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Während Dr. Arno Felzian ihn warten ließ, hatte Oscar Zeit, das Außenbüro des Direktors in Augenschein zu nehmen. Kevin fütterte derweil Stickley, den Binturong, der soeben per Luftfracht von Boston eingetroffen war, mit Proteinbrocken. Stickley trug ein Funkhalsband; seine Krallen waren geschnitten, die Fangzähne poliert, und er war gestriegelt und parfümiert wie ein prämierter Pudel. Stickley stank kaum noch.

Irgendjemand – wahrscheinlich ein Mitarbeiter von Senator Dougal – hatte es für geraten gehalten, die Büroräume des Direktors mit Texasrequisiten zu dekorieren. Die Wände waren geschmückt mit Flinten, Stierköpfen, Lassos, Cowboyhüten und einer Unmenge Erinnerungsplaketten.

Felzians Sekretär meldete ihn an. Oscar hängte seinen Hut auf ein an der Innenseite der Tür befestigtes Hirschgeweih. Felzian saß hinter einem Intarsienschreibtisch aus Eichen- und Zedernholz und schaute so grämlich drein, wie die Gebote der Höflichkeit es ihm gestatteten. Der Direktor trug eine Brille mit Zweistärkenglas. Die Metall-Glas-Prothese verlieh ihm einen 20. Jahrhundert-Look. Felzian war ein kleiner, schlanker Mann in den Sechzigern. In härteren Zeiten wäre er kahlköpfig und fett gewesen.

Oscar schüttelte dem Direktor die Hand und nahm in einem scheckigen Ledersessel Platz. »Freut mich, Sie wiederzusehen, Dr. Felzian. Ich weiß es zu schätzen, dass Sie sich Zeit für mich nehmen.«

Felzian war auf der Hut. »Das geht schon in Ordnung.«

»Im Namen von Senator und Mrs. Alcott Bambakias möchte ich Ihnen dieses Labortier vorstellen. Wie Sie sehen, nimmt Mrs. Bambakias regen Anteil am Wohlergehen der Tiere. Daher hat sie dieses Exemplar in Boston gründlich untersuchen lassen, und wie man ihr sagte, erfreut es sich ausgezeichneter Gesundheit. Mrs. Bambakias beglückwünscht das Labor zu seiner strikten Beachtung der Tierrechte. Außerdem hat sie das Tier lieb gewonnen, deshalb sendet sie es Ihnen mit einem persönlichen Beitrag zurück, der auch in Zukunft sein Wohlergehen sichern soll.«

Felzian warf einen Blick auf das Dokument, das Oscar ihm reichte. »Ist das wirklich ein unterzeichneter Bankscheck?«

»Mrs. Bambakias bevorzugt den traditionellen, persönlichen Touch«, sagte Oscar. »Sie trauert ihrem Freund Stickley wirklich nach.« Lächelnd zückte er eine Kamera. »Sie haben doch wohl nichts dagegen, wenn ich ein paar Abschiedsfotos für ihr Fotoalbum mache?«

Felzian seufzte. »Mr. Valparaiso, ich weiß, Sie sind nicht deshalb hergekommen, um mir ein herrenloses Tier auf den Schoß zu setzen. Bisher hat noch niemand ein Tier zurückgegeben. Noch nie. Im Grunde geht es dabei darum, sich einer Partei erkenntlich zu zeigen. Wenn der Senator uns das Tier nun zurückgeben möchte, kann dies nur bedeuten, dass er uns ernsthaft schaden will.«

Felzians Bitterkeit erstaunte Oscar. Da sie sich im Büro des Direktors aufhielten, ging er natürlich davon aus, dass die Unterhaltung aufgezeichnet wurde. Vielleicht legte Felzian einfach keinen Wert mehr auf Diskretion und nahm die Überwachung hin wie ein chronisches Übel – wie Smog oder Asthma. »Aber keineswegs, Sir! Senator Bambakias ist tief beeindruckt von dieser Forschungseinrichtung. Er unterstützt die staatlichen Forschungsanstrengungen aus ganzem Herzen. Er beabsichtigt, die Wissenschaftspolitik zu einem Kernpunkt seiner gesetzgeberischen Arbeit zu machen.«

»Dann begreife ich nicht, was Sie vorhaben.« Felzian zog einen Ausdruck aus einer Schreibtischschublade hervor. »Schauen Sie sich mal diese Liste mit Kündigungen an. Das sind altgediente Wissenschaftler! Ihre Moral ist am Boden, und jetzt verlassen sie uns.«

»Sie meinen Moulin, Lambert, Dulac und Dayan?«

»Vier meiner besten Leute!«

»Ja, ich gebe zu, sie sind sehr klug und entschlossen. Bedauerlicherweise sind sie Anhänger Dougals.«

»So ist es. Und deshalb sind sie Ihnen im Weg?«

»Ja, gewiss. Aber wissen Sie, die sind ja keine Leidtragenden. Sie steigen bloß rechtzeitig aus. Denen liegen Angebote aus der Privatindustrie vor.«

Felzian blätterte mit spitzen Fingern in seinen Papieren. »Wie haben Sie das nur gedeichselt? Die sind übers ganze Land verteilt. Wirklich erstaunlich.«

»Danke. Das ist ein schwieriges Unterfangen, aber mit moderner Technik ist es machbar. Nehmen wir zum Beispiel Dr. Moulin. Ihr Mann ist aus Vermont, und ihr Sohn geht dort zur Schule. Ihr Spezialgebiet ist die Endokrinologie. Daher haben wir die relevanten Parameter eingegeben, und das optimale Ergebnis war eine Genfirma in Nashua. Die Firma wollte sie auf den Anruf der Jobvermittlungsfirma hin nicht gleich einstellen, deshalb rief das Büro des Senators dort an, und man unterhielt sich über die lokalen Ausschreibungen. Daraufhin zeigte sich die Firma sehr einsichtig. Und als wir Dr. Moulin zu den Unregelmäßigkeiten in den Laborabrechnungen befragten, lief es ganz ähnlich.«

»Dann haben Sie sie also bewusst für den Abschuss ausgewählt.«

»Es geht um Zermürbung. Um Ablenkung. Alles wirkt ganz natürlich. Die vier sind einflussreiche Leute, sie sind hier die Meinungsführer. Sie sind smart genug, uns ernsthafte Schwierigkeiten zu machen – wenn sie sich denn dazu aufraffen würden. Aber da es sich nun tatsächlich um sehr smarte Leute handelt, brauchen wir sie nicht mit der Nase auf das Offensichtliche zu stoßen. Wir machen ihnen einfach ihre Lage klar und reichen ihnen den goldenen Fallschirm. Dann nehmen sie Vernunft an. Und gehen fort.«

»Das ist wahrhaft monströs. Sie rauben meiner Forschungseinrichtung Herz und Seele, und niemand will etwas davon wissen – man will es nicht einmal wahrhaben.«

»Nein, Sir, das ist nicht monströs. Das ist bloß menschlich. Das ist gute Politik.«

»Ich sehe durchaus, wozu Sie in der Lage sind. Ich begreife bloß nicht, woher Sie das Recht dazu nehmen.«

»Dr. Felzian… das ist keine Frage der Berechtigung. Ich bin ein Politprofi. Das ist mein Job. Leute wie ich werden nicht gewählt. Wir finden in der Verfassung keine Erwähnung. Wir sind der Öffentlichkeit nicht verantwortlich. Aber niemand wird gewählt ohne einen professionellen Wahlkampf. Ich gebe zu: wir sind ein eigenartiger Menschenschlag. Ich stimme mit Ihnen darin überein, dass es irgendwie seltsam ist, dass wir über so viel Macht verfügen. Aber ich habe diese Situation nicht herbeigeführt. Das ist eine Tatsache des modernen Lebens.«

»Ich verstehe.«

»Ich tue das, was die Lage erfordert, mehr nicht. Ich bin ein Demokrat vom Reformflügel der Partei, und diese Einrichtung hier muss dringend reformiert werden. Das Labor verlangt nach einem neuen Besen. Es ist voller Spinnweben, genau wie… lassen Sie mich nachdenken. Ja, wie die Casinoyacht auf dem Lake Charles, die mit Mitteln des Bewässerungsfonds angeschafft wurde.«

»Mit der Angelegenheit hatte ich nichts zu tun.«

»Ich weiß, dass Sie nicht dafür verantwortlich sind. Aber Sie haben beide Augen zugekniffen, weil Senator Dougal bei jeder Wahl wieder in den Kongress einzog und dort gut für Sie gesorgt hat. Ich habe Respekt für die Mühe, die Sie sich mit der Leitung dieser Einrichtung machen. Aber Senator Dougal war sechzehn Jahre lang Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses. Sie haben es nie gewagt, sich mit ihm anzulegen. Wahrscheinlich war das Ihr Glück – er hätte Sie zerschmettert. Aber der Mann hat nicht nur ein bisschen geklaut – am Ende hat er ganze Wagenladungen gestohlen, und das kann sich das Land einfach nicht mehr leisten.«

Felzian lehnte sich zurück. Oscar konnte erkennen, dass er über das reine Entsetzen mittlerweile hinaus war – jetzt erfüllte ihn die Situation mit eigentümlicher Genugtuung. »Weshalb erzählen Sie mir das alles?«

»Weil ich weiß, dass Sie ein anständiger Mensch sind, Mr. Direktor. Ich weiß, das Labor ist Ihr Lebenswerk. Sie waren in ein paar Unregelmäßigkeiten verwickelt, aber die sollten unter sehr schwierigen Bedingungen Ihre Position und das Labor schützen. Ich habe Respekt für Ihre Leistung. Ich hege keinen persönlichen Groll gegen Sie. Gleichwohl kommt man nicht darum herum, dass Sie politisch nicht mehr von Nutzen sind. Der Moment ist gekommen, da Sie ehrenhaft handeln sollten.«