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»Weißt du«, murmelte sie D’arvan zu, »daß du das schönste Gesicht hast, das ich je gesehen habe?« Und dann küßte sie ihn.

Der Magusch erstarrte, seine Lippen reagierten nicht im geringsten. Jäh riß er sich los. »Nein!« keuchte er. »Ich kann nicht!«

Maya kam sich unaussprechlich dumm vor, versuchte aber, das beste aus der Situation zu machen. Wie konnte sie sich nur mit Anstand aus der Affäre ziehen? »So schlimm, hm?« fragte sie mit einem Achselzucken.

D’arvans Gesicht lief karminrot an. »Nein, Maya! Ich meine – du sollst nicht denken … Es ist nicht wegen dir …«

»Nun, das beruhigt mich immerhin.« Ihr Versuch, ihn von seinem Gestammel zu erlöschen, schien die Sache noch schlimmer zu machen. Er wandte sein Gesicht ab und weigerte sich, sie anzusehen.

»Es tut mir leid«, murmelte er. »Ich kann nicht. Ich meine, ich habe nie … Ach verdammt, ich wüßte ja noch nicht einmal, wo ich anfangen sollte!«

Maya lächelte. »Wenn du willst«, sagte sie sanft, »dann ist es mir eine Ehre und ein Vergnügen, dir das beizubringen.«

Zuerst war er unbeholfen – unbeholfen und verlegen und furchtbar schüchtern. Aber Maya war geduldig. Zart und ohne Hast ermutigte und leitete sie ihn, und der Ausdruck von Erstaunen auf D’arvans Gesicht – zum erstenmal, als er selbst den Höhepunkt der Lust erreichte, und dann noch einmal, als sie ihm zeigte, wie er die gleiche Lust bei ihr erregen konnte – belohnte sie mehr als reichlich dafür. Beim Anblick seines im ersten Dämmerlicht strahlenden Gesichts überflutete Maya ein so intensives Gefühl der Zärtlichkeit, daß es ihr den Atem verschlug. So wählerisch sie auch in der Vergangenheit bei der Auswahl ihrer Liebhaber gewesen war – es war keiner dabeigewesen, der dieses Gefühl in ihr wachgerufen hatte. Sie streckte die Hände aus, um sein Gesicht zu berühren. »Siehst du«, erklärte sie ihm, »jetzt haben wir noch etwas entdeckt, auf das du dich verstehst.«

D’arvan lief rot an, aber seine Augen glänzten vor Freude. »Ach, Maya. Ich hätte mir nie erträumt … Maya – du gehst doch nicht zurück in die Stadt, oder? Ich möchte von jetzt an nie mehr von dir getrennt werden.«

Maya legte ihre Stirn in tiefe Falten, als sie begriff, wie sehr sie die Dinge kompliziert hatte. »D’arvan«, sagte sie sanft. »Es wird die Zeit kommen, da wir kämpfen müssen. Das weißt du doch, oder?«

Zu Mayas Überraschung blickte sie der Magusch klar und bestimmt an. »Das weiß ich – und dazu bin ich bereit«, sagte er. »Es ist schwer zu erklären, aber nach meiner – nachdem Davorshan mich verraten hatte, war es so, als hätte mein Leben keinen Sinn mehr. Ich fühlte mich hohl wie ein Schatten, aber das ist jetzt ganz anders geworden. Zum erstenmal in meinem Leben fühle ich mich wie ich selbst, wie mein ganz eigenes Selbst, und ich habe jetzt etwas, für das ich kämpfen will. Ich möchte nur, daß wir den Kampf gemeinsam ausfechten, welche Formen er auch annehmen mag. Und wenn du wirklich meinst, daß du nach Nexis zurückkehren mußt, dann soll meine Magie eben warten. Ich verstehe mich ja immerhin aufs Bogenschießen, weißt du. Ich hatte den besten Lehrer, den man sich denken kann – in allen Dingen.«

Maya war von seinen Worten völlig verblüfft. Schließlich fand sie ihre Stimme wieder. »Mir kommen hundert Gründe in den Sinn, warum ich zurückgehen sollte«, sagte sie. »Aber irgendwie … Nun, vielleicht wäre es das beste, wenn ich eine Weile hierbliebe. Lady Eilin scheint der Ansicht zu sein, daß meine Rückkehr nach Nexis völlig sinnlos ist, obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe, daß ich meinen Posten verlassen habe. Aber ich will dich auch nicht hier alleinlassen, liebes Herz. Vielleicht können wir zusammen irgendeinen Weg finden, unsere Fähigkeiten vereint gegen den Erzmagusch einzusetzen – das hängt natürlich davon ab, ob Eilin diesem Arrangement zustimmt. Sie wird wahrscheinlich entsetzt sein und mich sofort aus ihrem Tal hinauswerfen.«

»In diesem Fall«, sagte D’arvan bestimmt und mit einem neuen, freudigen Klang in seiner Stimme, »kann sie gleich uns beide zusammen hinauswerfen.«

Sie schliefen noch, als Eilin sie am Morgen fand. Sie lagen zusammengerollt auf dem zerwühlten Bett wie zwei Katzen. D’arvans Haut wirkte auf seinen Armen, mit denen er Mayas gebräunten drahtigen Körper umschlungen hielt, besonders weiß, und er lächelte im Schlaf. Das gelöste, lange, dunkle Haar der Kriegerin fiel über die beiden wie ein Umhang. Die Lady starrte die beiden eine ganze Weile lang schweigend an. »Nicht schon wieder«, seufzte sie, zuckte dann hilflos die Achseln und blickte gen Himmel. »O ihr Götter«, murmelte sie. »Warum laßt ihr es immer wieder geschehen? Nun sind es schon drei, um die ich mich sorgen muß.«

17

Schiffbruch

Die Laterne schwang im Rhythmus des Schiffes an ihrem Haken an der Decke, und der kreisrunde Flecken von trübem Licht, den sie warf, wanderte mit hypnotischer Regelmäßigkeit über die Holzplanken des Bodens und die Wände. Aurian saß mit übereinandergeschlagenen Beinen kerzengerade mitten in der winzigen Kabine, ihre magischen Kräfte auf den Schild konzentriert, der den alten Seelenverkäufer vor der Gewalt von Miathans Suchimpulsen verbarg. Gelegentlich spürte sie, wie der Druck seines Willens über ihren Schild strich, und hielt den Atem an, bis er vorüber, über den dunklen Wellen verschwunden war. Und ein ums andere Mal spürte Aurian trotz der Gefahr, wie ihre bleischweren Augenlider sich zu schließen begannen – und das ungeachtet der Tatsache, daß sie ihre Sitzposition so gewählt hatte, daß sie unmöglich einschlafen konnte, ohne den Halt zu verlieren und durch den Fall sogleich wieder wach zu werden.

Es war die zweite Nacht ihrer Wache. In der ersten Nacht hatte sie erfolgreich auf die verborgensten Quellen ihrer magischen Kraft zurückgegriffen, um sich selbst wach und den Schild stabil zu halten; und dann hatten sie und Anvar den größten Teil des dazwischenliegenden Tages in der belebenden Seeluft an Deck verbracht, bis die Blicke und das Murren der immer aufsässigeren Mannschaft sie zurück in ihre Kabine getrieben hatten. Sara erachtete es immer noch als unter ihrer Würde, mit ihnen zu sprechen, und war samt ihrem ganzen jämmerlichen Selbstmitleid in ihrer Koje geblieben, so daß sie wenigstens von ihrer Seite Ruhe gehabt hatten. Unausgesprochen waren sie übereingekommen, Anvars frühere Verbindung mit Vannors Frau unerwähnt zu lassen, obwohl Aurian sich immer noch fragte, was es damit auf sich hatte. Jetzt hatte sie darauf bestanden, daß Anvar ein Weilchen schlief, wenigstens solange sie sich noch sicher sein konnte, aus eigener Kraft wach zu bleiben. Also lag er neben ihr, im Halbschlaf, bewegte sich dabei aber ruhelos, als ob er ebenso wie sie die Kraft fühlte, die von Miathans suchendem Bewußtsein ausging, das immer wieder über sie hinwegstrich. Aurian zögerte, ihn zu wecken, aber als schließlich ihre Augenlider nicht mehr länger offenbleiben wollten, wußte sie, daß sie nicht anders konnte. »Anvar«, flüsterte sie und rüttelte ihn wach. »Anvar, ich brauche deine Hilfe.«

»Ja.« Er klang schläfrig und benommen, und Aurian fragte sich, ob sie wohl genauso schlimm aussah wie er: zerzaust und schmutzig, das Gesicht von Anstrengung gezeichnet und grau vor Müdigkeit. Er gab ihr die Wasserflasche, bevor er selbst etwas trank. »Ist er immer noch da draußen?« flüsterte er.

Aurian nickte. »Es ist besser, wenn wir nicht von ihm sprechen, solange er uns sucht«, warnte sie ihn. »Wenn ich von ihm spreche, schwächt das meine Konzentration für den Schutzschild; wir sollten uns also Gesprächsthemen suchen, die weitab von dem liegen, dem wir hier entkommen wollen.«

Anvar grunzte. »Es ist unmöglich, nicht an ihn zu denken«, sagte er. »Worüber könnten wir denn sprechen, Herrin?«

Aurian zuckte die Achseln. »Über das Wetter?« schlug sie kleinmütig vor. »Das würde uns immerhin für ganze zwei Minuten beschäftigen.«

»Laß uns doch so tun, als reisten wir in weite Fernen – irgendwo ganz anders hin«, meinte Anvar. »Das könnte ihn vielleicht verwirren, falls dein Schild irgendwie durchlässig wird. Weißt du, Herrin, ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, daß ich nichts lieber täte, als weit fortzugehen – weit, weit fort von all diesen Schwierigkeiten. Weißt du irgend etwas über die südlichen Länder jenseits des Meeres?«