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Wollen wir uns jetzt übrigens zu einem anderen Gutsbesitzer wenden.

Mardarij Apollonytsch Stjegunow hat mit Chwalynskij nicht die geringste Ähnlichkeit; er hat kaum irgendwo gedient und hat nie für einen schönen Mann gegolten. Mardarij Apollonytsch ist ein kleiner, kahlköpfiger, voller Greis mit Doppelkinn, weichen Händen und einem ordentlichen Bäuchlein. Er ist sehr gastfrei und ein großer Spaßmacher. Er lebt ganz seinem Vergnügen und trägt Winter und Sommer den gleichen gestreiften, wattierten Schlafrock. Nur in einer Beziehung stimmt er mit dem General Chwalynskij überein: Auch er ist Junggeselle. An Leibeigenen besitzt er fünfhundert Seelen. Mardarij Apollonytsch bewirtschaftet sein Gut in einer recht oberflächlichen Weise; um nicht hinter seiner Zeit zurückzubleiben, hat er vor zehn Jahren bei Botenop zu Moskau eine Dreschmaschine gekauft, sie aber dann gleich in einen Schuppen gesperrt und sich damit beruhigt. Höchstens an einem besonders schönen Sommertag läßt er seinen Jagdwagen einspannen und fährt ins Feld, um sich das Getreide anzusehen und Kornblumen zu pflücken. Mardarij Appllonytsch lebt ganz nach alter Sitte. Auch sein Haus ist von altertümlicher Einrichtung; im Vorzimmer riecht es wie üblich nach Kwaß, Talglichtern und Leder; gleich rechts steht dort ein Büfett mit Pfeifen und Handtüchern; im Eßzimmer gibt es Familienbildnisse, Fliegen, einen großen Geranientopf und ein verstimmtes Spinett; im Gastzimmer – drei Sofas, drei Tische, zwei Spiegel und eine heisere Uhr mit schwarzgewordener Emaille und durchbrochenen Bronzezeigern; im Kabinett – einen Tisch mit Papieren, eine spanische Wand von bläulicher Farbe mit aufgeklebten verschiedenen Werken des vorigen Jahrhunderts, ausgeschnittene Bildchen, Schränke mit übelriechenden Büchern, Spinnen und schwarzem Staub, einen dickgepolsterten Sessel, ein venezianisches Fenster und eine vernagelte Tür in den Garten … Mit einem Wort, alles, wie es sich gehört. Mardarij Apollonytsch hat eine Menge Dienstboten, und sie sind alle altmodisch gekleidet; sie tragen lange blaue Kaftans mit hohen Kragen, Beinkleider von unbestimmter Farbe und kurze gelbliche Westen. Zu den Gästen sagen sie ›Väterchen‹. Das Gut wird von einem Burmistr aus dem Bauernstand, einem Mann, dessen Vollbart seinen ganzen Schafspelz bedeckt, verwaltet, das Haus von einer runzligen und geizigen Alten mit einem braunen Kopftuch. In seinem Stall hat Mardarij Apollonytsch dreißig Pferde von verschiedenen Farben und Größen stehen; bei seinen, Ausfahrten bedient er sich eines im Hause gebauten Wagens von hundertfünfzig Pud Gewicht. Seine Gäste empfängt er sehr herzlich und bewirtet sie wunderbar, d.h., er nimmt ihnen, dank der verdummenden Wirkung der russischen Küche, bis zum Abend jede Fähigkeit, sich mit etwas außer Preference-Spiel zu beschäftigen. Er selbst beschäftigt sich aber niemals und mit nichts, er hat sogar aufgehört, das Traumbuch zu lesen. Solche Gutsbesitzer gibt es aber bei uns in Rußland noch ziemlich viele; nun fragt es sich: Warum und wozu habe ich die Rede auf ihn gebracht…? Erlauben Sie mir, statt darauf zu antworten, einen meiner Besuche bei Mardarij Apollonytsch zu beschreiben.