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Die schwarzgekleideten Männer fanden schließlich die Pferde, obwohl sie eine Ewigkeit dafür zu brauchen schienen. Dann fanden sie den Höhleneingang. Die kleinen Figuren gestikulierten aufgeregt miteinander, liefen hinein und heraus, und riefen den Flieger, der dann vor dem Eingang landete, wobei viel Gebüsch niedergewalzt wurde. Vier Männer gingen hinein, einer kam wieder heraus. Nach einiger Zeit landete ein weiterer Flieger. Dann kam ein Luftlaster und entlud eine ganze Patrouille.

Der Eingang zum Berg nahm alle auf. Ein weiterer Luftlaster kam, und es wurden Lichter aufgestellt, ein Feldgenerator, Funkgeräte.

Cordelia machte im Bettzeug ein Nest für Gregor, fütterte ihn mit kleinen Happen und ließ ihn aus ihrer Wasserflasche trinken, Bothari streckte sich an der Rückwand der Nische aus, wobei er nur die dünnste Decke zusammengefaltet unter den Kopf legte, ansonsten schien er gegen den Stein unempfindlich zu sein. Während Bothari schlummerte, zählte Cordelia sorgfältig, wieviele Jäger eintrafen. Am späten Nachmittag waren nach ihrer Rechnung schon etwa vierzig Männer in die Höhlen hinabgegangen und nicht wieder hochgekommen.

Zwei Männer wurden auf Schwebebahren festgegurtet herausgebracht, in einen Sanitätstransporter geladen und weggeflogen. Ein Leichtflieger baute inmitten des Gewimmels eine Bruchlandung, kippte hangabwärts um und prallte gegen einen Baum. Aber noch mehr Männer wurden eingesetzt, um ihn herauszuziehen, aufzurichten und zu reparieren. Gegen Abend waren schon über sechzig Männer in das Höhlensystem hinabgestiegen.

Eine ganze Kompanie, die von der Hauptstadt abgezogen worden war, keine Flüchtigen mehr verfolgte, nicht verfügbar war zur Aufdeckung der Geheimnisse des Militärkrankenhauses … Aber es reichte gewiß nicht aus, um die Lage grundsätzlich zu ändern. Aber es war ein Anfang.

In der Abenddämmerung schlüpften Cordelia, Bothari und Gregor aus der Felsnische, durchquerten die Schluchten und suchten sich schweigend ihren Weg durch die Wälder. Es war schon völlig dunkel, als sie zum Waldrand kamen und auf Klys Pfad stießen. Als sie den Hügelkamm überquerten, der das Tal einschloß, schaute Cordelia zurück. Das Gebiet um den Höhleneingang war von Suchscheinwerfern markiert, die wie leuchtende Dolche durch den Dunst nach oben stießen. Leichtflieger jaulten über dem Platz.

Auf der anderen Seite des Bergkamms schlitterten die drei den Abhang hinab, der Cordelia beim Aufstieg fast umgebracht hätte, als sie vor zwei Tagen an Roses Steigbügeln hing. Volle fünf Kilometer bergab, in einer felsigen Gegend mit baumlosem Gebüsch, hielt Bothari abrupt an. »Pst, Mylady, horchen Sie mal.«

Stimmen. Männerstimmen, nicht weit weg, aber seltsam hohl klingend. Cordelia starrte in die Dunkelheit, aber dort bewegten sich keine Lichter. Nichts bewegte sich. Sie kauerten sich neben dem Pfad nieder, alle Sinne waren angespannt.

Bothari kroch davon, mit schräg geneigtem Kopf, auf das Geräusch zu. Nach einigen Augenblicken folgten ihm Cordelia und Gregor vorsichtig.

Sie fanden Bothari neben einem gefurchten Felsbuckel kniend. Er winkte ihr, näher heranzukommen. »Das ist ein Loch«, flüsterte er, »hören Sie mal!«

Die Stimmen waren jetzt viel klarer, scharfe Töne, ärgerliche Kehllaute, durchsetzt mit Flüchen in zwei oder drei Sprachen.

»Verdammt noch mal, ich weiß, wir sind an der dritten Biegung nach links gegangen.«

»Das war nicht die dritte Biegung, das war die vierte.«

»Wir haben wieder den Wasserlauf überquert.«

»Das war nicht derselbe Scheißwasserlauf, sabaki!«

»Merde. Perdu!«

»Leutnant, Sie sind ein Idiot!« — »Korporal, Sie vergessen sich!«

»Dieses Kaltlicht hält nicht eine Stunde durch. Schauen Sie, es wird schon schwächer.«

»Na, dann schütteln Sie es nicht, Sie Trottel, wenn es heller leuchtet, dann ist es schneller am Ende.«

»Geben Sie mir das …«

Botharis Zähne schimmerten in der Dunkelheit. Es war das erste Lächeln, das Cordelia seit Monaten auf seinem Gesicht gesehen hatte. Er salutierte schweigend. Sie stahlen sich leise auf den Zehenspitzen davon, in die kalte Nacht der Dendarii-Berge.

Als sie wieder auf dem Pfad waren, seufzte Bothari tief auf: »Wenn ich nur eine Granate gehabt hätte, um sie in dieses Loch hinabzuwerfen. Ihre Suchtrupps würden noch nächste Woche um diese Zeit aufeinander schießen.«

KAPITEL 13

Nach vier Stunden auf dem nächtlichen Pfad tauchte das unverwechselbare schwarz-weiße Pferd aus der Dunkelheit auf. Kly saß auf ihm wie ein Schatten, aber sein kräftiges Profil und sein zerbeulter Hut waren sofort zu erkennen.

»Bothari!«, schnaufte Kly. »Wir leben, Gott sei Dank!«

Botharis Stimme war ausdruckslos. »Was ist mit Ihnen passiert, Major?«

»Ich bin fast in eines von Vordarians Kommandos gelaufen, an einer Hütte, wo ich Post ablieferte. Sie versuchen wirklich, diese Hügel Haus um Haus abzusuchen. Sie verpassen jedem, den sie treffen, Schnell-Penta. Sie müssen die Droge fässerweise mitschleppen.«

»Wir hatten Sie gestern abend zurückerwartet«, sagte Cordelia. Sie versuchte, nicht zu vorwurfsvoll zu klingen.

Der Filzhut hüpfte, als Kly sie mit einem müden Nicken grüßte. »Wäre auch zurückgewesen, ohne Vordarians verdammtes Kommando. Ich habe es nicht gewagt, mich von ihnen ausfragen zu lassen. Ich habe einen Tag und eine Nacht damit verbracht, ihnen auszuweichen. Ich schickte den Mann meiner Nichte, euch abzuholen. Aber als er an diesem Morgen bei meiner Hütte ankam, da waren schon überall Vordarians Leute da. Ich dachte schon, alles wäre verloren. Aber als sie bei Anbruch der Nacht immer noch da waren, da faßte ich Mut. Sie würden nicht mehr nach euch suchen, wenn sie euch schon hätten. Da dachte ich, ich sollte besser meinen Arsch hochkriegen und selbst nach euch Ausschau halten. Das ist wider alle Hoffnung!«

Kly wendete sein Pferd wieder in die Richtung, aus der er gekommen war. »Hier, Sergeant, setzen Sie den Jungen rauf.«

»Ich kann den Jungen tragen. Ich glaube, Sie sollten lieber Mylady mitreiten lassen. Sie ist schon fast am Ende.«

Das war nur allzu wahr. Cordelia war so erschöpft, daß sie bereitwillig zu Klys Pferd trat. Bothari und Kly hoben sie mit vereinten Kräften hoch auf den warmen Rücken des Schecken. Dann setzten sie sich in Bewegung.

Cordelia hielt sich an der Jacke des Postboten fest.

»Was ist mit euch passiert?«, fragte Kly seinerseits.

Cordelia ließ Bothari antworten, in seinen kurzen Sätzen, die noch kürzer gerieten als gewöhnlich, da er Gregor huckepack auf dem Rücken trug. Als er von den Männern erzählte, die sie durch das Loch im Fels gehört hatten, lachte Kly brüllend los, dann schlug er sich mit der Hand auf den Mund. »Die werden Wochen brauchen, um da wieder rauszukommen. Gute Arbeit, Sergeant!«

»Es war Lady Vorkosigans Idee.«

»So?« Kly wandte sich um und warf einen Blick auf Cordelia, die sich matt an ihn klammerte.

»Aral und Piotr schienen beide zu meinen, Ablenkung sei der Mühe wert«, erklärte Cordelia. »Soviel ich verstanden habe, hat Vordarian nur begrenzte Reserven.«

»Sie denken wie ein Soldat, Mylady«, sagte Kly in einem Ton, der nach Anerkennung klang.

Cordelia runzelte bestürzt die Stirn. Was für ein erschreckendes Kompliment. Das war das letzte, was sie wollte: anfangen wie die Soldaten zu denken und deren Spiel nach deren Regeln zu spielen. Die halluzinatorische Weltsicht der Militärs war allerdings entsetzlich ansteckend, wenn man in sie so eingetaucht war wie jetzt Cordelia. Wie lange kann ich Wasser treten?