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Dort angekommen, brachte er sie zur Tür und fragte, ob er mitkommen solle, doch Michèle bat ihn, nach Hause zu fahren: Es ginge ihr so viel im Kopf herum.

»Sei mir nicht böse«, bat sie und küsste ihn flüchtig zum Abschied. Dann war sie im Flur verschwunden, die Tür glitt zu, und Robin kehrte wie vor den Kopf gestoßen zum CityCar zurück.

Vor der Konferenz

Mir blieb wenig Zeit, um mich auf meine Aufgabe vorzubereiten. Ich merkte, dass sie in meinem Denken ständig an Bedeutung gewonnen hatte und es nun völlig ausfüllte. Nichts war wichtiger, als den Auftrag perfekt und unbeirrt zu erfüllen. Dazu war ich hier.

Allerdings war in der Person von Ellen etwas Irritierendes dazugekommen, das sich in meine Gedanken drängte und gar nicht zu dem passte, was ich hier zu erledigen hatte. Ich müsste mich eigentlich dagegen wehren: Es durfte mich nicht daran hindern, alles zu tun, was die Pflicht verlangte. Das Eigenartige daran war, dass ich nur sehr ungenau umreißen konnte, was das war. Abwarten, Beobachten und, wenn nötig, Handeln – das war eigentlich alles, was feststand, und es war wenig genug.

Mein Erfolg würde sicher nicht zum geringsten Teil davon abhängen, dass ich die Augen offen hielt und über den Stand der Dinge immer auf dem Laufenden blieb. Im Hotel hatte ich mich schon umgesehen – Ellen hatte mich mit einem Plan und anderen nützlichen Unterlagen versorgt. So hatte ich nicht nur eine Übersicht über die Lage der Zimmer, sondern ich wusste auch die Namen der Diplomaten, die sie bezogen hatten. Darüber hinaus interessierte ich mich für die anderen Teile des Hotelbetriebs, die öffentlich zugänglichen Säle, die kleineren Besprechungszimmer, die Räume für Unterhaltung, Sport und Gesundheit, aber natürlich waren auch jene Teile des Hotels wichtig, die dem Personal vorbehalten waren: die Küche und die Vorratsräume, die Büros und die im Keller untergebrachten technischen Einrichtungen. Schon am Vormittag nahm ich mir die Zeit, alle diese Plätze anzuschauen.

Natürlich interessierten mich auch die außerhalb des Hotelbaus liegenden Bereiche der Bohrinsel – am Nachmittag wollte ich mich dort umsehen.

Zunächst kam es vor allem darauf an, die Abhörgeräte und die mikrominiaturisierte Kamera im Besprechungsraum anzubringen. Ich hatte damit etwas gezögert, weil ich damit rechnen musste, dass man den Saal vor dem Beginn der Konferenz noch einmal auf Wanzen untersuchen würde. Und diese Vorsicht erwies sich als berechtigt. Kurz vor der mittäglichen Essenszeit, als sich die Delegierten auf den Weg in den Speisesaal machten, beobachtete ich drei Männer in blauen Overalls mit Eimern, Besen und einem Staubsauger, als sie das Auditorium betraten. Sie kamen mir gleich verdächtig vor, und ich eilte in die etwas erhöht liegende Vorführkabine, die man von außen betreten konnte und von der aus man eine gute Übersicht über den großen Saal hatte.

So konnte ich beobachten, wie sie aus dem Eimer verschiedene Geräte herausholten, die eigentlich nicht zum Putzen geeignet waren; ich erkannte ein Peilgerät, eine optoelektronische Lupe und einen Kopfhörer. Und auch der Staubsauger war bloß eine Tarnung für ein Werkzeug ganz anderer Art: Sie klappten den Deckel hoch, und da kam eine Anzeigetafel mit Bildschirmen und Messskalen zum Vorschein. Mit dieser Ausstattung bewegten sie sich durch die Sitzreihen und begannen, mit ihren Sensoren die Polsterung abzutasten.

Ich hatte genug gesehen. Zwar glaube ich nicht, dass sie bei dieser Durchsuchung meine winzigen Mikrophone und Kameras ausfindig gemacht hätten, aber ich war froh, dass ich sie noch nicht montiert hatte. Jetzt aber wollte ich keine Zeit mehr versäumen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, meine Geräte in der Nacht zu installieren, aber das erschien mir nun doch zu riskant. Würde mich jemand vom Sicherheitsdienst zu so ungewöhnlicher Zeit im Vortragssaal erwischen, dann fiele es mir schwer, eine plausible Erklärung dafür zu finden. Dann war es schon besser, mich unter einem Vorwand tagsüber dort zu betätigen.

Zur Tarnung meiner Umtriebe im Hotel hatte mir Ellen ein mit Namen und Bild versehenes Ansteckkärtchen gegeben, das mich als Mitarbeiter des Hotels auswies, und dazu noch einen Universalschlüssel, um den ich sie gebeten hatte. Das Personal war darüber informiert, dass ich im Hotelbetrieb die Aufgabe eines Direktionsassistenten übernommen hatte, und so könnte ich im Falle eines Falles angeben, dass ich den Auftrag hätte, mich vom ordnungsgemäßen Zustand des Konferenzsaals zu überzeugen.

Mit dieser Tarnung konnte ich es wagen. Es gab genügend Stellen, an denen ich meine körnchengroßen Mikrophone und die fadenförmigen Molekularspeicher unterbringen konnte – ich klebte sie ohne viel Umstände unter die Tischplatten und die Sitzlehnen. Als Versteck für eine etwas größere Kamera mit ihrer stecknadelkopfgroßen Fish-Eye-Linse wählte ich ein wertvoll anmutendes Bild an einer der Seitenwände. Ich versenkte das zylinderförmige Wunderwerk der Nanotechnik in ein dünnes Loch, das ich in den kunstvoll geschnitzten Rahmen gebohrt hatte. Schließlich versteckte ich noch ein Relais, das die aufgenommenen Impulse in kürzeste Blöcke zusammengefasst und verstärkt zu mir weiterleiten sollte. Das Ganze dauerte nicht länger als zehn Minuten, und ich blieb dabei völlig ungestört.

Es war noch Zeit genug, um in der Kantine für die Angestellten das Mittagessen nachzuholen.

Den Nachmittag über hatte ich nicht viel zu tun. Einmal gab es im Konferenzsaal eine Mikrophonprobe, die ich benutzte, um mich von der Brauchbarkeit meiner Installation zu überzeugen. Die Kamera lieferte perfekte Bilder, und auch der Kopfhörer funktionierte einwandfrei – die Stimmen waren gut zu verstehen. Wenn ich mich in meinem Zimmer befand, konnte ich es mir auch noch recht bequem machen: Ich setzte dazu das ComSet ein, das zur Raumausstattung gehörte. Damit ließen sich auch die Bilder aus der Kamera ohne Zeitverzug betrachten. Für diesen Zweck hatte man für mich eine passende Schaltung mit Decoder, Adapter und Verstärker vorbereitet. Außerdem sollte natürlich jede empfangene Information in Molekularspeichern festgehalten werden.

Jetzt, da ich mit meinen Vorbereitungen fertig war, wäre es mir am liebsten gewesen, nicht länger warten zu müssen, sondern endlich aktiv zu werden. Ich konnte meine Ungeduld nur schwer bezähmen. Doch nach dem, was ich gehört hatte, war der Beginn der Sitzungen ein weiteres Mal verschoben worden – man wollte den Diplomaten Gelegenheit für inoffizielle Vorgespräche geben. Ich wunderte mich ein wenig darüber – denn die Zeit, die für die entscheidenden Sitzungen blieb, wurde immer knapper.

Um mir die Zeit zu vertreiben, schaltete ich WWNews, den Fernsehkanal der WU, ein, der normalerweise brandheiße Nachrichten sendete. Doch was ich da zum Thema der Tagung zu sehen bekam, war alles mindestens drei Tage alt. Noch immer Aufnahmen von der Anreise der Delegierten: wie sie in die Flugzeuge stiegen, die sie zu einem Zwischenaufenthalt nach Spitzbergen bringen würden, wie sie dort ankamen und wie sie schließlich gemeinsam in die Gondel eines Spezialtransporters stiegen, einer überdimensionalen Schwebescheibe. Das letzte Bild war dann ein imposanter Schwenk über die Bohrinsel mit dem fahnengeschmückten Globe-Hotel.

*

Für den Abend hatte ich einen letzten Erkundungsgang vorgesehen: hinaus auf das brachliegende Gelände der Bohrinsel. Wenn für die Zeit der Konferenz etwas Illegales geplant war, dann schien mir diese Örtlichkeit ein idealer Platz für heimliche Verschwörer, um ihre Aktivitäten vorzubereiten. Es war sicher vernünftig, sich auch dort etwas umzusehen.

Wie ich gehört hatte, waren seit einigen Wochen alle Verbindungen zum äußeren Bereich der Bohrinsel geschlossen, aber Ellen zeigte mir eine Feuerschutztür, die sich in Notfällen öffnen ließ. Dazu dienten altmodische Eisenschlüssel, die man sich aus einem daneben angebrachten Kästchen holen konnte, wenn man die aus Glas bestehende Frontseite einschlug.