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Popeye, dessen Bericht von einer Nachrichtenagentur aufge­griffen wurde, war im siebten Blätterhimmel.

52

Das Drama der Untreue entfaltet sich selten hinter geschlosse­nen Türen. Wie das langsame Zischen aus einem porösen Rei­fen sickert die Kunde durch. Während Mutter Smith öffentlich der Heiligkeit des Ehestandes das Wort redete, gelang es ihr, ein paar Erklärungen dafür auszustreuen, weshalb Männer fremd­gehen. Es müsse an der Frau liegen. Insgeheim weidete sie sich an Julia Ellens Kummer.

Sie machte sogar eine höhnische Bemerkung, als sie und ihr Mann Chester eines Tages besuchten, während Julia einkaufen war. Sie liefen im Garten umher, bemerkten die Gemüsebeete, und Rupert fragte seinen Sohn: »Was hat sie da angepflanzt?« Josephine antwortete hochmütig: »Saure Trauben.« Chester schwieg, wie immer.

Louise war erschrocken über den Verfall ihrer Schwester und fühlte mit ihr. Aus Mitgefühl wurde Ermunterung, was schließ­lich im Befehl mündete. »Jetzt krieg dich wieder ein.«

Juts schaffte es nicht.

Cora kümmerte sich besonders intensiv um ihre jüngere Toch­ter, und sogar Celeste, die sich häuslichem Morast gewöhnlich fern hielt, war um Julia besorgt und sagte zu Cora: »Der Kum­mer ist ihr aufs Gemüt geschlagen. Sie zieht sich in sich zurück. Es muß doch etwas geben, das wir tun können.«

»Was lange währt, wird endlich gut«, antwortete Cora.

»Was lange gärt, wird endlich Wut«, entgegnete Celeste, wo­bei sie überlegte, ob Wut helfen würde. Da sie Monogamie für eine schöne Illusion hielt, zog sie es vor, sich nicht darüber auszulassen. Aber Julia glaubte mit Herz und Seele an die Treue, und dieser unbedingte Glaube wurde nun für alle schmerzlich sichtbar. Gewöhnlich wurde Juts aufgrund ihrer Aufsässigkeit und Lebenslust unterschätzt, dabei war sie sehr empfindsam, und diesmal konnte sie ihre Gefühle nicht verber­gen.

Es war, als sei ihr Geist gelähmt. Sie stand morgens auf, machte Frühstück, ging zur Arbeit, kam nach Hause, spielte mit Yoyo und Buster, aber das Leben bewegte sich weder vorwärts noch rückwärts.

Hansford hatte ein langes Gespräch mit Chester, der seine Un­treue bereute. Er brach die Beziehung zu Trudy ab, und er wein­te, weil er fürchtete, Juts für immer verloren zu haben. Sie blieb bei ihm, doch sie traute ihm nicht mehr.

Seine Mutter bedeutete ihm, er solle fortgehen. Das konnte er nicht. Er hatte den Menschen betrogen, der ihn am meisten lieb­te und von dem Tag an zu ihm gehalten hatte, da sie vor den Traualtar getreten waren.

Wenngleich seine Freunde sagten, so etwas passiere nun mal, konnte er weder das drückende Schuldgefühl abschütteln noch die Angst beim Anblick des Körpers seiner Frau. Sie verfiel zusehends.

Er ging mit ihr ins Kino. Bei einer sentimentalen Schnulze schluchzte sie so heftig, daß sie den Saal verlassen mußten. Die Zuschauer taten, als merkten sie es nicht. Bis zum nächsten Morgen hatte sich die Geschichte in ganz Runnymede herumge­sprochen.

Auch Trudy Archer verlor ein paar Pfund. Sie liebte Chester, egal, wie hoffnungslos die Lage war. Nach geraumer Zeit fing sie an, mit Senior Epstein auszugehen. Der Juwelier war so begeistert von der weiblichen Gesellschaft, daß ihn ihr Status alsgefallene Frau< wenig kümmerte. Die Tanzschule profitier­te gewaltig. Die Hälfte der Männer von Runnymede kam vor­bei. So abwegig es war, aus schierer Furcht begleiteten die Frauen ihre Männer. Erloschene Ehevulkane brachen plötzlich aus. Unversehens hatte Trudy so mancher Verbindung einge­heizt.

Extra Billy fielen Julia Ellens Magerkeit und ihre traurigen Augen auf, als er auf Urlaub nach Hause kam, bevor er hinaus in den Pazifik verschifft wurde. Mary, die zu jung war, um zu verstehen, warum ihre Tante am Boden zerstört war, verzichtete auf Drängen ihrer Mutter auf eine kostbare Stunde mit ihrem Mann, um Juts zu besuchen. Mary war vor lauter Sorge selbst fast so dünn geworden wie Julia. Sie war klug genug, um zu wissen, daß Extra Billy bald ins Dickicht der Gefechte abkom­mandiert wurde.

Zwei Jahre vergingen, in denen Juts' Verfassung von tiefem Gram zu Dumpfheit und schließlich zu Wut überging. Allmäh­lich genoß sie es wieder, ihre eingerostete Macht über ihren Mann auszuüben. Immerhin war sie das unschuldige Opfer und er die Verkörperung der männlichen Sünde. Chester nahm dies als Teil seiner Strafe hin. Juts legte ein bißchen zu und sah nicht mehr so abgezehrt aus. Viele führten ihre wiederhergestellte Gesundheit darauf zurück, daß Trudy und Senior Epstein im Juni 1944 heirateten. Jacob junior schickte ein Telegramm von der französischen Grenze und wünschte seinem Vater alles Gu­te.

Viele junge Männer aus der Grenzstadt meldeten sich zum Militär, kaum daß sie die High School hinter sich gebracht hat­ten. Andere rissen nach York oder Baltimore aus, gaben ein falsches Alter an und wurden schon mit sechzehn eingezogen.

Zeb Vance wurde bei einem Manöverunfall in der Heimat verwundet. Ray Parker, ein Panzerkanonier, fiel in der Nähe der deutschen Grenze im Kampf. Tom West verlor beim Sturm auf ein MG-Schützennest einen Teil seines Unterkiefers. Die Sor­gen schweißten die Menschen enger zusammen. Nur wenige waren frei von Angst.

Rob McGrail landete in der Marinekapelle, was ihn schreck­lich erzürnte. Er wollte kämpfen, zum Erstaunen derjenigen, die ihn als dickes, faules Kind in Erinnerung hatten. Das Soldaten­leben härtete ihn ab und verlieh ihm in männlicher Gesellschaft eine gewisse Forschheit. Rob entwickelte sich zu einem gut aussehenden jungen Mann. Aber es ärgerte ihn, vor Würdenträ­gern auf dem Glockenspiel klimpern zu müssen.

Doak Garten wurde auf einem U-Boot zum Küchendienst ver­pflichtet. Rassendiskriminierung gab es unter Wasser genauso wie an Land, doch Doak, ein ungemein selbstbeherrschter Mensch, unterdrückte seine Verbitterung. Er war stolz darauf, seinem Land zu dienen, und ertrug die Wasserbomben so tapfer wie jeder andere an Bord. Wenn er auch keine Gleichstellung erringen mochte, so errang er sich doch Respekt. Das war ein Anfang. Als er auf Urlaub nach Hause kam, versprach er seinen Angehörigen, wenn der Krieg zu Ende sei, werde er es zu etwas bringen. Sie erwiderten, das sei ihm bereits gelungen.

Vaughn Cadwalder, im Kampf zum Leutnant befördert, wurde zweimal verwundet. Eine Kugel durchdrang seine Wade. Er ließ sich von den Ärzten zusammennähen und kehrte mit einer Drai­nage in der Wunde zu seiner Einheit zurück. Beim nächsten Mal wurde seine Schulter getroffen, die Kugel blieb im Schlüs­selbein stecken. Die Ärzte schnitten das Blei heraus, verbanden ihn, fixierten seinen Arm in einer Schlinge, und wieder machte er sich davon, ohne auf die Einwände der Ärzte zu hören. Vaughn hatte für sich entdeckt, daß er der geborene Krieger war. Selbst als die Deutschen ihm beide Beine wegschossen und ihn zum Krüppel machten, kroch er weiter zum MG-Nest. Sein Zug nahm das Nest ein. Vaughn wurde mit der Silbersternme­daille ausgezeichnet.

Joe BonBon kämpfte in Italien. Seine wenigen Briefe waren voll des Staunens über die Schönheit des Landes und die kom­plette Beschränktheit seiner Führer.

Edgar Frost flog als Kopilot B-17-Bomber über Deutschland. Er wurde zum Captain befördert. Er haßte den Krieg, er haßte es, den Tod auf Menschen abzuwerfen, die er nicht sehen konn­te, aber noch mehr haßte er Hitler und das, was er einem Land antat, das Edgar als Student der University of Maryland besucht hatte. Wenn dies die einzige Möglichkeit war, das Übel zu be­enden, mußte es sein.

Es war, als hielte Runnymede kollektiv für seine Söhne und neuerdings auch seine Töchter den Atem an. Vicky BonBon ging mit ihren Brüdern zum Militär. Auch sie wurde nach Eu­ropa abkommandiert. Spottiswood Chalfonte, die das Dasein eines Glamourgirls in Hollywood gründlich satt hatte, warf den Krempel hin, wurde Lazarettschwester und diente auf den Phil­ippinen. Was sie vom Krieg zu sehen bekam, waren die Wun­den, innerlich und äußerlich.