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Einige Augenblicke schwamm sie ohne Begeisterung herum. Man wich ihr mißtrauisch aus, und sie hatte keine Lust, dieses wenig angenehme Bad lange auszudehnen. Schon näherte sie sich wieder dem Rand, um sich den beiden Sklavinnen anzuvertrauen, die man ihr zur Bedienung zugeteilt hatte und die sie mit dicken baumwollenen Badetüchern erwarteten, um sie abzutrocknen, als sie plötzlich ein hübsches blondes Mädchen bemerkte, das auf Kissen am Rande des Beckens ausgestreckt lag – ein hübscher, rundlicher, frischer Körper mit Grübchen und rosigem Fleisch – und ihr offen zulächelte. Instinktiv näherte sie sich ihm. Das Lächeln des jungen Mädchens wurde herzlicher. Es gab sogar seine lässige Haltung auf und streckte Cathérine seine für eine Frau etwas zu große Hand hin.

»Streck dich neben mir aus, und schenke den anderen keine Aufmerksamkeit. Es ist immer so, wenn eine Neue kommt. Verstehst du, eine neue Gefährtin bedeutet immer das Risiko einer gefährlichen Favoritin.«

»Warum gefährlich? Sind denn alle diese Frauen in den Kalifen verliebt?«

»Um Himmels willen, nein! … Obgleich es ihm nicht an Charme mangelt.«

Mehr sagte das junge Mädchen nicht. Sie hatte instinktiv aufgehört, arabisch zu sprechen, und war auf Französisch übergewechselt, und Cathérine war zusammengefahren.

»Du bist aus Frankreich?« fragte sie in derselben Sprache.

»Ja, … o ja, aus dem Land der Saône, ich bin in Auxonne geboren. Da«, fügte sie traurig hinzu, »hieß ich Marie Vermeil. Hier nennt man mich Aicha. Kommst du auch aus unserem Land?«

»Aber ja!« erwiderte Cathérine lachend. »Ich bin in Paris geboren, aber in Dijon bei meinem Onkel Mathieu Gautherin aufgewachsen, der einen Stoffhandel in der Rue du Griffon betrieb …«

»Mathieu Gautherin?« wiederholte Marie nachdenklich. »Diesen Namen kenne ich doch … Übrigens, zu komisch, aber mir scheint, daß ich dich schon gesehen habe. Wo könnte es gewesen sein?« Sie unterbrach sich. Im blauen Wasser glitt der goldene Körper einer schönen, geschmeidig schwimmenden Maurin auf sie zu. Zwei goldgrüne Augen schossen den beiden Frauen einen gehässigen Blick zu. Schnell flüsterte Marie.

»Sieh dich vor der da vor! Das ist Zorah, die augenblickliche Favoritin. Die Geier auf dem Turm der Hinrichtungen haben mehr Herz als diese Schlange. Sie ist noch schlimmer als Prinzessin Zobeida, weil die Prinzessin die Heimtücke verschmäht, welche Zorah bis zur Perfektion beherrscht. Wenn du dem Herrn gefällst, hast du von dieser Ägypterin alles zu befürchten.«

Cathérine hatte keine Zeit mehr zu weiteren Fragen. Morayma war offenbar der Meinung, sie habe jetzt genug mit Marie-Aicha geplaudert, und kam mit den beiden schwarzen Sklavinnen heran.

»Wir sprechen uns später«, murmelte Marie noch, bevor sie sich graziös ins parfümierte Wasser fallen ließ, und das mit solcher Präzision, daß Zorah ausweichen mußte, sonst wäre das junge Mädchen auf ihrem Rücken gelandet.

Obgleich so gut wie trocken, ließ Cathérine sich von den beiden Frauen gewissenhaft abreiben und dann mit einem leichten Öl massieren, das ihrem Körper eine zarte Patina von hellem Gold verlieh. Als sie sich jedoch anschickte, das ärmellose Hemd aus gestreifter Seide wieder anzuziehen, das sie bei ihrer Ankunft getragen hatte, widersprach Morayma.

»Nein. Du ziehst dich nicht sofort an. Komm mit.«

Cathérine folgte der Jüdin durch mehrere Baderäume, heiß und kalt, um schließlich in einen von eleganten Arkaden umzogenen, ganz mit blauen, roten und goldenen Blumengeflechten dekorierten Raum zu gelangen. Eine mit vergoldeten Jalousien abgeschlossene Galerie lief in Höhe des ersten Stockwerks um ihn herum. In den Nischen zwischen den Säulen befanden sich Ruhebetten aus vielfarbigen Kissen, auf denen fünf oder sechs sehr schöne Mädchen nackt, lässig und graziös ausgestreckt lagen. Morayma zeigte Cathérine das einzige noch leere Ruhebett. »Leg dich da hin!«

»Wozu?«

»Das wirst du gleich sehen. Es dauert nicht lange …«

Frauenstimmen, die ein monotones, zartes Lied sangen, waren zu vernehmen, ohne daß man die Sängerinnen sehen konnte, doch im Saal selbst sprach niemand. Nachdem Morayma Cathérine angewiesen hatte, sich in einer verführerischen Pose auszustrecken, hatte sie sich in der Mitte des Saals aufgestellt, wo in einem Marmorbecken ein Springbrunnen murmelte. Sie hob den Kopf zu der geschlossenen Galerie, als erwarte sie etwas. Gespannt blickte Cathérine in diese Richtung.

Sie glaubte, eine Gestalt hinter dem schmalen, vergoldeten Lattenwerk ausmachen zu können, eine so vollkommen reglose Gestalt, daß sie sich fragte, ob sie nicht das Opfer eines Selbstbetruges sei. All dies, dieses Bad, dieses träge Leben, steigerte noch ihre Ungeduld, endlich zu ihrem Gatten zu gelangen. Was hatte sie auf diesem Diwan zu suchen, nackt inmitten anderer, ebenfalls nackter Frauen? … Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Eine Hand hob eine der Jalousien und warf etwas, das auf Catherines Lager zurollte.

Schnell sich aufrichtend, beugte sie sich neugierig vor und bemerkte, daß es sich um einen einfachen Apfel handelte.

Sie wollte ihn ergreifen, doch Morayma war schneller; sie bemächtigte sich der Frucht, und Cathérine sah, daß sie vor Erregung rot war und ihre Äuglein vor Freude blitzten.

»Der Herr hat dich erwählt!« bedeutete ihr die Herrin des Harems. »Und dabei bist du eben erst angekommen! Noch in dieser Nacht wirst du die Ehre haben, zum königlichen Bett zugelassen zu werden. Komm schnell. Wir haben gerade noch Zeit, dich vorzubereiten. Der Herr hat es eilig.«

Und ohne Cathérine zu erlauben, sich wieder anzuziehen, zog sie sie hastig durch Säle und Galerien zu dem Pavillon, einem der bescheidensten des großen Harems, in dem sie ihre neue Errungenschaft untergebracht hatte.

Dort blieb Cathérine keine Zeit mehr, Fragen zu stellen. Der Wunsch des Kalifen verursachte ein gründliches Klarmachen zum Gefecht, das irgendwelchen Überlegungen keinen Raum ließ. Einer wahren Armee von Masseusen, Duftspezialistinnen, Pediküren, Friseusen und Ankleiderinnen ausgeliefert, hielt es die junge Frau für das beste, alles über sich ergehen zu lassen. Auf jeden Fall konnte es ihr nur nützen, dem Kalifen nahezukommen … so nahe. Wer konnte sagen, ob es ihr nicht gelänge, einen gewissen Einfluß auf ihn zu gewinnen? Was die möglichen Weiterungen ihrer Intimität mit dem König von Granada betraf, ließ Cathérine sich dadurch nicht schrecken. Ohnedies hatte sie keine andere Wahl. Jeder Widerstand mußte ihre Pläne in Frage stellen und das Leben Arnauds, ihr eigenes und das ihrer Freunde gefährden. Und wenn man schon Krieg führte, dann richtig, ohne in der Wahl der Mittel allzu zimperlich zu sein.

Der eine mit gekreuzten Beinen auf einem mit Seidenteppichen bedeckten Diwan sitzend, die andere in der zarten Wolke ihrer rosafarbenen Schleier einige Schritte entfernt vor ihm stehend, sahen Mohammed VIII. und Cathérine einander an. Der eine mit unverhohlener Bewunderung, die andere mit Mißtrauen, in das sich Überraschung mischte. Gott weiß, warum die junge Frau (vielleicht des beunruhigenden Bildes wegen, das man ihr von Zobeida gezeichnet hatte) darauf gefaßt war, im älteren Bruder der Prinzessin einen arroganten, brutalen, zynischen Mann, eine Art Gilles de Rais plus La Trémoille, anzutreffen …

Doch der Fürst vor ihr ähnelte in nichts ihren Erwartungen. Er mochte zwischen fünfunddreißig und vierzig sein, und sein turbanloser Kopf war, außergewöhnlich bei einem Mauren, mit dichtem dunkelblondem Haar bedeckt, das sein Pendant in dem kurzen, das sonnengebräunte Gesicht umrahmenden Bart fand. Klare graue oder blaue Augen hoben sich von seiner dunklen Haut ab, und wenn er lächelte, zeigte er kräftige weiße Zähne. Flink schob er die Papierrolle zurück, die er beim Eintritt der jungen Frau und Moraymas mit einem Kalamin beschrieb.