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»Heute Abend nicht.«

Anderson verbeugt sich tief. »Dann bin ich Ihnen zu Dank verpflichtet.«

»Nicht zu voreilig. Vielleicht überlege ich es mir noch anders. Sie und Ihresgleichen haben einen äußerst schlechten Ruf.«

»Würden Sie mir wenigstens die Möglichkeit geben, um mein Leben zu feilschen?«, fragt Anderson sarkastisch.

Der Somdet Chaopraya zuckt mit den Schultern. »Das würde Ihnen nichts bringen. Etwas Interessanteres als Ihr Leben haben Sie mir nicht zu bieten.«

»Dann müsste ich mir also etwas völlig Neues überlegen.«

Der Thai mustert ihn mit durchdringendem Blick. »Unmöglich. «

»Keineswegs«, sagt Anderson. »Ich kann Ihnen etwas geben, das Sie noch nie gesehen haben. Noch heute Nacht. Etwas Exquisites! Nichts für zimperliche Menschen, aber erstaunlich und einmalig. Würde Sie das daran hindern, mich an die Karpfen zu verfüttern?«

Der Somdet Chaopraya wirft ihm einen verärgerten Blick zu. »Es gibt nichts, was Sie mir zeigen könnten, das ich noch nicht gesehen habe.«

»Wollen wir wetten?«

»Sie wollen wohl aufs Ganze gehen, was?« Der Somdet Chaopraya lacht. »Haben Sie für einen Abend noch nicht genug riskiert?«

»Ganz im Gegenteil. Ich möchte nur sicherstellen, dass ich hier lebend herauskomme. So groß scheint mir das Risiko nicht zu sein, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht.« Er blickt dem Somdet Chaopraya in die Augen. »Aber ich bin bereit, eine Wette abzuschließen. Und Sie?«

Der Somdet Chaopraya mustert ihn eindringlich und sagt dann mit lauter Stimme: »Unser Kalorienmann ist ein Spieler! Er möchte mir etwas zeigen, das ich noch nie gesehen habe. Was sollen wir denn davon halten?«

Seine Männer lachen alle. »Die Chancen stehen sehr zu Ihren Ungunsten«, sagt der Somdet Chaopraya.

»Trotzdem halte ich es für eine gute Wette. Und ich bin bereit, gutes Geld zu setzen.«

»Geld?« Der Somdet Chaopraya verzieht das Gesicht. »Ich dachte, wir reden hier über Ihr Leben.«

»Wie wäre es dann mit den Plänen für meine Spannfedernfabrik? «

»Wenn ich die wollte, könnte ich sie mir einfach nehmen.« Der Somdet Chaopraya schnippt verärgert mit den Fingern. »Einfach so, und schon gehören sie mir.«

»In Ordnung.« Anderson beißt die Zähne zusammen. Alles oder nichts. »Wie wäre es dann mit der nächsten Version U-Tex-Reis von meiner Firma? Wäre das nicht eine Wette wert? Und nicht nur der Reis, sondern auch das Korn, bevor es sterilisiert wird? Das thailändische Volk könnte den Reis anpflanzen, solange er seine Widerstandskraft gegen die Rostwelke behält. Mehr als das kann mein Leben nicht wert sein.«

Augenblicklich ist es völlig still. Der Somdet Chaopraya mustert Anderson nachdenklich. »Und im Gegenzug? Was möchten Sie, wenn Sie gewinnen?«

»Dann möchte ich das politische Projekt weitertreiben, das wir vorhin besprochen haben. Unter denselben Bedingungen, die wir bereits diskutiert haben. Bedingungen, die, wie wir beide wissen, für Sie und Ihr Königreich von großem Vorteil sind.«

Die Augen des Somdet Chaopraya werden schmal. »Sie sind ganz schön hartnäckig! Und was wird Sie daran hindern, uns den U-Tex-Reis einfach vorzuenthalten, wenn Sie verlieren?«

Anderson lächelt und weist mit einer Handbewegung auf Carlyle. »Ich nehme an, dass Sie Mr Carlyle und mich dann von Megodonten in Stücke reißen lassen werden. Genügt das?«

Carlyle lacht, wobei seine Stimme ins Hysterische zu kippen droht. »Was ist denn das für eine Wette?«

Anderson wendet den Blick nicht von dem Somdet Chaopraya ab. »Eine Wette, bei der es um alles geht. Ich vertraue völlig darauf, dass Seine Exzellenz ehrlich sein wird, falls es mir gelingt, ihn zu überraschen. Und als Zeichen unseres Vertrauens werden wir uns ihm ausliefern. Eine völlig annehmbare Wette. Wir sind beide Männer von Ehre.«

Der Somdet Chaopraya lächelt. »Ich nehme Ihre Wette an.« Er lacht und klopft Anderson auf den Rücken. »Sie überraschen mich, Farang. Ich wünsche Ihnen viel Glück! Es wird mir ein Vergnügen sein, Ihnen beim Sterben zuzuschauen.«

Wie sie da durch die Stadt fahren, bilden sie eine seltsame Gesellschaft. Das Gefolge des Somdet Chaopraya sorgt dafür, dass sie die Kontrollpunkte passieren können — die überraschten Rufe der Weißhemden hallen durch die Nacht, als sie begreifen, wen sie da gerade anhalten wollten.

Carlyle wischt sich mit dem Taschentuch die Stirn ab. »Himmelherrgott, Sie sind ja völlig verrückt! Ich hätte mich nie darauf einlassen dürfen, Sie vorzustellen.«

Nachdem die Wette nun abgeschlossen ist und ihm das Risiko vor Augen steht, ist Anderson fast geneigt, Carlyle zuzustimmen. Den Thai U-Tex-Reis anzubieten birgt ein beträchtliches Risiko. Selbst wenn seine direkten Vorgesetzten ihm den Rücken decken, die Erbsenzähler in der Firma werden auf jeden Fall dagegen sein. Der Verlust eines Kalorienjägers ist bei weitem leichter zu verschmerzen als der einer der wichtigsten Saatgutsorten. Falls die Thai anfingen, ihren Reis zu exportieren, würde das auf Jahre hinaus den Profit untergraben. »Das geht schon klar«, sagt er. »Vertrauen Sie mir.«

»Ich soll Ihnen vertrauen?« Carlyles Hände zittern. »Bis ich den Megodonten vorgeworfen werde?« Er schaut sich um. »Ich sollte mich einfach vom Acker machen.«

»Das lassen Sie besser bleiben. Der Somdet Chaopraya hat seinen Wachleuten genaue Anweisungen erteilt. Falls wir jetzt unsere Meinung ändern sollten …« Er deutet mit einer Kopfbewegung auf die Männer, die in der Rikscha hinter ihnen sitzen. »Die töten uns, bevor wir auch nur einen Fuß auf die Straße setzen.«

Ein paar Minuten später kommen Hochhäuser in Sichtweite, die ihnen wohlvertraut sind.

»Ploenchit?«, fragt Carlyle. »Jesus und Noah, was soll der Somdet Chaopraya denn hier?«

»Beruhigen Sie sich. Schließlich haben Sie mich auf diese Idee gebracht.«

Anderson steigt aus der Rikscha. Der Somdet Chaopraya und sein Gefolge stehen etwas deplatziert vor dem Eingang. Der Somdet Chaopraya schenkt ihm einen mitleidigen Blick. »Das ist das Beste, was Ihnen einfällt? Mädchen? Sex?« Er schüttelt den Kopf.

»Urteilen Sie nicht zu früh.« Anderson bedeutet ihnen, ihm zu folgen. »Bitte. Es tut mir leid, dass wir die Treppe hinabsteigen müssen. Natürlich schickt sich dieses Etablissement nicht für einen Mann Ihres Ranges. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Erfahrung es wert ist.«

Der Somdet Chaopraya zuckt mit den Schultern und lässt Anderson vorausgehen. Seine Wachleute halten sich ganz dicht bei ihnen — die Dunkelheit und die enge Treppe machen sie nervös. Die Junkies und Huren, die dort herumlungern, erkennen den Somdet Chaopraya und werfen sich sofort auf den Bauch. Die Nachricht von seiner Ankunft eilt vor ihm die Stufen hinauf. Die Wachleute laufen voraus und suchen die Finsternis ab.

Die Türen zum Club gehen auf. Mädchen fallen auf die Knie. Der Somdet Chaopraya schaut sich angewidert um. »Hierher geht ihr Farang also, um euch zu vergnügen!«

»Wie ich bereits gesagt habe — nicht eben besonders vornehm. Dafür bitte ich um Verzeihung.« Anderson winkt ihn zu sich herüber. »Hier entlang.« Er durchquert den Raum und zieht den Vorhang beiseite, hinter dem eine weitere Plattform zum Vorschein kommt.

Emiko liegt auf der Bühne, Kannika kniet über ihr. Männer drängen sich um sie, während Kannika das Aufziehmädchen aus der Reserve lockt, sie dazu zwingt, sich durch ihre Bewegungen zu verraten. Ihr Körper ruckt und zuckt im Licht der Glühwürmer. Der Somdet Chaopraya bleibt wie angewurzelt stehen und starrt sie an.

»Ich dachte, die gäbe es nur in Japan«, murmelt er.

28

»Wir haben noch einen entdeckt.«

Kanya schreckt hoch. Pai steht im Türrahmen. Kanya fährt sich über das Gesicht. Eben saß sie doch noch am Schreibtisch und war dabei, einen weiteren Bericht abzuschließen, während sie auf Neuigkeiten von Ratana wartete. Und jetzt sind überall Tintenflecken, und ihr Handrücken ist voller Spucke. Sie ist eingeschlafen. Und hat von Jaidee geträumt, der einfach nur dasaß und sich über all ihre Rechtfertigungsversuche lustig gemacht hat.