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»Danke, Ron. So kommen wir weiter. Sag mir Folgendes: Warum, zum Teufel, hast du ihm nicht einfach die Fördermittel entzogen?«

»Wenn das so einfach wäre! Wir waren aufgrund staatlicher Erlasse verpflichtet, in Grundlagenforschung zu investieren. So lautete der Deal. Dafür sollten wir Handelsprotektion genießen, bis wir wieder Atem geschöpft und unsere ausländischen Konkurrenten überholt hätten. Aber wenn wir die verdammten Koreaner mit so einem Schwung überholen, dann wird unsere Industrie einfach verschwinden. Die Leute stellen Autos her wie unsereins Toast röstet. Die Prolos bauen Autos aus Biomüll und kompostieren sie anschließend wieder. Wir wären alle zum Untergang verurteilt.«

»Das heißt, ihr habt einen großen technischen Durchbruch erzielt, der jedoch zur Folge hätte, dass eure Industrie ausgelöscht würde.«

»Ja. Genau so ist es. Es tut mir wirklich leid, aber das können wir einfach nicht machen. Wir müssen auf die Aktionäre Rücksicht nehmen, auch die Arbeitskräfte stellen einen Machtfaktor dar. Wir wollen doch nicht so enden wie die Computerleute. Mann, das hat doch wirklich keinen Sinn. Das wäre der totale Wahnsinn, völliger Schwachsinn. Wir würden uns selbst die Kehle durchschneiden.«

»Ron, nimm’s leicht, okay? Ich steh auf deiner Seite, ich kann deinen Argumenten folgen. Danke, dass du so offen warst. Ich verstehe jetzt deine Lage. Das passt ins Bild.«

Oscar atmete tief durch. »Weißt du, Ron, im Grunde geht es doch um die Wechselwirkung von Kommerz und Wissenschaft. Ich habe in letzter Zeit viel über das Problem nachgedacht, und mir ist klar geworden, dass die Großforschung im alten Stil nicht länger tragbar ist. Bloß Wilde und Kongressabgeordnete können glauben, die Wissenschaft sei die natürliche Freundin der Wirtschaft. Das war nie der Fall. Die Wahrheit hat keine Freunde. Bisweilen kommt es vor, dass die Interessen von Wissenschaft und Wirtschaft ein Stück weit überlappen, aber das ist noch längst keine Ehe. Das ist eine gefährliche Liaison. Wenn man in der Wirtschaft arbeitet, kann sich die Forschung unvermittelt gegen einen wenden und einen überrollen.«

»Da hast du Recht«, stimmte Griego ihm leidenschaftlich zu.

»Ron, es betrübt mich, dass du so unter Druck stehst. Wenn ihr die Forschung nicht finanzieren wollt, dann sollte diese Entscheidung der Industrie überlassen werden. Es geht nicht an, dass euch ferne, gleichgültige Bürokraten, die keine Ahnung haben, wie die Wirtschaft eigentlich funktioniert, vorschreiben, was ihr tun und lassen sollt. Und vor allem solltet ihr nicht eure und meine Zeit damit verschwenden, ein staatliches Labor zu sabotieren. Das ist eine kontraproduktive Ablenkung, die dazu führt, dass wir uns unnötig in die Haare geraten. Wir sind ernsthafte Spieler, Ron. Leute wie wir sollten wie reife Menschen darüber reden und zu einem Modus vivendi gelangen.«

Griego seufzte ins Telefon. »Okay, Oscar. Du kannst jetzt aufhören, Süßholz zu raspeln. Was hast du mit mir vor?«

»Also, ich könnte die ganze hässliche Angelegenheit ans Licht bringen. Dann gäbe es eine Untersuchung und Senatsanhörungen, und möglicherweise würde Anklage erhoben. Die ganze leidige Prozedur. Aber mal angenommen, dazu käme es nicht. Angenommen, ich würde dir persönlich garantieren, dass die Wunderbatterie dieses Burschen vom Antlitz der Erde verschwindet. Und dass dich das bloß fünfzig Prozent deiner gegenwärtigen Forschungsausgaben kosten würde.«

»Dann würde ich sagen, das ist zu schön, um wahr zu sein.«

»Nein, Ron. Das sind die neuen Regeln, die hier im Labor gelten. Die amerikanische Automobilindustrie hat für wissenschaftliche Durchbrüche einfach keine Verwendung mehr. Davon hattet ihr schon mehr, als ihr verkraften könnt. Ihr seid ein nationaler historischer Schatz, vergleichbar einer Büffelherde oder Valley Forge. Ihr braucht Schutz vor der Bedrohung der Grundlagenforschung. Anstatt staatlich angestellte Wissenschaftler dafür zu bezahlen, dass sie eure Industrie von der Klippe stoßen, solltet ihr den Forschern Schutzgeld dafür bezahlen, dass sie euch nicht mit ihrer Arbeit in die Quere kommen. Auf diese Weise stellt ihr sicher, dass eure Industrie auf der Stelle verharrt.«

»Das klingt wundervoll«, meinte Griego nachdenklich. »Ist das auch legal?«

»Warum nicht? Eure gewohnheitsmäßig betriebene Sabotage ist es jedenfalls nicht, trotzdem seid ihr jahrelang damit durchgekommen. Die Umsetzung meines Vorschlags brächte eine wesentliche Verbesserung des Status quo mit sich, denn dann gingen wir endlich ehrlich miteinander um. Als Geste des guten Willens erkläre ich mich bereit, nicht nur über deine jämmerliche Sabotage hinwegzusehen, sondern obendrein die Ausgaben deiner Forschungsabteilung zu halbieren!«

»Wo ist der Haken?«

»Der Haken ist folgender: Das Laboratorium steckt momentan in einer finanziellen Klemme, deshalb musst du uns einen ganzen Jahresetat vorab überweisen. Könntest du das mit den zuständigen Leuten in Detroit klären, dein Einverständnis vorausgesetzt?«

»Also, das muss ich mit Dad besprechen.«

»Red nur mit hohen Tieren, Ron. Sag Dad und den anderen Aufsichtsratsmitgliedern, wenn sie mein Angebot nicht unverzüglich annehmen, werde ich die ganze Geisteskraft des Labors auf dieses Projekt lenken. Dann liefern wir nächsten Juni die ersten Zuckermotoren aus. Und zwar mit einem gigantischen PR-Aufwand.« Er unterbrach die Verbindung.

»Ist das wirklich Ihr Ernst?« fragte Kevin. Er hatte mit großem Interesse zugehört.

»Ich weiß nicht«, sagte Oscar. »Es ist einfach gut gelaufen. Zufällig wusste ich, auf welche Knöpfe man beim guten alten Ronnie drücken muss, und da hatte ich plötzlich einen Einfall. Das ist ein sehr seltsamer, unorthodoxer Schachzug, aber damit sind wir drei oder vier Probleme auf einmal los. Wir bekommen eine willkommene finanzielle Atempause. Ron ist glücklich, wir sind glücklich, alle außer Chander sind glücklich, und Chan – der war sowieso erledigt. Und zwar weil er mir mit meinen eigenen Methoden Paroli bieten wollte.«

»Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, man könnte die Autoindustrie vor einer grundlegenden wissenschaftlichen Entdeckung wie der einer neuen Energiequelle schützen.«

»Kevin, wachen Sie auf. Sie müssen aufhören, wie ein Techniker zu denken. Wo haben Sie das eigentlich her? Begreifen Sie denn nicht, was das bedeutet? Zum ersten Mal bezahlt uns jemand dafür, dass wir nicht forschen. Das ist eine wahrhaft neue Energiequelle. Zum ersten Mal verfügen die staatlich angestellten Forscher über eine ökonomische Waffe – sie können den Krieg in die Reihen ihrer Gegner tragen. Wer schert sich schon um eine weitere verdammte Batterie? Wahrscheinlich handelt es sich ja eh um heiße Luft. Haben Sie schon mal ein atombetriebenes Auto gesehen? Bloß weil es technisch möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass es praktisch machbar wäre.«

»Die Menschen werden trotzdem etwas damit anfangen. Ihr Politiker könnt die Verbreitung des technischen Wissens nicht kontrollieren. Man wird es nutzen, ganz gleich, was die Regierung davon hält.«

»Kevin, das weiß ich. Ich bin der lebende Beweis dafür. Dieses Prinzip hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.«

Am 20. Januar um zwei Uhr morgens wurde an Oscars Hoteltür geklopft. Es war Fred Dillen, der Hausmeister, der auch für die Wäsche zuständig war. Fred war betrunken – die Mannschaft hatte die lang erwartete Vereidigung von Senator Bambakias gefeiert und zahlreiche patriotische Toasts auf die neue Administration von Präsident Two Feathers ausgebracht. Fred war in Begleitung einer untersetzten Weißen in den Dreißigern, die einen orangefarbenen Erste-Hilfe-Koffer dabei hatte.