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Und was genauso wichtig war: Die Tests mit Montayne -zuerst in Frankreich, dann in Dänemark, Großbritannien, Spanien, Australien und jetzt in den USA - waren so umfassend und mit einer solchen Sorgfalt durchgeführt worden, wie es nach menschlichem Ermessen nur möglich war.

Zu Hause versuchte sie mehrmals, mit Andrew darüber zu sprechen und ihm zu erklären, warum sie ihre Meinung geändert hatte. Aber ganz gegen seine sonstige Art schien er nicht darüber reden zu wollen und brachte das Gespräch stets auf ein anderes Thema.

Schließlich gab Celia es auf und enthielt sich in Andrews Gegenwart aller positiven Äußerungen. Wenn bei Felding-Roth erst einmal die Verkaufskampagne für Montayne anlief, würde sie ihrer Begeisterung freien Lauf lassen können.

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»Woran wir alle, die wir mit dem Verkauf von Montayne zu tun haben, denken und worauf wir stets hinweisen müssen«, sagte Celia ins Mikrofon, »ist, daß dieses Medikament für schwangere Frauen völlig unbedenklich ist. Mehr noch, es ist ein lang erwartetes Medikament! Montayne ist etwas, wonach sich die Frauen, die während der Schwangerschaft unter Übelkeit leiden, seit Jahr-hunderten gesehnt haben. Endlich ist es soweit, und wir, Fel-ding-Roth, sind die Befreier: Wir befreien die amerikanischen Frauen von ihrem Joch, machen ihre Schwangerschaft besser, schöner und glücklicher! Das Mittel, das der >morgendlichen Übelkeit< ein Ende macht, ist da! Wir haben es!« Die Zuhörer applaudierten begeistert. Es war Oktober 1976. Celia nahm in San Francisco an der regionalen Verkaufskonferenz von Felding-Roth teil, die Pharma-Vertreter und -Vertreterinnen, Generalvertreter und regionale Verkaufsmanager aus neun Weststaaten der USA, einschließlich Alaska und Hawaii, vereinte. Das dreitägige Treffen fand im Fairmont-Hotel auf dem Nob Hill statt. Celia und mehrere andere leitende Angestellte der Firma wohnten in dem eleganten Stanford Court gegenüber, unter ihnen auch Bill Ingram, der schon bei den rezeptfreien Produkten für Celia gearbeitet hatte und auch jetzt wieder ihr Assistent war.

Die Marketing-Pläne für Montayne waren weit gespannt, und Felding-Roth hoffte, das Präparat im Februar auf den Markt zu bringen; bis dahin waren es nur noch vier Monate. Inzwischen sollten alle, die mit dem Verkauf von Montayne zu tun haben würden, soviel wie möglich darüber erfahren. Unter den Vertriebsleuten war die Begeisterung für Montayne groß, und in der Zentrale hatte jemand ein Lied komponiert, das nach der die von »America The Beautiful« gesungen werden sollte.

O wunderbar, so sorgenfrei Die Träume der Schwangerschaft.

Denn jetzt ist endlich aus und vorbei, Was morgens stets Kummer gemacht.

Montayne, Montayne!

Montayne, Montayne! Für werdende Mütter Verkaufen wir, verkünden wir: Gefahrlose Freuden!

Die Vertreter stimmten das Lied an diesem Morgen fröhlich und laut an und sollten es in den nächsten zwei Tagen noch oft wiederholen. Celia hatte Vorbehalte gegenüber dem Text, wollte aber den anderen nicht die Stimmung verderben.

Anderthalb Jahre lang hatte man das Medikament in den Vereinigten Staaten erprobt - an Tieren und an fünfhundert Menschen. Dabei waren nur gelegentlich leichte Nebenwirkungen aufgetreten, die keine signifikante medizinische Bedeutung hatten. Die guten Resultate stimmten mit denen der anderen Länder überein, wo Montayne bereits erhältlich und äußerst beliebt war und von Ärzten und Patientinnen positiv beurteilt wurde.

Nach dem Abschluß der Testserien hatte Felding-Roth bei der FDA in Washington den üblichen Zulassungsantrag gestellt und hoffte, daß die Genehmigung nicht lange auf sich warten lassen würde.

Leider erwies sich diese Hoffnung als falsch.

Aber das war nur eine der beiden dunklen Wolken, die über dem mühsam erarbeiteten Marketing-Plan von Felding-Roth schwebten. Die Geschäftsleitung hielt es jedoch für unmöglich, die bereits angelaufenen Vorbereitungen zu unterbrechen, bis die Zulassung erteilt wurde; sechs oder mehr Monate würden dem Verkauf auf diese Weise verlorengehen. Daher wurde beschlossen, mit der Herstellung fortzufahren, die Werbung voranzutreiben und Marketing-Seminare abzuhalten - alles in der Hoffnung, daß die FDA vor dem entscheidenden Termin grünes Licht geben würde.

Sam Hawthorne, Vincent Lord und einige andere waren der Ansicht, daß die Publicity, die Montayne durch die Medien erfuhr, Felding-Roth zugute kommen würde.

Wegen der großen Popularität, die das Präparat in den anderen Ländern bereits genoß, wurden in der Öffentlichkeit Fragen laut: Warum brauchte die FDA so lange für ihre Entscheidung? Warum wurde den amerikanischen Frauen dieses Medikament vorenthalten, wenn es die Frauen in anderen Ländern bereits mit Erfolg anwendeten? Wieder einmal war vom »amerikanischen Pillenverzug« die Rede. Und schuld daran war die FDA.

Einer, der ganz gezielte Fragen stellte, war der Senator Dennis Donahue, für gewöhnlich ein Kritiker der Pharma-Industrie, der aber in diesem Fall erkannte, welche Ansicht populärer war. Als ihn ein Reporter zu diesem Thema befragte, beschrieb er die Unentschlossenheit der FDA in bezug auf die Zulassung von Mon-tayne als »unter diesen Umständen eindeutig lächerlich«. Dona-hues Kommentar fand bei Felding-Roth natürlich Beifall.

Für die zweite Wolke, die über Felding-Roth schwebte, war Maud Stavely, eine Ärztin und Vorsitzende des New Yorker Verbrauchervereins »Bürger für mehr Sicherheit in der Medizin« zuständig.

Dr. Stavely und ihre Organisation, kurz BSM genannt, gingen massiv gegen die Zulassung von Montayne in den USA vor; sie führten an, das Medikament sei noch nicht unbedenklich genug, und forderten weitere Versuchsreihen. Sie verbreiteten diese Ansicht überall und erzielten beträchtliche Aufmerksamkeit in den Medien. Die Grundlage für Dr. Stavelys Argumentation war ein Gerichtsverfahren, das sich vor ein paar Monaten in Australien abgespielt hatte.

Eine dreiundzwanzigjährige Frau, die in der Nähe von Alice Springs im australischen Busch lebte, hatte eine Tochter zur Welt gebracht. Die Mutter gehörte zu den ersten Frauen, die während der Schwangerschaft Montayne eingenommen hatten. Später hatten Untersuchungen gezeigt, daß das Baby geistig stark behindert war und sich selbst ein Jahr nach der Geburt noch nicht bewegen konnte. Die Ärzte waren sich darüber einig, daß es für den Rest seines Lebens dahinvegetieren, niemals gehen oder auch nur ohne Hilfe aufrecht würde sitzen können.

Ein Rechtsanwalt, der von dem Fall hörte, riet der Mutter, die australische Firma, die Montayne vertrieb, auf Schadenersatz zu verklagen. Die Klage ging vor Gericht und wurde abgewiesen. Die Klägerin legte Berufung ein, jedoch ohne Erfolg.

Bei den beiden Gerichtsverfahren wurde mit scheinbar überwältigender Deutlichkeit der Beweis erbracht, daß Montayne für den Zustand des Kindes nicht verantwortlich zu machen war. Die Mutter, die keinen sonderlich guten Ruf hatte und zugab, nicht zu wissen, wer der Vater des Kindes sei, hatte während ihrer Schwangerschaft auch andere Medikamente eingenommenMethaqualon (Quaalude), Diazepam (Valium) und verschiedene andere. Außerdem trank sie, war Kettenraucherin und nahm Marihuana. Ein medizinischer Sachverständiger beschrieb vor Gericht ihren Körper als »Sammelbecken gegensätzlicher Chemikalien, aus dem alles mögliche hervorgehen kann.« Er und andere Experten sprachen Montanye von der Schuld für die Mißbildungen des Babys frei.

Nur der Arzt, der die Frau während ihrer Schwangerschaft behandelt und von dem Kind entbunden hatte, setzte sich für die Mutter ein und gab Montayne, das er ihr selbst verschrieben hatte, die Schuld. Aber im Kreuzverhör mußte der Arzt zugeben, für seine Behauptung keine Beweise zu haben.