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Voller Rührung über dieses großartige Geschenk bedankte er sich überschwänglich. Er wusste, dass der Weg, den er eingeschlagen hatte, für seine Freunde schwer nachvollziehbar war. Und doch respektierten sie ihn dafür.

Als sie ins Atrium zurückgingen, überlegte er kurz, ob er den Gästen und seiner Familie das neue Schwert zeigen sollte. Er kam zu dem Schluss, dass es besser sei, es ohne Aufsehen auf sein Zimmer zu bringen. Sorgfältig wickelte er es wieder in das Tuch, ging eilig die Treppe hinauf und legte den Gladius neben sein gepacktes Bündel.

IM • LAGER • DER • LEGIONEN

LUGDUNUM

Quintus Galarius war über fünfzig, ergraut und mit der typischen kahlen Stelle auf dem Kopf, die ihn als lebenslangen Helmträger auswies. Er hatte eine Reihe von Tapferkeitsauszeichnungen bekommen, Halsringe, Armreife aus Gold und Silber und die Phalerae, die neun Metallscheiben, die auf der Brust getragen wurden.

Wenn er sie nicht trug, waren die Auszeichnungen alle in seinem Büro aufgestellt, so dass jeder sie sehen konnte. Quintus Galarius, der Lagerpräfekt der XIX Legion, war ein erfahrener und ruhmreicher Kämpfer, auch wenn er jetzt ausschließlich für die Verwaltung und Versorgung der Männer zuständig war. „Aber nicht mehr lange!“, dachte er vergnügt bei sich und las das Schreiben seines Agenten. Dieser hatte sich für ihn in Norditalien nach Land umgesehen. Dort wurden schöne Höfe zum Kauf angeboten. Galarius hatte bereits einige gekauft, aber er wollte noch bei weiteren günstigen Angeboten zuschlagen, bevor allgemein bekannt wurde, dass die Unterwerfung der Raeter bevorstand. Publius Silius Nervas’ Feldzug in diesem Jahr war eine Art Aufklärungsmission für das, was im kommenden Jahr folgen sollte, daher musste Galarius seine Transaktionen so schnell wie möglich erledigen, bevor die Grundstückspreise wieder stiegen.

In seinem Schreiben schwärmte sein Agent von der schönen Lage, dem fruchtbarem Boden, einem Bach mit kristallklarem Wasser und einem atemberaubenden Blick auf die Alpen. Der Hof, den er ausgesucht hatte, war nach seiner Beschreibung ein entzückendes Anwesen, auf dem jeder Römer stolz leben und arbeiten konnte. Ach, was hieße da arbeiten – residieren wie Cato, der Zensor, persönlich!

Galarius stieß ein Grunzen aus und ließ das Schreiben mit einem Lächeln auf den Tisch sinken. Ein Anwesen für Cato, den Zensor? Das würde ein finsteres Loch bedeuten, kein Putz an den Wänden, keine Fliesen auf dem Boden, die Latrine im Garten und kein Bad. Warum dachten Zivilisten eigentlich immer, dass alle Soldaten wie die Spartiaten lebten, wie Cato dachten und wie Diogenes wohnten? Egal, er wollte auf dem Hof sowieso nicht wohnen, sondern das Land verpachten. Sizilien oder Kampanien sagten ihm als Wohnsitz schon mehr zu und er hatte ein hübsches Sümmchen für seinen Lebensabend zurückgelegt. Als er vor vier Jahren Lagerpräfekt geworden war, war seine Altersvorsorge ausreichend gewesen, jetzt war sie beträchtlich. Er räkelte sich behaglich in seinem Stuhl und nippte am Wein. Wenn nur nicht der vermaledeite Feldzug nächstes Jahr wäre: wieder im Stroh schlafen, reiten, marschieren, Lagerbau und der ganze Scheiß. Bei Mars, er hatte gedacht, das alles hinter sich zu haben! Nicht zu ändern. Er trank noch einen Schluck, als sich die Tür öffnete und der Primipilus Marcus Canidius hereinkam.

„Salve, Marcus!“, begrüßte er ihn. „Gieß dir von dem ausgezeichneten Falerner ein und setzt dich!“ „Falerner?“, fragte Canidius erstaunt und setzte sich auf einen Stuhl. „Findest du es nicht ein wenig zu protzig, mittags schon Falerner zu trinken?“

„Eigentlich nicht!“, entgegnete Galarius vergnügt, dessen rotes Gesicht und leicht aufgedunsene Figur bewiesen, dass er gern und häufig dem Wein zusprach.

Canidius war das genaue Gegenteil. Kräftig und wettergegerbt, entsprach er dem Idealbild eines zähen Kämpfers und harten Vorgesetzten.

„Die primi ordines werden gleich hier sein!“, begann Canidius. „Wir müssen uns noch absprechen, was wir sagen, wie wir ihnen die Neuerungen beibringen!“

„Was DU sagst, lieber Marcus!“, erwiderte Galarius mit Nachdruck. „Ausbildung und Disziplin sind deine Aufgaben. Du musst dich als Primipilus, als oberster Centurio der Legion, schon selbst durchsetzen.“

„Das Einzige, was du noch durchsetzt, sind deine Kissen!“, konterte Canidius verärgert. Wenn er Galarius damit hatte provozieren wollen, war das ein Fehlschlag gewesen, denn dieser zuckte nur gleichmütig mit den Achseln: „Jedem seine Aufgabe, jeder an seinen Platz!“

Canidius blieb keine Zeit mehr zum Antworten, da es erneut an der Tür klopfte und fünf weitere Centurionen, die primi ordines, den Raum betraten.

Galarius betrachtete interessiert, wie die Neuankömmlinge Platz nahmen. Sie setzten sich auf die freien Stühle, mit Ausnahme von Titus Valens, der sich auf die Kiste mit den Proviantberichten setzte. Ein interessanter Mann, der es geschafft hatte, sich innerhalb eines Jahres den Respekt aller Centurionen und Mannschaften zu erwerben. Von einem Centurio wurde erwartet, dass er tapfer war, aber Valens’ Auszeichnungen waren in aller Munde. Keiner sonst in der Neunzehnten konnte eine Wall- oder gar eine Mauerkrone vorweisen. Die Wallkrone hatte Valens als junger Soldat im Bürgerkrieg bekommen, die Mauerkrone erst vor wenigen Jahren im Krieg gegen die Kantabrer. Es war ein offenes Geheimnis in der Legion, dass die verschärften Drills der vergangenen Monate auf ihn zurückgingen, was ihm nicht unbedingt Sympathien einbrachte. Doch die positiven Auswirkungen waren schon erkennbar.

Canidius würde seine Schwierigkeiten haben, Valens von der Zweckmäßigkeit des neuen Befehls zu überzeugen, mochte dieser Befehl auch von ganz oben kommen.

Canidius war sich dessen bewusst. Seine Augen flackerten unruhig, während er von einem zum anderen sah und versuchte, die Stimmung zu ergründen. Vor einer Woche hatte er ihnen eröffnet, was bevorstand: „Es gibt ein Gebot des Augustus, wonach Söhne von Rittern und Söhne ehemaliger Primipili direkt und ohne zuvor gedient zu haben als Centurionen in die Legion eintreten können!“ Was für eine Empörung diese Anordnung auslöste! Wenn er ihnen mitgeteilt hätte, dass sie alle an ein Bordell verkauft worden seien, hätte die Empörung nicht größer sein können. Zwei Stunden lang tobten und fluchten die primi ordines, sie beschworen Jupiter Optimus und Jupiter Stator, Mars und Quirinius, schworen heilige Eide, lieber zu sterben als so eine Schweinerei mitzumachen. Canidius war nicht mehr Herr der Situation. Einzig Titus Valens hatte sich im Griff. Er war genauso entrüstet und wütend wie die anderen, doch ein Mann mit seiner Disziplin und Selbstbeherrschung vermochte seine Wut zu zügeln. Schließlich schlug Galarius selbst mit seiner großen Pranke auf den Tisch und rief: „Seid ihr Soldaten oder Weiber? Dies ist ein Befehl! Ein Befehl von eurem Feldherrn und Patron – und damit Schluss!“ Flavus war so rot angelaufen, dass Galarius befürchtete, ihm würde der Kopf platzen. Dann riss er auch noch den Mund auf – alle erwarteten einen fürchterlichen Schrei. Aber im Gegenteil, Flavus atmete tief durch, schloss den Mund, und mit einem herausgewürgten „Zu Befehl!“ setzte er sich wieder hin.