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»Worth, Charles. Seit 13. Mai als verschwunden gemeldet, wahrscheinlich tot. Fiek, Samuel. Seit 13. Mai verschwunden, wahrscheinlich tot. Greer, Michael. Seit 15. Mai tot, absichtliche Liquidierung nach Kontrakt. Samuels, Vernard. Tot seit 19. Mai, Autounfall. Petane, Charles. Tot seit 21. Mai, Rauschgiftüberdosis. Liste komplett«, rezitierte das AID.

Okay, Fiek und Worth standen fast mit Sicherheit in Verbindung, und das bedeutete, dass sie nach achtzehn Uhr fünfundvierzig am 10. Mai verschwunden waren, wo ein Junge sich erinnerte, einem Mann in Fieks Apartment eine Pizza geliefert zu haben. Der Pizza-Junge hatte Fieks Gesicht aus einer Anzahl von Bildern herausgepickt, nachdem er ihm ein halbes Dutzend Zwanziger gegeben hatte.

Es gab für Fiek keine bekannten Gründe für Abneigung gegenüber Worth, und das galt auch umgekehrt. Genauer gesagt, die Darhel hatten ihre örtlichen Bankkonten überprüft und auch ihre persönlichen Nummernkonten, die jeder insgeheim in diskreten Ländern eröffnet hatte, und ihr Geld war unangetastet, seit Worth am Vormittag des Zehnten einen bescheidenen Betrag abgehoben hatte. Es war fast nicht vorstellbar, dass jemand, der für die Darhel arbeitete, kein Geld von ihnen hatte.

Wenn er raten müsste, hätte er gesagt, dass das, was auch immer geschehen war, im Chicagoer Apartment von Worth abgelaufen war. Fiek wohnte in demselben Gebäude, und obwohl Worth die meiste Zeit nicht dort lebte, benutzte er die Wohnung doch häufig, wenn er in der Stadt war. Er hatte die beiden Apartments persönlich zusammen mit einem Cousin durchsucht, der früher im Sheriffsbüro in Silverton tätig gewesen war. Bobby hatte gesagt, für ihn sähe Worth’ Apartment ein wenig zu sauber aus, und hatte darauf hingewiesen, dass es dort keinerlei Staub oder irgendwelche Flusen gab, auch nicht unter der Wand, wo das seltsame Zeug angeschraubt war. Johnny hoffte, dass er nie erfahren würde, was sein toter Chef damit angestellt hatte. Zumindest so lange nicht, bis er sich beruflich damit befassen musste.

Seinen Cousin ins Geschäft zu bringen war einer der Gründe für ihn gewesen, diesen Job anzunehmen, und er war stolz darauf. Ein Mann musste sich schließlich um seine Angehörigen kümmern. Und nachdem man Bobby rausgeschmissen hatte, weil er bei der Arbeit high gewesen war, hatte Johnny die Chance erkannt, die sich ihm damit bot, und war Bobby behilflich gewesen, hatte sich die Nanodrogen beschafft, um den Affen von seinem Rücken zu holen und ihm ein Einkommen verschafft, an das seine Ex-Frau nicht rankonnte. Es machte ihm richtig Spaß, diese Situation in Ordnung zu bringen. Brenda war eine billige Hure, und sie war Jimmy Simms’ Kind, nicht etwa Bobbys, und das wusste jeder in der Stadt. Der Richter wusste leider außerdem noch, dass Jimmy ein nutzloser Säufer war, der nach wie vor bei seiner Mama lebte, und deshalb hatte er dem armen Bobby die Rechnung angehängt, sodass der für den Bankert der Schlampe sorgen musste. Johnny hatte viel für Kinder übrig, für Mary Lynn würde er alles tun und hatte das auch fast getan, aber so etwas war einfach nicht in Ordnung.

Also, Worth und Fiek hatte man irgendwann am Wochenende des Zehnten in seinem Apartment alle gemacht. Mehr hatte er nicht in der Hand. Worth hatte sein Aussehen verändert und seine Verhaltensmuster so oft gewechselt, dass normale Suchtechniken bei ihm einfach nicht funktionieren würden. Und deshalb würde Johnny, wenn er sich nicht ganz schnell eine verdammt gute Geschichte einfallen ließ, ziemlich in der Scheiße sitzen.

»Okay, Leanne, ich brauche Akten über alle, gedruckt, soweit du rankannst, auf meiner Arbeitsfläche, und darüber hinaus alles, was wir über den Tod jedes einzelnen Kandidaten wissen.« Keine Frauen. Das war seltsam, aber eine ganze Menge ihrer Leute im Feld waren Kerle, also konnte das auch reiner Zufall sein. Nun gut, ehe er sich um die Kleinigkeiten kümmerte, würde er versuchen, sich ein Gesamtbild zu machen.

»Leanne, eine Weltkarte, etwa so groß.« Er breitete die Arme aus und sah zu, wie die holographische Illusion eines großen Flachbildschirms vor ihm in die Luft projiziert wurde.

»Steck eine Nadel dorthin, wo jeder gestorben ist. Moment mal, sind das drei? Chicago vergrößern. Wer ist diese dritte Nadel?«

»Welche dritte Nadel?« Das AID klang verwirrt. Die Dinger waren ziemlich schlau, aber manchmal tickten sie trotzdem nicht ganz richtig.

»Welcher von den Toten, die du außer Fiek und Worth gerade genannt hast, war in Chicago?«

»Petane, Charles.«

»Was du nicht sagst. Danke, Leanne. Geh auf Standby.« Es gab da einen Trick, um mit den AIDs umzugehen, ein paar alte Veteranen hatten ihn aus dem Krieg mitgebracht. Das Entscheidende war, dass man seine Gedanken für sich behielt, wenn man irgendetwas vorhatte oder plante. Sie zeichneten ständig alles auf, aber dass sie Gedanken lesen konnten, war bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Der Trick in einer solchen Situation bestand daher darin, dass man seine Gedanken für sich behielt, alles in die Datei eingab und die einzelnen Punkte miteinander verband, auch wenn sie nicht genau zueinander passten, und dann dem AID seine Interpretation vortrug, so, als würde man laut denken. Wenn man eine ganze Menge aufzeichnen konnte, war es leicht, die Dinge zu vergessen, die man nicht aufzeichnen konnte. Und außerdem, wer weiß, vielleicht würde er etwas finden.

Okay, Petane — die Überdosis. Das war gut. Aus einer Rauschgiftüberdosis konnte man immer etwas Verdächtiges machen. Das Schlimme war, dass es nicht auch ein Fall von Verschwinden war, aber er würde das so hinstellen, dass »sie« raffiniert genug waren, ihre Methoden zu ändern. Die Gerichtsmedizin hatte es als Unfall eingestuft, aber das hatte nichts zu besagen. Zuallererst würde er dafür sorgen müssen, dass seine eigenen Leute irgendwelche gespeicherten Gewebeproben in die Hand bekamen und sie durch die Mangel drehten. Im Bett seiner Freundin gefunden. Musste hart für die Frau sein. Die Freundin stand unter Rauschgift, die Bullen nahmen an, dass er es ihr verpasst hatte, und war nicht bei Bewusstsein, als er neben ihr starb. Und nicht um dem zu viel Bedeutung beizumessen, aber die Gerichtsmedizin hatte erklärt, dass er nicht gekommen war. Wenn das nicht zum Himmel stank. Gut. Keine Ahnung, wer den geilen Kotzbrocken wirklich alle gemacht hatte. Vielleicht die Frau. Höchst unwahrscheinlich, dass es etwas mit den Darhel zu tun hatte. Er hatte nur einmal etwas Nützliches getan, und das lag jetzt dreißig Jahre zurück. Trotzdem, wenn er die Story gut genug machte, war das wesentlich besser, als letztlich mit leeren Händen dazustehen.

Unter einem Kornfeld in Indiana

Sonntag, 26. Mai, 04:00

Für die letzte Besprechung vor dem Einsatz waren sie in demselben Konferenzraum wie am vorhergehenden Donnerstag versammelt. Der billige klappbare Konferenztisch und die nackten GalPlas-Wände sahen auch nicht besser aus, wenn man sie ein paarmal gesehen hatte, aber der Kaffee war gut, und die Maisbrötchen waren … na ja, zumindest waren sie vorhersehbar.

»Okay, Leute, noch einmal. Cally, du zuerst.« Papa O’Neal, mit hellbraunem Haar und ohne seinen üblichen Kautabak ein recht seltsamer Anblick — aber immerhin spuckte er dennoch abwesend in einen Becher.

»Gepäckaufgabe um sechs, Sicherheit gegen sechs fünfundvierzig, im Frauenbereich gegenüber dem Gate Sierra Six in der Abfluglounge bis sieben null fünf. Sobald ich dort bin, werde ich, falls ich Grandpa und Tommy nicht sehe, eine ›Angekommen‹-SMS schicken, damit ihr wisst, dass ich an Ort und Stelle bin. Ich warte, bis mein PDA mir sagt, dass die Zielperson in Bewegung ist. Wenn sie dann reinkommt, verpasse ich ihr eine Tranquilizer-Spritze, tausche mit Tommys Hilfe mit ihr die Kleidung, gehe wieder raus und nehme den Shuttle zur Basis Titan et cetera«, sagte sie und deutete auf Jay. Ihr platinblondes Haar war ungekämmt, und die weißen Sweat Pants und das zu weite Männersweatshirt mit waagerechten blauen und weißen Streifen brachten ihre Figur bestens zur Geltung, wobei bestens wirklich das richtige Wort war. Kontaktlinsen ließen Sindas kornblumenblaue Augen in einem unauffälligen Graubraun erscheinen. Eine billige Brille mit null Wirkung saß schlecht genug, dass sie ihr dauernd über die Nase herunterrutschte, und sie schob sie nervös zurück und knabberte hie und da verstohlen an einem Schokoriegel.