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Endlich kam der Traumaspezialist aus dem Operationssaal und verkündete, Vaagen sei bei Bewußtsein und genügend orientiert für eine kurze — er betonte: kurze — Befragung. Aral kam, hinter ihm Koudelka und Illyan, und sie alle marschierten hinein und fanden Vaagen in einem Lazarettbett mit einer Klappe auf dem Auge und an einen intravenösen Tropfer angeschlossen.

Vaagen fügte in seiner heiseren und müden Stimme noch ein paar schreckliche Details an, jedoch nichts, was das Bild ändern konnte, daß er zuerst Cordelia geschildert hatte.

Illyan hörte mit stetiger Aufmerksamkeit zu. »Unsere Leute in der Residenz bestätigen das«, berichtete er, als Vaagen erschöpft war und sein bedrücktes Flüstern in Schweigen überging. »Der Replikator wurde offensichtlich gestern in die Residenz gebracht und in dem am schwersten bewachten Flügel untergebracht, in der Nähe von Prinzessin Kareens Gemächern. Unsere Loyalisten wissen nicht, was es ist, sie denken, es ist irgendeine Art von Apparat, vielleicht eine Bombe, die die Residenz und alle ihre Insassen im Endkampf ausschalten soll.«

Vaagen schnaubte, hustete und zuckte zusammen.

»Haben sie irgend jemand, der sich darum kümmert?«, stellte Cordelia die Frage, die bis jetzt jeder vermieden hatte. »Einen Doktor, einen Medizintechniker, irgend jemanden?«

Illyan runzelte die Stirn. »Ich weiß es nicht, Mylady. Ich kann versuchen, es herauszufinden, aber jede besondere Kommunikation gefährdet unsere Leute dort oben.«

»Hmm.«

»Die Behandlung ist sowieso unterbrochen worden«, murmelte Vaagen. Seine Hand fummelte am Rand seiner Bettdecke herum. »Das ist jetzt höllisch verpfuscht.«

»Ich bin mir bewußt, daß Sie Ihre Aufzeichnungen verloren haben, aber könnten Sie … Ihre Arbeit rekonstruieren?«, fragte Cordelia zaghaft. »Wenn Sie den Replikator wiederhätten, meine ich. Da weitermachen, wo Sie aufgehört haben.«

»Es wäre nicht mehr da, wo wir aufgehört haben, dann, wenn wir ihn zurückbekämen. Und es war nicht alles in meinem Kopf. Einiges davon war in Henris Kopf.«

Cordelia atmete tief durch. »Soweit ich mich erinnere, laufen diese escobaranischen tragbaren Replikatoren in einem Zyklus mit zweiwöchentlicher Wartung. Wann haben Sie zum letztenmal Elektrizität nachgeladen, die Filter ausgewechselt und Nährlösungen hinzugegeben?«

»Die Stromzellen halten noch Monate«, verbesserte Vaagen. »Die Filter sind eher ein Problem. Aber die Nährlösung wird der erste begrenzende Faktor sein, auf den der Replikator trifft. Bei seinem erhöhten Stoffwechselumsatz würde der Fötus ein paar Tage, bevor das System an seinen Abfällen erstickt, verhungern. Abfallprodukte könnten allerdings ziemlich bald die Filter überlasten, nachdem der Stoffwechsel der Stützgewebe begann.«

Cordelia vermied Arals Blick und schaute direkt auf Vaagen, der mit seinem einen unversehrten Auge direkt zurückblickte, mit mehr als physischem Schmerz in seinem Gesicht. »Und wann haben Sie und Henri den Replikator das letztemal gewartet?«

»Am vierzehnten.«

»Da bleiben noch weniger als sechs Tage«, flüsterte Cordelia erschrocken.

»Etwa … etwa soviel. Welcher Tag ist heute?« Vaagen blickte um sich mit einer für ihn uncharakteristischen Unsicherheit, deren Anblick Cordelias Herz weh tat.

»Die Zeitgrenze gilt nur, wenn der Replikator nicht richtig behandelt wird«, warf Aral ein. »Der Arzt in der Residenz, Kareens und Gregors Doktor — würde der nicht erkennen, daß etwas gebraucht wird?«

»Sir«, sagte Illyan, »nach den Berichten wurde der Arzt der Prinzessin am ersten Tag der Kämpfe in der Residenz getötet. Es gibt zwei sich überschneidende Berichte — ich muß das als gesichert annehmen.«

»Sie könnten Miles dort oben aus bloßer Unwissenheit sterben lassen«, erkannte Cordelia verzweifelt, »genauso wie mit Absicht.« Sogar einer ihrer eigenen geheimen Loyalisten könnte unter der heroischen Vorstellung, er würde eine Bombe entschärfen, eine Bedrohung für ihr Kind darstellen.

Vaagen drehte sich im Bett herum. Aral fing Cordelias Blick auf und machte mit seinem Kopf einen Ruck in Richtung der Tür. »Ich danke Ihnen, Hauptmann Vaagen. Sie haben uns einen außerordentlichen Dienst erwiesen. Weit über Ihre Dienstpflichten hinaus.«

»Zum Teufel mit den Dienstpflichten«, murmelte Vaagen, »höllisch verpfuscht … verdammte ignorante Schläger … Gesindel …« Sie zogen sich zurück und überließen Vaagen seiner ruhelosen Genesung.

Vorkosigan schickte Illyan zu seinen vervielfachten Aufgaben.

Cordelia blickte Aral ins Gesicht: »Was nun?«

Seine Lippen bildeten eine flache, harte Linie, sein Blick war halb abwesend, da er rechnete, dieselben Rechnungen, die auch sie durchführte, vermutete Cordelia, kompliziert durch tausend zusätzliche Faktoren, die sie sich nur vorstellen konnte. Er sagte langsam: »Es hat sich nichts geändert, wirklich. Gegenüber vorher.«

»Es hat sich geändert. Was auch immer der Unterschied ist zwischen Versteck und Gefangenschaft. Aber warum wartete Vordarian bis jetzt mit dieser Gefangennahme? Wenn er zuvor nichts von Miles’ Existenz wußte, wer hat ihm davon erzählt? Vielleicht Kareen, als sie sich entschied, mit ihm zusammenzuarbeiten?«

Auf diese Andeutung hin sah Droushnakovi aus, als würde ihr schlecht.

Aral sagte: »Vielleicht spielt Vordarian mit uns. Vielleicht hat er immer den Replikator in Reserve gehabt, bis er dringend einen neuen Hebel brauchte.«

»Unser Sohn. In Reserve«, verbesserte Cordelia. Sie blickte fest in diese nur halb-anwesenden grauen Augen, und gab mit ihrem Willen die Botschaft Sieh mich an, Aral! »Wir müssen darüber reden.« Sie zog ihn hinter sich her den Korridor hinab zum nächsten abgeschirmten Raum, einem Konferenzzimmer der Ärzte, und schaltete die Lichter ein.

Gehorsam setzte er sich an den Tisch, Kou neben sich, und wartete auf sie.

Sie setzte sich ihm gegenüber. Wir sind immer auf derselben Seite gesessen, vorher … Drou stand hinter ihr.

Aral betrachtete sie vorsichtig. »Ja, Cordelia?«

»Was geht in deinem Kopf vor?«, fragte sie. »Wo sind wir, in all dem?«

»Ich … bereue. Im nachhinein gesehen. Ich bereue, daß ich nicht früher einen Stoßtrupp geschickt habe. Die Residenz ist eine Festung, in die einzudringen gerade jetzt viel schwieriger ist als in das Militärkrankenhaus, wie gefährlich ein Stoßtruppunternehmen aufs Krankenhaus auch immer gewesen wäre. Und doch … ich konnte diese Wahl nicht ändern. Wenn die Männer in meinem eigenen Stab gebeten wurden, zu warten und zu schwitzen, dann konnte ich nicht für meinen privaten Nutzen Männer riskieren und Mittel aufwenden. Miles’ … Lage gab mir die Macht, von ihnen Loyalität trotz Vordarians Druck zu fordern. Sie wußten, daß ich von ihnen und den Ihren kein Risiko forderte, das ich nicht selbst zu teilen willens war.«

»Aber jetzt hat sich die Situation geändert«, führte Cordelia aus. »Nun teilst du nicht die gleichen Risiken. Ihre Verwandten haben alle Zeit der Welt zur Verfügung. Miles hat nur sechs Tage, minus die Zeit, die wir mit dem Argumentieren verbringen.« Sie konnte fühlen, wie diese Uhr tickte, in ihrem Kopf.

Er sagte nichts.

»Aral … in unserer ganzen Zeit hier, welchen Gefallen habe ich je von dir erbeten, von deinen offiziellen Befugnissen?«

Ein trauriges halbes Lächeln huschte über seine Lippen und verschwand. »Nichts«, flüsterte er. Sie saßen sich beide voller Spannung gegenüber, einander zugeneigt, er mit aufgestützten Ellbogen, die Hände vor dem Kinn verschränkt, sie mit ihren Händen flach auf dem Tisch, ganz beherrscht.

»Ich bitte dich jetzt.«

»Jetzt«, sagte er nach langem Zögern, »ist ein äußerst delikater Zeitpunkt, in der gesamten strategischen Lage. Wir befinden uns gerade in geheimen Verhandlungen mit zwei von Vordarians Spitzenkommandanten, ihn zu verlassen. Die Streitkräfte im Weltraum sind nahe daran, sich auf uns festzulegen. Wir sind nahe daran, es zu schaffen, Vordarian ohne eine größere Schlacht auszuschalten.«