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Cora, die Celestes erlesen gemustertes Tafelsilber mit einer in Silberpflegemittel getauchten Zahnbürste putzte, lachte. »Das Gute am Krieg ist, daß er mein Kind ein bißchen von Mary ablenkt.«

»Es bleibt ihr wohl nicht viel anderes übrig, als die Zügel zu lockern.« Celeste tat einen Zug, dann setzte sie hinzu: »Das nehme ich zurück. Sie könnte Gegenbeschuldigungen zu neuen Höhen verhelfen.«

»Sie kann die Klappe nicht halten, falls du das meinst.«

»Gewissermaßen.« Celeste nahm eine schwere Gabel und rieb sie mit einem grünen Tuch ab.

»Laß mich das machen.«

»Müßigkeit ist aller Laster Anfang.« Celeste lächelte und nahm sich die nächste Gabel vor. »Wie geht es Hansford heu­te?«

»Er ist bei O. B. im Stall. Er sagt, er will die Sattelkammer aufmöbeln, aber das Wort »aufmöbeln« beunruhigt mich.«

»Mich auch. Ich fürchte, es bedeutet Dollars.«

»Nein.« Cora schüttelte den Kopf. »Er würde hier anmar­schiert kommen und dir Bescheid sagen, wenn es Geld kosten würde.«

»Bist du froh, ihn wieder zu Hause zu haben?«

Cora zuckte die Achseln. »Manches an ihm erinner ich noch von damals, aber ansonsten ist er ein alter Mann, den ich kaum kenne.«

»Ich glaube, nichts ist uns so fremd wie wir selbst, als wir jung waren. Er muß dich an dich erinnern, als du jung warst.«

»Da hab ich nicht drüber nachgedacht.«

»Hast du nie darüber nachgedacht, wer du warst, als du jung warst?«

»Nein.« »Cora« - Celeste stieß einen perfekten blauen Rauchring aus, der sich träge aufwärts kringelte -, »du erstaunst mich.«

»Was sollte ich über mich nachdenken - damals oder heute? Ich bin, was ich bin.«

»Glaubst du nicht, daß die Zeit die Menschen verändert?«

»Doch - aber was nützt es, sich deswegen den Kopf zu zer­brechen?«

»Ich zerbreche mir nicht den Kopf - ich drehe und wende den Gedanken, wie wir früher die Pfeilspitzen gedreht und gewen­det haben, die wir als Kinder fanden. Jeder kleine Splitter hat uns beglückt und fasziniert.«

»So laufen meine Gedanken nicht ab.« Cora lächelte, die Hände auf den Hüften. »Manchmal läuft da überhaupt nichts. Wie gesagt, manchmal sitz ich da und denk, und manchmal sitz ich nur.«

»Und ich denke manchmal zu viel.« Celeste pfiff einen Melo­diefetzen, dann fragte sie: »Und - denkst du über irgend etwas nach?«

»Über Mary. Den Krieg. Unser Land gerät scheint's so alle zwanzig Jahre in so 'n Schlamassel. Wir ziehen eine neue Ge­neration Männer groß, und die bleiben dann auf der Strecke.«

»Ja, darüber denke ich auch nach.«

Cora tauchte das Tafelsilber nach dem Abreiben in eine Scha­le mit warmem Wasser. »Juts macht mir Sorgen.«

»Julia?« Celeste hob überrascht die Stimme.

»Sie hat Chessy endlich dazu gebracht, zu Doc Horning zu gehen. Sie war in den letzten Jahren zweimal bei ihm. Bei ihr ist alles in Butter. Und wenn mit Chester was nicht stimmt?«

»Ah - das ist wirklich ein Problem.«

»Juts möchte unbedingt ein Baby.«

»Vielleicht könnte sie es ohne Hilfe ihres Mannes zustande bringen?« Celeste lächelte süffisant.

»Das wäre eine schöne Bescherung, was?«

»Viele Wege führen nach Rom.«

Cora schüttelte den Kopf. »Ich glaub nicht, daß mein Kind so was tun würde. Mit jedem Jahr wird ihr Kinderwunsch stärker.« »Ich habe Juts sehr gern, aber sie ist denkbar ungeeignet für das Leben einer Mutter, diesen Altar, auf dem das Ich täglich geopfert wird.«

»Das mit dem Altar hab ich nicht verstanden, aber ich würde sagen, sie hat noch viel zu lernen.«

Celeste lachte. »Juts ist der Inbegriff der kleinen Schwester: aufsässig, egoistisch und hinreißend.«

Cora lächelte. »Die beiden Mädchen hätten mich fast zur Fla­sche greifen lassen, als sie klein waren. Ich dachte mir, ach, eines Tages sind sie erwachsen, und dann ist Schluß mit dem Gebalge und Gezanke. Sie werden die besten Freundinnen.« Sie hielt einen tropfenden Löffel hoch. »Sie balgen und zanken noch immer.«

»Es ist unglaublich, nicht? Einzeln benehmen sie sich wie ei­nigermaßen normale Menschen. Kaum sind sie zusammen, sind sie wieder sechs und zehn Jahre alt. Der Vorfall letztes Jahr bei Cadwalder war doch die Höhe.«

»Und das bloß, weil Juts keine Mutter ist. Siehst du, das macht mir Sorgen.«

»Ich dachte, weil Julia Louise daran erinnert hat, daß sie vier­zig ist.« Sie tippte sich kurz mit dem Finger an die Nase. »Herr­je, ihr einundvierzigster Geburtstag steht doch vor der Tür, oder?Und sie wird bald Großmutter. Und Juts wird.«

»Siebenunddreißig, am 6. März. Wenn Louise doch bloß vor Juts Geburtstag hätte, dann könnte sie besser schwindeln.« Cora schüttelte verzagt den Kopf.

»Weißt du, wo es enden wird, Cora? Eines Tages wird Mary vierzig sein und Maizie neununddreißig, und Louise wird allen erzählen, sie sei fünfundvierzig.«

Darauf brachen sie in schallendes Gelächter aus, die alten Freundinnen, die unter sich die Jahre nicht mehr zählten. Ob­wohl sie aus ganz unterschiedlichen Schichten stammten, kann­ten sie sich schon ihr ganzes Leben. Nach und nach hatten die materiellen Unterschiede an Bedeutung verloren. Übrig blieb nur der Charakter.

»Was hältst du davon, ein Kind zu adoptieren?«, fragte Cora.

»Ich?« Celeste war bestürzt.

»Julia.« »Also ist es ernst.«

»Scheint so.«

»Ich hoffe, das Kind hat Sinn für Humor - den wird es brau­chen.«

»Ich bin ja auch noch da, um zu helfen.«

»Julia will immer im Mittelpunkt stehen. Trotz ihrer religiö­sen Manie, die so regelmäßig wiederkehrt wie Malaria, ist Loui­se die Verantwortungsbewußtere. Juts ist nicht glücklich, wenn sie nicht jemandem in die Suppe spucken kann, aber gewöhn­lich ist es ihre eigene Suppe.«

»Ich weiß.« Cora lächelte beim Gedanken an ihre jüngere Tochter. »Sie hat schon im Mutterleib kräftig um sich getreten.«

»Und wie sieht es mit Chester aus?«

»Jeder Mann, der Josephine als Mutter aushält, hat verborgene Kräfte. Er wird ein guter Vater sein.«

»Weißt du Cora, das ist mir nie in den Sinn gekommen. Er ist vermutlich stärker, als wir denken. Er ist ja meist so schweig­sam.«

»Wie soll er denn auch zu Wort kommen? Aber er wird sich aufschwingen, wart's nur ab.«

»Und dann wird er zwei Kinder haben - Julia und das Baby.«

»Sie wird sich zusammenreißen.«

»Juts? Niemals.« Celeste schüttelte den Kopf.

»Wollen wir wetten?«

Celestes Augen leuchteten auf, ihre Schultern strafften sich; nichts brachte ihr Blut so in Wallung wie eine Wette. »Du willst mit mir wetten, daß Julia Ellen Hunsenmeir die nötige Reife bekommt, um eine gute Mutter zu sein? Wie viele Jahre gibst du ihr?«

»Eins. Ein Jahr von dem Zeitpunkt an, wo das Baby da ist.«

Celeste lächelte verschmitzt. »Worum wetten wir?«

»Um deinen John-Deere-Traktor, den alten. Mitsamt Zube­hör.«

»Cora!« Celeste lachte. »Das geht dir wohl schon eine ganze Weile im Kopf herum.« Cora nickte, und Celeste fügte hinzu: »Es könnte natürlich sein, daß nichts dabei herauskommt. Viel­leicht kommt ja gar kein Kind.« »Sie kriegt ein Kind, und wenn sie es stehlen muß. Wart's nur ab.«

»Sag mal, über welchen Zeitraum reden wir hier eigentlich?«

»Wenn du glaubst, Louise ist hysterisch geworden, als sie vierzig wurde, dann warte, bis Julia Ellen so weit ist. Ach Gott.« Cora stieß mit dem Finger in die Luft, eine seltene Geste bei ihr. »Sie hat das Kind, bevor sie vierzig ist, und glaub mir, wenn sie keins kriegen oder adoptieren kann, dann klaut sie sich eins.«

Celeste verschränkte die Arme, biß sich auf die Lippe und überlegte. »Der John Deere. Und was bekomme ich, wenn ich gewinne?«