Hüfte trug und die Taschenmesser der Jungs. Der kalte Regen nieselte unaufhörlich, doch niemand schien sich darum zu kümmern. Ich winkte Tremayne kurz zum Abschied und ließ mich von Gareth führen: durch ein Tor in einer Mauer, quer durch einen Streifen schon lange nicht mehr bewirtschafteten Garten, durch ein weiteres Tor hindurch und eine sanfte Steigung unter gut fünfzig kahlen Apfelbäumen hinauf, bis wir auf einem kleinen, verwilderten Plateau angekommen waren, das auf einer Seite von einem eingefallenen Steinmäuer-chen und auf den anderen drei Seiten von einer mit wenigen Bäumen durchsetzten, zerzausten Weißdornhecke eingefaßt war. Auf der anderen Seite dieser verwahrlosten Grenze lagen weite, fruchtbare Morgen Ackerland, in dessen ordentlich gepflügter Scholle die Wintersaat ruhte, der angrenzende Besitz eines Bauern.