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»Oh, fast hätte ich's vergessen. Nachricht aus Baltimore. Das alte Nummernschild - war ein Firmenfahrzeug der Rife- Konservenfabrik. Ich bin hingefahren und habe Teresa gebeten, in den Firmenunterlagen nachzusehen.« Er hielt inne. »Sie sagt, das Nummerschild gehörte zu einem 1938er Ford. Sie konnte sich nicht an das Fahrzeug erinnern, aber es gab Unterlagen darüber.«

»Das ist alles?«

»Was Teresa betrifft. Nicht, was mich betrifft. Niemand hat damals einen Pkw oder Lieferwagen als gestohlen gemeldet. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Napoleon oder Julius Rife den Verlust eines Fahrzeugs einfach so hinnehmen. Ich sage dir, was ich tun werde, Chessy. Ich gehe morgen angeln. Kommst du mit?«

60

Ein leichter Nieselregen malte vollendete Kreise auf den tiefen Bach. Harper, Chessy, Pearlie und Noe schleppten Fischernetze. Chessy hatte Nickel mitgenommen, weil Julia sich um Louise kümmern mußte. Unter dem Einfluß des Beruhigungsmittels war Maizie einigermaßen ruhig. Doch sobald die Wirkung nachließ, kollerte sie wieder wie ein Truthahn. Sie blieb ange­zogen, weil Louise sie mit einer Gerte gezüchtigt hatte. Mary, die zurzeit im Bon-Ton arbeitete, hatte versprochen, nach der Arbeit zu helfen.

Wegen der ungewöhnlichen Hitze trug niemand einen Re­genmantel. Der Nieselregen tat gut. Chessy, Pearlie und Nickel angelten aus einem kleinen Kahn heraus. Sheriff Harper Whee­ler und Noe Mojo waren schneller, ihr Boot hatte den Rumpf unter der Kimm, und der Außenbordmotor war größer.

»Daddy?«

»Ja, Schätzchen?«

»Beißen die Fische an?«

»Heute nicht.«

»O. B. sagt, bei Regen fischt es sich am besten«, zitierte sie den Stallburschen.

»Er hat Recht, aber wir suchen nach einem Lieferwagen.«

»Können Lieferwagen schwimmen?«

Pearlie lächelte. »Dieser nicht.«

»Oh.« Sie ließ ihre Hand ins kühle Wasser baumeln und sah den kleinen Wellen zu.

Fannie Jump Creighton kam zu der kleinen Anlegestelle ge­fahren. Sie kurbelte ihr Fenster herunter. »Seit wann seid ihr schon hier draußen, Jungs?«

»Sonnenaufgang«, antwortete Noe.

»Warum habt ihr mich nicht angerufen?«

»Haben noch nichts gefunden. Wozu fünf Cent verschwen­den?«, erwiderte Harper Wheeler.

Sie sah auf ihre mit Diamanten besetzte Armbanduhr. »Zeit fürs Mittagessen. Kommt ihr in die Stadt, oder soll ich euch etwas rausbringen?« »Wir kommen rein. Nur noch ein paar Minuten.« Harper schob seine Pfeife in den anderen Mundwinkel. Sie war nicht angezündet, aber das Saugen beruhigte ihn.

»Daddy?«

»Was, Schätzchen?«

»Da drüben ist ein großer Fisch.« Sie zeigte auf ihn. Wasser tropfte von ihrem Zeigefinger.

»Wie schön.«

»Guck doch.« Sie klang beleidigt, weil er ihrem Fisch keine Beachtung schenkte.

»Wo?«

»Da. Das ist bestimmt ein Riesenkatzenfisch.«

»Bestimmt nicht.« Er winkte Harper zu. »Guck mal, hier drü­ben.«

Als Harper und Noe näher kamen, klatschten die kleinen Wel­len an die Seite des Kahns.

»Da drüben.« Chessy zeigte hin.

Pearlie blinzelte. »Was immer es ist, es ist groß.«

»Es ist ein Wal«, sagte Nickel überzeugt.

»Nicky hat ihn zuerst gesehen«, lobte Chester sein Mädchen.

»Schwer, in dem Regen überhaupt was zu sehen«, brummte Harper; denn es regnete jetzt stärker.

»Soll ich auswerfen?«, fragte Noe.

Er hob die Angel über den Kopf, ließ sie kreisen und warf den Haken gekonnt in die tiefe Seite des Baches. Eine Sekunde später zog er an. »Hab was erwischt.«

Sie schufteten den ganzen restlichen Nachmittag; mit Hilfe von Yashew Gregorivitchs Abschleppwagen, den Harper orga­nisiert hatte, zogen sie den verrosteten Lieferwagen aus dem Bach. Die Worte>Rife-Konserven< auf der Seite waren übermalt worden. Das Nummernschild fehlte.

Fannie stand mit offenem Mund da, als der Lieferwagen aus seinem nassen Parkplatz gehievt wurde.

»Wie ist er da runtergekommen?«, fragte sie.

»Na ja, in sieben Jahren ist er zwangsläufig ein bißchen abge­trieben, auch wenn er schwer ist. Schließlich hatten wir in den letzten Jahren schwere Regenfälle im Frühjahr.«

»Irgend jemand hätte ihn doch mal sichten müssen.« »Nicht, wenn der Fahrer ihn an der tiefsten Stelle des Baches versenkt hat, und das wäre hinter Toad Suck Ferry.« Die alte Fährstation lag ungefähr zweieinhalb Kilometer nördlich der Lagerhalle und vom Sans Souci. Die Station, die nicht mehr in Betrieb war, befand sich an der breitesten und tiefsten Stelle des Baches.

Fannie ging langsam um den baumelnden Lieferwagen herum. »Das ist er. Das kann ich beschwören. Und schade um das gute Stück, dieser zwielichtige Scheißkerl.« Da fiel ihr Nickel ein. »Verzeihung, Nicky. Tante Fannie sollte man den Mund stop­fen.«

»Warum bloß wollten die Rifes Sie abfackeln?« Harper fä­chelte sich mit seinem Sheriff-Cowboyhut.

»Keine Ahnung.«

»Ach, kommen Sie, Noe, irgendwas muß denen doch gestun­ken haben.« Harper ärgerte sich, weil er für die Brandstiftung im Jahre 1941 noch immer kein Motiv gefunden hatte.

»Ich spreche doch kaum mit den Rifes. Was sollten sie gegen mich haben, abgesehen vom Nächstliegenden?«

»Das ist nicht der Grund.« Pearlie lehnte an dem Abschlepp­wagen.

»Es muß einen Grund geben, verdammt!« Harper stemmte die Hände in die Hüften. »Man fackelt andere Leute doch nicht grundlos ab.«

Noe zuckte die Achseln. »Es war Pearl Harbor.«

»Daddy, was ist Pearl Harbor?«, flüsterte Nickel.

»Erklär ich dir später.«

Sie griff nach seiner Hand, zuversichtlich, daß er sein Ver­sprechen halten würde.

»Wir können nicht hundertprozentig davon ausgehen, daß es die Rifes waren. Es hätte einer ihrer Angestellten sein können oder jemand, der ihren Lieferwagen gestohlen hat und was ge­gen Noe hatte. Oder vielleicht war es wirklich wegen Pearl Harbor. Damals haben wir das jedenfalls geglaubt«, sagte Fan­nie.

»Wenn ein Lieferwagen der Rife-Konservenfabrik gestohlen worden wäre, glauben Sie nicht, daß ich umgehend lautes Ge­schrei zu hören gekriegt hätte?« Harper schüttelte den Kopf.

»Nein, nein, die zwei haben da mitgemischt.« Dann fügte er hinzu: »So, Jungs, unseren Lieferwagen haben wir gefunden. Jetzt gilt es, plausible Schlußfolgerungen zu ziehen.«

»Verflixt noch mal.« Fannie spuckte auf die Erde, keine da­menhafte, aber eine angebrachte Geste, denn Popeye Huffstetler kam in seinem alten Wagen angebraust.

»Dieser aufgeblasene Trottel!« Harper schlug sich mit seinem Hut aufs Bein. Chessy hob Nickel hoch und setzte sie auf seine breiten Schultern. »Hansford sagte immer, Popeye könnte ei­nem sogar feuchte Träume vermasseln.«

Die Männer und Fannie brachen in Gelächter aus.

»Daddy, was sind feuchte Träume?«

»Äh - das erklär ich dir später, Schätzchen.«

»Hansford hat etwas Merkwürdiges gesagt, als ich ihn verhört habe. Was war das noch gleich wieder?«

Popeye fuhr vor, in der einen Hand den Notizblock, während er mit der anderen den Motor abstellte. Er feuerte Fragen ab, noch bevor er mit beiden Beinen auf dem Boden stand. Als er Pearlie erblickte, platzte er heraus: »Louise schweigt sich aus über Maizies Auftritt und.«

»Maul halten, Huffstetler!« Pearlie lief rot an.

»He, es geht hier um Informationen, und Ihre Tochter hat sich beimClarion zur Schau gestellt und.« Er kam nicht zum En­de, weil Pearlie ihm einen rechten Haken verpaßte.

»Wenn Sie auch nur ein Wort über die Probleme meiner Tochter drucken, schlag ich Ihnen die Zähne aus, Sie dämliches Stück Scheiße!« Pearlie trat auf den taumelnden Popeye zu, dessen Notizblock und Stift im sandigen Lehm lagen.