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»Also, wenn Sie nicht mit Ma’am aufhören, wird das ein langer Abend, Pryce. Außer Dienst können Sie das Ma’am getrost weglassen und einfach Makepeace sagen, okay?«

»Okay Und warum sind Sie ausgerechnet zu Fleet Strike gegangen?« Er vertilgte das erste Drittel seines Drinks.

»Um von der Farm zu kommen. Für die Verjüngung. Um wenigstens von einer Welt ein bisschen mehr zu sehen zu bekommen, ohne gleich Kolonistin werden zu müssen. Ich wollte nicht Farmersfrau auf der Erde werden und auch nicht auf irgendeinem anderen gottverlassenen Planeten. Zuhause hatte ich nicht die leiseste Chance. Mein Bruder wird die Farm übernehmen, und ich hätte inzwischen entweder drei kleine Kinder haben und mir dort, wo ich aufgewachsen bin, als Farmersfrau den Hintern aufreißen können. Oder hier sein. Ich habe mich für hier entschieden. Und wenn die mich rausgeschickt hätten, um Posties kaltzumachen, na ja, die sind immerhin der Grund, dass ich nie meine Großmutter mütterlicherseits kennen gelernt habe, also haben die, schätze ich, noch was von meiner Familie gut.«

»Die Verjüngung war mir auch wichtig, aber am Ende wäre ich genau deswegen beinahe doch nicht dazu gegangen. Wo ich herkomme, mag man keine Runderneuerten«, sagte er.

»Vielleicht wird das Vorurteil nicht mehr so groß sein, wenn wir in fünfzig Jahren rauskommen. Oder die Präparate sind dann allgemein verfügbar, und es gibt keinen Grund mehr, darauf neidisch zu sein.« Sie zupfte am Tischtuch.

»Optimist.« Er grinste, und sie grinste zurück, und in diesem Augenblick war sie für ihn so schön, dass er einen Augenblick den Atem anhielt und sie bloß anstarrte.

Als er schließlich wieder einatmete, ging das ganz plötzlich, und dann hingen ihre Augen aneinander, und beide hatten aufgehört zu lächeln. Suzannu zerstörte den Zauber, indem sie seinen Namen rief und eine Pizzaplatte auf die Theke schob. Er nutzte die Chance, den Blick von ihr loszureißen und das Essen zu holen.

Sinda dabei zuzusehen, wie sie ein Stück Pizza aß, war faszinierend. Sie nahm es mit einer Hand und stützte die Pizzaschnitte mit zwei Fingern der anderen ganz vorn unter der Spitze. Er war fest überzeugt, dass sie sich alles, was auf dem Teig lag, in den Schoß kippen würde, aber das tat sie nicht. Sie biss vorsichtig ab und schloss die Augen, um den ersten Bissen voll zu genießen.

»Mmmm. Das schmeckt herrlich.« Sie schlug die Augen wieder auf und biss ein zweites Mal ab, und Stewart bemerkte, dass er sie nicht nur anstarrte, sondern dass er sich selbst nichts genommen hatte und die Pizza kalt werden ließ. Er legte sich ein Stück auf seinen Teller und rückte ihm mit Messer und Gabel zu Leibe. Ja, zu ihm würde es passen, das ganze Stück zu nehmen und sich etwas davon auf die Hosenbeine fallen zu lassen, aber das würde einen peinlichen Flecken auf seiner Seide hinterlassen, und er hatte keine Lust, sich vor Sinda zum Narren zu machen.

Du bist zu alt für sie, du Idiot, schalt er sich, aber trotzdem verzichtete er auf irgendwelche peinlichen Tollpatschigkeiten.

»So, Pryce, und was machen Sie für den General, ich meine, abgesehen davon, dass Sie Neuankömmlinge über die Vorgeschichte seines Kommandos informieren?«

»Und Schnittchen herumreichen?« Er grinste.

Sie musste lachen, und dabei bewegte sie leicht den Kopf, und das Licht fiel auf ihr Haar. Er sah ihr in die Augen. Sich nicht ganz auf Makepeaces wirklich spektakulären Oberkörper zu konzentrieren, das erforderte ziemlich große Willenskraft.

»Ich koordiniere die Wochenberichte der Agenten und die Dienstag- und Donnerstagsonderberichte über wichtige Ermittlungen«, sagte er.

»Heißt das organisiertes Verbrechen?«

»Jo, die Tongs.« Er nickte.

»Ich habe die Unterlagen gelesen, aber daraus konnte ich nicht entnehmen, weshalb ihr nicht einfach mit denen Schluss macht.« Sie hatte den Kopf etwas zur Seite gelegt und war jetzt ganz Wissbegierde.

»Das hat man versucht. Vor etwa zwanzig Jahren.« Während er sprach, beugte sie sich vor, die Hände auf dem Tisch verschränkt, und lauschte gebannt. »Plötzlich kamen die Reisearrangements von Fleet Strike völlig durcheinander, es kam zu unmöglichen Verspätungen, zu Problemen mit der Schiffsverpflegung, und die Umweltbedingungen in den Quartieren fielen ständig aus. Also hat der General von Fleet Strike mit dem General von Fleet gesprochen, und das Ende vom Lied war, dass wir die Tongs als legitime, bürgerliche Organisationen behandeln und nur individuelle Mitglieder verhaften, die wir bei regelrechten Straftaten erwischen.«

»Okay.« Sie nickte, aber ihr leicht glasiger Blick ließ ihn argwöhnen, dass sie noch nicht ganz verstanden hatte.

»Was haben sie dann hinsichtlich all der Probleme in der Flotte unternommen?«, fragte sie.

»Fleet hat sie gelöst«, antwortete er langsam.

Sie nickte wieder, und er hatte alle Mühe, nicht laut aufzulachen.

Wenn dies eine normale Verabredung gewesen wäre oder überhaupt eine Verabredung, hätte er jetzt über den Tisch gegriffen und ihre Hand gehalten, und dann hätten sie vielleicht eine zweite Runde Getränke bestellt und wären sitzen geblieben und hätten sich nach dem Essen noch eine Weile unterhalten. So sagte sie, sie habe noch Einkäufe zu machen, und er meinte, er habe in seinem Quartier noch einiges zu erledigen, und sie gingen getrennte Wege. Auf dem Transitwagen zu seinem Quartier sah er immer wieder ihr platinblondes Haar und die Lichtreflexe darauf und wie Sinda über eine seiner scherzhaften Bemerkungen lachte, wie sie Schmolllippen bekam, wenn sie an ihrem Glas nippte. Und dann war die Fahrt schon vorüber, als hätte sie überhaupt keine Zeit in Anspruch genommen.

12

Cally öffnete die Tür zu ihrem Apartment und trug ihre Einkäufe hinein. Dies war erst ihr zweiter Tag, aber das langweilige Grün der Wände und das graue Mobiliar gingen ihr schon jetzt auf die Nerven. Sie warf einen großen, roten Schal über den hässlichen grauen Nachttisch aus Plastik, der zum Zimmer gehörte, stellte die Glasvase, die sie gekauft hatte, auf den Tisch und tat gelbe Seidenrosen hinein. Dann befestigte sie zwei Poster mit Einhörnern und Pegasussen — oder hieß das Pegasi? — an den Wänden. Zugegeben, seltsamer Geschmack, aber sie hatte schon Bettdecken mit hässlicheren Motiven gehabt. Zumindest waren die Bilder farbenfreudig. Sie hatte sogar eines gefunden, das nicht in Pastelltönen gehalten war.

Was ist das für ein widerliches Piepsen? Sie warf einen Blick auf ihren PDA, aber der war ganz friedlich. Sie sah sich im Zimmer um und stellte schließlich fest, dass das Geräusch aus dem Nachttisch kam, über den sie ihren Schal geworfen hatte, und zwar aus der obersten Schublade. Oh. Das Telefon. Wieso rufen die nicht meinen PDA an? Der steht doch im Telefonverzeichnis … Oh. Der Papierfreak.

Sie holte das Telefon aus der Schublade und sah das rote Licht darauf, das im Takt mit dem Piepen an- und ausging. Einen Augenblick lang musste sie die Knöpfe des Apparats studieren, bis sie den fand, mit dem man eine Nachricht abspielen konnte. Aber da war keine, und sie musste eine Weile mit weiteren Knöpfen herumexperimentieren, bis sie schließlich die Kombination fand, mit der man das Telefon dazu veranlassen konnte, die Nummer des letzten Anrufers anzuzeigen. Sie las sie ihrem PDA vor und forderte ihn auf, die Nummer anzurufen. Dann wartete sie, bis jemand sich meldete.

»Hallo, hier bei Beed. Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte eine Frauenstimme.

»Äh … ja, ich denke schon. Ist der General zu Hause? Ich bin seine Sekretärin und ich glaube, er hat versucht, mich zu erreichen.«

»Oh, sind Sie Captain Makepeace? Augenblick, ich hole ihn.«

Cally setzte sich aufs Bett, wartete und teilte dabei den Bildschirm ihres PDA, um die untere Hälfte als Fernbedienung benutzen zu können. Auf dem Würfel von gestern Abend wartete noch eine Ladung Filme, die sie noch nicht gesehen hatte. Der Würfel war in der Handtasche der ursprünglichen Sinda Makepeace gewesen, als sie den Wechsel vorgenommen hatte, er gab also vermutlich ihren Geschmack an Filmen recht gut wieder. Sie ließ ihn anlaufen, um die Werbung am Anfang hinter sich zu bringen, und schaltete ihn dazu auf stumm. Bis der General sich schließlich meldete, musste sie noch ein paar Sekunden warten. Heutzutage nahmen die meisten Leute ihren PDA überallhin mit. Nun ja, wenn sie kein AID hatten. So wie sie Beed kannte, war er wahrscheinlich mehrere Räume von dem entfernt, aus dem er angerufen hatte. Cally malte sich das Bild eines großen, schwarzen Telefons mit Wählscheibe aus, das irgendwo auf einem Tisch stand, und musste an sich halten, um nicht laut aufzulachen, als schließlich seine Stimme ertönte.