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Während Blade damit beschäftigt war, sich selbst unter Kontrolle zu bringen, packte Vance seinen Oberarm und stach die Nadel in eine der großen Adern in seiner Armbeuge. Blade knurrte vor Schmerz und riss seinen Arm weg, doch es war bereits zu spät. Er sah Vance zornig an. Schweiß lief ihm von der Stirn über sein Gesicht.

Vance lächelte herablassend. „Na, das war doch gar nicht so schlimm, nicht wahr?“ Er legte den Kopf ein wenig schräg und betrachtete Blade kühl. „Du bist schwach, stimmt’s? Du brauchst bestimmt dein Serum.“ Er legte die Spritze weg und schloss den Lederkoffer. „Wer hätte gedacht, dass ein gewöhnlicher Mensch wie ich dich außer Gefecht setzen würde?“

Blade hörte auf zu kämpfen, als ihm eine Erkenntnis dämmerte. Sein Unterkiefer klappte herunter, so wenig wollte er glauben, was die Vernunft ihm sagte. „Du gehörst zu ihnen… du bist ein Vertrauter!“

„Schon seit fünf Jahren.“ Vance sagte es nicht ohne einen Anflug von Stolz. Er streckte den Arm aus und schob die Manschette weit genug zurück, um ein fingernagelgroßes Schriftzeichen zu zeigen, das in sein Handgelenk eintätowiert war. Blade starrte ihn fassungslos an, unfähig, ein Wort herauszubringen, während ihm die Konsequenzen klar wurden. „Das ist das Endspiel, Blade. All ihre Pläne werden jetzt endlich verwirklicht. Lehn dich einfach zurück und genieße das Schauspiel.“

Wieder brachte das Adrenalin Blade auf Touren. Er wandte sich zu dem großen Spiegel um und schrie aufgebracht: „Er ist einer von denen! Verdammt, er arbeitet für sie!“

Vance sah ebenfalls in den Spiegel, während Blade tobte. Für die Überwachungskamera hob er vielsagend eine Augenbraue und zuckte mit den Schultern. Er hatte dem Mann nur eine geringe Dosis eines Beruhigungsmittels gegeben, und der rastete darüber förmlich aus.

Der Kerl war offensichtlich schwer gestört.

Vance ignorierte Blades drängende Beteuerungen und ging zurück nach nebenan zu den Detectives. Zu viert standen sie vor dem Spiegel und sahen zu, wie Blade sich in einen Wutanfall steigerte und wie ein Wahnsinniger an seinen Fesseln zerrte.

Vance schüttelte Chief Vreede die Hand, wobei der Hemdsärmel des Polizeichefs ein Stück verrutschte und auf seinem Arm die gleiche Tätowierung sichtbar wurde wie beim Doktor.

Sie lächelten sich kurz an, dann gingen sie nach draußen und ließen Cumberland und Haie allein, die sich nur stumm anblickten.

Etliche Minuten verstrichen. Im Verhörraum betrachtete Blade sein Spiegelbild, während er auf dem Stuhl langsam zusammensackte. Warum war es ihm bloß nicht möglich, sich auf irgend etwas zu konzentrieren? Der Hunger rührte sich tief in ihm und brannte wie ein weißglühender Schürhaken. Doch allmählich schwächte er sich zu einem matten Gefühl ab, als sich das Medikament langsam den Weg durch seine Adern bahnte und seinen Körper dazu brachte, sich zu entspannen. Er wusste, dass diese Wirkung vermutlich nicht lange anhalten würde, doch er war zu geschwächt, um von sich aus dagegen anzukämpfen.

Blade zitterte, als ihm ein Schauder über den Rücken lief. Er presste den Atem zwischen den Zähnen heraus, während er seine letzten Reserven aktivierte, um sein größtes Verlangen zu bekämpfen. Seine gesamte noch verbliebene Energie richtete er darauf, seine Atmung zu kontrollieren, bis er nur noch ein paar Atemzüge pro Minute machte. Er spürte, wie sich gleichzeitig auch sein Herzschlag verlangsamte und wie der Schmerz in seinem Blut nachließ, als sein Körper in eine Starre verfiel.

Er ignorierte den Hunger, der an ihm nagte, und beschäftigte sich weiter nur mit seiner Atmung. Er spürte, wie sich seine Lungen ausdehnten und zusammenzogen, wie kühlende Luft in die kochende Feuergrube gebracht wurde, die sich in seinem Körper befand. Es war ein Trick, den Whistler ihm beigebracht und den er über die Jahre hinweg verfeinert hatte. So war es ihm möglich, die Kontrolle über sich zurückzuerlangen, wenn der Durst sich in ihm regte. Es war seine Reflexhandlung auf den Hunger gewesen, bis Whistler das Serum verbessert hatte, das damals kaum für sechs Stunden ausreichte. Manchmal war der alte Mann nicht rechtzeitig bei ihm, wenn der Durst zurückkam, und manche von Whistlers interessanteren Narben waren die Folge seiner Entschlossenheit gewesen, den jungen Daywalker ,stubenrein’ zu machen.

Blades Augenlider schlossen sich flatternd, dann öffneten sie sich wieder, als sich sein Stoffwechsel weiter verlangsamte. Er musste wachsam bleiben. Wenn der Augenblick zur Flucht kam, dann musste er bereit sein.

Draußen im Korridor öffneten sich die Aufzugtüren vor Danica, Asher, Grimwood und vier Vampirpflegern, die die Trage in den Vorraum schoben. Als sie in den langen, hell erleuchteten Korridor einbogen, kamen ihnen Cumberland und Haie entgegen. Sie eilten Chief Vreede nach, der auf dem Weg zum Ausgang war und seine Schritte beschleunigte, während er so tat, als würde er die Rufe der beiden Detectives nicht hören.

Cumberland stand kurz vor einem Wutausbruch. Dieser Vance hatte kein Recht, sich einfach einzumischen und Blade wegzuschaffen, solange er ihn nicht verhört hatte. Wie konnte dieser Kerl das nur wagen? Das hier war sein Fall, Blade fiel in seine Zuständigkeit. Da Whistler tot war, stellte Blade die einzige Verbindung zu Hunderten von ungeklärten Todesfällen dar, die sich im gesamten Bundesstaat zugetragen hatten. Er konnte nicht zulassen, dass sein Hauptverdächtiger ihm einfach so weggenommen wurde.

Als sich Vreedes medizinische Eskorte näherte, streckte Cumberland den Arm aus. „Augenblick, nicht so schnell.“

Zu seiner Überraschung schubste ihn die Krankenschwester, die die Gruppe anführte, einfach zur Seite und ging weiter, ohne von dem Detective Notiz zu nehmen.

Cumberland sah zu Haie, während in seinem Kopf eine Alarmglocke schrillte. Irgendwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu.

Er eilte Vreede nach, gefolgt von seinem treuen Assistenten Haie.

Im Verhörraum versuchte Blade, sich von seinen Fesseln zu befreien, ehe Vance zurückkehrte. Das Medikament hatte ihn mittlerweile fest im Griff, denn bei jeder Kopfbewegung drehte sich alles vor seinen Augen. In seinem Magen brannte dumpf der Durst und wurde immer stärker, je weiter ihm seine Kontrolle entglitt, da das Medikament in seinen Adern seinen Willen immer mehr schwächte. Blade kämpfte mit sich, um die Augen offen zu halten. Wenn er zuließ, dass sie zufielen, dann wäre alles zu spät – für ihn und vermutlich auch für jeden, der sich im Umkreis von hundert Metern aufhielt.

Während er die Bilder vor seinen Augen zu ignorieren versuchte, die wie Spezialeffekte aus den Siebziger Jahren wirkten, konzentrierte er sich darauf, irgendwie seine Handfesseln zu lösen. Für normales Metall waren sie außergewöhnlich robust. Schweißperlen liefen Blade in die Augen, als er immer wieder seine Armmuskeln anspannte und versuchte, eines der Glieder zum Zerreißen zu bringen, die die Handschellen zusammenhielten.

Noch während er sich abmühte, öffnete sich plötzlich die Tür, und fünf Gestalten betraten den Raum. Blade blinzelte, um zu erkennen, um wen es sich handelte. Verwundert nahm er zur Kenntnis, dass die Gruppe sich aufteilte und wieder zusammenfand und leuchtende Striemen hinter jeder ihrer Bewegungen herzog. Der schlangenartige Vampirgeruch war unverwechselbar, und Blade knurrte kehlig, als er versuchte, sich zu erheben.

Die erste Gestalt, eine Frau, setzte ihren mit einer Metallspitze versehenen Absatz auf seine Brust und drückte ihn zurück auf den Stuhl. „Nur die Ruhe, Liebling. Du gehst nirgendwohin.“

Danica beugte sich zu Blade hinunter und betrachtete ihn gierig. Es hatte etwas Unwirkliches, nun dem sagenumwobenen Daywalker so nah zu sein, nachdem sie ihn jahrelang nur auf große Entfernung beschattet hatte. Sie holte tief Luft und genoss den Augenblick. Es war wirklich wundervoll, Blade so vor sich zu sehen, wehrlos und fast betäubt, nicht in der Lage, sich zu wehren. Sie wünschte sich nur, Gedge könnte miterleben, was sein Opfer bewirkt hatte. Besonders gemocht hatte sie den Typen zwar nie, aber für einen Menschen war er sehr ehrgeizig gewesen.