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»Guten Morgen, Sir« begrüßte sie ihn vergnügt, als sie in sein Büro tänzelte, den Stapel Ausdrucke in seinen Eingangskorb legte und dafür einen etwa vier Zentimeter dicken Papierstapel aus dem Ausgangskorb nahm.

»Kommen Sie einen Moment her, Sinda, ich muss Ihnen da etwas zeigen.« Er winkte sie auf seine Seite des Schreibtischs und nutzte den Korrekturabzug, den er in der Hand hielt, als fadenscheinigen Vorwand, sie nahe genug heranzuholen, um ihre linke Brust zu begrapschen. Sie gaukelte ihm mit einem affektierten Stöhnen Erregung vor.

»Ja, Sir, ich werde mich sofort darum kümmern, Sir.«

»Oh, und eines noch, Sinda«, seufzte er, »wir werden uns leider heute Abend nicht sehen können. Clarice hat eine Einladung zum Abendessen geplant und besteht darauf, dass ich teilnehme.«

»Oh.« Sie sah ihn betrübt an. »Na ja, ich habe einen Würfel mit Filmen, die ich mir ansehen wollte, und ein paar Fertigmahlzeiten, da werde ich mir einfach einen ruhigen Abend machen, Sir.« Für den befriedigten Blick, den ihr das eintrug, hätte sie ihn am liebsten geohrfeigt. Sie nahm nicht an, dass er ihr das angemerkt hatte, wandte sich aber trotzdem ab und nahm den Stapel Papiere mit hinaus. So unpassend wäre das im Übrigen auch gar nicht gewesen, denn wahrscheinlich wäre die echte Sinda auch sauer gewesen.

Später kam Pryce mit einem Notizblock herein und ließ sich auf ihrer Schreibtischkante nieder. Dabei stieß er einen Heftapparat und einen Klammernspender herunter.

»Die hebe ich beim Hinausgehen auf. Hat der General Ihnen etwas von seiner Rede gesagt?«, fragte er.

»Rede?«, wiederholte sie.

»Ja, das Abendessen heute Abend ist ein wenig mehr, als er Ihnen gegenüber vielleicht erwähnt hat. Seine Frau versucht, auf dem Stützpunkt einen Toastmasters-Abend zu organisieren, und hat sich dazu mit der Frau von General Harrison zusammengetan. Ich habe jedenfalls den Entwurf hier. Es wäre nett, wenn Sie mir ein wenig helfen könnten. Vier Augen sehen schließlich mehr als zwei. Ich denke dabei hauptsächlich an Grammatik.«

»Aber gern.« Sie nahm den Block von ihm entgegen. »Das gibt wohl wieder einen heißen Abend für Sie, was?«

»Eigentlich nicht. Wir hatten das Nebenzimmer im Offiziersclub gebucht, aber nach dem Küchenbrand letzte Woche, na ja, die Rauchschäden sind ziemlich schlimm. Also musste ich in letzter Minute im Cherry Blossoms buchen, und dann fehlten uns zwei Plätze, worauf Colonel Lee und ich großzügigerweise das Opfer gebracht haben, auf dieses Vergnügen zu verzichten.« Er grinste verschmitzt. »Sie können sich ja vorstellen, dass ich total am Boden zerstört bin.«

»Das kann man erkennen, Pryce.« Ihre Mundwinkel zuckten leicht, und ihre Augen tanzten. »Also heute Abend keine Schnittchen. Was fangen Sie da bloß mit Ihrer Zeit an, Pryce?«

Seine Augen suchten die ihren — da war er plötzlich wieder, dieser wissende Blick — seine Augen waren wirklich dunkel -, und sie spürte ein Kribbeln im Magen. Sie rutschte auf ihrem Stuhl etwas zur Seite und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, sah, wie sein Blick kurz zu ihrer Brust wanderte und dann wieder zu ihren Augen zurück, fast als hätte er eigentlich gar nicht hinsehen wollen.

»Sind Sie auch ganz sicher, dass Sie das wollen, Captain? Ich bin kein General. Und ganz entschieden nicht General Beed.«

»Äh … wollen?«, stieß sie hervor. War das ich? Na großartig, Cally, du klingst jetzt echt wie ein vollendeter Idiot.

»Ähem. Ich meine, ich weiß nicht, was Sie vorhaben, Pryce, aber bei all dem Papierkrieg hier, ich meine, ich habe allein ein halbes Dutzend Versetzungen zu erledigen. Und wahrscheinlich werde ich allein den ganzen Nachmittag dazu brauchen, um die Soldsache von Simkovitsch hinzubekommen. Ich denke, ich werde heute Abend ziemlich lange zu tun haben.« Sie merkte selbst, dass sie angefangen hatte zu plappern, aber ihr Mund schien wie von selbst auf Hochtouren zu laufen, was durchaus zu Sinda passte, und deshalb tat sie es vermutlich. Sie zuckte bei dem leichten elektrischen Schlag zusammen, der sie durchlief, als seine Hand die ihre berührte.

»W-w-wissen Sie, mir ist plötzlich eingefallen, dass ich auch eine ganze Menge Papierkram zu erledigen habe.«

Als Beed schließlich mit seiner Rede in der Hand das Büro verließ, war Cally mit dem Großteil ihrer Arbeit fertig. Er hatte ihr natürlich in letzter Minute eine ganze Ladung weiterer Aufträge erteilt. Dachte er wenigstens. Das meiste davon hatte sie bereits vorhergeahnt. Üblicherweise wählte er für diese Extraaufträge Arbeiten aus, die ohnehin erledigt werden mussten, wenn auch später, und ließ sich dann Gründe einfallen, weshalb er die Ergebnisse unbedingt gleich morgen früh haben musste. Wenn sie tatsächlich gewartet hätte, bis er ihr den Auftrag erteilt hatte, nämlich um siebzehn Uhr dreißig, hätte sie noch gute drei Stunden zu tun gehabt. So war höchstens noch eine halbe Stunde Arbeit übrig, als er zur Tür hinausstolzierte und die entsprechenden Akten in einer Art künstlerischen Unordnung auf ihren Schreibtisch drapierte. Arschloch.

Um sechs fünfzehn ging sie zum Kopierer und zählte die noch in ihrem Büro befindlichen Mitarbeiter. Anders war so gut wie weg, Carlucci und Sanchez saßen noch an ihren Schreibtischen.

Als sie auf dem Rückweg an Pryces Büro vorbeikam und er kurz zu ihr aufblickte, fragte sie sich, ob er wirklich arbeitete oder ähnlich ihr nur so tat.

Um sechs fünfundvierzig musste sie an sich halten, um nicht Däumchen zu drehen. Sie ging erneut zum Kopierer und stellte befriedigt fest, dass die beiden Agenten endlich das Büro verlassen hatten. Wenigstens hoffte sie das.

»Buckley«, flüsterte sie, »lausche eine Minute und sage mir dann, ob du außer mir und Pryce noch jemanden im Bürobereich hörst.« Sie war ein paar Sekunden ganz leise, atmete auch kaum hörbar.

»Nein, Captain. Die haben sich zu gut versteckt, als dass ich sie hören könnte. Die müssen wirklich gut sein. Vielleicht werden wir schnell sterben.«

»Okay, du darfst jetzt die Klappe halten, Buckley. Und hör auf zu lauschen.« Okay, sie wusste natürlich, dass es bloß ein Computerprogramm war. Trotzdem wollte sie nicht, dass es sie belauschte, während sie mit Pryce zusammen war. Das wäre ihr unheimlich gewesen.

»Aber was ist, wenn ich höre, wie die sich an uns anschleichen?«

»Halt die Klappe und hör auf zu lauschen, Buckley.«

»Geht in Ordnung.«

»Wissen Sie, dass es inzwischen Zusatzprogramme mit Persönlichkeitsüberlagerung gibt, um die deprimierenden Gewohnheiten dieser Standard-Buckleys zu beseitigen?« Pryce war hinter sie getreten, und sie zuckte zusammen, ehe sie sich zu ihm umdrehte.

»Lassen Sie das gefälligst! Sie haben mir Todesangst eingejagt.« Sie hatte sich mit der Hand an die Brust gegriffen und erstarrte einen Augenblick lang. Seine Augen waren groß und dunkel, und plötzlich war ihr klar, was damit gemeint war, wenn es hieß, man könne jemanden in die Seele sehen. Konnte er in die ihre sehen? Und wenn er das konnte, würde er dann bleiben? Ihr wurde bewusst, dass ihr der Mund halb offen stand, und sie klappte ihn zu, fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen und spielte mit einer Haarsträhne.

Dann trat sie ganz bewusst einen Schritt vor und drückte sich mit dem ganzen Körper an ihn. Es war, als würde sie ein unter Strom stehendes Kabel berühren. Als er ihren Mund ungestüm an den seinen heranzog, konnte sie durch ihre Seidenuniform seine heißen Schenkel spüren. Sie waren hart und angespannt, und als sie mit der Wade außen an seinem Bein hochfuhr und sich noch fester an ihn drückte, war sie zum ersten Mal froh darüber, dass Sinda nicht gerade schlank war. Sie spürte seine Rückenmuskeln unter ihren Händen. Sein Mund schmeckte nach Zimt, als ob er gerade Gummi gekaut hätte, und die Knie versagten ihr den Dienst, als seine Zunge, seine Zähne und seine Lippen schließlich den Kommentar abschalteten, der immer noch in ihrem Gehirn ablief, und sie sich alle Mühe gab, sich noch enger an ihn zu schmiegen. Kleider. Im Weg, verdammt. Geduld? Wieso Geduld. Zum Teufel mit Geduld.