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Sie waren längs der Küste der Bucht weit gegangen. Jetzt kehrten sie um und machten sich auf den Weg zurück in die kleine Niederlassung. Wolken wälzten sich bei steifem Wind über ihnen dahin. Die Kurve des roten Landes grüßte zur See hin. Direkt unter der Wolkendecke befiederte ein offenes V schreiender Gänse den Wind in Richtung Norden.

Später an diesem Tage flogen sie nach Sheffield zurück. Art ergriff ihre Hand und hielt sie fest, um ihren Finger zu untersuchen. Er sagte zögernd: »Du weißt, die Gründung einer Familie wäre auch ein Bauvorhaben, das viel körperlichen Einsatz erfordert.«

»Was?«

»Und man hat sich über Fortpflanzung ziemlich viele Gedanken gemacht.«

»Was?«

»Ich sagte, so lange du lebst, kannst du recht viele Kinder haben, so oder so.«

»Was?«

»So redet man eben. Falls du wolltest, könntest du es machen.«

»Nein.«

»So sagt man.«

»Nein.«

»Es wäre vielleicht keine schlechte Idee.«

»Nein!« »Nun, du weißt selbst, Bauen — ist gewiß etwas Großartiges; aber man kann nicht ewig mit der Klempnerei weitermachen, Rohre verlegen, Nägel einschlagen, mit Bulldozern arbeiten — das ist natürlich alles interessant, wie ich annehme, aber dennoch... Wir müssen eine Menge Zeit ausfüllen. Und die einzige Arbeit, die wirklich auf lange Sicht wahrzunehmen wäre, ist das Aufziehen eines Kindes, nicht wahr?«

»Nein, das mache ich nicht!«

»Hast du überhaupt schon mal ein Kind gehabt?«

»Nein.«

»Also los!«

»O Gott!«

Ihr Phantomfinger juckte. Aber jetzt war er wirklich da.

ACHTER TEIL

Grün und weiss

Cadres kam in die Stadt Xiazha in Guangzhou und sagte: Um des Wohles Chinas willen müßt ihr dieses Dorf auf dem Moon Plateau des Mars neu errichten. Ihr werdet zusammen gehen, das ganze Dorf. Ihr werdet eure Familie und eure Freunde und Nachbarn mit euch haben. Zehntausend von euch alle zusammen. Wenn ihr euch in zehn Jahren entscheidet zurückzukehren, könnt ihr das tun; und in das neue Xiazha wird Ersatz geschickt werden. Wir denken aber, daß es euch gefallen wird. Es liegt einige Kilometer nördlich der Hafenstadt Nüokeras nahe dem Delta des Maumee-Flusses. Das Land istfruchtbar. Es gibt in dieser Region schon einige chinesische Dörfer und in allen großen Städten chinesische Sektionen. Es gibt viele Hektare freien Landes. Die Reise kann in einem Monat beginnen. Eisenbahn nach Hong Kong, Fähre nach Manila, und dann mit dem Raumaufzug hinauf in den Orbit. Sechs Monate durch den Weltraum zwischen Erde und Mars und mit dem Aufzug hinunter nach Pavonis Mons und noch ein Ausflugszug zum Moon Plateau. Was sagt ihr? Wir möchten eine einstimmige Entscheidung und die Dinge auf dem rechten Fuß in Gang bringen.

Später rief ein Angestellter das Praxisbüro in Hong Kong an und berichtete einem Telefonisten, was geschehen war. Praxis Hong Kong schickte die Information der demographischen Studiengruppe von Praxis in Costa Rica. Dort fügte eine Planerin namens Amy den Bericht einer langen Liste ähnlicher Meldungen hinzu und dachte einen ganzen Morgen lang nach. Am gleichen Nachmittag meldete sie sich bei einem im Ruhestand lebenden leitenden Beamten von Praxis namens William Fort, der an einem der neuen Riffs vor El Salvador surfte. Sie schilderte ihm die Lage: »Die blaue Welt ist erfüllt, die rote Welt wird immer leerer. Es wird Probleme geben. Wir sollten darüber sprechen1.« war seine lakonische Antwort.

Die demographische Gruppe und ein Teil der Polizeitruppe von Praxis, einschließlich vieler der Achtzehn Unsterblichen, versammelten sich in Forts Surfcamp an der Flanke eines Hügels. Die Demographen stellten die Lage dar. Dann eröffnete Amy: »Ab jetzt bekommt jeder die Langlebigkeitsbehandlung. Wir stecken voll im hypermalthusianischen Zeitalter.«

Die Situation war demographisch explosiv. Natürlich sahen die terrestrischen Regierungen die Emigration zum Mars oft als eine Lösung des Problems. Selbst mit diesem neuen Ozean hatte der Mars fast so viel Landfläche wie die Erde und war dennoch spärlich besiedelt. Die wirklich volkreichen Nationen, erläuterte Amy der Gruppe, schickten schon so viele Leute hinauf, wie sie nur irgend konnten. Oft waren die Emigranten Mitglieder ethnischer oder religiöser Minderheiten, die mit dem Mangel an Autonomie in ihren Heimatländern schlecht zurechtkamen und diese deshalb gern verließen. In Indien waren die Aufzugwaggons, die auf dem Suvadiva-Atoll südlich der Malediven herunterkamen, täglich voll ausgelastet, überfüllt mit Emigranten, ein Strom von Sikhs, Kashmiris, Muslimen und auch Hindus, die sich in den Weltraum erhoben und zum Mars umsiedelten. Es gab Zulus aus Südafrika. Palästinenser aus Israel Kurden aus der Türkei, Indianer aus den Vereinigten Staaten. »In diesem Sinne«, sagte Amy, »wird der Mars das neue Amerika.«

Eine Frau namens Elizabeth fügte hinzu: »Und wie im alten Amerika gibt es eine einheimische Bevölkerung, auf die man da stoßen wird. Denkt lieber noch einmal über die Anzahl, die der Mars verkraften kann, nach! Wenn jeden Tag die Waggons aller Raumaufzüge auf der Erde voll sind, sind das hundert Personen je Waggon, das heißt 2400 pro Aufzug, die täglich starten, und weitere 2400, die oben bei jedem Aufzug die Waggons verlassen und in die Shuttles umsteigen. Es gibt zehn Aufzüge, das macht also täglich 24000 Personen. Und somit wären es 876000 Menschen in jedem Jahr.«

»Nehmen wir an, es wären zehn Millionen jährlich«, sagte Amy. »Das ist eine Menge, aber selbst in diesem Tempo würde es ein Jahrhundert erfordern, auch nur eine der sechzehn Milliarden der Erde zum Mars zu befördern. Es läßt sich keine Differenz errechnen, die hier tatsächlich relevant wäre. Also macht das doch gar keinen Sinn! Es ist keine größere Umsiedlung möglich. Wir können nie einen zahlenmäßig bedeutsamen Teil der Erdbevölkerung zum Mars befördern. Wir müssen unser Augenmerk darauf richten, die Probleme der Erde eben dort zu lösen. Die Existenz des Mars kann bestenfalls als eine Art von psychologischem Ventil helfen. Im Grunde sind wir auf uns selbst angewiesen.«

»Es muß ja keinen Sinn ergeben«, sagte William Fort »Das ist richtig«, gab Elizabeth zu. »Einige irdische Regierungen versuchen es, ob es sinnvoll ist oder nicht. China, Indien, Indonesien, Brasilien — sie alle setzen darauf, und wenn sie die Emigration zum Mars bei der Kapazität des Systems beibehalten, wird sich die Bevölkerung des Mars in etwa zwei Jahren verdoppeln. Auf der Erde würde sich nicht wirklich etwas ändern, aber der Mars würde total überschwemmt sein.«

Einer der Unsterblichen bemerkte, daß ein Anschwellen der Emigration in einem ähnlichem Maßstab dazu beigetragen hatte, die erste Revolution auf dem Mars zu verursachen.

Ein anderer fragte: »Was ist mit dem Vertrag zwischen Erde und Mars? Ich dachte, daß er solche überwältigenden Zuflüsse sowieso verbieten würde.«

»Das tut er auch«, erklärte Elizabeth. »Er legt fest, daß in jedem Erdjahr nicht mehr als zehn Prozent der Marsbevölkerung eingebürgert werden dürfen. Aber er sagt auch, daß der Mars mehr aufnehmen darf, wenn er kann.«

»Außerdem...«, sagte Amy, »seit wann haben Verträge jemals Regierungen davon abgehalten, zu tun, was sie wollten?«

»Wir müssen sie woanders hinschicken«, sagte William Fort.

Die anderen schauten ihn an.

» Wohin denn ? «fragte Amy.