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»Wir können es nicht ignorieren. Das lässt Huey nicht zu. Er schlägt mächtig viel Kapital aus dem Thema. Er meint, dies beweise, dass der Luftwaffenstützpunkt in Louisiana für die nationale Sicherheit seit jeher unabdingbar war. Die Vertreter Louisianas machen uns im Kongress die Hölle heiß. Sie verlangen, dass wir ihnen einen von Grund auf neuen Stützpunkt bauen, und zwar auf der Stelle. Aber das würde uns Milliarden kosten, und das Geld haben wir einfach nicht. Und selbst wenn wir die Mittel lockermachen würden, können wir doch unmöglich ein größeres Bauvorhaben in Louisiana durchführen.«

»Sicherlich nicht«, sagte Oscar. »Straßenblockaden, eine Sankt-Florians-Mentalität, Kompetenzstreitigkeiten… Huey kommt das sehr gelegen. Wenn die staatlichen Auftraggeber erst einmal knietief im Sumpf stecken würden, könnte er ihnen ein Bein ausreißen und das ganze Budget ausbluten lassen.«

»So ist es. Also sitzen wir fest. Während wir auf der Patriotismus-Schiene auf Huey eingeprügelt haben, hat er das Blatt gegen uns gewendet. Er zieht sich das Hemd an, das wir ihm geschneidert haben. Wir haben ihm direkt in die Hände gespielt. Und das Radarloch können wir nicht ignorieren, weil er bereits Kapital daraus schlägt. Gestern Abend ist ein französisches unbemanntes Flugzeug nach Südlouisiana reingeschwirrt. Die fliegen über die Sümpfe und spielen französische Popmusik.«

»Französische Popmusik?«

»Multikanalsendungen von unbemannten Flugdrohnen. Das ist die frankophone Cajun-Karte.«

»Ich bitte Sie. Nicht einmal Huey kann ernsthaft glauben, jemand würde sich französische Popmusik anhören.«

»Die Franzosen glauben es. Die riechen Yankeeblut im Wasser. Die Franzosen hatten schon immer ein Faible für Sprachkonflikte. Jetzt können sie solange an ihren Verstärkern drehen, bis wir die letzte Burgerfiliale aus Paris abgezogen haben.«

»Leon, beruhigen Sie sich. Sie sind ein Profi. Sie dürfen sich von ihm nicht so aus der Fassung bringen lassen.«

»Aber er hat mich aus der Fassung gebracht, verdammt noch mal. Dieser Hurensohn hält sich einfach nicht an die Spielregeln! Er handelt widersprüchlich und legt uns nach Strich und Faden rein. Als ob er zwei Gehirne hätte!«

»Immer mit der Ruhe«, meinte Oscar. »Das ist eine unbedeutende Provokation. Was sollen wir Ihrer Meinung nach eigentlich unternehmen? Etwa Frankreich den Krieg erklären?«

»Also…« Sosik senkte die Stimme. »Ich weiß, das klingt merkwürdig. Aber hören Sie mich an. Eine Kriegserklärung würde das Problem der Notstandsausschüsse auf der Stelle lösen.«

»Was!« rief Oscar. »Sind Sie wahnsinnig? Wir können doch nicht Frankreich angreifen! Frankreich ist eine bedeutende Wirtschaftsdemokratie. Wir sind doch keine Nazis! Das kommt überhaupt nicht infrage!«

Oscar schaute hoch. Er sah sich einer Gruppe verblüffter Wissenschaftler gegenüber. Sie hatten ihre Diskussion unterbrochen und sich an der anderen Seite des Labortisches versammelt, wo sie nun die Ohren spitzten.

»Hören Sie, Oscar«, fuhr Sosik mit blecherner Stimme fort, »niemand redet davon, tatsächlich Krieg zu führen. Aber die Idee wird in DC eifrig diskutiert. Eine Kriegserklärung setzt praktisch das föderale System außer Kraft. An der Heimatfront könnte sich ein auswärtiger Krieg als wahre Trumpfkarte erweisen. Frankreich ist ein zu großer Brocken, da gebe ich Ihnen Recht – Mann, Frankreich ist immer noch Nuklearmacht! Aber wir könnten den Niederlanden den Krieg erklären. Die Niederlande sind ein kleines, unbewaffnetes Land, die Bevölkerung nichts weiter als ein Haufen armer Würstchen. Wir würden den Niederländern einen höllischen Schrecken einjagen, der Scheinkrieg würde etwa eine Woche dauern, und dann erklärt der Präsident den Krieg für gewonnen. Der Notstand ist vorbei. Wenn sich der Staub gelegt hat, haben wir wieder einen voll funktionsfähigen Kongress.«

Oscar nahm das Telefon aus dem Ohr, starrte es angewidert an und steckte es wieder hinein. »Hören Sie, Leon, ich rufe Sie später zurück. Ich bin im Moment zu beschäftigt.«

»Der Senator ist von der Idee begeistert, Oscar. Er glaubt, es könnte klappen. Das ist visionär.«

Oscar unterbrach die Verbindung. »Die spielen in Louisiana französische Popmusik«, wandte er sich an seine ungerufene Zuhörerschaft.

Albert Gazzaniga kratzte sich am Kopf. »Ein tolles Ding! Und weiter?«

Die Crux bei der Sache war natürlich das Geld. Es ging immer ums Geld. Geld war die Muttermilch der Politik. Und obwohl die Wissenschaftspolitik auf einem ganz anderen Blatt stand als die herkömmliche Politik, so war Geld doch auch hier die Muttermilch.

Bei jedem Streik ging es im Grunde um wirtschaftliche Macht. Alle Streikenden erklärten kühn, sie seien bereit, ihre Arbeitgeber auszuhungern, und wenn sie dies mit einer entsprechend schlechten Presse und moralischem Druck untermauern konnten, behielten sie bisweilen Recht.

Deshalb fiel die Erklärung leicht, dass Greta und ihre Mannschaft bereit waren, umsonst zu forschen, dass sie um nichts baten und sich weigerten, etwas anderes abzuliefern als die Ergebnisse, die sie selbst für wissenschaftlich relevant erachteten. Es war ein Kreuzzug. Doch auch ein Kreuzzug brauchte ständig Geld.

Daher suchten sich Oscar, Yosh und der allgegenwärtige Kevin einen stillen Winkel in der Hotelküche und redeten über die Finanzen.

»Wir könnten bei Bambakias ein paar Millionen lockermachen, um uns über die Runden zu bringen«, sagte Pelicanos. »Schließlich hat er ja genug.«

»Vergiss es«, meinte Oscar. »Der Senat ist zwar ein Milliardärsclub, aber wenn die anfangen, das Land aus der eigenen Tasche zu finanzieren, wäre das Feudalismus. Feudalismus ist unprofessionell.«

Pelicanos nickte. »Okay. Dann müssen wir die Mittel selbst aufbringen. Wie wäre es mit den Standardmethoden? Persönliche Anschreiben. Sponsorenessen. Tombolas, Garagenverkäufe, Wohltätigkeitsveranstaltungen. Wie wären da die Aussichten?«

»Also, wenn es sich um einen normalen Wahlkampf handeln würde…« Oscar rieb sich nachdenklich das Kinn. »Dann würden wir die Ehemaligen ihrer Uni ansprechen, jüdische Gemeinden, wissenschaftliche Vereinigungen… Und natürlich die Lieferanten des Labors. Im Moment sind sie verständlicherweise nicht gut auf uns zu sprechen, aber wenn die Anlage geschlossen werden sollte, bleibt ihnen gar nichts mehr. Wenn wir ihnen mit vollständiger Schließung drohen, könnten wir sie vielleicht dazu bewegen, uns ein bisschen Geld zu geben.«

»Gibt es irgendwelche reichen Wissenschaftler, die der Oberschicht angehören? Es muss doch ein paar reiche Wissenschaftler geben, oder?«

»Klar – in Asien und in Europa.«

»Ihr denkt einfach in zu kleinem Maßstab«, frotzelte Kevin.

Oscar blickte ihn nachsichtig an. Er mochte Kevin mittlerweile richtig gern. Kevin arbeitete hart; er war Herz und Seele des übelsten Aspekts ihres Coups. »Welcher Maßstab schwebt Ihnen denn vor, Kevin?«

»Ihnen ist gar nicht klar, was Sie hier eigentlich haben. Das Labor bietet perfekte Bedingungen für eine Nomadenversammlung. Das ist, als hätte man den Ort mit Straßensperren abgeriegelt. Weshalb fordern Sie nicht sämtliche Wissenschaftler Amerikas auf, hierher zu kommen und sich Ihnen anzuschließen?«

Oscar seufzte. »Kevin, haben Sie Nachsicht mit uns. Sie zäumen das Pferd von hinten auf. Die Sache ist doch die, dass wir uns bemühen, zweitausend im Streik befindliche Personen zu ernähren und zu versorgen. Mit einer Million Menschen wären wir erledigt.«

»Nein, keineswegs«, widersprach Kevin. »Wenn sich Ihnen eine Million Wissenschaftler anschließen würden, wäre das kein Streik mehr. Das wäre eine Revolution. Sie würden nicht bloß dieses eine staatliche Labor übernehmen. Sie würden die ganze Stadt übernehmen. Wahrscheinlich sogar das ganze County. Vielleicht sogar einen Großteil des Landes.«