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»Nun?« fragte der Kopf. »Alles, wie es sich gehört?«

»Wie es sich gehört.«

»Wieviel?«

Der Dicke winkte ärgerlich mit der Hand und wies auf mein Zimmer.

»Ach so, gut!« entgegnete der Kopf und verschwand.

Der Dicke ging zum Tisch, setzte sich, schlug ein Buch auf, holte ein Rechenbrett hervor und begann die Beinkugeln hin und her zu werfen; er machte es nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit dem Mittelfinger: So ist es vornehmer.

Der Diensthabende trat ein.

»Was willst du?«

»Sidor ist aus Golopljoki gekommen.«

»Ah! Nun, ruf ihn her. Wart, wart… Geh erst hin und schau nach, ob der fremde Herr noch schläft oder schon aufgewacht ist.«

Der Diensthabende trat leise in mein Zimmer. Ich legte den Kopf auf die Jagdtasche, die mir ein Kissen ersetzte, und schloß die Augen.

»Er schläft«, flüsterte der Diensthabende, ins Kontor zurückkehrend.

Der Dicke brummte etwas zwischen den Zähnen.

»Nun, ruf Sidor her«, sagte er endlich.

Ich hob wieder den Kopf. Ein Bauer von Riesenwuchs, an die dreißig Jahre alt, kräftig, rotbackig, mit dunkelblondem Haar und kurzem, lockigem Vollbart, trat ins Kontor. Er verrichtete ein kurzes Gebet vor dem Heiligenbild, verneigte sich vor dem ersten Buchhalter, nahm seinen Hut in beide Hände und richtete sich auf.

»Guten Tag, Sidor«, sagte der Dicke, auf dem Rechenbrett klappernd.

»Guten Tag, Nikolai Jeremejitsch.«

»Nun, wie ist der Weg?«

»Gut, Nikolai Jeremejitsch. Ein wenig schmutzig.« Der Bauer sprach langsam und leise.

»Ist deine Frau gesund?«

»Was soll ihr fehlen!«

Der Bauer seufzte und streckte einen Fuß vor. Nikolai Jeremejitsch legte sich die Feder hinters Ohr und schneuzte sich.

»Nun, wozu bist du hergekommen?« fuhr er fort, das karierte Taschentuch wieder in die Tasche steckend.

»Sie wissen, Nikolai Jeremejitsch, man verlangt von uns Zimmerleute.«

»Habt ihr vielleicht keine?«

»Warum sollen wir keine haben, Nikolai Jeremejitsch? Es ist doch eine Waldgegend. Es gibt aber jetzt viel Arbeit, Nikolai Jeremejitsch.«

»Viel Arbeit! Das ist es eben, ihr arbeitet gerne für fremde Menschen, für eure Gutsherrin wollt ihr aber nicht arbeiten … Es ist doch alles eins!«

»Die Arbeit ist wohl die gleiche, Nikolai Jeremejitsch… aber…«

»Was denn?«

»Die Bezahlung ist etwas … ich meine …«

»Was euch nicht einfällt! Verwöhnt seid ihr, das ist es!«

»Auch muß ich noch das sagen, Nikolai Jeremejitsch, es ist nur für eine Woche Arbeit da, aber man wird uns einen Monat hierbehalten. Bald langt das Material nicht, bald schickt man uns in den Garten, um die Wege zu putzen.«

»Was dir nicht alles einfällt! Die Gnädige hat selbst zu befehlen geruht, also haben wir miteinander nichts zu reden.«

Sidor verstummte und begann von einem Fuß auf den andern zu treten.

Nikolai Jeremejitsch neigte den Kopf auf die Seite und begann mit besonderem Eifer mit den Beinkugeln zu klappern.

»Unsere … Bauern … Nikolai Jeremejitsch …«, begann endlich Sidor, bei jedem Wort stockend, »ließen Euer Gnaden… hier ist es …« Er steckte seine Riesenhand in den Busen seines Mantels und begann ein zusammengewickeltes Handtuch mit rotem Muster hervorzuholen.

»Was fällt dir ein, was fällt dir ein, Dummkopf, bist wohl verrückt?« unterbrach ihn der Dicke eilig. »Geh, geh zu mir ins Haus«, fuhr er fort, indem er den erstaunten Bauern beinahe hinauswarf, »frage dort nach meiner Frau … sie wird dir Tee geben; ich komm' auch gleich hin, geh. Man sagt dir doch, geh.«

Sidor ging hinaus.

»So ein… Bär!« murmelte der erste Buchhalter, während jener hinausging. Dann schüttelte er den Kopf und machte sich wieder ans Rechenbrett.

Plötzlich ertönten auf der Straße und der Treppe Schreie. »Kuprja! Kuprja! Mit Kuprja ist nicht zu spaßen!« und bald darauf trat ins Kontor ein kleingewachsener Mann von schwindsüchtigem Aussehen, mit einer ungewöhnlich langen Nase, großen, unbeweglichen Augen und einer außerordentlich stolzen Haltung. Bekleidet war er mit einem alten, zerrissenen, adelaidenfarbenen oder, wie man bei uns sagt, odelloidenfarbenen Rock mit Plüschkragen und winzigen Knöpfchen. Auf dem Buckel trug er eine Tracht Brennholz. Um ihn herum drängten sich an die fünf Leibeigene, und alle schrien: »Kuprja! Kuprja! Mit Kuprja ist nicht zu spaßen! Man hat Kuprja zum Heizer ernannt, zum Heizer!« Aber der Mann mit dem Plüschkragen schenkte dem Geschrei seiner Genossen nicht die geringste Beachtung und verzog keine Miene. Mit abgemessenen Schritten ging er auf den Ofen zu, lud seine Tracht ab, richtete sich auf, holte aus der rückwärtigen Tasche eine Tabaksdose hervor, riß die Augen weit auf und begann, sich den mit Asche vermengten Steinkleetabak in die Nase zu stopfen.

Beim Erscheinen der lärmenden Gesellschaft runzelte der Dicke erst die Brauen und erhob sich von seinem Platz; als er aber sah, was los war, lächelte er und befahl nur den Leuten, nicht so zu schreien, im Nebenzimmer schlafe ein Jäger. »Was für ein Jäger?« fragten zwei Männer gleichzeitig.

»Ein Gutsbesitzer.«

»Aha«

»Sollen sie nur lärmen«, begann, die Arme spreizend, der Mann mit dem Plüschkragen. »Was geht es mich an! Wenn sie mich nur nicht anrühren. Man hat mich zum Heizer ernannt …«

»Zum Heizer! Zum Heizer!« fielen die andern freudig ein.

»Die Gnädige hat es befohlen«, fuhr er fort, die Achseln zuckend. »Wartet nur … euch wird man noch zu Schweinehirten ernennen. Daß ich aber ein Schneider bin, ein guter Schneider, daß ich bei den ersten Meistern in Moskau in der Lehre war und für Generale genäht habe, das kann mir niemand nehmen. Was tut ihr so tapfer …? Ihr seid Müßiggänger und Taugenichtse und sonst nichts. Wenn man mich freiläßt, verhungere ich nicht und gehe nicht zugrunde; wenn man mir nur einen Paß gibt, werde ich einen guten Zins zahlen und die Herrschaften zufriedenstellen. Was seid aber ihr? Ihr werdet zugrunde gehen, zugrunde gehen wie die Fliegen, das ist alles!«

»Das war aber gelogen«, unterbrach ihn ein pockennarbiger, hellblonder Bursche mit roter Halsbinde und durchgewetzten Ellenbogen. »Du hast schon einen Paß gehabt, aber die Herrschaften haben von dir keine Kopeke Zins zu sehen bekommen, und hast auch für dich selbst nichts verdient; hast dich mit Mühe heimgeschleppt; seit damals trägst du immer noch den gleichen Rock.« »Was soll man machen; Konstantin Narkisytsch!« entgegnete Kuprian. »Wenn ein Mensch sich einmal verliebt hat, so ist er verloren. Mach erst durch, was ich durchgemacht habe, Konstantin Narkisytsch, und dann verurteile mich.«

»In wen hast du dich aber verliebt! In ein Scheusal!«

»Nein, das sollst du nicht sagen, Konstantin Narkisytsch.«

»Wem erzählst du das? Ich habe sie doch gesehen; im vergangenen Jahr habe ich sie in Moskau mit eigenen Augen gesehen.«

»Im vergangenen Jahr hat sie wirklich etwas von ihrer Schönheit verloren«, bemerkte Kuprian.

»Nein, meine Herren, was sollen wir darüber reden!« begann in einem rechtlichen und nachlässigen Ton ein hagerer, großgewachsener Mann mit einem Gesicht voller Pickel, mit gekräuseltem und öltriefendem Haar, wahrscheinlich ein Kammerdiener. »Kuprian Afanaßjitsch soll uns lieber sein Liedchen singen. Nun, fangen Sie an, Kuprian Afanaßjitsch!«

»Ja, ja!« riefen die anderen. »Bravo, Alexandra! Schön hat sie den Kuprja hereingelegt … das muß man schon sagen … Sing, Kuprja …! Bravo, Alexandra!« (Die Leibeigenen gebrauchen oft der Zärtlichkeit wegen, wenn sie von einem Mann sprechen, weibliche Endungen.) »Sing!«