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»Ha! Also, Sie waren mit Ihrem Kommandounternehmen anscheinend erfolgreich.«

»Gouverneur, als ich vor zwei Monaten hierher gekommen bin, lag es mir denkbar fern, dieses Labor mit Waffengewalt zu erobern. In Anbetracht der Umstände blieb mir allerdings keine andere Wahl. Vergegenwärtigen Sie sich unsere Lage. Sie wird wesentlich geprägt von äußeren Faktoren. Es geht nicht mehr bloß um Sie und mich und Senator Bambakias und die streikenden Wissenschaftler und Ihre Fünfte Kolonne im Labor. Das war bereits eine äußerst komplizierte Lage! Jetzt aber sind auch noch staatliche Eingreiftruppen, semikompetente Regulatorenschläger, bewaffnete Teenager, Computerattacken und Verleumdungspropaganda im Spiel… Alles gerät völlig außer Kontrolle!« Seine Stimme überschlug sich. Er riss das Telefon vom Gesicht weg.

Dann drückte er es sich wieder ans Ohr, als handelte es sich um die Mündung eines Revolvers. »Das wird mich meine Senatskarriere kosten. Vielleicht ist es kleinlich von mir, das zu erwähnen, aber ich habe die Arbeit gemocht. Ich bedaure das. Ganz persönlich.«

»Mein Sohn, das verstehe ich. Beruhigen Sie sich. Ich weiß, was eine aussichtsreiche Senatskarriere für einen jungen Mann wie Sie bedeuten kann. So bin ich schließlich selbst in die Politik geraten, verstehen Sie? Ich habe für Dougal als Stabschef gearbeitet, als er das Labor erbaut hat.«

»Gouverneur, wie konnte es so weit kommen? Warum wollen Sie unbedingt schlauer sein als ich? Wir sind beide clever. Wir versuchen uns gegenseitig gegen alle Vernunft zu übertölpeln. Weshalb haben Sie mich nicht angerufen und mich um eine Unterredung gebeten? Ich hätte mich mit Ihnen getroffen. Ich hätte verhandelt. Und zwar mit Freuden.«

»Nein, das hätten Sie nicht. Ihr Senator hätte das nicht gedeckt.«

»Ich hätte ihm nichts davon gesagt. Ich hätte mich auf jeden Fall mit Ihnen getroffen. Sie sind ein wichtiger Mann. Ich muss mit den wichtigen Leuten reden, sonst erreiche ich nie etwas.«

»Dann ist der arme Kerl fertig«, seufzte Huey. »Sie geben einen Scheißdreck auf den alten Bambakias, Sie agieren hinter seinem Rücken. Der arme, alte Bombast… Ich hatte nie was gegen ihn; Mann, ich liebe die liberalen Yankee-Eierköpfe, die nicht mal ihre Fahrräder richtig abstellen können! Warum, zum Teufel, musste er sich mit mir wegen dieser beschissenen Geldgeschichten anlegen? Das habe ich ihm nicht verziehen! Ich kann es nicht haben, wenn mir ein frischgebackener Senator, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, ans Bein pinkelt. Ein Hungerstreik, du meine Güte – Scheiße, ich hab ihn schließlich nicht zum Hungern gezwungen! Er ist reich, er kann sich doch ein Essen im Restaurant leisten. Er hat völlig den Verstand verloren! Sie sind ein kluger Junge, Sie müssen das von Anfang an gewusst haben.«

»Ich wusste, dass er ein Idealist ist.«

»Wie sind Sie ausgerechnet auf ihn verfallen?«

»Er war als Einziger bereit, mich als Wahlkampfleiter einzustellen«, sagte Oscar.

Huey grunzte. »Aha! Ich verstehe! Jetzt blicke ich durch. Ich hätte mir denken können, dass Sie dahinterstecken, denn Sie haben wahres Format. Aber warum, zum Teufel, haben Sie ihn auf mich gehetzt? Wer sind Sie eigentlich? Was, zum Teufel, haben Sie in meinem Lieblingslabor verloren? Sie wissen ja nicht mal, was die da machen. Sie haben überhaupt keine Vorstellung davon, was die wert sind!«

»Ich habe so meine Vermutungen«, sagte Oscar. »Es bedeutet Ihnen sehr viel, und es ist eine Menge Geld wert.«

»Hören Sie, ich brauche das Labor. Ich brauche diese Leute. Klar tut sich da was Besonderes. Sonst hätte ich keinen solchen Wirbel veranstaltet. Ich wollte Ihnen das Ding demonstrieren. Das hätte alles verändert.«

»Gouverneur, versuchen Sie nicht, mich hinters Licht zu führen. Greta und ich wären in irgendeiner Salzmine vor der Küste verschwunden, wo Sie und Ihre Industriespione an Neuraltechnik arbeiten. Sie stehen vor einem großen Durchbruch, deshalb sind Sie so gereizt, und es hat etwas mit Willensbeeinflussung zu tun. Wir hätten uns in brave Zombies verwandelt. Wir wären Ihre zahmen Haustiere geworden und hätten zu all Ihren Vorschlägen Ja und Amen gesagt. Das ist der ultimate Netzangriff: die Zerrüttung des menschlichen Nervensystems.«

Huey brach in verblüfftes Gelächter aus. »Was? Für wen halten Sie mich eigentlich, für Mao Tse-Tung? Willenlose Roboter kann ich nicht gebrauchen! Ich brauche intelligente Leute, so viele intelligente Leute, wie ich kriegen kann! Sie begreifen überhaupt nichts!«

»Was genau ist mir denn nun entgangen?«

»Sie haben mich vergessen, Mann! Ich liebe meinen Staat! Ich liebe meine Leute! Klar, Sie verachten Louisiana, Mr. Harvard Business Boy – es ist korrupt, es ist heiß, es steht zur Hälfte unter Wasser, es ist ein karges Land, vergiftet von Pestiziden und Luftverschmutzung, nichts als Gas und Öl, das Ihr Yankees im Winter verbrennen könnt. Die Hälfte der Bevölkerung spricht die falsche gottverdammte Sprache, aber verdammt noch mal, hier leben immer noch Menschen! Meine Leute haben Seele, sie haben Geist, das sind authentische, reale Menschen! Wir sind nicht wie der Rest der USA, wo die Menschen zu krank und schockiert und zu müde sind und zu gut überwacht werden, um für eine anständige Zukunft zu kämpfen.«

Huey hustete heftig und brüllte dann weiter in den Hörer. »Man bezeichnet mich als ›Ganovengouverneur‹ – also, was bleibt mir denn anderes übrig? Diese ganzen ›Notstandsausschüsse‹ – die sind völlig illegal, repressiv und verfassungswidrig! Schauen Sie sich doch mal den neuen Präsidenten an! Dem sitzt der Finger am Abzug verdammt locker – und das ist Ihr bester Mann! Dieser Mann will mich aus meinem Parlamentsgebäude vertreiben – Scheiße, der Präsident würde mich gern beseitigen! Mein Leben ist bedroht! Ständig suche ich den Himmel ab, damit ich nicht von gottverdammten Röntgenlasern wie eine Fritte gebraten werde! Und Sie – Sie glauben, ich wollte Nobelpreisträger einer Lobotomie unterziehen! Nobelpreisträger! Sind Sie ebenso meschugge wie Ihr Boss? Allmächtiger Gott, weshalb sollte ich das tun? Was hätte ich davon?«

»Gouverneur, wenn Sie mir das alles früher gesagt hätten, wären wir vielleicht zu einer Einigung gekommen.«

»Warum, zum Teufel, hätte ich Ihnen irgendwas sagen sollen? Sie haben keinen Einfluss! Sie zählen nicht! Soll ich etwa vor jedem hergelaufenen Senatsangestellten die Hosen runterlassen? Sie sind ein politischer Albtraum, Mann – ein Spieler ohne Geschichte und Machtbasis, der aus dem gesellschaftlichen Abseits kommt! Wenn Sie nicht gewesen wären, hätte alles wunderbar geklappt! Der Stützpunkt wäre pleite gegangen. Die Leute wären friedlich abgezogen. Und ich hätte sie für einen Appel und ein Ei aufgelesen.«

Kevin betrat das Labor. Er trug eine schlecht sitzende Uniform und sah aus, als habe er schlimme Fußschmerzen. »Einen Moment, Gouverneur«, sagte Oscar. Er legte die Hand aufs Mikrofon. »Kevin, wie haben Sie mich gefunden?«

»In die Telefone sind Positionsmelder eingebaut.«

Oscar würgte das Telefon mit der Faust. »Das haben Sie nie erwähnt.«

»Das brauchten Sie nicht zu wissen.« Kevin runzelte die Stirn. »Oscar, hören Sie. Wir müssen zum Medienzentrum gehen, und zwar sofort. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist dran.«

»Oh.« Oscar nahm die Hand vom Mikrofon. »Entschuldigen Sie, Gouverneur. Ich kann die Unterhaltung jetzt nicht fortsetzen – ich muss einen Anruf des Präsidenten entgegennehmen.«