Sie ging mit, als er sie aufs Bett drückte, über ihr liegend, aber das Gewicht auf Hände und Zehenspitzen stützend. Während sie einander küssten, half sie ihm aus seiner Uniform, und er schob die Hand unter ihren Rücken, um ihren BH zu öffnen. Als der dann weg war, lehnte er sich einen Augenblick lang zurück, um sie anzusehen. Männer taten das immer. Sie lächelte und zog ihn wieder zu sich herunter. Seine Brust war glatt und haarlos, so glatt wie sein Kinn, und sie überlegte kurz, ob er sie mit Enthaarungsschaum behandelt hatte, entschied dann aber, dass es ihr eigentlich gleichgültig war. Sie wollte ihren Spaß haben, das hätte ihr auch der Arzt verschrieben, und so wie es aussah, würde sie auch ihren Spaß haben.
Nachher half sie ihm die Laken wechseln und das Bett frisch zu beziehen. Sie dachte, damit würde er sich verraten, aber als er die sauberen Laken herausholte, waren sie genau gleich wie die, die sie gerade abgezogen hatten.
»Werden die deiner Frau nicht auffallen?«
»Ganz sicher nicht. Die sind gleich wieder sauber und im Schrank. Ich bin nicht total gegen moderne Technik, Sinda.«
Er war jetzt offenbar ein wenig verlegen, reizbar, so als wisse er nicht recht, worüber er mit ihr reden sollte. Sie verabschiedete sich unter einem Vorwand und ging. In dieser Stimmung war das nicht der richtige Augenblick für intime Kopfkissengespräche. Vielleicht das nächste Mal. Zum größten Teil hatte sie ja das bekommen, wozu sie gekommen war. Immerhin etwas. Tee und Sympathie im Büro und dafür sorgen, dass er sich wohl fühlte. Und dann hatte sie ja auch noch den Würfel. War ja immerhin möglich, dass etwas Brauchbares darauf war. Das Problem bestand ihrer Meinung nach darin, dass der General möglicherweise mit irgendjemandem zusammenarbeitete, also galt es, alles genau zu überprüfen.
Und dann musste sie sich natürlich noch melden. In der guten alten Zeit, wo nur Menschen gegen Menschen standen, war ein persönliches Zusammentreffen das Gefährlichste, was es für einen aktiven Agenten gab. Aber die Erfahrung der Bane Sidhe hatte da zu anderen Erkenntnissen geführt. Die Erfahrung der Darhel mit elektronischem Zauberkram hatte sie schon vor Jahrtausenden zu der Erkenntnis gebracht, dass persönliche Treffs die größtmögliche Sicherheit boten. Möglicherweise würde die menschliche Fertigkeit in elektronischer Kriegführung eines Tages die der Darhel übertreffen, aber bis jetzt war das noch nicht der Fall. Demzufolge wurden kritische Informationen nur dann auf elektronischem Wege übermittelt, wenn es absolut keine andere Alternative gab.
Sie würde jetzt die Transitlinie benutzen, um damit zum Korridor zu gelangen und hatte keine Mühe, einen Wagen zu finden, der in ihre Richtung fuhr.
Auf der zweiten Etage von unten, auf der Seite, die von der Flotte benutzt wurde, gab es eine Sportbar, in der sich eine solide Mischung aller Kreise auf Titan mit Ausnahme von Kolonisten, Touristen und Nicht-Menschen versammelt hatte. Die Bar war bei ihrer Klientel sehr beliebt, weil die Getränke relativ billig, das Essen gut und nahrhaft und die Spiele im Tank so lebensecht wie möglich waren, wenn man bedachte, dass sie als Teil der normalen Erde/Titan-Bandbreite per Richtstrahl übertragen wurden. Sah man genauer hin, konnte man vermutlich bemerken, dass Leute dazu neigten, mehr zu trinken, wenn die Getränke billig waren, dass Betrunkene dazu neigten, riskanter zu spielen, und dass das Etablissement einen sehr bequemen Zugang zu einem speziell für das Haus tätigen Buchmacher ermöglichte, falls jemand vielleicht den Wunsch verspüren sollte, eine kleine Wette auf ein Spiel abzuschließen.
Die Tafel über dem Eingang zu Charlie’s war ein Kunstwerk. Anstelle von Leuchtfarbe, die wie Neon aussah, war es eine echte Neontafel. Nun ja, Neon oder eines von den anderen Edelgasen. Jedenfalls nicht Leuchtfarbe, sondern eine große, mehrfach gebogene Glasröhre. Wie viele Etablissements am Korridor, so verfügte auch die Bar über Doppeltüren, um sicherzustellen, dass sich nicht zu viel Stationsluft mit der Luft im Lokal mischte. Im Falle von Charlie’s stellte das vorzugsweise sicher, dass die schlechte Luft drinnen blieb, nicht so sehr, dass sie fern gehalten wurde. Dies war nämlich einer der wenigen Orte, wo man Tabak rauchen konnte, ohne entweder einen Filter mit sich herumzuschleppen, um hinter sich sauber zu machen, oder eine Zusatzsteuer für die Luftreinigung zu bezahlen. Der Eigentümer, dessen Name keinerlei Ähnlichkeit mit »Charlie« hatte, nahm richtigerweise an, dass der deutliche Bargeruch bei der Klasse von Gästen, die er anziehen wollte, nostalgische Assoziationen wachrief und andererseits prüde Touristen und Kolonisten fern hielt — die in seiner ganz speziellen Marktnische nur schlecht fürs Geschäft gewesen wären.
In den Unterlagen der Bane Sidhe war Cally gewarnt worden, was sie in dieser ganz speziellen Bar zu erwarten hatte, aber dennoch war es fast unmöglich, die Wirklichkeit richtig zu beschreiben, wie sie feststellte, als sie durch die Doppeltüren in den Dunst aus abgestandenem und frischem Tabak und billigem Bier trat — fast ohne jeglichen Beigeschmack der ganz speziellen Mischung aus Sumpfgas, die für Titan so typisch war. Seit dem Shuttle-Hafen in Chicago war dies der erste Ort, der tatsächlich so wie auf der Erde roch. Sie spürte ein scharfes Prickeln in den Augen, als sie tief Luft holte. Der Rauch scheint sie zu reizen.
Die Bar war nicht überfüllt, aber für einen Wochentag gut besucht. Sie arbeitete sich zwischen den Tischen und den Rauchwolken zur Bar vor. Unter anderem hatte sie gelesen, dass Charlie’s einmal versucht hatte, einen Holotank einzusetzen, aber das hätte eine Entscheidung zwischen Tabak und Holographie erfordert, und damit war diese Frage entschieden gewesen. Demzufolge waren die Tische alle so aufgestellt, dass man von ihnen aus gute Sicht auf große, hoch auflösende Flachbildschirme hatte. Aber ihre Aufmerksamkeit wurde nicht von dem Flachbildschirm über der Bar angezogen. Was sie wirklich froh machte, dass sie hierher gekommen war, war das Schild, das sie neben dem beeindruckenden Flaschensortiment an der Wand hinter dem Tresen sah. »Unser Kaffee ist zu hundert Prozent aus Jamaika importiert.«
»Kaffee, bitte. Mit einem Schuss Crème de Cacao.« Sie legte ein paar Geldscheine auf die Theke, gab dann reichlich Trinkgeld und drehte sich etwas zur Seite, um auf den Bildschirm sehen zu können. Baseball. Indianapolis gegen Topeka. Die Braves waren mit zwei Punkten im Rückstand. Sie sah sich nicht an der Bar um. Das wäre unprofessionell gewesen, außerdem hatte sie sich gleich beim Hereinkommen gründlich im Raum umgesehen. Er war noch nicht hier. Wenn er eintraf, würde er sich bei ihr bemerkbar machen.
Das Ergebnis war unverändert, aber McKenzie hatte gerade ein Foul übersehen, und sie war bereits bei ihrer zweiten Tasse Kaffee, als ein rothaariger Mann an die Bar trat und einen Kentucky Bourbon und eine zweite Tasse bestellte. Nachdem er den Bourbon gekippt hatte, stopfte er sich einen Brocken Kautabak aus einem kleinen Lederbeutel in den Mund, blickte zum Bildschirm auf und rieb sich kurz das Kinn, ehe er in den Becher spuckte. Dann sah er wieder zum Bildschirm und murmelte etwas, das aber niemand ohne Gehörsteigerung aus dem allgemeinen Geräuschpegel der Bar hätte herausfiltern können.
»Ich habe ihm doch gesagt, dass sein Pitcher nichts taugt«, sagte er.
Cally wartete, bis sie sah, dass sein Blick zu ihr herüber und an ihr vorbeiwanderte und jemanden links von ihr einen Augenblick lang scharf musterte, gerade so, als ob er gefunden hätte, wen er suchte. Sie leerte ihre Tasse und stieg vom Hocker. Der Kontakt war hergestellt, das komplette Team war eingetroffen. Als sie sich zwischen den Tischen den Weg nach draußen bahnte, trat ihr ein auffällig großer Raumfahrer mit ausgestrecktem Arm in den Weg und zog sie an sich. Sie quietschte.