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»Ausgezeichnet.« Miathan rieb sich die Hände. »Dann haben wir die Sache ja noch einmal gerettet. Gut gemacht, Eliseth.«

»Wenn wir das tatsächlich haben, dann merke dir gut, wer dir geholfen hat, aus diesem Dreck herauszukommen«, erwiderte Eliseth kurz angebunden. »Was sollen wir mit all den erstarrten Todesgeistern anfangen, Miathan? Du hast keine Ahnung, wie man die verfluchten Dinger zurück in den Kessel bekommt, und wir können sie kaum überall in der Stadt verstreut zurücklassen.«

»Du mußt einen Apportzauber anwenden – das hat bei denen funktioniert, die wir hier hatten.« Miathan machte eine Geste, die das ganze, inzwischen von Todesgeistern völlig freie Zimmer umfaßte. »Ich habe sie zunächst einmal unten in Finbarrs Archiven verstaut – kann man sich einen besseren Platz vorstellen?«

Eliseth runzelte die Stirn. »Offen gesagt, mißfällt mir die Vorstellung, über diesen Dingern zu hausen. Wir alle wissen, wie man den Ruhezauber löst und sie wieder in die Zeit zurückholen kann. Du solltest besser vorsichtig damit sein, Miathan.«

»Ich bin immer vorsichtig.« Miathans Stimme enthielt eine kaum versteckte Drohung. »Ich beabsichtigte, diesen Teil der Katakomben zu versiegeln, und nur du, Bragar und ich werden wissen, wo diese Kreaturen geblieben sind. Und ich bin sicher, daß ich dir vertrauen kann – oder?«

»Natürlich kannst du das.« Eliseth schluckte unbehaglich. »Ach übrigens, wie geht es Meiriel?«

»Immer noch nicht wieder bei Sinnen«, seufzte Miathan. »Finbarrs Tod hat sie schwer erschüttert. Ich habe einen halben Tag darauf verwendet, sie davon zu überzeugen, daß Aurian für seinen Tod verantwortlich ist und nicht ich. Sie ist im Moment in einem solch kritischen Zustand, daß es mir tatsächlich gelungen ist. Was sich für uns als nützlich erweisen könnte, wenn wir Aurian finden.«

»Hast du irgendwelche Spuren von Aurian entdeckt?«

»Nein – aber ich werde sie finden, keine Angst. Sie ist flußabwärts geflohen, das weiß ich. Ich habe Spuren ihrer Magie am Wehr entdeckt. In Norberth konnte ich sie nicht lokalisieren, deswegen habe ich die Suche auf den Ozean ausgedehnt. Ich vermute, daß Vannor mit ihr gegangen ist; oder hast du in der Stadt irgend etwas gefunden, was auf seinen Verbleib hindeutet?«

Eliseth schüttelte den Kopf. »Miathan«, schlug sie vor, »wäre es nicht besser, wenn du dich zunächst einmal auf Nexis konzentrierst? Vannor verschwunden, Forral tot – die Situation ist ziemlich kritisch.«

»Nein!« Miathans Augen leuchteten in wahnsinnigem Glanz. »Ich muß sie finden, Eliseth. Du weißt, daß sie Forrals Tod nicht ungesühnt lassen wird. Außerdem ist da immer noch die Sache mit diesem verfluchten Kind! Es darf nicht überleben.«

»Ich bin sicher, daß du sie finden wirst. In der Zwischenzeit kann ich mich ja für dich um die Dinge hier kümmern. Aber ich brauche Hilfe. Elewin sagt, daß die meisten unserer Diener und Wachen entweder tot oder geflohen sind.«

»Gut, dann kümmere dich darum.« Miathan, der sich bereits wieder seinem Kristall zugewandt hatte, bedeutete ihr geistesabwesend, zu gehen.

»Noch eine Sache.« Eliseth zögerte. »Mußt du Davorshan gerade jetzt fortschicken? Wir sind ja nicht mehr eben zahlreich, und ich könnte jetzt wirklich seine Hilfe brauchen.«

Der Erzmagusch stierte sie aus blutunterlaufenen Augen an. »Ja, ich muß, in der Tat. Er muß zum Tal gehen, Eliseth, denn Eilin ist die einzige hier, von der uns noch Gefahr droht. Ich habe vor, uns die Lady vom See vom Hals zu schaffen, ein für allemal.«

Humpelnd schleppte sich Maya den bewaldeten Hang hinauf, der an den oberen Rand des tief eingeschnittenen, mondbeschienenen Tales grenzte. Sie zerrte am Zügel von D’arvans Pferd, das sie führte. Es war großes Pech gewesen, daß ihr eigenes Pferd an diesem Morgen gelahmt hatte, nachdem sie auf ihrem Weg nach Norden anfangs so gut vorwärts gekommen waren. Damit mußte sie nun auch noch fertig werden, zusätzlich zu den Sorgen, die sie sich um D’arvan machte. Sie hielt kurz an, um zu verschnaufen, und blickte sich bekümmert zu dem Magusch um, der steif auf seinem Pferd saß, das Gesicht mit seinen zarten Zügen ausdruckslos, die Augen leer.

Maya murmelte einen Söldnerfluch. Sie wünschte, er würde endlich wieder normal werden. Er hatte sie vor drei Nächten fast zu Tode geängstigt, als er plötzlich diesen merkwürdigen Anfall bekam. Gerade eben noch hatten sie friedlich an ihrem kleinen Lagerfeuer gesessen, und im nächsten Moment hatte er sich völlig verkrampft, hatte sich sein Gesicht verzerrt und hatten sich seine Augen einwärts gedreht, bis nur noch das Weiß der Augäpfel zu sehen war. Er hatte sich irgend etwas von der Seele geschrien – daß Finbarr tot sei, und etwas von schrecklichen Ungeheuern und von Miathan –, bevor er zusammenbrach. Und seither war er so passiv wie ein Stein. Er konnte reiten, wenn sie ihn aufs Pferd setzte, essen, wenn sie ihm etwas in den Mund steckte, und schlafen – so sah es jedenfalls aus –, wenn sie ihm die Augenlider schloß und ihn hinlegte; aber ansonsten war mit ihm so wenig anzufangen, daß Maya ebensogut mit einem Leichnam hätte reisen können. Der Gedanke ließ die Kriegerin erschaudern. Sie hatte den jungen Magusch wirklich gern und versuchte, nicht an die Möglichkeit zu denken, daß sein Zustand von Dauer sein könnte. Maya biß sich auf die Lippen. Ich hoffe nur, daß ich Aurians Mutter bald finde, dachte sie. Sie wird doch bestimmt in der Lage sein, D’arvan zu helfen.

Nach kurzer Pause trottete Maya tapfer weiter den Hang hinauf. Wo immer die Probleme lagen, sie hoffte, daß Lady Eilin sie würde lösen können und sie wieder zurück in die Stadt gehen könnte. Sie hatte das Gefühl, daß dort irgend etwas ganz und gar nicht stimmte, und ihr Instinkt, der sich in über einem Dutzend Dienst jähren bei der Truppe entwickelt hatte, ließ sie selten im Stich. Sie wußte von Aurian, daß alle Magusch den Tod eines der ihren spürten. War dieser Anfall D’arvans seine Reaktion auf Finbarrs Hinscheiden gewesen? Und was hatte es mit dem Erzmagusch und den Ungeheuern auf sich? Wenn es in Nexis Schwierigkeiten gab, dann gehörte sie, Maya, schleunigst an die Spitze der Truppen. Unzufriedenheit mit sich selbst nagte an ihr. Sie und D’arvan waren sich in den letzten Monaten sehr nahe gekommen, und jetzt schämte sie sich, weil sie sich den Wunsch eingestehen mußte, sie hätte sich lieber nicht freiwillig für diese Aufgabe als Kindermädchen gemeldet.

Plötzlich lag das Tal vor ihr, weit und mondbeschienen. Maya hielt die Luft an. Es war enorm! Welche zerstörerische Kraft konnte diesen gewaltigen Krater geformt haben?

Sie führte das Pferd an dem steilen Abgrund entlang und suchte nach einem sicheren Weg für den Abstieg durch die steile schwarze Bergwand. Dann durchdrang zu ihrem Schrecken ein gellender Ruf, der einem das Blut gefrieren ließ, den Wald hinter ihr. Das unheimliche Geheul eines großen Wolfsrudels auf der Jagd. Das Pferd warf seinen Kopf herum und bäumte sich auf; D’arvan wurde zu Boden geworfen.

Maya fluchte, hielt sich verbissen an den Zügeln fest und kämpfte mit dem verängstigten Tier. »Nein, das wirst du nicht tun«, murmelte sie. »Ich werde dich nicht auch noch verlieren!« Irgendwie gelang es ihr, die Zügel um einen starken Ast zu schlingen und festzubinden. Das Pferd bockte und wieherte, während sie dorthin zurückrannte, wo D’arvan lag. Er wies kein Anzeichen einer Verletzung auf und schien den Sturz ebensowenig wahrgenommen zu haben wie alles andere auch. Sie schleppte seine steife Gestalt zu dem Baum hinüber, lehnte ihn an den Stamm und richtete sich keuchend wieder auf. Das Heulen kam näher, wurde immer gellender und erregter.

Sie waren ihr auf der Spur! Großer Chathak, sie kamen von allen Seiten!

Maya überlegte, ob sie das Pferd laufen lassen und darauf hoffen sollte, daß es die Wölfe von ihr ablenken würde, aber dann beschloß sie, sich diese Möglichkeit als letztes Mittel aufzusparen. Sie mußte ja D’arvan noch quer durch das Tal bringen, und das würde sie ohne Reittier niemals schaffen. Gebückt sammelte sie einen kleinen Stoß Zweige und einige trockene Blätter, die ihr als Zunder dienten. Dann schlug sie einen Funken, machte ein kleines Feuer und legte noch einige tote Äste darauf, die sie unter den Bäumen fand. Wölfe fürchteten das Feuer. Sie zückte ihr Schwert und steckte es vor sich in die Erde, damit sie es griffbereit hatte. Dann nahm sie ihren Bogen vom Rücken, zog einen Pfeil und bezog mit dem Rücken gegen den Baum neben D’arvan Posten.