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»Was sollen wir tun?« fragte Kevin.

»Lassen Sie ihn in Ruhe! Lassen Sie ihn!« kreischte Lana. »Jemand muss mir helfen, ihn rauszuschaffen! Er braucht Hilfe.«

In der Laborklinik wurde Oscar vom Personal die übliche Mischung aus Verwirrung und höflicher Besorgnis entgegengebracht. Er wies zahlreiche Krankheitssymptome auf, die sich freilich nicht genau diagnostizieren ließen, da sein Stoffwechsel sich von dem anderer Menschen unterschied. Er hatte hohes Fieber, Herzrasen, Hautausschlag und einen stark erhöhten Blutdruck. Angesichts seines einzigartigen medizinischen Hintergrunds war es schwer, die richtige Behandlung zu finden.

Gleichwohl taten ihm ein ordentlicher Kopfverband, eine Eispackung und ein paar Stunden Ruhe ausgesprochen gut. Schließlich fiel er in einen heilsamen Schlaf. Er erwachte gegen Mittag, noch immer erschöpft und arg mitgenommen, aber doch wieder Herr seiner selbst. Er setzte sich im Krankenbett auf, trank einen Schluck Tomatensaft und sah sich auf dem Laptop an, was es Neues gab. Kevin war nicht zugegen. Lana hatte darauf bestanden, dass ihn das Team in Ruhe ließ.

Um eins vernahm Oscar plötzlich das Geschnatter von Besuchern. Vier langhaarige, mit Stiefeln bekleidete Nomaden platzten in sein Zimmer. Der Erste war General Burningboy. Seine drei jüngeren Begleiter wirkten ausgesprochen furchteinflößend – sie trugen Kriegsbemalung, blickten finster drein und waren sehr muskulös.

Der General hatte ihm einen großen Blumenstrauß mitgebracht. Stechpalme, gelbe Narzissen und Mistelzweige. Die Symbolik der Blumen lag auf der Hand.

»Na, wie geht’s?« meinte Burningboy, schnappte sich eine Vase und ließ deren Inhalt zu Boden fallen. »Hab gehört, Ihnen ging’s schlecht, da wollte ich mit meinen Jungs mal vorbeischauen und Sie ein bisschen aufmuntern.«

Oscar musterte die Eindringlinge nachdenklich. Er freute sich, sie zu sehen. Es half seiner Moral auf die Beine, so rasch wieder gefragt zu sein. »Das ist nett von Ihnen, General. Nehmen Sie doch Platz.«

Burningboy setzte sich ans Fußende des Betts, das unter seinem Gewicht bedrohlich quietschte. Seine drei Begleiter ignorierten die beiden Stühle und hockten sich schweigend auf den Boden. Der älteste lehnte sich mit dem Rücken fest gegen die Tür.

»Nicht ›General‹. Corporal. Ich bin jetzt Corporal Burningboy.«

»Wie kam es zu der Degradierung?«

»Ganz einfach. Indem ich fünfzig Mädchen in diese Anlage geschickt habe, habe ich meine Netzwerkreputation und meine Glaubwürdigkeit eingebüßt. Diese jungen Frauen haben Väter, Mütter, Brüder und Schwestern – sogar schon Freunde. Ich habe diese kleinen Schätzchen in Gefahr gebracht und trage die Verantwortung dafür. Und das hat meine Glaubwürdigkeit so ziemlich aufgebraucht. Die jahrelange Mühe – alles umsonst! Jetzt bin ich nichts weiter mehr als ein kleines Arschloch.«

Oscar nickte. »Ich nehme an, das hat etwas mit Ihren Vertrauensservern und den Nomadennetzwerken zu tun.«

»Ja. So ist es.«

»Es scheint mir absurd, dass Sie herabgestuft wurden, obwohl der paramilitärische Einsatz doch erfolgreich war.«

»Nun ja…« Burningboy blinzelte. »Ich könnte vielleicht einen Teil des verlorenen Ansehens zurückgewinnen – wenn es mir gelänge, zu beweisen, dass wir Moderatoren einen Nutzen aus der ganzen riskanten Unternehmung ziehen.«

»Aha.«

»Bislang springt für uns nicht das Geringste dabei heraus, von den schlaflosen Nächten der besorgten Familien unserer tapferen Kriegerinnen einmal abgesehen.«

»Corporal, Sie haben Recht. Ich schließe mich Ihrer Analyse an. Ihre Hilfe war von unschätzbarem Wert, und wir haben uns bislang nicht erkenntlich gezeigt. Ich stehe zu unserer Schuld. Auf mein Wort ist Verlass. Ich möchte, dass Sie glücklich sind, Corporal Burningboy. Sagen Sie mir, was Sie haben wollen.«

Burningboy wandte sich lächelnd an einen seiner Begleiter. »Habt ihr das gehört? Eine wundervolle Ansprache, nicht wahr? Hast du alles mitgeschnitten?«

»Positiv«, knurrte der Nomade.

Burningboy drehte sich wieder zu Oscar herum. »Ich meine, mich an gewisse Versprechungen erinnern zu können, die besagten, dass wir eine gute Presse bekommen und als die Ritter und Paladine der staatlichen Ordnung dastehen und unsere Rivalen, die Regulatoren, in Verlegenheit bringen würden… Nicht, dass ich auch nur einen Moment an Ihrem Ehrenwort zweifeln würde, Mr. Präsidentenberater, aber ich habe mir gedacht, vierhundert Moderatoren in der Anlage wären vielleicht ein… wie habe ich mich noch gleich ausgedrückt?«

»Du hast von einem Anreiz gesprochen«, meinte Schläger Nummer zwei.

»Genau. Ein Anreiz.«

»Also schön«, sagte Oscar. »Die Anlage befindet sich in Ihrer Gewalt. Ihre Kämpferinnen haben sie heute Nacht eingenommen; und jetzt haben Sie sie mit mehreren hundert Leuten besetzt. Das war nicht Teil unserer Vereinbarung, aber ich habe Verständnis für Ihre Motive. Ich hoffe, Sie haben auch für meinen Standpunkt Verständnis. Ich habe heute Nacht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gesprochen. Er hat mir gesagt, er will Truppen schicken.«

»Ach ja?«

»Ja. Er hat mir eine Elitebrigade Fallschirmjäger versprochen, die heute Nachmittag hier eintreffen sollen. Vielleicht möchten Sie Ihre Entscheidungen ja noch einmal überdenken.«

»Mann, das ist typisch Two Feathers«, seufzte Burningboy. »Ich will damit nicht sagen, der alte Geronimo hätte Sie tatsächlich angelogen oder so, aber für solche Dinge ist er berüchtigt. Wir Moderatoren haben in Colorado eine lange Geschichte, und als Two Feathers dort noch Gouverneur war, meinte er immer, er würde die Nationalgarde holen und die so genannte Ordnung wiederherstellen… Hin und wieder hat er es auch tatsächlich getan, um uns zu verunsichern. Aber bloß weil Two Feathers Kriegsbemalung trägt, heißt das noch lange nicht, dass es auch Krieg gibt.«

»Dann wollen Sie also behaupten, der Präsident werde keine Truppen entsenden?«

»Nein. Ich sage bloß, dass wir nicht abrücken werden, bevor sich diese so genannten Truppen blicken lassen. Vielleicht werden wir nicht einmal dann abrücken. Ich weiß nicht, ob Sie sich über die Lage im Klaren sind, schließlich sind Sie aus Massachusetts, nicht wahr. Aber wir Moderatoren haben ein paar Absprachen mit dem Gouverneur von Colorado getroffen. Genau genommen schuldet er uns ein paar Gefallen.«

»Das ist eine interessante Feststellung, Corporal.«

»Wir Nomaden treiben uns gern an Orten rum, wo außer uns niemand überleben kann. Deshalb sind wir bisweilen ganz nützlich. Und so war es auch, als Wyoming kürzlich in Flammen stand.«

»Ich verstehe.« Oscar überlegte. »Warum erzählen Sie mir das?«

»Sir, weil ich jemandem, dem es schlecht geht, nicht gern zusetze… Aber offen gesagt sind Sie der Einzige, dem ich diese Dinge erzählen kann. Sie scheinen mir so ziemlich der Einzige zu sein, der dafür infrage kommt. Ich meine, soeben hat uns Ihre so genannte Direktorin den Kopf gewaschen. Die Frau hört einfach nicht zu. Sie hat keine Ahnung, wie die Menschen leben! Wir haben ihr erklärt, dass wir jetzt das Heft in der Hand halten und dass sie uns auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist und so weiter, aber sie nimmt es uns einfach nicht ab. Sie wartet einfach, bis ich den Mund zumache, und dann hält sie mir einen bescheuerten Vortrag über intellektuelle Freiheit und die Segnungen des Wissens und weiß der Himmel was noch alles… Die ist wirklich seltsam. Sie verhält sich seltsam, sie sieht seltsam aus, sie ist eine seltsame kleine Hexe. Dann haben wir versucht, mit Ihrem so genannten Polizeichef zu reden… Was ist das für ein Typ?«

»Was meinen Sie damit, Corporal?«

Burningboy wand sich unbehaglich, war aber entschlossen, die Sache zu Ende zu bringen. »Nicht, dass ich was gegen Anglos hätte! Ich meine, klar gibt es brave, ordentliche, gesetzestreue Anglos. Aber schauen Sie sich doch bloß mal die Statistik an! Die Kriminalitätsrate für Schreibtischverbrechen schlägt bei den Anglos alle Rekorde! Und was die Gewaltbereitschaft angeht – Mann, Weiße sind die gewalttätigste ethnische Gruppe in ganz Amerika. All diese Kreuzigungen, die Bombenanschläge und die Amokläufer… die armen Schweine kriegen’s einfach nicht in den Griff.«