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»Nein. Zu dunkel. Ich brauch was Belebendes.«

»Versuch's mit Whiskey«, empfahl Tante Dimps.

»Dimps, ich wußte gar nicht, daß du trinkst.« Louise gab sich empört.

»Nicht von mir aus. Andere treiben mich dazu.«

»Mich auch.« Juts griff zu Siegesrot, einer angemessenen Far­be für die Zeit.

»Mich auch«, rief Fannie aus dem Hinterzimmer, wo mal wieder ein Kartenspiel im Gang war.

»Das ist gut.« Mrs. Mundis lehnte sich zurück; Dimps' schlagfertige Antwort gefiel ihr.

»Hansford war ein gebildeter Mann. Geologie.« Dimps war etwa zwanzig Jahre älter als Juts, Wheezie und Mary Miles Mundis. »Ich war noch jung, als er fortging, aber ich weiß noch, daß meine Mutter sagte, hier hielte ihn nicht genug. Und sie sagte, egal, was für eine gute Frau Cora sei, es sei schwer für einen Mann mit College-Bildung, eine Frau zu haben, die...« - sie hielt einen Moment inne, lief tief rot an, und fuhr leise fort - ». nicht gebildet sei.«

»Nicht gebildet. Herrgott, Dimps, Mom kann weder lesen noch schreiben.« Juts traf den Nagel auf den Kopf.

»Nein, aber Cora ist klüger als wir alle.« Dimps wollte etwas gutmachen. »Trotzdem frage ich mich, ob meine Mutter nicht Recht hatte.«

»Ich hab was anderes gehört.« Mary Miles räusperte sich. »Meine Mutter sagte, es sei wegen Josephine Holtzapple gewe­sen.«

»Was?«, fragten beide Schwestern gleichzeitig.

»Ja. Nie davon gehört?« Mary Miles war erstaunt.

Tante Dimps deutete stirnrunzelnd mit dem Finger auf Mary Miles' Spiegelbild. »Ihr wart alle viel zu klein, um irgendwas zu wissen. Und überhaupt, seitdem ist viel Wasser über den Berg geflossen. Oder heißt es den Berg hinunter?«

»Hinunter.« Toots hatte die ganze Zeit geschwiegen, ja, sie hatte auf dem Stuhl gedöst, weil sie eine halbe Stunde Zeit hat­te, bevor ihre nächste Kundin kam. Sie schlug die Augen auf.

»Wie meinst du das, es war wegen Josephine?« Juts hielt Ma­ry Miles' rechte Hand.

»Meine Mutter sagte, Josephine sei in Hansford verliebt ge­wesen. Es heißt, sie sei zu ihrer Zeit eine schöne Frau gewe­sen.«

»Und bestimmt schon eine Zimtzicke«, murrte Juts.

»Hochnäsig.« Dimps wünschte, Mary Miles hätte den Mund gehalten.

»Wieso wissen wir nichts von dieser Geschichte?« Louise un­tersuchte Tante Dimps' Haare nach Spliß.

»Die jüngere Generation interessiert sich nicht für die ältere Generation. Ihr könnt euch nicht vorstellen, daß wir mal jung waren.«

»Dimps, du bist nicht alt.« Julia lächelte.

»Achtundfünfzig, und mit den vielen Pölsterchen, die ich mir zugelegt habe, sehe ich keinen Tag jünger aus. Noch ein biß­chen mehr, und ich bin das gemästete Kalb.« Sie klopfte sich auf den Bauch.

»Du siehst prima aus.« Louise tutete in dasselbe Horn wie ihre Schwester. »Aber was meint Mary Miles eigentlich?«

»Ihr müßt bedenken, dies ist eine uralte Geschichte«, sagte Dimps, »und ich war noch sehr jung. Es heißt, daß Josephine in Hansford verliebt gewesen sei, aber er nicht in sie.«

»War er da schon mit Momma verheiratet?« Juts war schreck­lich neugierig, wollte sich aber gleichgültig geben. Es gelang ihr nicht.

»Ja. Er hat eure Mutter wirklich geliebt, glaube ich. Ich glau­be, er liebt sie immer noch. Euer Vater war ein junger Drauf­gänger. Genau der Typ, um das Herz einer so tugendhaften Person wie Josephine zu entflammen, die noch nicht lange mit Rupert verheiratet war. Hansford war reich an gutem Aussehen und arm an Verantwortungsgefühl, würde ich meinen.« »Aber du hast gesagt, er hat sie nicht geliebt.« Louise schnip­pelte die nächste Locke.

»Hat er auch nicht.« Toots ergriff wieder das Wort. »Ich kann mich noch erinnern. Ich ging damals in die Volksschule. Jeden­falls, was auch geschehen ist, Hansford ist weggegangen. Die Leute sagten, er wäre so oder so gegangen. Rastlos.«

»Hatte er eine Affäre mit ihr?« Es lag Juts nicht, um den hei­ßen Brei herumzureden.

»Nein«, antwortete Dimps rasch.

»Also.« Mary Miles hielt inne. »Keiner weiß was Genaues, außer daß er mir nichts, dir nichts abgehauen ist. Einfach so.« Sie machte eine flatternde Handbewegung.

»Gib deine Hände wieder her«, befahl Juts.

»Und danach war's aus mit Josephine. Sie war immer ein Snob gewesen, aber danach wurde sie unausstehlich.«

»Ich frag ihn«, sagte Juts.

»Schlafende Hunde soll man nicht wecken«, warnte Dimps.

»Du hast gesagt, es ist eine uralte Geschichte«, entgegnete Juts.

»Nicht für sie und ihn. Mach bloß nicht wieder so viel Wind, Juts«, sagte Dimps.

»Warum hacken alle auf mir rum?«

»Weil wir dich nur zu gut kennen« Louise genoß es sichtlich, ihre Schwester zappeln zu sehen.

»Meine Schwiegermutter ist eine Kneifzange«, sagte Juts. »Ich hätte nichts dagegen, es ihr ein bißchen heimzuzahlen.«

»Überlasse sie dem Himmel«, empfahl Tante Dimps.

»Gott ist zu lahm.«

»Julia!« Louise gab sich schockiert. Eigentlich war sie es nicht, doch sie glaubte, daß alle Anwesenden sie für tief religiös hielten. Was niemand tat; man nahm allgemein an, daß sie den Pomp und das Zeremoniell des Hochamts liebte.

»Ist doch wahr, Louise. Ich sehe, wie Menschen mit Mord durchkommen. Gott sitzt auf seinem dicken himmlischen Hin­tern, und nichts passiert. Ich meine, warum tötet er Adolf Hitler nicht? Wenn ich das Böse sehen kann, warum kann Gott es nicht sehen?« »Die Menschen versuchen seit Anbeginn der Zeiten, eine Antwort auf diese Frage zu finden.« Toots hievte sich schwer­fällig vom Stuhl. Sie war müde und mußte sich bewegen, um wach zu werden.

»Diese Mysterien sind zu groß, als daß unser Verstand sie fas­sen könnte.« Louise wußte auch keine Antwort, aber dies klang jedenfalls tiefgründig.

»Glaub ich nicht.« Juts zog einen Flunsch.

Mary Miles sagte: »Vielleicht hat Gott die Welt erschaffen und dann links liegen lassen. Wir haben ihn gelangweilt.«

»Wozu bete ich dann überhaupt?«

»Juts, du betest nie, außer wenn du was willst«, tadelte Loui­se. »Das ist bei dir wie einkaufen.«

»Du kennst doch meine Gebete gar nicht.«

»Ich kenne dich«, erwiderte Louise.

»Keine Philosophie war jemals in der Lage, Antworten auf die großen Fragen zu finden - und wir werden es auch nicht kön­nen. Man lebt von Gottvertrauen und Gebet, Mädels.« Tante Dimps zuckte zusammen, als Louise einen Lockenwickler zu stramm drehte.

»Ich habe eine Philosophie. Geburt führt zum Tod.« Juts steckte Wattebäusche zwischen Mary Miles' Finger, damit sie sie nicht schließen und den frisch aufgetragenen Lack ruinieren konnte.

»Du bist heute aber grantig.« Louise warf ihr einen wütenden Blick zu. »Schalt mal ab und halt die Klappe.«

»Ich bin nicht grantig. Ich will wissen, was zwischen unserem Vater und meiner Schwiegermutter vorgefallen ist.«

»Wie ich dich kenne, platzt du mit der Frage einfach raus«, grummelte Louise.

»Da kommt Hansford, Juts. Das ist deine Gelegenheit.«

Er öffnete die Tür und lächelte. Aller Augen richteten sich auf ihn. »Hallo, Mädels.«

»Hallo«, antwortete Toots schließlich.

»Komm ich ungelegen?«

»Nein«, antwortete Louise, ohne aufzusehen.

»Hansford, setz dich einen Moment, ich bin gleich bei dir.« Juts schob den Manikürwagen zur Seite.

»Soll ich mich woanders hinsetzen, Julia?«, fragte Mary Mi­les, hibbelig vor Ungeduld.

»Nein. Toots' Stuhl ist die nächste Viertelstunde frei, und das hier dauert nicht lange. Toots, okay?«

»Klar.« Toots ging ins Hinterzimmer, um frischen Kaffee zu kochen.

»Komm.« Juts wies auf den Stuhl, und Hansford ließ sich dankbar auf den bequemen Sitz sinken. Sie betrachtete seinen Bart aus jedem Winkel. »Manche Leute sehen einen langen Bart und denken an Weisheit. Ich denke an Flöhe.«