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»Isses … heute abend? Was is’ passiert?«

»Pst. Du bist sehr, sehr krank gewesen. Du hattest eine heftige Blutung während der Plazentaübertragung. Dein Herz blieb zweimal stehen.« Er befeuchtete seine Lippen und redete weiter: »Das Trauma der Vergiftung brach obendrein in eine SoltoxinLugenentzündung aus. Du hattest gestern einen sehr schlechten Tag, aber jetzt bist du über den Berg und nicht mehr am Atemgerät.«

»Wie … lange?«

»Drei Tage.«

»Aha. Das Baby, Aral. Hat’s geklappt? Einzelheiten!«

»Es ging alles gut. Vaagen sagt, daß die Übertragung erfolgreich war.

Etwa dreißig Prozent der Plazentafunktionen gingen verloren, aber Henri hat das mit einem verstärkten Zufluß an angereicherter Oxy-Lösung kompensiert, und alles schein gut zu sein, oder so gut, wie man es erwarten kann. Das Baby lebt auf jeden Fall noch. Vaagen hat seinen ersten Versuch mit der KalziumBehandlung begonnen und verspricht uns einen baldigen grundsätzlichen Bericht.« Er liebkoste ihre Stirn. »Vaagen hat vorrangigen Zugriff auf alle Geräte, alles Material oder alle Techniker, die er in Anspruch nehmen möchte, einschließlich außenstehender Berater. Er hat einen beratenden zivilen Kinderarzt und Henri, Vaagen selbst weiß mehr über unsere militärischen Gifte als jeder andere Mann auf Barrayar und darüber hinaus. Wir können jetzt nicht mehr tun. Also ruh dich aus, meine Liebe.«

»Das Baby — wo?«

»Ah — du kannst sehen, wo, wenn du willst.« Er half ihr, den Kopf zu heben, und zeigte durch das Fenster. »Siehst du das zweite Gebäude, mit den roten Lichtern auf dem Dach? Das ist das biochemische Forschungsinstitut. Vaagens und Henris Labor ist im zweiten Stock.«

»Oh, ich erkenne es jetzt wieder. Ich sah es von der anderen Seite, an dem Tag, als wir Elena holten.«

»Das stimmt.« Sein Gesicht wurde weich. »Es ist gut, dich wiederzuhaben, lieber Captain. Als ich dich so krank sah … ich habe mich nicht mehr so hilflos und nutzlos gefühlt, seit ich elf Jahre alt war.«

Das war das Jahr, als das Todeskommando Yuri des Wahnsinnigen seine Mutter und seinen Bruder ermordete. »Pst«, sagte sie ihrerseits. »Nein, nein … alles in Ordnung jetzt.«

Am nächsten Morgen nahm man alle restlichen Schläuche von ihrem Körper ab, außer dem für Sauerstoff. Tage ruhiger Routine folgten. Ihre Genesung wurde weniger unterbrochen als die Arals. Zu allen Stunden kamen anscheinend Scharen von Männern, um ihn zu besuchen, angeführt von Minister Vortala. Trotz ärztlicher Proteste ließ er sich eine gesicherte Kommunikationskonsole in seinem Zimmer installieren. Koudelka leistete ihm acht Stunden am Tag Gesellschaft in dem provisorischen Büro.

Koudelka erschien sehr still, so deprimiert wie jeder andere in den Nachwehen der Katastrophe. Allerdings nicht so morbid wie die anderen, die mit dem Versagen des Sicherheitsdienstes zu tun hatten. Selbst Illyan wurde kleiner, wenn er sie sah.

Aral führte sie ein paarmal jeden Tag behutsam den Korridor hinauf und hinab. Das Vibra-Skalpell hatte einen saubereren Schnitt durch ihren Unterleib gemacht als etwa ein durchschnittlicher Säbelhieb, aber der Schnitt war nicht weniger tief. Jedoch schmerzte die heilende Narbe weniger als ihre Lungen. Oder ihr Herz. Ihr Bauch war nicht so sehr flach als schlaff, aber zweifellos nicht mehr besetzt. Sie war allein, unbewohnt, sie war wieder sie selbst, nach fünf Monaten dieser seltsamen verdoppelten Existenz.

Dr. Henri kam eines Tages mit einem Schwebestuhl und nahm sie zu einem kurzen Ausflug hinüber in sein Labor, damit sie sehen konnte, wo der Replikator sicher installiert war. Sie beobachtete, wie sich ihr Baby in den Vid-Aufnahmen bewegte und studierte die technischen Datensammlungen und Berichte des Teams. Nerven, Haut und Augen ihres Patienten lieferten ermutigende Testergebnisse, jedoch war sich Henri nicht so sicher über die Ohren, wegen der winzigen Knochen im Ohr. Henri und Vaagen waren richtig ausgebildete Wissenschaftler, fast betanisch in ihrer Einstellung, und sie segnete sie schweigend und dankte ihnen laut, und als sie dann in ihr Zimmer zurückkehrte, fühlte sie sich bedeutend besser.

Als Hauptmann Vaagen am nächsten Nachmittag in ihr Zimmer platzte, sank jedoch ihr Herz. Sein Gesicht war gewittrig dunkel, seine Lippen waren schroff aufeinandergepreßt.

»Was ist los, Hauptmann?«, fragte sie heftig. »Der zweite Versuch mit Kalzium — ist er fehlgeschlagen?«

»Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Nein, Ihrem Baby geht es wie immer, Mylady. Unsere Schwierigkeiten betreffen Ihren Schwiegervater.«

»Wie bitte?«

»General Graf Vorkosigan kam heute vormittag uns zu besuchen.«

»Oh! Er kam, um das Baby zu sehen? Oh, das ist gut. Er ist so verwirrt durch all die neue Lebenstechnologie. Vielleicht beginnt er endlich, diese emotionalen Blockierungen abzubauen. Die neuen Todestechnologien akzeptiert er ja auch ziemlich bereitwillig, als der alte Vor-Krieger, der er ist.«

»Ich an Ihrer Stelle würde über ihn nicht zu optimistisch werden, Mylady.« Er holte tief Atem und nahm Zuflucht zu einer formellen Haltung. »Dr. Henri hatte die gleiche Idee wie Sie. Wir führten den General im ganzen Labor umher, zeigten die Ausrüstung, erläuterten unsere therapeutischen Theorien. Wir waren absolut ehrlich, so wie wir es mit Ihnen gewesen sind. Vielleicht zu ehrlich. Er wollte wissen, welche Resultate wir bekommen würden. Zum Teufel, wir wissen es nicht. Und das sagten wir ihm.

Nachdem er ein wenig auf den Busch geklopft hatte, Andeutungen gemacht hatte … nun ja, um es kurz zu machen, zuerst bat der General, dann befahl er, dann versuchte er Dr. Henri zu bestechen, den Absperrhahn zu öffnen. Den Fötus zu vernichten. Die Mutation, wie er sagt. Wir warfen ihn schließlich hinaus. Er schwor, daß er wiederkommen werde.«

Sie zitterte, drunten in ihrem Bauch, obgleich sie ihr Gesicht ausdruckslos hielt. »Ich verstehe.«

»Ich möchte, daß dieser alte Mann aus meinem Labor draußen bleibt, Mylady. Und mir ist es gleich, wie Sie das schaffen. Ich kann es nicht brauchen, daß solcher Mist auf uns herunterkommt. Nicht von so hoch oben.«

»Ich werde mal schauen … warten Sie hier.« Sie wickelte ihren Bademantel enger um ihren eigenen grünen Pyjama, paßte ihren Sauerstoffschlauch fester an und schritt vorsichtig über den Korridor.

Aral, leger in Uniformhosen und ein Hemd gekleidet, saß an einem kleinen Tisch neben seinem Fenster. Das einzige Zeichen seines fortdauernden Patientenstandes war der Sauerstoffschlauch in seiner Nase, Behandlung seiner eigenen abklingenden Soltoxin-Pneumonie. Er konferierte mit einem Mann, während Koudelka Notizen machte. Der Mann war, Gott sei Dank, nicht Piotr, sondern nur einer von Vortalas Ministerialsekretären.

»Aral. Ich brauche dich.«

»Kann es warten?«

»Nein.«

Er stand von seinem Stuhl mit einem kurzen »Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, meine Herren!« auf und folgte ihr über den Korridor.

Cordelia schloß die Tür hinter ihnen.

»Hauptmann Vaagen, bitte erzählen Sie Aral, was Sie gerade mir erzählt haben.«

Vaagen, der um ein Grad nervöser ausschaute, wiederholte seinen Bericht. Zu seiner Ehre muß gesagt werden, daß er die Details nicht abschwächte.

Während Aral zuhörte, schien sich ein Gewicht auf seinen Schultern niederzulassen, er machte sie rund und zog sie hoch.

»Danke sehr, Hauptmann. Es war korrekt von Ihnen, dies zu berichten. Ich werde mich augenblicklich darum kümmern.«

»Ist das alles?« Vaagen blickte Cordelia zweifelnd an.

Sie machte ihm eine Geste mit der offenen Hand. »Sie haben gehört, was er gesagt hat.«

Vaagen zuckte die Achseln, salutierte und verließ den Raum.

»Du zweifelst doch nicht an seiner Geschichte?«, fragte Cordelia.

»Ich habe die Gedanken meines Vaters, des Grafen, über dieses Thema schon eine Woche lang gehört, meine Liebe.«