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Quintus Galarius musterte Lucius, Mellonius und Carvus von oben bis unten und schnaubte durch die Nase. Das hörte sich wie eine verrostete Trompete an. Er brummte etwas, das wie „Neue Zeiten!“ klang.

Schließlich gab er sich einen Ruck und sprach: „Tiberius Silvanus Mellonius, Lucius Justinius Marcellus und Marcus Flavius Carvus. Ich habe im Hauptquartier nachgefragt, ob kein Irrtum vorliegt, dass ihr als Centurio in die Legion eintreten sollt. Es liegt kein Irrtum vor.“ Er winkte mit der Schriftrolle. „Allerdings habe ich gesonderte Anweisungen für eure Ausbildung bekommen. Da ihr keinerlei Kampferfahrung und keinerlei Erfahrung im Umgang mit Waffen habt, nichts von der Legion wisst, mit anderen Worten: hier ein Nichts und Niemand seid, werdet ihr zunächst das ganz normale Ausbildungsprogramm für Rekruten absolvieren. Was es heißt, ein Centurio zu sein, das werdet ihr nebenbei lernen, zusätzlich zur Grundausbildung!“

Der Lagerpräfekt machte ein Gesicht, als ob er statt Posca reinen Essig erhalten hätte. Schließlich fuhr er fort: „Centurio Vulso wird eure Ausbildung leiten. Wenn ihr bis zum Ende durchhaltet, werdet ihr zum Centurio ernannt und könnt euren Dienst antreten. Wenn nicht, wenn ihr zusammenbrecht oder aufgeben wollt, könnt ihr jederzeit sofort gehen. Oder als Miles anfangen. Ihr werdet wie normale Rekruten behandelt. Ihr werdet euch gemeinsam ein Zimmer teilen. Eure Sklaven werden während der Zeit der Grundausbildung woanders beschäftigt werden. Zimmerreinigung, Instandhaltung der Waffen, Essenkochen werden ab jetzt eure Aufgabe sein. Wenn ihr schlappmacht und die Grundausbildung nicht durchsteht, könnt ihr eure Sachen packen!“ Der Präfekt winkte ihnen zu gehen. „Wegtreten!“

Sie fragten sich zu ihrer Unterkunft durch und erreichten schließlich ihre Baracke. Mit flauem Gefühl im Magen trat Lucius durch die Tür in den Vorraum. Sein Blick wanderte über die Regale, in denen sie ihre Ausrüstung verstauen sollten. Er ging weiter zum zweiten Raum. Hier standen vier Etagenbetten, auf denen die acht Männer eines Contuberniums schliefen. Licht fiel durch das kleine Fenster an der Decke herein, das gleichzeitig als Rauchabzug diente. Lucius betrachtete die rußgeschwärzte Wand und die Kochstelle am Boden. Hier also würde er die nächsten Monate wohnen, schlafen und essen. Carvus und Mellonius hatten sich hinter ihm in den Raum gedrängt und sahen zweifelnd auf die Kochstelle.

„Kann einer von euch kochen?“, unterbrach Carvus die Stille.

Sie hatten ihre Waffen und die übrige Ausrüstung abgeholt, Vorräte für ein nundinum bekommen und im Regal verstaut. Carvus und Mellonius hatten im Vicus einen brauchbaren Tropfen Wein und eine Sonderration Speck und Fleisch organisiert. Lucius bereitete einen Erbsenbrei mit Speck zu.

„Was für ein Glück, dass wir mit so einem vielseitigen jungen Mann unsere Unterkunft teilen!“, bemerkte Carvus leutselig und prostete ihm zu. „Woher kommst du?“

„Aus Arausio!“, entgegnete Lucius und hackte den Knoblauch klein.

„Aus Arausio? Wir beide kommen aus Rom!“, entgegnete Mellonius, wobei er den Namen der Hauptstadt bedeutsam betonte.

Hauptstadt oder Provinz. wie sich herausstellte, war es in allen drei Familien die gleiche Geschichte gewesen: Augustus hatte sie mit einem großzügigen Stipendium ausgestattet und den Familien so erlaubt, in den Ritterstand aufzusteigen. Dafür musste sich jeweils ein Sohn zur Legion melden, um Centurio zu werden.

Carvus und Mellius sprachen nicht weiter über die frostige, ablehnende Sonderbegrüßung durch ihre künftigen Ausbilder. Lucius aber ging der drohende Blick von Titus Valens nicht aus dem Kopf. Wir müssen auf der Hut sein, dachte er. Auch der Präfekt ist uns nicht wohlgesinnt.

Nach dem Essen legten sich Carvus und Mellonius direkt schlafen, Lucius ging noch einmal in den Vorraum. Er packte das kleine Lararium aus, das er von seinem Vater bekommen hatte. Er nahm ein Messer und ritzte sich vorsichtig den Arm. Dann ließ er ein wenig Blut vor dem Lararium auf den Boden tropfen. Ein Blutopfer für die Laren und Penaten wurde eigentlich selten vollzogen, aber Lucius schien es in diesem Moment mehr als angemessen. Schließlich war dies der Beginn eines völlig neuen Abschnittes in seinem Leben, und dafür erbat er sich das Wohlwollen der Götter.

Frisch ausgerüstet und bewaffnet stand die Centurie auf dem Exerzierplatz. Vulso und sein Optio Antinius inspizierten die Legionäre. Sie verbesserten den Sitz der Kettenhemden und wiesen die Rekruten an, ihre caligae, ihre genagelten Sandalen, besser zu schnüren. Wie Lucius bereits schmerzhaft bei seinen Märschen mit Saxum erfahren hatte, mussten sie eng sitzen, damit kein Stein unter den Fuß rutschen konnte.

Einmal gab es ein fürchterliches Donnerwetter, weil einer der Rekruten das Schwert auf der linken Seite trug. Ein einfacher Legionär trug sein Schwert rechts. Nur einem Centurio war es gestattet, das Schwert links zu tragen. Während der Rekrut zusammengestaucht wurde, ging ein Rascheln und Schleifen durch die Reihen, da alle Rekruten, die ihr Schwert auch links hatten, es schnell auf die andere Seite hängten. Vulso und Antinius taten so, als ob sie diese hektischen Aktivitäten nicht mitbekämen.

„Was haben wir denn da?“, fragte Vulso erstaunt und blieb vor Lucius stehen. „Bei Mars, du musst der neue Legat sein. Welche Ehre, dass du dich hier zu uns gesellst!“

Lucius fühlte sich unbehaglich. Was war denn jetzt schon wieder falsch? Vulso starrte auf das Schwert, das Lucius, wie es sich für einen Rekruten gehörte, rechts trug.

„Dir sind wohl unsere normalen Waffen nicht gut genug, was?“, höhnte der Centurio. „Als Sohn eines Ritters bist du Besseres gewohnt, was?“

Lucius verfluchte sich innerlich. Er hätte es besser wissen müssen nach dem, was bei der Begrüßung der Rekruten passiert war! Er trug das reich verzierte Schwert, das ihm seine Freunde geschenkt hatten. Das einfache Schwert, welches ihm der Waffenmeister ausgehändigt hatte, lag im Quartier.

Da ihm keine passende Antwort einfiel, schwieg er. Das war ein Fehler.

„Vornehmes Schweigen. Du hältst dich wohl für einen Patrizier, der über uns Pöbel steht!“, brüllte Vulso. „Los, im Laufschritt ins Quartier! Hol deine richtige Waffe – und wehe, du trödelst! Wenn ich dich noch einmal mit dieser Theaterwaffe erwische, prügle ich dich durch. Optio, begleite ihn!“

Lucius drehte sich um und rannte zu seinem Quartier. Der Optio folgte ihm und bedachte ihn dabei mit Schmähungen und Beschimpfungen. Im Quartier angekommen, riss Lucius den einfachen Gladius vom Haken und legte sein eigenes Schwert ab. Sofort trieb ihn der Optio wieder zur Truppe zurück. Außer Atem erreichte er seinen Platz in der Reihe.

Vulso beendete die Inspektion und stellte sich vor die Rekruten.

„So, famulas. Nachdem ihr jetzt alle eingekleidet seid und hübsch ausseht, so richtige Muttersöhnchen, werden wir mit eurer Ausbildung beginnen!“ Er machte eine Pause.

„Als Erstes werden wir euch in das Geheimnis des Gleichschrittes einweihen! Dieses Geheimnis ist das Alpha und Omega des Marschierens. Und marschieren wird eure Hauptbeschäftigung sein, solange ihr bei den Adlern seid. Wobei ihr schwachbrüstigen Memmen allenfalls als Futter für die Raben dient. Also wenn ich ‚Links um!’ sage, dreht ihr euch alle mit dem Gesicht nach da! Nach dem Befehl ‚Auf links!’, macht der Rekrut vorne links den ersten Schritt mit dem linken Fuß. Ihr anderen fallt dann ein!“ Er befahl einem Rekruten, sein Pilum zu senken, und zeigte dann auf den Schaft von der Hand bis zur Pilumspitze.