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»Ist es ein Vibra-Messer?«

»Nein, bloß aus Stahl.«

»Dann behalten Sie es.« Piotr beugte sich über das Steuerpult des Leichtfliegers und begann damit, den Autopiloten umzuprogrammieren.

»Alle aussteigen. Sergeant, blockieren Sie das Verdeck so, daß es halb offen bleibt.«

Bothari erfüllte diese Aufgabe, indem er einen Stein mit Gewalt in die Auflagerille des Verdecks zwängte, dann wirbelte er herum: es kam ein Geräusch aus dem Unterholz.

»Ich bin’s«, ertönte die atemlose Stimme von Esterhazy. Esterhazy, der vierzig Jahre alt war und damit noch als junger Bursche neben einigen von Piotrs grauhaarigen Veteranen gelten konnte, hielt sich immer in Topform, er mußte sich wirklich arg beeilt haben, wenn er so außer Atem war. »Ich habe sie, Mylord.«

›Sie‹ stellten sich heraus als vier von Piotrs Pferden, sie waren mit Leinen zusammengebunden, die an den Metallstücken in ihren Mäulern befestigt waren, welche auf Barrayar ›Gebisse‹ genannt wurden. Cordelia erschien das als eine sehr kleine Steuereinrichtung für ein so großes Transportmittel. Die großen Tiere zuckten und stampften und schüttelten ihre klirrenden Köpfe, ihre roten Nüstern waren rund und bebten.

Piotr war fertig mit der Umprogrammierung des Autopiloten. »Bothari, hierher«, rief er. Zusammen hoben sie Negris Leiche wieder auf den Pilotensitz und gurteten sie dort an. Bothari ließ den Motor des Leichtfliegers an und sprang heraus. Der Flieger taumelte in die Luft, krachte fast in einen Baum und tuckerte dann zurück über den Hügelkamm. Piotr, der dastand und beobachtete, wie der Leichtflieger hochstieg, murmelte leise: »Grüße ihn von mir, Negri.«

»Wohin schickst du ihn?«, fragte Cordelia. Nach Walhalla?

»Auf den Grund des Sees«, sagte Piotr mit einiger Befriedigung. »Das wird ihnen Kopfzerbrechen bereiten.«

»Werden die, die ihn verfolgen, nicht aufspüren? Und ihn wieder heraushieven?«

»Am Ende schon. Aber der Flieger dürfte in dem Bereich untergehen, wo der See zweihundert Meter tief ist. Das wird sie Zeit kosten. Und sie werden zuerst nicht wissen, wann er untergegangen ist und wieviele Leichen daraus fehlen. Sie werden dieses ganze Stück des Seebodens absuchen müssen, um sicher zu sein, daß Gregor nicht dort unten steckt. Und negative Indizien sind nie ganz beweiskräftig, nicht wahr? Sie werden es nicht wissen, selbst dann nicht. Steigt auf, Leute, wir machen uns auf den Weg.«

Er ging entschlossen auf seine Pferde zu.

Cordelia folgte ihm unsicher. Pferde. Als was waren sie zu bezeichnen: Sklaven, Symbionten, Kommensalen? Das Pferd, auf das Esterhazy sie zuführte, war fünf Fuß hoch. Er gab ihr die Leinen in die Hand und wendete sich ab. Der Sattel war in Höhe ihres Kinns: wie sollte sie da hochkommen? Aus diesem Blickwinkel erschien das Pferd viel größer, als wenn es sich in gewisser Entfernung dekorativ auf seiner Weide herumtrieb. Die braune, fellbedeckte Haut auf seiner Schulter zitterte plötzlich. O Gott, sie haben mir ein defektes gegeben, es wird gleich in Krämpfe verfallen — sie stieß einen kleinen Angstschrei aus.

Bothari war irgendwie auf sein Pferd gestiegen. Er zumindest war nicht von der Größe des Tieres überwältigt. Mit seiner eigenen Größe ließ er das ausgewachsene Tier wie ein Pony aussehen. Da er in der Stadt aufgewachsen war, war Bothari kein geübter Reiter, trotz des Kavallerietrainings, das ihm Piotr in den Monaten seines Dienstes aufgenötigt hatte, schien er nur aus Knien und Ellbogen zu bestehen. Aber er beherrschte deutlich sein Reittier, wie linkisch und grob auch seine Bewegungen sein mochten.

»Sie reiten als erster, Sergeant«, sagte Piotr zu ihm. »Ich möchte, daß wir so weit auseinandergezogen reiten, daß wir uns gerade noch sehen können. Keine Gruppe bilden! Reiten Sie los zum dem flachen Felsen — Sie kennen den Ort und warten Sie dort auf uns.«

Bothari riß den Kopf seines Pferdes herum und stieß ihm mit den Füßen in die Seiten, dann trappelte er auf dem Waldpfad los in der den Sitz erschütternden Gangart, die man Käufer nennt.

Piotr, von dem man hätte annehmen können, seine Gelenke würden schon knirschen, schwang sich in einer geschmeidigen Bewegung in den Sattel, Esterhazy reichte ihm Gregor hoch und Piotr setzte den Jungen vor sich hin. Gregor hatte anscheinend wirklich wieder Mut gefaßt, als er die Pferde erblickt hatte, doch Cordelia konnte nicht verstehen, warum. Piotr schien überhaupt nichts zu tun, aber sein Pferd stellte sich ganz von selbst startbereit für den Weg auf — Telepathie, entschied Cordelia verwirrt.

Die haben hierzu Telepathen mutiert und mir nie etwas davon erzählt … oder vielleicht war das Pferd telepathisch veranlagt?

»Los, Frau, du bist die Nächste.«

Verzweifelt steckte Cordelia ihren Fuß in dieses Dings von Fußhalter, Steigbügel, faßte irgendwo an und stemmte sich hoch. Der Sattel glitt langsam um den Bauch des Pferdes herum, und Cordelia mit ihm, bis sie unten zwischen einem Wald von Pferdebeinen hing. Sie fiel mit einem Plumps auf den Boden und krabbelte zur Seite. Das Pferd drehte seinen Hals herum und schaute sie an, weitaus weniger erschrocken als sie selber, dann richtete es seine gummiweichen Lippen auf den Boden und begann Gras zu fressen.

»O Gott«, stöhnte Piotr aufgebracht.

Esterhazy stieg wieder ab und eilte an ihre Seite, um ihr hinaufzuhelfen. »Mylady, sind Sie in Ordnung? Tut mir leid, das war mein Fehler, hätte noch mal überprüfen sollen … hm … sind Sie noch nie geritten?«

»Noch nie«, gestand Cordelia. Er zog hastig den Sattel herunter, legte ihn wieder richtig auf und befestigte ihn straffer. »Vielleicht kann ich laufen. Oder rennen.« Oder meine Pulsadern aufschneiden. Aral, warum hast du mich mit diesen Verrückten weggeschickt?

»Es ist nicht so schwer, Mylady«, versprach ihr Esterhazy. »Ihr Pferd wird den anderen folgen. Rose ist die sanfteste Stute in unseren Ställen. Hat sie nicht ein liebes Gesicht?«

Feindselige braune Augen mit Purpur in der Mitte ignorierten Cordelia. »Ich kann nicht.« Ihr Atem ging in ein Schluchzen über, das erste an diesem heillosen Tag.

Piotr blickte zuerst zum Himmel empor, dann zurück über seine Schulter. »Nutzloses betanisches Püppchen«, knurrte er ihr zu. »Sag mir nicht, daß du noch nie mit gespreizten Beinen geritten bist.« Er bleckte die Zähne. »Stell dir einfach vor, das sei mein Sohn.«

»Hier, geben Sie mir Ihr Knie«, sagte Esterhazy nach einem ängstlichen Blick auf den Grafen und legte seine Hände gewölbt ineinander.

Nimm doch das ganze verdammt Bein! Sie zitterte vor Wut und Angst. Sie warf Piotr einen wütenden Blick zu und griff wieder nach dem Sattel.

Irgendwie gelang es Esterhazy, sie hinaufzuschieben. Sie klammerte sich verbissen fest und beschloß nach einem kurzen Blick, nicht nach unten zu schauen. Esterhazy warf ihre Zügel Piotr zu, der sie mit einer leichten Bewegung des Handgelenks auffing und ihr Pferd ins Schlepptau nahm.

Der Pfad wurde zu einem Kaleidoskop aus Bäumen, Felsen, schmatzenden Schlammpfützen, peitschenden Zweigen — all dies wirbelte vorüber. Ihr Bauch begann zu schmerzen, ihre frische Narbe meldete sich mit Stechen.

Wenn das wieder drinnen zu bluten anfängt … Sie ritten weiter und weiter und immer weiter.

Schließlich fielen sie aus dem leichten Galopp in den Schritt. Cordelia blinzelte, mit rotem Gesicht, keuchend und schwindelig. Sie waren irgendwie zu einer Lichtung hinaufgestiegen, von der aus man den See überblicken konnte, nachdem sie um die breite, seichte Bucht herumgeritten waren, die auf der linken Seite des Vorkosigan-Gutes lag.