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Aber für die Gegner des Kabels war das ein zweifelhafter Nutzen. Die wollten eine lokalisierte, zusammengehaltene Bevölkerung und ein verlangsamtes Wachstum. Der Vertrag interessierte sie wenig. Als es daher im Rat zu einer Abstimmung kam, die ohnehin für die Legislative nur eine Empfehlung sein konnte, stimmte nur Zeyk mit Nadia. Das war Jackies bisher größter Sieg, der sie in eine zeitweilige Allianz mit Irishka und dem Rest der Umweltgerichtshöfe versetzte, die prinzipiell gegen alle Formen einer raschen Entwicklung waren.

Nadia kam an diesem Tag entmutigt und bekümmert in ihr Apartment zurück. »Wir haben der Erde versprochen, eine Menge Einwanderer aufzunehmen, und dann die Zugbrücke hochgezogen. Das wird zu Unannehmlichkeiten führen.«

Art nickte. »Wir werden etwas ausarbeiten müssen.«

Nadia stieß enttäuscht einen tiefen Seufzer aus. »Arbeit. Wir werden nichts ausarbeiten. Arbeit ist nicht das richtige Wort dafür. Wir werden feilschen und hadern und streiten und meckern. Ich werde immer weitermachen. Ich dachte, daß Mrgal zurück ist, würde helfen; aber das nützt nichts, wenn er nicht mitmacht.«

»Er hat keine Position inne«, gab Art zu bedenken.

»Die könnte er aber haben, wenn er wollte.«

»Stimmt.«

Nadia dachte darüber nach. Ihre Gedanken wanderten, während ihre Stimmung sank.

»Du weißt, ich habe erst zehn Monate von meiner Amtszeit hinter mir. Es stehen mir noch zweieinhalb m-Jahre bevor.«

»Ich weiß.«

»m-Jahre sind so verdammt lang.«

»Ja. Aber die Monate sind kurz.«

Sie fauchte ihn an und blickte aus dem Fenster ihres Apartments in die Caldera von Pavonis hinunter. »Die Schwierigkeit ist, daß Arbeit keine Arbeit mehr ist. Du weißt, wir gehen von hier hinaus und beteiligen uns an diesen Projekten, und die Arbeit daran ist noch keine Arbeit. Ich meine, ich komme nie dazu, Dinge zu tun. Ich erinnere mich, in Sibirien, als ich jung war, da war Arbeit noch wirkliche Arbeit.«

»Vielleicht siehst du das etwas romantisch.«

»Nun ja, sicher. Aber auch auf dem Mars. Ich entsinne mich, wie ich Underhill zusammengesetzt habe. Das hat wirklich Spaß gemacht. Und eines Tages auf unserem Ausflug zum Nordpol, um eine Permafrostgalerie zu installieren...« Sie seufzte. »Was würde ich nicht für eine solche Arbeit geben!«

»Es sind immer noch viele Bauarbeiten im Gange«, erklärte Art.

»Durch Roboter.«

»Vielleicht könntest du dich wieder etwas mehr Menschlichem zuwenden. Baue selbst etwas. Ein Haus auf dem Land oder ein Erschließungsprojekt. Oder eine der neuen Hafenstädte, von Hand errichtet, um verschiedene Designs, Bauverfahren oder was auch immer auszuprobieren. Das würde den Bauvorgang verlangsamen. Dafür würde der Globale Exekutivrat aufkommen.«

»Vielleicht. Du meinst, nach Ende meiner Amtszeit.«

»Oder sogar davor. Bei Pausen, oder wenn du auf Reisen bist. Die sind alle so etwas Ähnliches wie Konstruktionen gewesen, wenn auch nicht gerade Bauten. Das Erbauen realer Dinge. Das mußt du versuchen und dann zurückkehren und zwischen den beiden pendeln.«

»Interessenkonflikt.«

»Nicht, wenn es ein offizielles Projekt ist. Wie wäre es mit dem Vorschlag, eine globale Hauptstadt unten auf Meeresniveau zu bauen?«

»Hmm«, machte Nadia. Sie holte eine Karte heraus, und sie brüteten darüber. Auf der Linie der Länge Null krümmte sich die Südküste des Nordmeeres zu einer kleinen runden Halbinsel mit einer Kraterbucht im Zentrum. Sie lag etwa auf halber Strecke zwischen Tharsis und Elysium. »Wir müssen hinfahren und es uns ansehen.«

»Ja. Hier, komm ins Bett! Wir können später darüber sprechen. Ich habe jetzt eine ganz andere Idee.«

Einige Monate später flogen sie von Bradbury Point wieder nach Sheffield zurück, und Nadia erinnerte sich an dieses Gespräch mit Art. Sie bat den Piloten, an einer kleinen Station nördlich des Kraters Sklodowska auf dem Abhang des Kraters Zm, genannt Zoom, zu landen. Als sie auf die Rollbahn niedergingen, sahen sie im Qsten eine große, jetzt mit Eis bedeckte Bucht. Ihr gegenüber lagen die rauhe Gebirgsgegend von Mamers Valliso und die Deuteronilus Mensae. Die Bucht war ein Einschnitt in die Große Böschung, die hier recht sanft war. Länge 0°, Breite 46° Nord. Also ziemlich weit im Norden, aber die nördlichen Winter waren im Vergleich mit den südlichen milde. Sie konnten einen großen Teil des Eismeeres längs einer langen Küstenlinie sehen. Die Zoom umgebende Halbinsel war hoch und glatt. Die kleine Station an der Küste war das Heim von ungefähr fünfhundert Menschen, die dort draußen mit Bulldozern, Kränen, Baggern und Schürfgeräten arbeiteten. Nadia und Art stiegen aus, schickten das Flugzeug weg, nahmen ein Zimmer in einem Gasthaus und verbrachten ungefähr eine Woche bei den Leuten dort mit Gesprächen über die neue Siedlung. Die Einwohner hatten von dem Vorschlag gehört, hier an der Bucht eine neue Hauptstadt zu bauen. Manchen gefiel der Gedanke, manchen nicht. Sie hatten daran gedacht, ihre Siedlung wegen ihrer Länge Greenwich zu nennen, hatten aber gehört, daß die Briten den Namen ›Green Witch‹ aussprachen und waren dadurch verunsichert und sagten dann ›Greenich‹. Vielleicht einfach London. Sie sagten, sie würden sich etwas ausdenken. Die Bucht selbst hieß, wie sie sagten, schon lange Chalmers Bay.

»Wirklich?« rief Nadia. Sie lachte. »Wie perfekt!«

Sie war von der Landschaft schon sehr angetan. Die konische Moräne von Zoom, die Wölbung der großen Bucht, roter Fels über weißem Eis und vermutlich eines Tages auch über blauer See. Während der Tage ihres Besuchs zogen ständig mit dem Westwind Wolken vorbei und sprenkelten Land und Eis mit ihren Schatten. Manchmal gab es aufgeblähte weiße Cumuluswolken, die wie Galeonen vorbeizogen, zu anderen Zeiten rollten Muster wie Heringsgräten über ihren Köpfen dahin und markierten das dunkle Himmelsgewölbe über ihnen und das kurvenreiche felsige Land unter ihnen. Es könnte eine kleine hübsche Stadt sein, an einer Bucht wie San Francisco oder Sidney, ebenso schön wie diese, nur kleiner, in menschlichem Maßstab und in Bogdanovistischer Architektur von Hand erbaut. Und manA könnte daran arbeiten wie an einem Kunstwerk. Während sie mit Art an den Küsten des Eismeeres lange Spaziergänge unternahm, sprach Nadia durch ihre CO2-Maske über ihre Ideen, während sie zusah, wie die Wolkenparade in der dumpf brausenden Luft dahingaloppierte.

»Sicher, das würde gehen«, sagte Art. »Es wird sowieso eine Stadt werden, darauf kommt es an. Es ist eine der besten Buchten an diesem Küstenstrich und muß darum auch als Hafen genutzt werden. So würdest du nicht jene Art von Hauptstadt bekommen, die einfach ins Niemandsland gepflanzt wurde wie Canberra, Brasilia oder Washington, D.C. Sie wird als Seehafen ein ganz anderes Leben haben.«

»Sehr richtig. Das wäre prima.« Nadia ging erregt von diesem Gedanken weiter und fühlte sich besser, als sie es seit Monaten getan hatte. Die Bestrebung, anderswo als in Sheffield eine Hauptstadt zu erstellen, war stark und wurde von fast jeder Partei da oben unterstützt. Diese Bucht war bereits von den Sabishiiern vorgeschlagen worden; und es wäre bloß die Unterstützung einer bereits existierenden Idee, anstatt dem Volk eine neue aufzuzwingen. Die Unterstützung würden sie haben. Und bei einem Vorhaben öffentlicher Arbeit würde sie an dem Bau voll mitmachen können. Das war ein Teil der Gaben-Ökonomie. Vielleicht würde es ihr auch möglich sein, auf die Planung Einfluß auszuüben. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr reizte sie die Aufgabe.