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»Es gibt viele Tiere.«

»Ja, ist das nicht wundervoll? Oh, entschuldige, hast du gegessen? Möchtest du etwas Suppe haben? Ich bereitete gerade Suppe zu. Lauchsuppe. Ich meine, das muß man ja riechen.«

Das stimmte. »Ja, man riecht’s«, sagte Ann.

Bei Suppe und Brot stellte sie ihm Fragen über den Eisbären. »Sicher kann es für etwas so Großes hier keine ganze Nahrungskette geben?«

»O doch. In dieser Gegend ist das der Fall. Dafür ist sie bekannt. Die erste Bioregio’n, die Bären verträgt. Die Bucht ist bis zum Grund flüssig, wie du siehst. Das Ap-Mohole befindet sich im Zentrum des Kraters; darum hat der See keinen Boden. Im Winter natürlich überfroren; aber die Bären sind das von der Arktis her gewohnt.«

»Die Winter sind lang.«

»Ja. Die Bärinnen graben sich einen Bau im Schnee, nahe einigen Höhlen in zutage liegenden Stellen des Deichs im Westen. Sie halten keinen richtigen Winterschlaf. Ihre Körpertemperatur sinkt nur um wenige Grade; und sie können in ein paar Minuten aufwachen, wenn sie den Bau wegen der Wärme anpassen müssen. So verbringen sie darin so viel vom Winter, wie sie können, leben darin und suchen Nahrung bis zum Frühling. Dann im Frühling schleppen wir einige Eisschollen durch die Mündung der Bucht hinaus auf See; und von da aus entwickeln sich die Dinge, von unten nach oben. Die Basis der Nahrungskette ist im Wasser antarktisch und auf dem Lande arktisch. Plankton, Krill, Fische und Kalmare, Weddelrobben und an Land Kaninchen und Hasen, Lemminge, Murmeltiere, Mäuse, Luchse und Rotluchse. Und die Bären. Wir machen Versuche mit Karibus, Rentieren und Wölfen; aber für Huftiere gibt es noch kein Futter. Die Bären sind erst seit ein paar Jahren draußen. Bis vor kurzem war der Luftdruck noch nicht ausreichend. Aber jetzt ist es hier wie auf viertausend Metern, und es sieht so aus, als ob die Bären ganz gut damit zurecht kämen. Sie passen sich sehr rasch an.«

»Menschen auch.«

»Nun, auf viertausend Metern haben wir noch nicht sehr viele gesehen.« Er meinte viertausend Meter über dem Meer auf der Erde. Höher als jede ständige menschliche Siedlung, wie sie sich erinnerte.

Er fuhr fort: »...Am Ende erleben wir eine Expansion des Thoraxraums, zu der muß es ja kommen...« Ein Mann, der Selbstgespräche führte. Groß, stämmig. Weißes Gelb in einem Kranz um seine kahle Platte. Schwarze Augen, die hinter runden Brillengläsern verschwammen.

»Bist du jemals Hiroko begegnet?« fragte sie.

»Hiroko Ai? Ja, einmal. Eine sympathische Frau. Ich höre, sie ist wieder auf die Erde gegangen, um ihnen zu helfen, sich der Flut anzupassen. Hast du sie gekannt?«

»Ja. Ich bin Ann Clayborne.«

»Das habe ich mir gedacht. Die Mutter von Peter Clayborne, richtig?«

»Ja.«

»Er war vor kurzem in Boone.«

»Boone?«

»Das ist die kleine Station gegenüber der Bucht. Dies hier ist Botany Bay, und die Station ist Boone Harbor. Eine Art Scherz. Offenbar gab es in Australien ein ähnliches Paar.«

»Ja.« Sie schüttelte den Kopf. John würde für immer mit ihnen sein. Und er war keineswegs der schlechteste der Geister, die sie verfolgten.

Wie zum Beispiel dieser Mann, der berühmte Tiermaler. Er klapperte und fuhrwerkte kurzsichtig in der Küche herum, setzte ihr die Suppe vor, und sie aß, wobei sie ihn verstohlen beobachtete. Er wußte, wer sie war, schien sich aber wohl zu fühlen. Er machte keinen Versuch, sich zu rechtfertigen. Sie war eine rote Areologin, und er malte die neuen Tiere des Mars. Sie arbeiteten auf dem gleichen Planeten. Aber das bedeutete nicht, daß sie Feinde waren, nicht für ihn. Er konnte ihre Existenz ohne Bosheit verkraften. Darin lag etwas Erregendes, das trotz seiner freundlichen Art durchschlug. Es war so brutal, vergessen zu sein. Trotzdem gefiel er ihr. Diese leidenschaftslose Kraft und Unbestimmtheit — irgend etwas war da. Er trödelte in seiner Küche herum, setzte sich dann hin und aß mit ihr, rasch und geräuschvoll, den Mund feucht von der klaren Brühe. Danach brachen sie von einem langen Laib Brot Stücke ab. Ann stellte Fragen über Boone Harbor.

Whitebook zeigte auf das Brot und sagte: »Es gibt dort eine gute Bäckerei und ein gutes Labor. Der Rest ist ein ganz gewöhnlicher Außenposten. Aber wir haben letztes Jahr die Kuppel abgenommen, und jetzt ist es sehr kalt, besonders im Winter. Eigentlich ist es nur der sechsundvierzigste Breitengrad; aber wir empfinden es als einen nordischen Ort. So sehr, daß man davon spricht, die Kuppel zumindest im Winter wieder aufzuspannen. Es gibt auch Leute, die sagen, wir sollten verschwinden, bis es wärmer wird.«

»Bis die Eiszeit vorüber ist?«

»Ich glaube nicht, daß es eine Eiszeit geben wird.

Dieses erste Jahr ohne die Soletta war natürlich schlimm; aber es sollten unterschiedliche Kompensationen möglich sein. Ein paar kalte Jahre, das wird alles sein.«

Er schüttelte eine seiner bekrallten Tatzen. Es könnte auch anders sein. Ann warf ihm fast ihr Stück Brot vor die Füße. Aber sie wollte ihn lieber nicht aufregen. Sie beherrschte sich zitternd.

Sie fragte: »Ist Peter noch in Boone?«

»Ich nehme es an. Vor ein paar Tagen war er noch da.«

Sie sprachen weiter über das Ökosystem Botany Bay. Ohne eine größere Fülle pflanzlichen Lebens waren Tiermaler sehr eingeschränkt. Die Gegend ähnelte in dieser Hinsicht eher der Antarktis als der Arktis. Möglicherweise könnten neue Verfahren zur Fixierung des Bodens die Ansiedlung höher entwickelter Pflanzen beschleunigen. Eben jetzt war das Land größtenteils von Flechten bewachsen. Die Tundrapflanzen würden folgen.

»Aber dies mißfällt dir«, bemerkte er.

»Mir hat es gefallen, wie es vorher war. Vastitas Borealis bestand aus Barchan-Dünen aus schwarzem und granatrotem Sand.«

»Werden nicht oben bei der Polkappe einige übrig bleiben?«

»Die Eiskappe wird an den meisten Stellen bis zum Meer herunterreichen. Ähnlich wie in der Antarktis, wie du sagst. Nein, die Dünen und das geschichtete Terrain werden unter Wasser stehen — so oder so. Die ganze nördliche Hemisphäre wird dahin sein.«

»Aber hier ist ja die nördliche Hemisphäre.«

»Eine Halbinsel im Gebirge. Und die ist irgendwie auch hinüber. Botany Bay war einst Arcadia Krater Ap.«

Er sah sie lauernd durch die Brille an. »Vielleicht könnte es, wenn man in großer Höhe lebt, so wirken wie in den alten Tagen. Die alten Tage, aber mit Luft.«

»Vielleicht«, sagte sie zurückhaltend. Er ging in der Kammer herum, stampfte mit schweren Schritten und säuberte große Küchenmesser über dem Ausguß. Seine Finger endeten in kurzen stumpfen Krallen. Selbst wenn sie beschnitten waren, ließ es sich damit an kleinen Objekten schwer arbeiten.

Sie stand vorsichtig auf und sagte: »Vielen Dank für das Essen!« Dabei zog sie sich zur Schleusentür zurück. Sie ergriff ihre Jacke auf dem Weg nach draußen und schlug die Tür vor seiner überraschten Nase zu. Hinaus in den scharfen Ansturm der Kälte und in die Jacke. Niemals vor einem Raubtier davonlaufen. Sie ging zu ihrem Wagen zurück und stieg ein, ohne sich umzuschauen.

Das alte Hochland von Tempe Terra war mit einer Anzahl kleiner Vulkane besetzt. Darum gab es überall Lavaflächen und Kanäle, sowie heimtückische Rutschstellen infolge des Grundeises und den gelegentlichen kleinen Abflußkänalen, in denen an der Großen Böschung Wasser heruntergeströmt war. All dies zusammen mit der üblichen Sammlung vorzeitlicher Aufprall- und Verformungsrelikte war so vielfältig, daß auf areologischen Karten Tempe wie die Palette eines Malers aussah, auf der überall Farben hingeklatscht waren, um die verschiedenen Aspekte der langen Geschichte der Region anzuzeigen. Nach Anns Meinung zu viele Farben; denn für sie waren die kleinsten Einteilungen in unterschiedliche areologische Einheiten künstlich — Reste der Himmelsareologie, die zwischen Gebieten, die bekraterter, zerklüfteter oder zerfressener waren als der Rest, zu unterscheiden suchten, während doch alles eins war, mit den bezeichnenden Merkmalen, die überall sichtbar waren. Es war einfach eine rohe Landschaft, die Welt der Vorzeit und keineswegs rauher.