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Am anderen Tag ging ich in die Höfe, um mir die Pferde anzusehen, und begann beim bekannten Roßhändler Sitnikow. Durch ein Pförtchen gelangte ich in den mit Sand bestreuten Hof. Vor der weitgeöffneten Tür des Pferdestalles stand der Besitzer selbst, ein nicht mehr junger, großer und dicker Mann in einem Halbpelz aus Hasenfell mit aufgestelltem, hohem Kragen. Als er mich sah, kam er mir langsam entgegen, hielt seine Mütze mit beiden Händen eine Weile über dem Kopf und sprach mit singender Stimme: »Meine Hochachtung! Sie wollen sich wohl bei uns die Pferdchen ansehen?«

»Ja, ich komme, um mir die Pferdchen anzusehen.«

»Was für Pferdchen, wenn ich fragen darf?«

»Zeigen Sie, was Sie haben.«

»Mit dem größten Vergnügen.«

Wir traten in den Pferdestall. Mehrere weiße Schäferhunde erhoben sich vom Heu und liefen uns schweifwedelnd entgegen; ein langbärtiger alter Ziegenbock ging unzufrieden auf die Seite; drei Stallknechte in ordentlichen, aber schmierigen Schafspelzen verbeugten sich vor uns schweigend. Rechts und links standen in künstlich erhöhten Ständen an die dreißig gestriegelte und geputzte Pferde. Oben im Balkenwerk flatterten und girrten Tauben.

»Das heißt, wozu brauchen Sie eigentlich das Pferdchen: zum Fahren oder für die Zucht?« fragte mich Sitnikow.

»Zum Fahren and für die Zucht.«

»Ich verstehe, ich verstehe, ich verstehe«, sagte der Roßhändler gedehnt. »Petja, zeig mal dem Herrn den Hermelin.«

Wir traten in den Hof.

»Befehlen Sie nicht ein Bänkchen aus der Stube zu holen … Nein …? Wie Sie wünschen.«

Die Hufe erschallten auf den Brettern, die Peitsche knallte, und Petja, ein etwa vierzigjähriger Kerl, pockennarbig und gebräunt, sprang aus dem Stall zugleich mit einem grauen, ziemlich stattlichen Hengst. Er ließ ihn sich bäumen, lief mit ihm zweimal um den Hof herum und brachte ihn geschickt auf dem rechten Platz zum Stehen. Hermelin streckte sich, schnaubte pfeifend, warf den Schweif zurück, bewegte die Schnauze und schielte uns an.

Ein gelernter Vogel, dachte ich mir.

»Laß ihn locker, laß ihn locker!« versetzte Sitnikow und richtete seinen Blick auf mich.

»Das Pferd ist nicht schlecht, aber die Vorderfüße sind nicht ganz zuverlässig.«

»Nun, was halten Sie von ihm?« fragte er mich schließlich.

»Die Füße sind ausgezeichnet!« entgegnete Sitnikow mit Überzeugung. »Und die Kruppe … wollen Sie sich nur die Kruppe ansehen … ein wahrer Ofen, ausschlafen kann man sich auf ihr.«

»Die Fesseln sind zu lang.«

»Ach was, lang – erlauben Sie einmal! Lauf noch eine Runde, Petja, aber im Trab, im Trab, im Trab, laß ihn nicht Galopp laufen.«

Petja lief mit dem Hermelin wieder um den Hof. Wir alle schwiegen eine Weile.

»Nun, stell ihn auf seinen Platz«, sagte Sitnikow, »und bring uns den Falken.«

Der Falke, ein Hengst so schwarz wie ein Käfer, von holländischer Rasse mit abschüssigem Hinterteil und engbauchig, erwies sich ein wenig besser als der Hermelin. Er gehörte zu den Pferden, von denen die Liebhaber sagen, daß sie fuchteln und säbeln und Gefangene machen, das heißt, sie werfen im Lauf die Vorderfüße nach rechts und nach links und kommen dabei doch nur wenig vorwärts. Die Kaufleute in mittleren Jahren haben solche Pferde gerne: Ihr Lauf erinnert an den schwungvollen Gang eines flinken Kellners; sie sind recht hübsch als Einspänner zum Spazierenfahren nach dem Mittagessen; stolz mit gekrümmtem Hals einherschreitend, ziehen sie mit Eifer die plumpe Droschke; die mit einem bis zur Erstarrung vollgefressenen Kutscher, dem an Sodbrennen leidenden, gedrückten Kaufmann und seiner schwammigen Frau in blauem Seidenmantel mit einem lila Kopftuch beladen ist. Ich verzichtete auf den Falken. Sitnikow zeigte mir noch einige andere Pferde … Schließlich gefiel mir ein Apfelschimmelhengst von der Wojejkowschen Zucht. Ich konnte mich nicht beherrschen und streichelte ihm den Schopf. Sitnikow stellte sich sofort gleichgültig.

»Und fährt er gut?« fragte ich. (Von einem Traber sagt man nicht, er läuft.) »Er fährt«, antwortete der Roßhändler ruhig.

»Kann ich es vielleicht sehen …?«

»Warum denn nicht, gewiß. He, Kusja, spann den Holmichein an die Droschke.«

Der Zureiter Kusja, ein Meister in seinem Fach, fuhr an die dreimal auf der Straße an uns vorbei. Gut läuft das Pferd, kommt nicht aus dem Tempo, wirft die Kruppe nicht empor, trägt die Beine frei und hält den Schweif vom Hinterteil getrennt und elegant.

»Was verlangen Sie für ihn?«

Sitnikow forderte einen unerhörten Preis. Wir fingen an, gleich auf der Straße zu handeln, als plötzlich hinter der Ecke, dröhnend, eine prachtvoll in der Farbe abgestimmte Troika hervorflog und mit Eleganz vor dem Tore Sitnikows stehenblieb. In dem eleganten Liebhaberwagen saß der Fürst N., neben ihm hockte Chlopakow. Baklaga lenkte die Pferde … und wie er sie lenkte! Durch einen Ohrring wäre er durchgefahren, der Spitzbube! Die kleinen, lebhaften braunen Seitenpferde mit schwarzen Augen und schwarzen Füßen brennen nur so und zittern; wenn man nur pfeift, sind sie schon verschwunden! Das dunkelbraune Mittelpferd steht da mit aufgeworfenem Hals wie ein Schwan, die Brust heraus, die Füße wie die Pfeile, es wirft den Kopf und blinzelt stolz mit den Augen … Wunderschön! Niemand brauchte sich zu schämen, am Ostersonntag mit diesen Pferden auszufahren!

»Eure Durchlaucht! Seien Sie willkommen!« rief Sitnikow.

Der Fürst sprang aus dem Wagen. Chlopakow stieg langsam an der anderen Seite aus.

»Guten Tag, Bruder … Hast du Pferde?«

»Wie sollte ich für Eure Durchlaucht keine haben! Bitte treten Sie näher … Petja, bring mal den Pfau! Und laß den Lobenswerten bereitmachen. Mit Ihnen, Väterchen«, fuhr er fort, sich zu mir wendend, »werden wir uns ein anderes Mal einigen … Fomka, eine Bank für Seine Durchlaucht!«

Aus einem besonderen Stall, den ich früher nicht bemerkt hatte, führte man den Pfau heraus. Das mächtige dunkelbraune Roß schwang sich mit allen vieren in die Luft. Sitnikow wandte sogar den Kopf weg und kniff die Augen zusammen.

»Hu – Rrrrakalion!« rief Chlopakow … »Schemsa!« (J'aime ça!) Der Fürst lachte.

Man brachte den Pfau nicht ohne Mühe zum Stehen; er schleifte den Stallknecht ordentlich durch den Hof; endlich drückte man ihn an die Wand. Er schnarchte, zitterte und wand sich, Sitnikow aber neckte ihn noch, indem er über ihn die Peitsche schwang.

»Wo schaust du hin? Ich will dich! Hu!« sprach der Roßhändler freundlich drohend und bewunderte selbst unwillkürlich sein Pferd.

»Wieviel?« fragte der Fürst.

»Für Eure Durchlaucht fünftausend.«

»Drei.«

»Es geht nicht, Eure Durchlaucht, ich bitte Sie …«

»Man sagt dir: drei, Rrrrakalion!« fiel ihm Chlopakow ins Wort.

Ich wartete den Abschluß des Geschäfts nicht ab und ging. An der äußersten Straßenecke sah ich am Tor eines grauen Häuschens einen großen Papierbogen angeklebt. Oben war mit der Feder ein Pferd mit einem trompetenförmigen Schweif und einem unendlich langen Hals gezeichnet, unter den Hufen des Pferdes standen aber folgende, mit altmodischer Schrift geschrieben Zeilen:

Hier werden Pferde von verschiedenen Farben verkauft, die vom bekannten Steppengestüt des Tambower Gutsbesitzers Anastassej Iwanytsch Tschernobai auf den Lebedjanjschen Jahrmarkt gebracht worden sind. Diese Pferde sind von trefflichen Eigenschaften; sie sind vorzüglich zugefahren und fromm. Die Herren Käufer wollen nach Anastassej Iwanytsch selbst fragen; falls aber Anastassej Iwanytsch abwesend sein sollte, so frage man nach dem Kutscher Nasar Kubyschkin. Meine Herren Käufer, beehren Sie mich alten Mann mit Ihrem Besuch!