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»Hallo, Captain?« Es klang jedenfalls wie der General.

»Ja, Sir. Sie hatten versucht, mich zu erreichen?«

»Äh … ja. Ich wollte ein wenig Bürokram aufarbeiten und dabei habe ich festgestellt, dass ich die Li-Akte brauche. Ich erwarte jetzt nur gerade einen anderen Anruf und kann deshalb nicht weg. Ich weiß, es ist eine Zumutung, aber hätten Sie vielleicht einen Augenblick Zeit, im Büro vorbeizuschauen und mir die Akte zu bringen? Ich störe doch hoffentlich nicht gerade?«

»Nein, Sir, überhaupt nicht. Ich bringe Ihnen die Akte gern«, schwindelte sie.

»Gut, gut. Ich hatte schon Sorge, dass das vielleicht ein ungünstiger Zeitpunkt wäre, weil Sie vorher nicht da waren, als ich angerufen hatte. Ich dachte, Sie hätten vielleicht irgendetwas vor.« Seine Stimme klang fragend.

»Ja, ich bin gerade vom Abendessen nach Hause gekommen, Sir.«

»Ein bisschen spät, nicht wahr?« Offenbar wartete er auf so etwas wie eine Erklärung.

»Ja, Sir. Ich war noch ein wenig im Büro geblieben, um alles in Ordnung zu bringen, und dann musste ich noch Einkäufe erledigen.«

»Ah. Okay. Nun ja, wenn Sie kurz beim Büro vorbeischauen und mir dann diese Akte bringen würden, Captain. Vielen Dank.« Ein Klicken war zu hören, als er das Gespräch beendete.

Sie starrte das Telefon ein paar Augenblicke lang an. Ist das zu glauben? Und er nimmt natürlich ganz selbstverständlich an, dass ich weiß, wo er wohnt. Nicht, dass er nicht meinen PDA anrufen und mich sofort hätte erreichen können. Allmählich glaube ich, dass die echte Sinda Makepeace bei dem Tausch besser weggekommen ist. Und ich muss ja in meiner Rolle bleiben, verdammt.

Die Adresse des Generals zu finden machte selbstverständlich keine Mühe. Die Stützpunktauskunft hatte kein Problem damit, seiner Sekretärin zu sagen, wo er wohnte.

Hinzukommen dauerte auch nicht lange, schließlich war es Dienstagabend und mitten in einer Schicht. Der Transitverkehr war schwach, und die MPs, die an der Transitstation für das Brigadehauptquartier Dienst hatten, waren überrascht, dass jemand so spät ankam, ließen sie aber nach einem kurzen Blick auf ihren Ausweis durch.

Augenblicke später schob sie die Akte in einen Umschlag, passierte beim Hinausgehen erneut die MP-Wache und nahm einen Transitwagen, der sie drei Etagen tiefer brachte.

Der Korridor, an dem höhere Offiziere von Fleet Strike wohnten, war nicht in amtlichem Grün gehalten. Die Türen waren auch nicht schlachtschiffgrau. Hier waren die Wände cremefarben und die Türen wedgwoodblau mit einem Streifen Tapete oben an den Wänden, die den Eindruck vermitteln sollten, dass dort geschnitzte Leisten angebracht waren. Der anthrazitgraue Teppichboden war dick und so weich, dass sie fast einsank. Insgesamt erinnerte sie das an Filme, in denen man Vorkriegshotels sehen konnte, wo Geschäftsreisende abstiegen, die ein knappes Spesenkonto hatten, aber nicht das Gefühl haben wollten, in einer billigen Absteige zu wohnen.

Suite G eins-null-drei war etwa fünfzig Meter von den Türen der Transitlinie entfernt. Sie hatte das übliche elektronische Schloss und einen kleinen, leuchtenden Knopf in einer Messingplatte mit eingravierten Blättern.

»Captain Sinda Makepeace für General Beed, bitte«, verkündete sie der Tür deutlich. Nichts geschah. Sie wartete und meldete sich dann ein zweites Mal. Immer noch nichts. Er konnte doch nicht … die hatten doch ganz sicher keinen … ach was, zum Teufel, ich versuch es. Sie drückte den Knopf und hörte aus dem Inneren des Apartments sofort ein Klingeln. Die haben doch tatsächlich ein Loch durch das GalPlas gebohrt, um das verdammte Ding zu installieren.

Als die Tür sich zur Seite schob, schlug ihr ein unverkennbarer Hauch von Herrenkölnisch entgegen. Beed stand im Eingangsflur, machte aber keine Anstalten, den Umschlag von ihr entgegenzunehmen.

»Ah, gut. Sie haben die Akte. Falls es Ihnen nichts ausmacht, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie reinkommen würden. Vielleicht brauche ich Sie noch. Es macht Ihnen doch nichts aus, oder?«

»Nein, Sir, natürlich nicht, Sir.« Sie trat ein, und die Tür schloss sich hinter ihr. Es hatte vielleicht wie eine Frage geklungen, aber sie erkannte einen Befehl, wenn sie einen hörte. Außerdem würde sie auf die Weise vielleicht das Problem mit ihren überschüssigen Hormonen lösen können und zugleich mit ihrem Auftrag ein Stück weiterkommen. Insgesamt gar nicht so schlecht.

»Eigentlich habe ich die Akte gar nicht gebraucht.« Er sah ihr in die Augen und wandte den Blick nicht von ihr, als er nach dem Umschlag griff und ihn auf ein kleines Tischchen neben der Tür warf.

»Das habe ich auch nicht angenommen, Sir.«

»Hören Sie auf mit dem Sir, Sinda. In der Öffentlichkeit, ja, aber … hätten Sie gern ein Glas Wein?«

»Nur, wenn es kein hiesiger ist, danke. Wenn die Luft so auf Kaffeebohnen wirkt, hätte ich wirklich Sorge, was sie mit armen wehrlosen Trauben anrichten kann.«

»Nein, er ist von der Erde. Ein schöner Chardonnay aus Kalifornien. Er wird Ihnen schmecken.« Er führte sie aus dem Foyer ins Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch standen ein Eiskübel mit einer gekühlten Flasche Wein und zwei Gläser. Beed entkorkte die Flasche, schenkte mit eleganten Bewegungen ein, reichte ihr ein Glas und prostete ihr zu. Er hatte Recht. Der Wein schmeckte vorzüglich.

»Verzeihen Sie die Frage, aber wo ist Mrs. Beed heute Abend? Und wenn ich nicht ›Sir‹ sagen soll, was dann?«

»Meine Freunde nennen mich Bernie. Und Mrs. Beed ist mit ein paar von den anderen Frauen im Kino. Anschließend trinken sie noch einen Schluck. Sie wird frühestens um null einhundert wieder hier sein.«

»Ich — ich habe das noch nie gemacht.« Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Weinglas und senkte die Augen.

Er stellte sein Glas weg, nahm das ihre und stellte es neben das andere; dann trat er einen Schritt vor, bis er sie fast berührte. Er griff ihr unters Kinn, beugte sich vor und küsste sie.

»Ich glaube, mir wird es großen Spaß machen, es dir zu erklären«, sagte er.

Sein Mund schmeckte nach Pfefferminz, und sein Schnurrbart kitzelte sie an den Lippen, als sie ihm beide Hände um den Nacken legte. Seine Hände spielten mit ihren Brüsten, und ihr Atem ging schneller. Sie drückte sich an ihn.

Dann tasteten seine Hände nach den Verschlüssen ihrer Seidenkombination, öffneten sie vorne, sodass man die weiße Spitze ihres BHs sehen konnte. Eine Hand glitt über ihren Rücken, drückte sie fester an sich, während die andere ihre Brust liebkoste. Sie presste sich gegen ihn, krallte die Finger in sein Haar, als sein Mund an ihrem Kinn entlang über ihren Nacken glitt, während sie sich immer fester an ihn drückte. Okay, das wird gar nicht so schlimm. Mhm … mhm … ja, hier.

»Nicht hier«, murmelte er dicht an ihrem Ohr. Sie ließ zu, dass er ihre Hand nahm und sie über den Flur in ein Schlafzimmer führte. Es roch ein wenig staubig, wie ein Gästezimmer, und alles sah zu ordentlich, zu perfekt aus. Und zu feminin. Das Schlafzimmer eines Ehepaars sollte niemals eine Tagesdecke mit rosa Blümchenmuster haben. Sie legte den Kopf etwas zur Seite, um ihn zu küssen, während er die Seidenkombination von ihrer Schulter schob, sodass ihre Hände jetzt frei waren, um ihn an den Hüften zu packen. Betont langsam schlängelte sie sich aus ihrer Uniform, ließ sie zu Boden gleiten, wo sie als kleines Häufchen liegen blieb, und begann dann am Verschluss seiner Uniform ein wenig herumzunesteln, bis er schließlich aufging, sodass sie jetzt beide Hände an seinen Rücken pressen konnte.