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Stewart betrat sein Büro und hätte am liebsten gleichzeitig geflucht und gegrinst. Im Übrigen musste er einen Augenblick lang bewusst an etwas anderes denken, um seine Seidenkombination wieder präsentabel zu machen. Bedauerlicherweise sah es so aus, als ob Sinda sich nicht zu einer besonders guten Lügnerin entwickeln würde. Das war unvorsichtig. Aber eigentlich kein Wunder. Sie war eben doch ein Dummchen. Nicht dass sie das nicht auf ihre Art ausgeglichen hätte. Sie war nett, setzte sich für ihre Arbeit ein — und dann schüttelte er den Kopf, als ihm bewusst wurde, dass er jetzt schon eine ganze Weile denselben Punkt an der Wand angestarrt hatte. Tatsache war, dass sie ein Dummchen war. Aber ein sehr nettes. Und er sollte jetzt wirklich über die einzelnen Stufen nachdenken, die es brauchte, um einen Soldaten mit einem neuen GKA-Anzug auszustatten. Das lag lange genug zurück, dass man sich wirklich auf die einzelnen Schritte konzentrieren musste …

Schließlich war er so weit, dass er zu diesem Kotzbrocken, diesem widerlichen Vorwand für einen General, gehen konnte. Denk wie ein Lieutenant. Fröhlich, eifrig, tollpatschig, eben Lieutenant Pryce, als Beweis dafür, dass der Herrgott wirklich keinen Spaß versteht. Er stolperte beim Hinausgehen über die Schwelle, einfach zur Übung, und stellte fest, dass Sinda von ihrem Schreibtisch aus nicht nur seine Tür sehen konnte, sondern ihn tatsächlich beobachtete und dies mit leicht benommener Miene. Mann, wie man so einem total dämlichen Blondchen verfallen kann, ist mir einfach unverständlich. Offenbar steigt dir deine Rolle als Lieutenant in den Kopf. Okay, ich weiß auch, dass ich jetzt gerade nicht mit meinem Gehirn denke. Ups! »… nach Anpassung des Stiefels müssen die Nanniten dazu veranlasst werden, den Unterschichtbildungsprozess einzuleiten …«

Er betrat das Büro des Generals, stolperte dabei über die eigenen Füße und grinste innerlich, als er sah, wie Beeds Gesicht sich verärgert rötete. Als die Tür hinter ihm zuglitt, nahm er vor dem Schreibtisch Haltung an.

»Unsere Quelle hat wieder Kontakt aufgenommen. Er bietet zusätzliche Informationen zum Verkauf an«, sagte der General.

»Wen schicken die denn zu ihm?« Als ob ich das nicht wüsste.

»Er ist hier. Ich habe heute Abend keine Zeit, mich mit ihm zu treffen. Sie müssen das übernehmen. Hier ist die Adresse. Prägen Sie sie sich ein.« Er hielt ihm ein Blatt Papier hin und wartete, während Stewart das Papier ein paar Augenblicke lang anstarrte, nahm es dann zurück und stopfte es in eine Schreibtischschublade.

»Und dass Sie mir das ja nicht verpatzen, Lieutenant«, sagte Beed mit grimmiger Miene.

Yeah, einen Grund hättest du, Mist zu bauen, du Arschloch. Wenn Mr. Jones auf Titan ist, frage ich mich, wer sonst noch auf Titan ist. Dies ist der erste Hinweis, den wir bis jetzt haben, dass unsere Strategie vielleicht tatsächlich funktioniert. Herrgott, wie ich mich darauf freue, diesen Mistkerl abzulösen. Allein schon wegen Sinda.

»Yes, Sir. Wäre das alles, Sir?«

»Sehen Sie bloß zu, dass Sie mir etwas Ordentliches bringen, Pryce. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass wir bis jetzt noch völlig im Dunkeln tappen, und das sieht nicht gut aus. Eine gute Beurteilung bei einem solchen Einsatz könnte der Karriere eines jungen Offiziers sehr nützlich sein. Wegtreten.«

Mistkerl. »Yes, Sir.« Pryce salutierte, machte ziemlich wacklig kehrt und verließ den Raum, ehe seine Fassade in Gefahr geriet. Seine Tarnung zu halten, würde schwieriger sein, als er das erwartet hatte.

Freitag, 14. Juni, Abend

In der Sake-Bar verkehrte eine bestimmte Klasse jüngerer Flottenoffiziere. Das Etablissement war für Fleet-Strike-Personal, mit Ausnahme von MPs im Dienst, off limits, aber Stewarts Aufgabe an diesem Abend rechtfertigte die Zivilkleidung, die er trug, und sein militärischer Haarschnitt war auch bei Zivilisten durchaus verbreitet. Wenn er zwei oder drei Stunden später gekommen wäre, hätte das mit Sicherheit eine Schlägerei ausgelöst, aber es war noch früh genug, dass die Flotte sich hauptsächlich auf das Trinken konzentrierte und einige ihr Glück an den überall herumstehenden Spielekonsolen versuchten.

Im Allgemeinen schlug Stewart einen weiten Bogen um das lausige Bier, das dadurch noch schlechter war, dass es im Lokal aus örtlich hydroponisch gezüchtetem Hopfen gebraut wurde. Aber die Animationen waren große Klasse. Die großen … Augen … der projizierten Frauen machten zwar bei weitem nicht so viel Spaß wie natürliche weibliche Attribute — er musste wieder einmal dagegen ankämpfen, sich ein gewaltsames Ende für Beed auszumalen -, aber die Animation war wirklich gut gemacht.

Der fit wirkende Zivilist mit schütterem Haar, der vor einem Teller Miso-Suppe an der Bar saß, war nicht so hübsch anzusehen. Offen gestanden waren ihm Verräter im Allgemeinen zuwider, so zuwider, dass er diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken durfte. Aber der Umgang mit unappetitlichen Leuten gehörte eben mit zum Geschäft, wenn man im Geheimdienst tätig war, und deshalb konnte er sich diese Abneigung im Augenblick einfach nicht leisten. Für einen ehrlichen Gegner oder sogar Feind konnte Stewart wie jeder Soldat ein gewisses Maß an widerstrebendem Respekt aufbringen. Leute hingegen, die an ihrer eigenen Sache Verrat begingen, lösten in ihm einen so tief sitzenden Widerwillen aus, dass er wirklich Mühe hatte, ihn zu unterdrücken, als er jetzt auf die Bar zuging.

»Mr. Smith, wie nett, Sie wiederzusehen«, sagte der Mann.

»Mr. Jones. Sie sind aber weit gereist, nicht wahr?«, stellte Stewart fest.

»Das könnte man von Ihnen auch sagen«, antwortete der Verräter.

»Ja, wenn Sie wüssten, wo ich zu Hause bin, könnten Sie das wahrscheinlich.« Er zog sich einen Barhocker heran und lächelte, obwohl allein der Gedanke, jetzt mit diesem Wurm trinken zu müssen, fast ausgereicht hätte, dass sich ihm der Magen umdrehte.

»So, was haben Sie denn anzubieten, Mr. Jones? Begnügen Sie sich immer noch mit Kleinkram oder sind Sie bereit für lohnendere Dinge? Ich hoffe, Sie verübeln es mir nicht, wenn ich das sage, aber es ist doch ein erheblicher Wechsel in der Szenerie, nicht wahr?« Er würde ihm ein wenig den Stachel geben, um zu sehen, was dabei herauskam.

»Ich reise. Diesmal will ich nicht bloß Bargeld. Sie hatten gesagt, Sie würden für mehr auch mehr bezahlen. Nun, jetzt werden wir sehen, ob es Ihnen damit ernst war.« Auf der Oberlippe des Verräters standen kleine Schweißtröpfchen. Ob er nervös war?

»Reden Sie weiter.« Ihm nichts geben, woran er sich festhalten kann, er soll selbst rausrücken.

»Ich brauche ein Ablenkungsmanöver. Sie wollen einen Teil unserer Organisation. Ich sehe da eine wechselseitige Chance. Sie helfen mir, Beweismaterial zu platzieren, und ich liefere Ihnen die Person, auf die das Material deutet. Möglicherweise brauchen Sie dazu den Rest des Teams, für den Fall, dass Sie mit Ihren neuen Spielsachen ein wenig unsanft umgehen müssen. Aber an dem Punkt käme dann Geld ins Spiel.« Seine Stimme ließ ein gewisses Maß an Verzweiflung erkennen.

Du großer Gott, da haben wir einen echten Haupttreffer gezogen. Okay, aber jetzt die schwierige Frage: warum?

»Und worin genau würde dieses Platzieren von Beweismaterial bestehen?«, fragte er.

»Das Übliche und Offensichtliche. Ein paar Banktransaktionen und ein paar am richtigen Ort platzierte Luxusartikel. Wenn Sie ihn holen, wird es aussehen, als hätte er Ihnen schon die ganze Zeit Informationen geliefert und wäre dann aus der Kälte gekommen.« Das Grinsen des Verräters wirkte jetzt besonders widerlich.