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»Ja, des Waldhüters«, flüsterte sie.

Die Tür knarrte, und der Waldhüter trat mit gebücktem Kopf über die Schwelle. Er hob die Laterne vom Boden auf, trat an den Tisch und zündete den Docht an.

»Sie sind wohl nicht an einen Kienspan gewöhnt?« sagte er und schüttelte seine Locken.

Ich sah ihn an. Selten hatte ich einen so stattlichen Kerl gesehen. Er war großgewachsen, breitschultrig und herrlich gebaut. Unter dem feuchten Hemd wölbten sich seine mächtigen Muskeln. Der schwarze, lockige Vollbart verdeckte bis zur Hälfte sein ernstes, männliches Gesicht; unter den zusammengewachsenen Brauen blickten mutig kleine braune Augen. Er stemmte die Arme leicht in die Hüften und blieb vor mir stehen.

Ich dankte ihm und fragte ihn nach seinem Namen.

»Ich heiße Foma«, antwortete er, »und mit dem Zunamen Birjuk.«

»Ah, du bist Birjuk?«

Ich sah ihn mit doppelter Neugier an. Von meinem Jermolai und auch von andern hatte ich verschiedenes über den Waldhüter Birjuk gehört, den die Bauern in der Umgegend wie das Feuer fürchteten. Nach ihren Worten hat es in der ganzen Welt noch keinen solchen Meister in seinem Fach gegeben. »Der läßt keine Tracht Reisig fortschleppen; zu jeder Zeit, selbst um Mitternacht erwischt er einen, und man kann sich gegen ihn gar nicht wehren: Er ist stark und flink wie der Teufel… Man kann ihn auch mit nichts bestechen, weder mit Schnaps noch mit Geld, er läßt sich durch nichts verlocken. Die guten Leute haben ihn schon mehr als einmal aus der Welt schaffen wollen, aber er läßt sich nicht fangen.«

So urteilten die Bauern der Umgegend über Birjuk.

»Du bist also Birjuk«, wiederholte ich, »ich habe schon von dir gehört, Bruder. Man sagt, du gibst keinem Menschen Pardon, den du erwischst.«

»Ich tue nur meine Pflicht«, antwortete er düster; »ich will nicht das herrschaftliche Brot umsonst essen.«

Er holte aus seinem Gürtel ein Beil, hockte sich auf den Boden nieder und fing an, einen Kienspan zu spalten.

»Hast du keine Frau?« fragte ich ihn.

»Nein«, antwortete er und holte mit dem Beil aus.

»Sie ist wohl gestorben?«

»Nein … ja … gestorben«, fügte er hinzu und wandte sich weg.

Ich verstummte: Er hob die Augen und sah mich an.

»Sie ist mit einem Kleinbürger, der des Weges kam, durchgebrannt«, sagte er mit einem grausamen Lächeln.

Das Mädchen schlug die Augen nieder; das Kind erwachte und fing zu schreien an; das Mädchen trat zur Wiege.

»Hier, gib es ihm«, sagte, Birjuk und drückte dem Mädchen einen schmutzigen Lutschbeute! in die Hand. »Auch den hat sie verlassen«, fuhr er halblaut fort, auf das Kind weisend. Dann trat er an die Tür, blieb stehen und wandte sieh zu mir um.

»Herr«, begann er, »Sie werden wohl unser Brot nicht essen wollen, aber außer Brot habe ich nichts …«

»Ich habe keinen Hunger.«

»Nun, wie Sie wollen. Einen Samowar würde ich Ihnen bereiten, aber ich habe keinen Tee … Ich will mal hingehen und nach Ihrem Pferd schauen.«

Er ging hinaus und schlug die Tür zu. Ich sah mich wieder um. Die Stube erschien mir noch trauriger als früher. Der bittere Geruch von kaltem Rauch benahm mir den Atem. Das Mädchen rührte sich nicht von der Stelle und hob auch die Augen nicht; ab und zu stieß es die Wiege und zog scheu das herabgleitende Hemd wieder auf die Schultern; ihre bloßen Beine hingen unbeweglich herab.

»Wie heißt du?« fragte ich.

»Ulita«, antwortete sie und senkte ihr trauriges Gesichtchen noch tiefer herab.

Der Waldhüter kam zurück und setzte sich auf die Bank.

»Das Gewitter verzieht sich«, sagte er nach einem kurzen Schweigen; »wenn Sie wollen, führe ich Sie aus dem Wald hinaus.«

Ich erhob mich. Birjuk nahm sein Gewehr und untersuchte die Pfanne.

»Warum das?« fragte ich ihn.

»Im Wald sind Diebe… Bei der Stuten-Höhe fällen sie einen Baum«, fügte er als Antwort auf meinen fragenden Blick hinzu.

»Hört man es denn von hier?«

»Vom Hof hört man es.«

Wir gingen zusammen hinaus. Der Regen hatte aufgehört. In der Ferne drängten sich noch schwere Wolken und zuckten lange Blitze; aber über unseren Köpfen war schon hier und da der dunkelblaue Himmel zu sehen, und die Sterne flimmerten durch die dünnen, schnell vorbeiziehenden Wolken. Die Umrisse der vom Regen besprengten und vom Wind durchschüttelten Bäume traten aus dem Dunkel hervor. Wir fingen an zu horchen. Der Waldhüter zog seine Mütze vom Kopf und senkte das Gesicht. »Schau, schau …«, versetzte er plötzlich, die Hand ausstreckend, »was er sich für eine Nacht gewählt hat.« Ich hörte nichts als das Rauschen der Blätter. Birjuk führte mein Pferd unter dem Schutzdach hinaus. »So werde ich ihn vielleicht verpassen«, sagte er laut.

»Ich geh' mit dir mit. … willst du?«

»Gut«, antwortete er und zog das Pferd zurück, »wir werden ihn im Nu erwischen, dann will ich Sie begleiten, kommen Sie.«

Wir gingen, Birjuk voran und ich hinter ihm. Gott allein weiß, wie er den Weg fand, aber er blieb nur selten stehen, und auch das nur, um auf die Schläge der Axt zu horchen. »Da schau«, murmelte er zwischen den Zähnen. »Hören Sie es?« – »Wo denn?«

Birjuk zuckte die Achseln. Wir stiegen in die Schlucht hinab, hier wurde es für einen Augenblick windstill, und ich hörte deutlich die gleichmäßigen Schläge. Birjuk sah mich an und schüttelte den Kopf. Wir gingen über nasses Farnkraut und Brennesseln weiter. Es ertönte ein dumpfes, anhaltendes Dröhnen …

»Nun hat er ihn umgeworfen …«, murmelte Birjuk.

Der Himmel wurde indessen immer reiner; im Wald dämmerte es leicht. Endlich kamen wir aus der Schlucht heraus.

»Warten Sie hier«, flüsterte mir der Waldhüter zu. Dann bückte er sich, hob sein Gewehr in die Höhe und verschwand im Wald. Ich fing an, gespannt zu horchen. Durch das anhaltende Rauschen des Windes glaubte ich in der Nähe schwache Töne zu hören: das vorsichtige Schlagen einer Axt auf die Äste, das Knarren von Rädern und das Schnauben eines Pferdes … »Wohin? Halt!« erdröhnte plötzlich die eiserne Stimme Birjuks. Eine andere Stimme schrie jämmerlich wie ein Hase. Es begann ein Kampf. – »Nein! Nein!« wiederholte Birjuk keuchend, »du entwischst mir nicht…« Ich eilte auf das Geschrei hin und erreichte, bei jedem Schritt stolpernd, den Kampfplatz. Auf dem Boden neben dem gefällten Baum machte sich der Waldhüter zu schaffen: Er hatte den Dieb unter sich und band ihm mit einem Gürtel die Hände auf den Rücken. Ich kam näher. Birjuk erhob sich und stellte auch ihn auf die Beine. Ich erblickte einen durchnäßten, abgerissenen Bauern mit einem langen, zerzausten Bart. Ein elendes, zur Hälfte mit einer Bastmatte bedecktes Pferd stand gleich daneben, an das Untergestell eines Leiterwagens gespannt. Der Waldhüter sprach kein Wort; auch der Bauer schwieg und schüttelte nur den Kopf.

»Laß ihn laufen«, flüsterte ich Birjuk ins Ohr, »ich will den Baum bezahlen.«

Birjuk ergriff das Pferd schweigend mit der Linken am Schopf; mit der Rechten hielt er den Dieb am Gürtel. »Na, rühr dich, du Maulaffe!« sagte er ihm streng.

»Nehmen Sie doch die Axt da«, murmelte der Bauer.

»Ja, warum soll sie hier verlorengehen!« versetzte der Waldhüter und nahm die Axt.

Wir machten uns auf den Weg. Ich ging hinter den beiden … Es begann wieder zu tropfen, und bald goß es in Strömen. Mit Mühe erreichten wir die Hütte. Birjuk ließ das gefangene Pferd auf dem Hof zurück, führte den Bauern in die Stube, löste ein wenig den Knoten im Gürtel und setzte ihn in eine Ecke. Das Mädchen, das neben dem Ofen eingeschlafen war, sprang auf und begann uns mit stummem Schreck anzustarren. Ich setzte mich auf die Bank.

»Wie es gießt!« sagte der Waldhüter. »Wir werden warten müssen. Wollen Sie sich nicht hinlegen?«

»Ich danke.«

»Ich würde ihn Ihretwegen in die Kammer sperren«, fuhr er fort, auf den Bauern zeigend, »aber der Riegel …«