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»Ich würd’s vor Gericht nicht beschwören – weil ich niemanden dazu kriege, mal hier rauszukommen und sich das anzusehen! Es beschwert sich niemand, das ist das Problem. Das sind die glücklichsten gottverdammten Haitianer auf der ganzen Welt.«

»Das ist bestimmt was Neurales. Eine Stimmungsbeeinflussende Behandlung.«

»Kann sein. Aber das ist was anderes als die Drogen, die ich kenne oder von denen ich gehört hab. Mir fehlen einfach die Worte, um die Lage zu schildern. Mir fehlen einfach die Worte.«

»Und Sie möchten, dass ich zu Ihnen komme und mir das ansehe.«

»Das hab ich nicht gesagt, Oscar. Ich meine bloß… na ja, die hiesige Polizei ist bestochen, die Staatsmiliz ist geschmiert, der Geheimdienst hört mir nicht mehr zu, niemand schert sich drum. Da leben Haitianer von einer kahlen, untergehenden Insel, und niemand schert sich drum. Keine verdammte Menschenseele.«

»Ich schon, Jules. Das können Sie mir glauben.«

»Ich komme einfach nicht damit klar. Ich kann nachts nicht mehr schlafen, ich muss ständig dran denken.«

»Behalten Sie die Ruhe. Sie haben richtig gehandelt. Ich werde etwas unternehmen, ganz bestimmt. Kann ich Sie irgendwie erreichen? Vertraulich, abhörsicher?«

»Fehlanzeige. Ich hab mein Handy weggeschmissen.«

»Wie soll ich dann weiter vorgehen?«

»Ich bin im Ruhestand! Verdammt noch mal, Oscar, sagen Sie bloß niemandem, dass ich die Sache bekannt gemacht habe! Ich lebe jetzt hier. Ich liebe diesen Ort. Ich will hier sterben.«

»Das ist nicht richtig, Jules, und das wissen Sie. Das ist eine äußerst ernste Angelegenheit. Entweder Sie sind drin im Spiel, oder Sie sind draußen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.«

»Okay. Ich bin draußen.« Die Verbindung wurde unterbrochen.

Oscar wandte sich an Kevin. »Haben Sie das Wesentliche mitbekommen?«

»Wer war das? Ein Verrückter?«

»Das war mein ehemaliger Sicherheitschef, Jules Fontenot. Er war während des Wahlkampfs für die Sicherheit zuständig. Zufällig ist er ein Cajun. Er ist ausgestiegen, kurz bevor ich Sie kennen gelernt habe, und seitdem ist er draußen im Bayou und angelt.«

»Und jetzt tischt er ihnen dieses Ammenmärchen auf und versucht, Sie in die Sümpfe von Louisiana zu locken?«

»Stimmt. Und ich werde auch hingehen.«

»Moment, Cowboy. Überlegen Sie erst mal. Was ist wahrscheinlicher? Dass Huey Gräuellager im Bayou unterhält oder dass man Ihren ehemaligen Freund, den Cajun, gegen Sie einsetzt? Das ist eine Falle, Mann. Damit die Sie kidnappen können, wie sie’s schon mal versucht haben. Die werden sie zusammenschlagen und den Alligatoren zum Fraß vorwerfen.«

»Kevin, ich weiß Ihre Hypothese zu schätzen. Das ist umsichtig und bodyguardmäßig gedacht. Aber ich will Ihnen verraten, was es politisch damit auf sich hat. Ich kenne Fontenot. Er war Special Agent des Secret Service. Ich habe dem Mann mein Leben anvertraut – und das Leben des Senators, das Leben der ganzen Mannschaft. Vielleicht hat er jetzt wirklich vor, mich zu kidnappen und zu ermorden. Aber wenn Huey es schafft, aus Jules Fontenot einen Verräter zu machen, dann hat das Amerika, wie wir es kennen, aufgehört zu existieren. Das würde bedeuten, dass wir zum Untergang verdammt sind.«

»Dann wollen Sie also nach Louisiana gehen und Nachforschungen anstellen.«

»Natürlich. Die Frage ist bloß, wie und unter welchen Umständen. Ich werde mir über dieses Projekt gründlich Gedanken machen.«

»Okay, dann komme ich mit.«

Oscar kniff die Augen zusammen. »Warum sagen Sie das?«

»Dafür gibt’s ‘ne Menge Gründe. Ich denke, ich bin Ihr Bodyguard. Ich gehöre zu Ihrem Team. Sie bezahlen mich. Ich bin der Nachfolger von diesem Fontenot, von dem Sie so respektvoll reden. Vor allem aber bin ich’s leid, dass Sie mir immer vier Schritte voraus sind.« Kevin schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch. »Schauen Sie mich an, Mann. Ich bin ein ausgesprochen smarter, kluger, hinterlistiger Typ. Ich bin ein Hacker. Und zwar ein guter! Ich bin eine solche Netzlegende, dass ich staatliche Forschungslabors einnehmen kann. Ich passe perfekt zu den Moderatoren. Ich hab sogar Umgang mit NSR-Agenten. Aber was ich auch anfange, Sie treiben’s immer noch toller. Sie sind mir immer einen Schritt voraus. Ich bin ein Techniker, und Sie sind ein Politiker und schalten einfach schneller als ich. Sie nehmen mich nicht mal ernst.«

»Das stimmt nicht. Ich weiß, dass Sie jemand sind, der zählt! Ich nehme Sie hundertprozentig ernst, Captain Scubbly Bee.«

Kevin seufzte. »Reservieren Sie mir einfach ein Plätzchen hinten in ihrem Einsatzbus, okay? Mehr verlange ich gar nicht.«

»Ich muss mit Greta über diese Entwicklung sprechen. Sie ist meine Expertin für Hirnforschung.«

»Gut. Kein Problem. Einen Moment.« Kevin stand auf und humpelte barfuss zu einem Desktoprechner. Er machte eine Eingabe. Auf dem Bildschirm erschien ein Übersichtsplan des Laboratoriums. Er betrachtete ihn aufmerksam. »Okay. Dr. Penninger befindet sich in ihrem supergeheimen Labor im vierten Stock der Personalabteilung.«

»Was? Ich dachte, Greta ist auf der Party.«

»Dr. Penninger hasst Parties. Sie langweilt sich so schnell. Haben Sie das nicht gewusst? Ich tue Dr. Penninger gerne einen Gefallen. Dr. Penninger ist anders als die meisten Frauen – man kann sich mit ihr ernsthaft über wichtige Dinge unterhalten. Sie hat für den Fall, dass wir angegriffen werden, eine sichere Zuflucht gebraucht, und da hab ich ihr ein nettes kleines Geheimlabor über der Personalabteilung eingerichtet. Sie hat die Clowns ja gefeuert, deshalb ist dort jetzt jede Menge Platz.«

»Woher wissen Sie, dass sie sich im Moment dort aufhält?«

»Das soll wohl ein Witz sein. Ich bin für die Sicherheit verantwortlich, und sie ist die Direktorin. Ich weiß immer, wo sich die Direktorin gerade aufhält.«

Nach ausgiebigem Händeschütteln verließ Oscar die Party und machte sich auf die Suche nach Greta. Dank Kevins lückenloser Überwachung war dies nicht schwer. Kevin und seine Prologangs hatten Greta einen kleinen, provisorischen Arbeitsplatz eingerichtet. Oscar tippte einen vierstelligen Code ein, worauf sich die Tür öffnete. Es war dunkel im Raum, und Greta hatte sich über ein Mikroskop gebeugt, das die einzige Lichtquelle darstellte. Sie hatte beide Augen an das Doppelokular gepresst, ihre Hände steckten in kleinen AFM-Sektionshandschuhen. Sie hatte sich einen Laborkittel über die schicke Partykleidung geworfen. Der Raum war so kahl wie eine Klosterzelle, und Greta machte keinen Mucks: lautlos und systematisch hantierte sie mit einem winzigen Bestandteil des Universums.

»Ich bin’s«, sagte er.

»Oh«, machte Greta. Sie schaute hoch, nickte und blickte wieder durchs Okular.

»Weshalb hast du die Party verlassen?«

»Warum nicht? Du hast mir ja sowieso keine Beachtung geschenkt.«

Es erstaunte und erregte ihn sogar ein wenig, dass Greta eingeschnappt war. »Wir sind beide im Notstandsausschuss. Wir sind täglich mehrere Stunden zusammen.«

»Wir sind nicht zusammen. Du hast das Interesse an mir verloren. Du vernachlässigst mich.«

Oscar überlegte. Mittlerweile war sein Interesse jedenfalls geweckt. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie sehr er diesen Aspekt einer Beziehung genoss. Offenbar waren Frauen für ihn als Verhandlungspartner interessanter denn als Geliebte oder Beziehungspartner. Er fühlte sich sehr zerknirscht deswegen.

»Greta, das Eingeständnis fällt mir nicht leicht, aber du hast recht. Jetzt, da alle wissen, dass wir ein Paar sind, haben wir nie Zeit füreinander. Wir haben uns heute Abend gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt, und ich habe dich taktlos alleingelassen. Das gebe ich zu. Es tut mir leid. Ich möchte es wieder gutmachen.«