Als er durch die Tür trat und sie hinter sich zugleiten ließ, strich sie sich, ganz Sinda, mit einer Hand über das Haar. Das erinnerte sie daran, wer sie war, als sie scheu, aber mit zunehmendem Eifer seinen Kuss erwiderte.
Ein paar Minuten später, als sie sich mit ihm durch einen weiteren Stellungswechsel wälzte, musste sie an sich halten, um nicht laut aufzulachen. Okay, heute ist also Akrobatiknacht. Warum müssen das Männer immer tun? So ist das immer beim ersten oder zweiten Mal, sie ziehen immer die gleichen verdammten fünf Stellungen durch, als wollten sie demonstrieren, wie weltgewandt, gerissen oder gebildet sie sind oder was auch immer. Die Augen leicht geweitet, natürlich habe ich das noch nie zuvor getan. Zurück in die Rolle, muss da mitmachen, ich … würde … das wirklich … nicht gern türken. Mhm … das ist gut … okay … das funktioniert … wir wollen nett und begeistert sein, damit er weiß, dass es funktioniert. »Oh. O Gott, das ist gut! Herrgott … bitte, bitte, bitte, nicht aufhören … ah … äh … ah …« Okay, jetzt … kapiert er’s. Yeah, gut. Okay, jetzt bist du dran, los geht’s, ja, natürlich hast du mir das beigebracht, du bist ein ganz großer Hengst. Klar hast du das. Komm schon, komm schon … so. Gut. So und jetzt ist die Frage: Bist du jetzt genügend entspannt?
»Oh, Bernie, danke. Das war gut.« Sie schmiegte sich an ihn, küsste ihn auf die Brust und strich ihm dann mit den Fingern darüber, während sie sich an seine Schulter kuschelte.
»So habe ich das noch nie erlebt. Ich habe da ein Gefühl von, ich weiß nicht … Autorität vielleicht. Ich weiß nicht, es klingt vielleicht ein bisschen albern und …« Sie ließ die Finger über seine Brust spazieren, »es war einfach herrlich.« Sie drückte ihn an sich, lächelte halb benommen und gab ihm wieder einen Kuss auf die Brust.
»Oh, ich glaube nicht, dass das — wie hast du gesagt? — alltäglich ist.« Er legte die Hand über ihre Brust und spielte mit ihren Nippeln. »Du bist eine sehr einfallsreiche Frau, Sinda. Ich finde das bezaubernd.«
»Du«, sie küsste ihn auf die Brust, wanderte langsam tiefer, »schmeichelst mir.« Sie begann seine Haut zu lecken, ihn zu küssen, genug um ihn abzulenken, aber nicht genug, um ihn atemlos zu machen.
»Man braucht nicht viel Intuition, um zu wissen, dass du ein General bist, General.« Ihre Zunge wanderte im Kreis um die Falte, wo sein Schenkel an der Hüfte ansetzte. Aber ein wenig Schmeichelei ist schon in Ordnung. »Ich mag das. Ist das, ich meine, ist das gut so, wenn ich das tue? Es macht dir doch nichts aus? Sag mir, du weißt schon, ob ich es richtig mache.«
»Genau richtig machst du es, Süße. Lass einfach deiner Fantasie freien Lauf. Nur … äh … nicht die Zähne, ja?«
»Mhm … kein Problem.«
»Hab ich … habe ich das … richtig gemacht?« Das klang unsicher, klang nach nervösem, kleinem Mädchen, als sie sich wieder an ihn kuschelte.
»Und ob«, hauchte er. »Du solltest immer auf deine Intuition vertrauen, ganz besonders im Bett. Weißt du, ich bin nicht bloß irgendein beliebiger General.« Sein Brustkasten weitete sich ein wenig. »Generäle gibt es zu Dutzenden. Ich habe diesen Posten bekommen, weil man mir ein sehr wichtiges Projekt anvertraut hat.« Er schmunzelte, strich ihr übers Haar. »Du bist doch keine Spionin?«, witzelte er. »Und im Übrigen … ich hab dir ja auch gar nichts gesagt. Bloß deine Intuition bestätigt.« Er küsste sie leicht auf die Stirn, ehe er die Beine über den Bettrand schwang.
»Musst du schon gehen?« Sie ließ den Finger an seiner Hüfte entlangwandern. Er griff nach ihrer Hand, hob sie an die Lippen und ließ sie dann wieder sanft heruntersinken.
»Ich fürchte schon. Clarice wird … unangenehm …, wenn ich über Nacht wegbleibe.«
Sie sah ihm scheinbar fasziniert zu, wie er sich anzog, wie er sie küsste, wie er ging. Als die Tür sich hinter ihm zuschob, schaltete sie den Filter neben ihrem Bett ein und zündete sich eine Zigarette an.
»Licht aus.« Sie saß mit dem Rücken an die GalPlas-Wand gelehnt, die als Kopfteil des Bettes diente, die Augen offen ins Leere blickend, während die Glut ihrer Zigarette Schatten auf die Wände warf.
Donnerstag, 6. Juni
Am Donnerstagvormittag kam Pryce in ihr Büro, als der General indisponiert war. Den Jungen sollte der Teufel holen. Man sollte meinen, meine Hormone hätten sich jetzt nach zwei näheren Begegnungen mit dem General in ebenso vielen Tagen einigermaßen beruhigt. Niemand sollte so gut riechen dürfen. Das sollte … ich weiß nicht … verboten sein oder so was.
»Was gibt’s, Pryce?«
»Ich habe bloß ganz kurz Zeit.« Er wandte sich von ihr ab, fuhr sich mit der Hand durchs Haar. So wie Beed auf Äußerlichkeiten versessen war, eigentlich keine gute Idee.
»Sie … investieren doch nicht zu viel, emotionell, ich meine ich, in Überstunden … ich hoffe … verdammt noch mal, Makepeace, Sie sind einfach zu jung, und ich möchte nicht, dass Sie etwas verletzt!«
»Ich bin jung. Pryce? Hey?«
Er wandte sich um, stolperte dabei und wurde rot.
»Okay, freilich, aus meinem Mund klingt das d-d-dämlich, aber … Sie sind einfach nett, Captain, und ich hoffe nur, dass Sie … aufpassen«, sagte er.
»Pryce, keine Sorge. Und ich bin auch nicht auf irgendwelche Gefälligkeiten aus. Hören Sie, abends länger arbeiten ist manchmal gar nicht so schlimm und wo doch … Sie wissen schon, also, Ehen zwischen Verjüngten und nicht Verjüngten gibt es beim Militär eine ganze Menge, nicht wahr? Herrgott, sehen Sie sich nur diesen Berg Arbeit an. Aber es ist schon in Ordnung. Der General ist heute glücklich, und alles das hier«, sie machte eine Handbewegung, die das viele Papier und die Aktenschränke einschloss, »geht viel leichter, wenn er glücklich ist, nicht wahr, Lieutenant?«
»Ja, Ma’am, Captain.« Er griff nach der Akte, die der Grund seines Kommens gewesen war, und blieb an der Tür noch einmal stehen. »Sie haben da wahrscheinlich schon die richtige Einstellung, Ma’am.«
»Pryce?«
»Ist schon okay, Makepeace. Wirklich.« Er hatte jetzt regelrechte Dackelaugen, und das musste ihr genügen.
Es war sechs Uhr abends geworden, sie war gerade dabei, Unterlagen für eine Präsentation zusammenzustellen, und malte sich dabei in Gedanken aus, wie es wohl sein würde, dabei zusehen zu können, wenn Bernhard Beed von riesigen Fleisch fressenden Ameisen zernagt wurde. Riesigen Fleisch fressenden, giftigen Ameisen. Und der General auf dem Eis und an vier Pfählen festgebunden. Nein, nicht Eis, das stumpfte den Schmerz zu sehr ab. Heißer Sand? Nägel. Nägel, ja, das war gut. Dieser widerwärtige, gefühllose, egoistische Mistkerl. Er hatte sie doch tatsächlich den größten Teil des Nachmittags mit überflüssigen Arbeiten rumsitzen lassen und sie dann um zwanzig vor fünf in sein Büro gerufen und ihr die Arbeit für diese alberne Präsentation aufgehalst, die aus geheimnisvollen Gründen besonders sorgfältig vorbereitet werden musste und die er morgen früh um sieben Uhr noch einmal durchgehen wollte. Bloß weil er zur Geburtstagsparty seiner Frau musste und deshalb heute Abend keine Zeit für ein kleines Techtelmechtel hatte, sorgte dieser Mistkerl jetzt dafür, dass sie anderweitig beschäftigt war.
Säure. Konzentrierte Salzsäure auf kleiner Flamme, von den Zehen aufwärts. Dieser Hurensohn. Ihr war gar nicht bewusst geworden, dass sie das laut ausgesprochen hatte, bis sie die vertraute Stimme hinter sich hörte.