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Xav Rivken, lebenslanger Demokrat, der sich seit neuestem begeistert für Carter einsetzte, hatte Zeit und Geld in die Wahlkampagne gesteckt; er kannte den neuen Präsidenten persönlich - sie hatten zusammen in der US-Navy gedient. Und jetzt erhielt er seine Belohnung, indem man ihm den Posten eines Unterstaatssekretärs im Handelsministerium anbot.

Bei Felding-Roth wurde das Angebot zuerst geheimgehalten und auch, daß Rivken grundsätzlich nicht abgeneigt war. Sam Hawthorne und ein paar andere Mitglieder des Aufsichtsrats besprachen die Angelegenheit und waren der Meinung, daß er annehmen sollte. Der Firma konnte es nicht schaden, einen Verbündeten im Handelsministerium zu haben. In aller Stille trafen sie ein Arrangement für die vorzeitige Pensionierung von Rivken, so daß er gleich nach dem 20. Januar, dem Amtsantritt des Präsidenten, die Firma verlassen konnte.

In der zweiten Januarwoche rief Sam Celia in sein Büro und informierte sie über die Abmachung mit Rivken, von der sie noch nichts gewußt hatte.

»Niemand - auch ich nicht - hat erwartet, daß es schon so bald dazu kommen würde«, sagte Sam, »aber wenn Xav geht, werden Sie an seine Stelle treten. Ich habe schon mit ein paar Aufsichtsratsmitgliedern gesprochen, die der Abmachung mit Xav zugestimmt haben. Wir sind uns natürlich alle im klaren darüber, daß es ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt ist, da wir mit Mon-tayne . . .«

»Darf ich mich setzen?« bat Celia. »Und geben Sie mir bitte einen Augenblick, um mich zu sammeln?« Ihre Stimme war rauher als sonst. »Auch wenn es Sie überrascht - ich bin wie vom Blitz getroffen.«

Sam machte ein zerknirschtes Gesicht. »Teufel auch, das tut mir leid! Ich hätte vielleicht ein bißchen diplomatischer vorgehen sollen. Aber an manchen Tagen habe ich es verdammt eilig.«

»Ist schon gut«, beruhigte Celia ihn. »Und was Sie über Mon-tayne sagen . . .«

Aber die Worte schienen gar nicht von ihr zu stammen. In ihrem Kopf ging alles drunter und drüber. Sie erinnerte sich an ein Ereignis, das siebzehn Jahre zurücklag: Irving Gregson, der damalige Leiter der Verkaufsabteilung, der der Firma längst nicht mehr angehörte, hatte sie während der New Yorker Verkaufstagung wütend aufgefordert, den Saal zu verlassen. Sam hatte sie damals gerettet . . . und jetzt war es Sam, der . . . Verdammt! Sie würde doch nicht etwa heulen! Als sie aufblickte, hielt Sam ihr lächelnd ein Taschentuch hin.

»Sie haben es verdient, Celia«, sagte er. »Ganz allein haben Sie es geschafft, Schritt für Schritt, und was ich schon früher hätte sagen sollen: Herzlichen Glückwunsch! Ich habe es Lilian beim Frühstück erzählt, und sie freut sich darüber genauso wie ich; sie läßt Ihnen sagen, daß wir uns alle bald wieder einmal treffen sollten.«

»Vielen Dank.« Sie nahm das Taschentuch, wischte sich die Tränen ab und sagte dann sachlich: »Bitte sagen Sie Lilian, daß ich ihr danke. Und jetzt zu Montayne.«

»Da Sie mit den Plänen für den Start von Montayne so vertraut sind, hat der Aufsichtsrat beschlossen, Sie damit weitermachen zu lassen, auch wenn Sie jetzt eine noch größere Verantwortung übernehmen. Das wird für Sie eine zusätzliche Belastung . . .«

»Kein Problem«, versicherte Celia.

»Außerdem sollten Sie sich über einen Nachfolger Gedanken machen«, bemerkte Sam.

»Bill Ingram«, sagte Celia, ohne zu zögern. »Er ist gut eingearbeitet und hat auch schon bei Montayne mitgemacht.«

Das Prinzip hatte hervorragend funktioniert: Celia war Sam auf der Leiter gefolgt, jetzt würde Bill Celia folgen - und wer würde sich wohl an Bills Fersen heften?

Nur mit Mühe konnte Celia sich konzentrieren und das Gespräch zu Ende führen.

Am Abend, als Celia Andrew von ihrer bevorstehenden Beförderung berichtete, schloß er sie in die Arme. »Ich bin stolz auf dich! Aber das bin ich schon immer gewesen.«

»Die meiste Zeit«, korrigierte sie ihn. »Es hat Augenblicke gegeben, in denen du es nicht warst, und das aus gutem Grund.«

Er verzog das Gesicht. »Das liegt alles weit hinter uns.« Dann verschwand er in der Küche und kehrte einen Augenblick später mit einer Flasche Schramsberg-Sekt zurück. Winnie April folgte ihm mit glühenden Wangen. Sie trug ein Tablett mit Gläsern.

»Winnie und ich trinken jetzt auf dein Wohl«, verkündete Andrew. Er hob sein Glas: »Auf dich, meine Liebste! Auf alles, was du bist, warst und sein wirst.«

»Gott schütze Sie.« Winnie nahm einen kleinen Schluck Sekt, dann zögerte sie. »Ich weiß nicht, ob ich das alles trinken soll.«

»Aber warum denn nicht?« fragte Celia.

»Na ja . . . es ist vielleicht nicht gut für das Baby.« Winnie warf Andrew einen Blick zu und wurde rot. »Ich hab' gerade erfahren, daß ich schwanger bin.«

»Winnie, das ist ja wunderbar!« Celia lief zu ihr, um sie zu umarmen. »Viel wichtiger als meine Beförderung!«

»Wir freuen uns für Sie, Winnie«, sagte Andrew. Er nahm ihr das Sektglas aus der Hand. »Sie haben recht. Sie sollten das jetzt nicht trinken. Wir machen eine neue Flasche auf, wenn das Baby da ist.«

Später, als Celia und Andrew zu Bett gingen, sagte Celia erschöpft: »Das war ein Tag heute!«

»Alles in allem ein wunderschöner Tag«, stellte Andrew fest. »Ich hoffe nur, daß es so bleibt.«

Aber die Hoffnung erfüllte sich nicht.

Die ersten Anzeichen für schlechte Nachrichten kündigten sich genau eine Woche später an.

Bill Ingram, der noch immer jungenhaft wirkte, kam in Celias Büro, in das er bald selbst einziehen würde. Er fuhr sich mit der Hand durch die wie immer zerzausten roten Haare. »Ich glaube, Sie sollten sich das hier mal ansehen, auch wenn ich nicht weiß, ob es von Bedeutung ist. Ein Freund hat es mir aus Paris geschickt. Es ist eine Meldung aus dem France-Soir. Wie gut ist Ihr Französisch?«

»Es reicht, um es zu verstehen.«

Als Celia zu lesen begann, stieg eine Vorahnung in ihr auf, die sie erschauern ließ.

Die Zeitungsmeldung war kurz.

Bei einem jetzt einjährigen Mädchen aus Nouzonville, einer kleinen französischen Stadt nahe der belgischen Grenze, war vor kurzem ein Fehler im zentralen Nervensystem festgestellt worden, der es bewegungsunfähig machte; die Untersuchungen hatten außerdem ergeben, daß sich das Gehirn nicht weiterentwik-kelte. Eine Behandlung schien nicht möglich. Das Kind würde für den Rest seines Lebens dahinvegetieren müssen. Es schien keine Hoffnung zu geben.

Die Mutter hatte während der Schwangerschaft Montayne eingenommen. Jetzt machten sie und ihre Familie dieses Medikament für die Fehlentwicklung des Babys verantwortlich. In der Zeitungsmeldung stand nicht, ob die Ärzte diese Ansicht teilten.

Der Bericht des France-Soir schloß mit einem rätselhaften Satz: Un autre cas en Espagne, apparemment identique, a ete signale.

Celia überlegte, was das zu bedeuten hatte.

. . . ein weiterer Fall in Spanien, offenbar identisch.

»Wie gesagt, ich glaube nicht, daß wir uns Sorgen machen müssen«, versicherte Bill Ingram. »Schließlich ist der France-Soir für seine Sensationslust bekannt. Wenn es LeMonde wäre. . .«

Celia antwortete nicht. ZuerstAustralien, letztFrankreich undSpa-nien.

Dennoch - ihr gesunder Menschenverstand sagte ihr, daß Bill recht hatte. Es gab wirklich keinen Grund zur Sorge. Sie dachte an ihre eigene Überzeugung, an die gewissenhaften, gründlichen Untersuchungen in Frankreich, die langen Erprobungen in vielen anderen Ländern, Sicherheiten, nach denen man gesucht und die man auch erhalten hatte. Kein Grund zur Sorge, natürlich nicht.

Und dennoch . . .

Entschlossen sagte sie: »Bill, ich möchte Sie bitten, so schnell wie möglich alles herauszufinden, was über diese beiden Fälle bekannt ist. Die Zeitungsmeldung behalte ich hier.«