Выбрать главу

Lorena schaltete sich ein. »Ich glaube, es ist Zeit für deine Medikamente, Alcott.«

»Ich weiß, wie Oscar wirklich über den Krieg denkt! Ich bin unbedingt dafür. Ich bin ein Falke! Wir haben uns lange genug von diesen rot-grünen Euro-Würstchen herumschubsen lassen. Meinen Sie nicht auch, Oscar?«

Eine Krankenschwester kam ins Bild. »Sagen Sie dem Präsidenten, wie ich darüber denke!« beharrte der Senator, während ihn die Krankenschwester wegführte. »Sagen Sie Two Feathers, ich stehe zu ihm, was auch kommen mag.«

Lorena kam wieder ins Blickfeld. Sie wirkte angespannt.

»Sie haben eine Menge neue Mitarbeiter, Lorena.«

»Oh. Das.« Sie sah in die Kamera. »Ich habe Sie gar nicht mehr auf Moira angesprochen, nicht wahr?«

»Moira? Ich dachte, das Problem wäre ein für allemal gelöst und eingemottet?«

»Ach, nach ihrem Gefängnisaufenthalt hat sich Moira von ihrer besten Seite gezeigt. Bis Huey sich bei ihr gemeldet hat. Jetzt arbeitet Moira in Baton Rouge für Huey.«

»O nein.«

»Aber anschließend wurde es für das Team wirklich schlimm. Die Moral der Mitarbeiter litt unter Alcotts Krankheit, und als unsere ehemalige Pressesprecherin bei Huey anheuerte… also, ich nehme an, Sie können sich die Folgen vorstellen.«

»Haben Sie viele Leute verloren?«

»Also, wir stellen eben neue ein, das ist alles.« Sie schaute hoch. »Vielleicht kommen Sie ja eines Tages zu uns zurück.«

»Das wäre schön. Vielleicht wenn die Wiederwahl ansteht.«

»Das wäre doch eine wahre Herausforderung… Sie tun ihm so gut. Sie haben ihm schon immer gut getan. Diese dumme Sache mit den alten Bauplänen. Das hat ihn wirklich gerührt, einen Moment lang war er richtig klar im Kopf. Er war wieder ganz der Alte.«

»Ich wollte ihn nicht bloß aufmuntern, Lorena. Ich will die Pläne wirklich haben. Bitte sorgen Sie dafür, dass sie mir zugeschickt werden. Ich glaube, ich kann sie brauchen.«

»Oscar, was machen Sie dort eigentlich? Mir kommt das alles sehr seltsam vor. Ich glaube nicht, dass das im Interesse der Demokraten liegt. Das ist keine sinnvolle Reform, das hatten wir nicht im Sinn.«

»Das stimmt – im Sinn hatten wir das jedenfalls nicht.«

»Dahinter steckt diese Penninger, nicht wahr? Die ist nicht gut für Sie. Sie ist nicht Ihr Typ. Sie wissen doch, dass Moira über Sie und Greta Bescheid weiß, nicht wahr? Und Huey ebenfalls.«

»Das weiß ich. Ich kümmere mich darum. Allerdings ist das eine große Herausforderung.«

»Sie sind so blass. Sie hätten bei Clare Emerson bleiben sollen. Sie ist zwar eine Weiße, aber sie war sanftmütig und hat Ihnen gut getan. Sie wirkten damals so glücklich.«

»Clare ist in den Niederlanden.«

»Clare kommt zurück. Wegen des Krieges und überhaupt.«

»Lorena…« Er seufzte. »Sie haben mit einer Menge Journalisten zu tun. Ich auch, okay? Ich habe mit Clare geschlafen, aber vor allem ist sie Journalistin und wird es auch bleiben. Bloß weil sie wohlmeinend berichtet hat, heißt das noch lange nicht, dass sie gut für mich ist. Schicken Sie Clare nicht zu mir. Das ist mein Ernst. Schicken Sie mir die alten Baupläne, die Alcott angefertigt hat, als er noch ein wilder Design-Student war, der keinen müden Dollar verdiente. Ich kann sie wirklich brauchen. Aber schicken sie nicht Clare.«

»Ich möchte nicht erleben, dass Sie von Ehrgeiz zerfressen werden, Oscar. Ich habe erlebt, was das heißt, und es ist schlimm, schlimmer als Sie meinen. Es ist grauenhaft. Ich möchte, dass Sie glücklich sind.«

»Diese Art Glück kann ich mir im Moment nicht leisten.«

Unvermittelt lachte sie. »Also gut. Sie haben Recht, ich habe auch Recht. Wir werden das alles überleben. Irgendwann wird alles wieder in Ordnung kommen. Daran glaube ich noch immer, Sie nicht? Grübeln Sie nicht so viel. Seien Sie nachsichtig mit sich. Okay?«

»Okay.«

Sie unterbrach die Verbindung. Oscar stand auf und streckte sich. Das mit Clare hatte sie bestimmt nicht ernst gemeint. Sie neckte ihn bloß ein wenig. Er hatte sie vorübergehend aus ihrem Unglück erlöst; Lorena war nach wie vor eine Spielerin, ihr gefiel die Vorstellung, dass er noch immer ihrem Team angehörte und dass sie sich um ihn sorgte. Er hatte es geschafft, sie für kurze Zeit abzulenken. Es war eine gute Idee gewesen, bei ihr anzurufen. Er hatte alten Freunden einen Gefallen getan.

Oscar machte sich daran, sein Vermögen zu liquidieren. Jetzt, da Pelicanos sich nicht mehr um seine Konten und Anlagen kümmerte, war der Zeitbedarf einfach zu groß. Und tief in seinem Innern wusste er, dass Geld im Moment eine Belastung darstellte. Er ermutigte Tausende von Menschen, sich aus der herkömmlichen Wirtschaft auszuklinken und eine ihnen völlig fremde Lebensweise anzunehmen, während er selbst abgesichert war. Huey hatte bereits ein paar spitze Kommentare dazu abgegeben; der Umstand, dass Huey selbst ein Multimillionär war, vermochte seine sarkastischen öffentlichen Ausfälle nicht zu verhindern.

Außerdem hatte Oscar nicht vor, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Er beabsichtigte, damit die Forschung zu unterstützen – solange, bis kein Geld mehr übrig wäre.

Pelicanos’ Fortgang hatte erhebliche Auswirkungen auf das Team. Als Majordomus war Pelicanos die Stütze der Mannschaft gewesen und hatte stets der Stimme der Vernunft Gehör verschafft, wenn Oscar übers Ziel hinausschoss.

Oscar versammelte sein Team im Hotel, um die Lage zu klären und offen über alles zu reden. Als Erstes verdoppelte er die Gehälter. Die Angestellten sollten dies als Gefahrenzulage betrachten. Sie wären im Begriff, auf unbekanntes Gebiet vorzustoßen und dabei hohe Risiken einzugehen. Aber wenn sie Erfolg hätten, wäre dies der größte politische Erfolg ihres Lebens. Er schloss seine aufmunternde Ansprache mit ein paar Floskeln.

Einige kündigten daraufhin. Sie nahmen das Reisegeld in Empfang und verabschiedeten sich. Audrey Avizienis kündigte; sie war seine Oppositionsrechercheurin und viel zu skeptisch und nüchtern, um unter derart dubiosen, halbgaren Bedingungen zu bleiben. Bob Argow kündigte ebenfalls. Er war Systemadministrator und tat seine Beschwerden deutlich kund: absurde Sicherheitsvorgaben seitens Kevin Hamiltons und Horden selbsternannter Netzgötter auf Seiten der Moderatoren, die programmierten, wie sie Kleider herstellten: von Hand, krumm und schief und immer bloß einen Stich auf einmal. Auch Negi Estabrook nahm ihren Abschied. Es hatte keinen Sinn mehr, für eine derart dezimierte Mannschaft zu kochen, außerdem ernährten sich die Nomaden hauptsächlich von Schweinefraß aus dem Labor. Rebecca Pataki ging ebenfalls. Sie fühlte sich fehl am Platz und mehr oder weniger verlassen, außerdem hatte sie Heimweh nach Boston.

Somit blieben Oscar nur noch vier hartnäckige Gefolgsleute. Fred Dillen, der Hausmeister, Corky Shoeki, der Roadie und neue Majordomus, und seine Sekretärin und Terminplanerin Lana Ramachandran. Dazu kam noch seine Imageberaterin Donna Nunez, die vernünftigerweise erklärte, sie wolle deshalb bleiben, weil das Labor im Hinblick auf sein Image gerade interessant werde. Also gut, dachte er grimmig; er hatte nur noch vier Leute, da würde er halt von vorne anfangen. Außerdem blieb ihm ja noch Kevin. Und im Laboratorium liefen zahllose verwendbare Leute herum. Und er arbeitete für den Präsidenten. Er würde den NSR um Hilfe bitten.

Zwei Tage später traf Hilfe vom Nationalen Sicherheitsrat ein. Die persönlichen Beauftragten des Präsidenten hatten dem Labor endlich militärische Unterstützung geschickt. Die Militärhilfe traf ein in Gestalt eines jungen Lieutenant Colonel der Air Force aus Colorado. Es war der Mann, der Nachtschicht gehabt hatte, als Oscar entführt worden war und als Kevin in seiner Verzweiflung beim Präsidenten angerufen hatte.

Der Lieutenant Colonel war ein aufrechter, schneidiger Mann mit stahlgrauem Blick. Er war in voller Uniform und hatte ein scharlachrotes Barett auf. Auch drei Fahrzeuge hatte er aus Texas mitgebracht. Im ersten saß ein Trupp schneller Bodeneingreiftruppen, Soldaten in so schwerer Kampfmontur, dass sie kaum gehen konnten. Im zweiten und dritten Wagen war die Mediencrew des Lieutenant Colonels untergebracht.