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»Ja.«

»Konnten Sie es denn nicht wiederholen?«

»Ich konnte es mir nicht leisten zu warten.« Sie sah ihn groß an, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sie auch anzusehen.

»Meine Eltern hatten kein Geld, und ich mußte es mir selbst verdienen«, fuhr Yvonne fort. »Deshalb wurde ich Tierarzthelferin - das naheliegendste.« Dann lächelte sie ihn an, weil sie bemerkt hatte, wie ihre Blicke einander festhielten.

Das lag nun einige Wochen zurück, und seither war Martin von anderen Dingen in Anspruch genommen worden.

Zum einen von einer Computer-Analyse der laufenden Tests im Rattenlabyrinth; sie zeigte, daß die früheren Ergebnisse keine Zufallstreffer gewesen waren, sondern sich in den darauffolgenden Monaten konstant wiederholten. Das allein waren ausgezeichnete Neuigkeiten, aber darüber hinaus war ihnen auch eine Verfeinerung des Peptid-Gemischs gelungen, die es ihnen endlich ermöglichte, ein einzelnes aktives Peptid zu isolieren. Dieses langgesuchte Peptid war die siebente Bande auf den Filmstreifen und erhielt deshalb die Bezeichnung »Peptid 7«.

Beide Erfolge wurden sofort per Telex nach New Jersey durchgegeben, und Sam Hawthorne sandte Glückwünsche. Martin hätte sich am liebsten auch mit Celia in Verbindung gesetzt, aber er hatte inzwischen von ihrer Kündigung erfahren. Er wußte nicht, was sie zu diesem Schritt veranlaßt hatte, war aber sehr traurig darüber. Celia gehörte einfach zum Harlow-Institut und seinem Forschungsprojekt, und er empfand es als ungerecht, daß sie die Früchte dessen, was sie mit aufgebaut hatte, nicht mit ihm teilen konnte. Er wußte, daß er einen guten Freund und Verbündeten verloren hatte. Ob sie sich wohl je wiedersehen würden? Es schien unwahrscheinlich.

Ein einziger Faktor bereitete Martin noch Sorgen, als er in seinem Bett lag und die Ereignisse noch einmal an sich vorüberziehen ließ: das waren die älteren Ratten, die über mehrere Monate hinweg regelmäßig Peptid-Injektionen erhalten hatten.

Während sich das Gedächtnis der Ratten deutlich verbessert hatte, war ihr allgemeiner Gesundheitszustand offenbar schlechter geworden. Die Tiere zeigten einen alarmierenden Gewichtsverlust, waren mager, fast ausgemergelt.

War es möglich, daß das Peptid 7 zwar für das Gehirn nützlich, aber für den Körper schädlich war? Würden die mit Peptid-Ge-misch behandelten Ratten auch weiterhin an Gewicht verlieren und schließlich dahinsiechen? War das der Fall, dann wäre Peptid 7 unbrauchbar, sowohl für Tiere als auch für Menschen, und die wissenschaftliche Arbeit von vier Jahren in Harlow und Martins früherer Tätigkeit in Cambridge wäre völlig umsonst gewesen.

Dieses Schreckgespenst verfolgte Martin Tag und Nacht, und er bemühte sich, es wenigstens am Wochenende für ein paar Stunden aus seinen Gedanken zu verbannen. Jetzt, an diesem Samstagabend . . . oder besser: Sonntagmorgen . . . kehrten seine Gedanken zu Yvonne und der Frage zurück, die er sich bereits gestellt hatte: Und warum hast du nichts unternommen?

Er konnte sie anrufen. Warum hatte er nicht schon früher daran gedacht? Aber jetzt, nach Mitternacht, war es wohl schon zu spät. Verdammt! Warum versuchte er es nicht einfach?

Zu seiner Überraschung wurde der Hörer schon beim ersten Klingeln abgenommen. »Hallo.«

»Yvonne?«

»Ja.«

»Hier ist . . .«

»Ich weiß, wer Sie sind.«

»Na schön«, sagte er, »ich liege hier im Bett und kann nicht schlafen, und da dachte ich mir . . .«

»Ich kann auch nicht schlafen.«

»Ich hab' mir überlegt, ob wir uns morgen vielleicht treffen könnten.«

»Morgen ist Montag.«

»Und wie war's mit heute?«

»Von mir aus gern.«

»Um wieviel Uhr würde es Ihnen passen?«

»Warum nicht gleich?«

Er konnte sein Glück kaum fassen. »Soll ich Sie abholen?«

»Nicht nötig. Ich weiß, wo Sie wohnen. Ich komme zu Ihnen.«

»Wollen Sie das wirklich?«

»Natürlich.«

Er hatte das Gefühl, noch etwas sagen zu müssen.

»Yvonne.«

»Ja ?«

»Ich bin froh, daß Sie kommen.«

»Ich auch.« Er hörte ihr sanftes Lachen. »Ich dachte schon, Sie würden mich nie fragen.«

Von dem Augenblick an, als Yvonne das Haus betrat, war alles wunderbar und unkompliziert. Nachdem Martin sie in die Arme genommen und sie sich zärtlich geküßt hatten und alle Tiere, die sie im Hausflur empfingen, gestreichelt worden waren, fragte sie: »Und wo ist dein Schlafzimmer?«

»Ich zeige es dir«, sagte er, und sie folgte ihm mit einem kleinen Handköfferchen die Treppe hinauf.

In dem matt erleuchteten Schlafzimmer zog Yvonne sich rasch aus, und Martin sah ihr dabei mit klopfendem Herzen zu und bewunderte ihren Körper - vor allem ihre herrlichen Brüste.

Dann liebten sie sich, ganz ohne Scheu und voller Zärtlichkeit. Yvonne war von einer natürlichen, ungehemmten Leidenschaft. Vielleicht war es ihre Liebe zum Leben und zu all den Lebewesen auf dieser Erde, aber in diesem Augenblick kam sie in ihrer warmen Zunge zum Ausdruck, die überall zu sein schien, und in ihren weichen Lippen, die ihn unaufhörlich erforschten, und in dem Rhythmus ihres Körpers, der ihn aufforderte, auf eine Art zu reagieren, die er bis dahin nicht gekannt hatte, die ihm fremd gewesen, aber plötzlich so vertraut war.

»Nicht so schnell! Laß uns noch warten«, bat sie.

»Ich werde es versuchen«, flüsterte er.

Es dauerte nicht lange, bis das Verlangen sie beide fortriß. Danach war Martin von einem Gefühl des Friedens und Wohlbehagens erfüllt, wie er es selten erlebt hatte.

Aber selbst dann suchte sein Verstand noch nach einem Grund für diese heitere, friedliche Stimmung. Vielleicht war das, was er fühlte, nur die Erlösung von all dem Druck, der sich angesammelt hatte. Aber sein Instinkt sagte ihm, daß es mehr sein mußte: daß Yvonne eine ganz besondere Frau war, von einer inneren Ausgeglichenheit, die sich auf andere übertrug . . . und mit diesem Gedanken schlief er ein. Er schlief tief und erwachte erst, als Geräusche aus der Küche zu ihm drangen. Kurz darauf erschien Yvonne; sie hatte Martins Morgenrock angezogen und brachte ein Frühstückstablett mit Tee, getoastetem Fladenbrot und Ho-nig. Sie war von sämtlichen Vierbeinern des Hauses - zwei Hunden und drei Katzen - umringt.

Yvonne stellte das Tablett aufs Bett, in dem sich Martin aufgerichtet hatte. Lächelnd zeigte sie auf den Morgenrock. »Ich hoffe, du hast nichts dagegen.«

»Er steht dir viel besser als mir.«

Sie setzte sich aufs Bett und schenkte den Tee ein. »Du magst Milch, aber keinen Zucker.«

»Ja, aber woher . . .«

»Ich habe mich im Labor erkundigt - für den Fall der Fälle. Übrigens, deine Küche ist in einem schrecklichen Zustand.« Sie reichte ihm den Tee. »Bevor ich gehe, werde ich sie saubermachen.«

Der Morgenrock hatte sich geöffnet, und Martin sagte: »Ich hoffe, du hast es mit dem Weggehen nicht allzu eilig.«

Sie ließ den Morgenrock offen und lächelte wieder. »Sei vorsichtig mit dem Teller, er ist heiß.«

»Es kommt mir vor, als wäre alles gar nicht wahr«, sagte er. »Frühstück im Bett ist ein Luxus, den ich mir jahrelang nicht ge-kistet habe.«

»Das solltest du öfter tun. Du hast es verdient.«

»Aber du bist doch mein Gast. Eigentlich müßte ich dich verwöhnen.«

»Mir gefällt es so besser«, versicherte sie ihm. »Noch etwas Tee?«

»Vielleicht später.« Er stellte seine Tasse hin und streckte die Arme nach ihr aus.

Yvonne ließ den Morgenrock auf den Boden gleiten und kam zu ihm. Er hielt sie fest, und diesmal wanderten seine Hände ganz ohne Eile über ihren Körper, erforschten ihre Brüste und ihre Schenkel.

»Du hast einen wunderschönen Körper«, sagte er und küßte sie.

»Ein bißchen zuviel davon.« Sie lachte. »Ich müßte abnehmen.« Sie kniff sich in die Schenkel. »Was ich brauche, ist ein bißchen von deinem Peptid 7, dann würde ich so dünn werden wie die Ratten.«