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„Danke“, brummte Lucius und trank. Er wartete, bis es im Lager wieder still geworden war und er den Optio bei der Standarte stehen sah. Danach erst kehrte er in sein Zelt zurück und legte sich schlafen.

Noch vor dem Wecken war Lucius wieder wach. Er sprang auf, zog die rote Tunica über, nahm seine Vitis und marschierte zum Zelt des Tesserarius.

„Holt ihn raus und wartet dann dort drüben!“, sagte er zu den Wachen. „Und nehmt den da auch mit“, fügte er auf den Schreiber deutend hinzu. Nachdem die Wachen mit dem Schreiber das Zelt verlassen hatten, machte sich Lucius daran, das Zelt zu durchsuchen.

„Das ist mein Privateigentum“, tönte die sich überschlagende Stimme des Tesserarius von draußen.

Lucius schenkte ihm keine Beachtung. Er brauchte nicht lange zu suchen, bis er einen ganzen Haufen Wachstafeln fand. Er sah sie flüchtig durch. Es waren alles Schuldverschreibungen von Männern der Centurie. Er verließ das Zelt, um die Tafeln lesen zu können.

„Du bist verdammt gierig. Wolltest du die Männer noch vor Basilia komplett ausgenommen haben?“, fragte er und überflog die Aufstellung der Geldbeträge.

„Es ist allgemein übliche Praxis, dass Soldaten sich freikaufen“, entgegnete der andere.

„Ja. Von lästigen Diensten.“ Lucius drehte sich um. „Wache!“ Die Wache kam auf sie zu.

„Bindet die beiden los! Dann könnt ihr abtreten. Ich verkünde ihre Strafe beim Appell.“

Er wandte sich wieder an Celsionus. „Aber Soldaten zu erpressen mit erfundenen Vergehen, oder ihnen zu erlauben, sich von Strafen freizukaufen, ist nicht üblich in der Legion.“

„Was weißt du schon vom wirklichen Leben in der Legion?“, antwortete der Tesserarius verächtlich, stand auf und rieb sich die Handgelenke. „Hast wahrscheinlich Bücher darüber gelesen, mit Veteranen gesprochen, Erzählungen deines Vaters gelauscht, oh ja, wir wissen alle, wer dein Vater ist, und deswegen glaubst du, ein Soldat zu sein, oder?“

Lucius fühlte einen Stich. Bis vor ein paar Monaten hatte er tatsächlich so gedacht. Um seine Betroffenheit zu überspielen, stopfte er die Schuldverschreibungen in einen Sack.

„Vielleicht hast du recht, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall bin ich jetzt dein vorgesetzter Offizier.“ Lucius hielt inne, als der andere durch den Mundwinkel ausspuckte, um seinen Hohn zu zeigen. „Ob es dir passt oder nicht. Du hast dich der disciplina verpflichtet, aber als du gesehen hast, dass du einen unerfahrenen grünen Jungen als Vorgesetzten bekommst, hast du gedacht, du kannst dich bereichern wie ein Politiker auf dem Forum. Du bist nicht nur gierig, sondern auch erbärmlich. Du hast die Phalerae der Tapferkeit nicht verdient!“ Lucius schnaubte verächtlich, drehte sich um und ging.

„Der Inhalt des Sackes gehört mir. Du bestiehlst mich!“, schrie Celsonius ihm nach.

„Verklag mich doch“, konterte Lucius ruhig.

Noch vor dem Morgenappell meldete sich Lucius bei Scapula, der ihn verschlafen anblickte. Er schien von dem Spektakel in der Nacht nichts mitbekommen zu haben und war ganz entgeistert, dass Lucius nun plötzlich einen vorgezogenen Ruhetag vorschlug.

„Kommt gar nicht in Frage!“, ereiferte der Tribun sich, mit einem Schlag hellwach. „Wir schleichen sowieso schon wie die Schnecken, und dann noch eine außerplanmäßige Pause?“

Lucius setzte ihm auseinander, dass nach dem vorgezogenen Ruhetag mit einer Steigerung der Marschleistung zu rechnen sei. Er erklärte ihm, dass eine bessere Verteilung der Lasten und eine Überprüfung der Ausrüstung nötig seien, da es sich bei den meisten Legionären um Rekruten handele, die an ihrem ersten Feldzug teilnähmen. Hier sei der Grund für die schlechte Marschleistung zu suchen. Im Leben nicht würde Lucius dem Tribun eingestehen, dass die Schuld darin zu suchen war, dass Lucius seine principales und immunes nicht im Griff gehabt hatte. Scapula brummte schließlich widerwillig: „Wenn du meinst!“, und nachdem Lucius die Frage „Brauchst du mich?“, verneint hatte, ließ sich der Tribun wieder auf sein Lager sinken.

Beim Morgenappell ordnete Lucius den Ruhetag offiziell an. Der Tag sollte vor allem genutzt werden, um Waffen und Ausrüstung zu reinigen und in Ordnung zu bringen. Er wies den Waffenmeister an, den Leuten bei der Instandsetzung von schadhaften Waffen zu helfen. Dann verkündete er die Strafen für den Tesserarius und den Schreiber. Ersterer würde für fünf Tage jede zweite Wache Bereitschaft haben, der andere verlor seine Stellung als immunis und musste wieder Routinedienst tun. Lucius beauftragte Mallius, ihm einen neuen Schreiber zu suchen. Da es heute nicht regnete, wies er die principales an, im Lager mehrere große Feuer entzünden zu lassen, um den Legionären die Möglichkeit zu geben, ihre nasse Kleidung zu trocknen. Zuletzt hob er den Sack mit den Schuldverschreibungen hoch.

„Ab jetzt werden in dieser Centurie Männer, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben, bestraft. Hier kauft sich niemand von seiner Schuld frei wie ein Publicanus.“

Damit warf er den Sack unter dem Beifall der Männer ins Feuer, der hasserfüllte Blick des Tesserarius war ihm gleichgültig. Langsam gewöhne ich mich daran, so angesehen zu werden, dachte er bei sich. Ich müsste mich wahrscheinlich fragen, was ich falsch gemacht habe, wenn ich plötzlich zustimmende Blicke von den anderen Centurionen bekommen würde.

Die Einheit trat weg. Lucius ging zu seinem Zelt. Ajax hielt schon einen Weinbecher parat und Lucius musste grinsen. „Ajax, willst du mich zum Trinker machen?“

„Nein, Herr. Aber du hast bestimmt einen anstrengenden Tag vor dir.“

„Das ist wahr, aber ich brauche einen klaren Kopf. Besorg lieber einige Kleinigkeiten zum Essen, die ich kalt und im Gehen zu mir nehmen kann!“

Lucius musste schmunzeln, als er dem kleinen, mageren Kerl nachschaute, wie er eifrig davoneilte, um seine Wünsche zu erfüllen. Ajax machte sich gut und erledigte seine Aufgaben als Mulio und Bediensteter mit großer Sorgfalt. Manchmal war Lucius froh, dass der Junge bei ihm war und ihm mit seinen treuen Diensten ein wenig Gesellschaft leistete, die ihm ansonsten in seiner Position als „Möchtegern-Centurio“ – denn als solchen sahen ihn die anderen offenbar, egal, was er tat – verwehrt blieb.

Er überquerte das Forum des Lagers. Maximus, der Waffenmeister, saß vor seinem Zelt und unterhielt sich müßig mit Drusillus. Lucius ging zum Zelt des Sanitäters und besprach sich kurz mit ihm. Dann drehte er eine Runde durch das Lager und inspizierte die Ausrüstung seiner Centurie. Mit jeder Inspektion eines Contuberniums wurde ihm das tatsächliche Ausmaß seiner Nachlässigkeit und seines Versagens stärker bewusst. Gegen Mittag kehrte er, wütend über sich selbst und über die schlampige Arbeit seiner Untergebenen, wieder zum Forum zurück.

„Ajax!“, brüllte er so laut, dass die Legionäre herübersahen. „Wo steckst du?“

Ajax stürzte mit schreckgeweiteten Augen herbei. „Herr?“

„Bring Essen, aber schnell! Sonst setzt es was!“

Ajax rannte ins Zelt und kam mit Brot, Käse und etwas Fleisch zurück. Während Lucius aß, sah er sich auf dem Forum um. Der Optio übernahm gerade die Wache, er überflog die Tafel mit der Parole, die abgelöste Wache grüßte die Standarte und rückte ab. Lucius drückte Ajax das Essen wieder in die Hand und griff nach seinem Rebstock. „Halt fest!“

Er ging zu Drusillus hinüber. „Sitzt der den ganzen Vormittag hier herum?“, fragte er und deutete auf den Waffenmeister, der immer noch auf seinem Klappstuhl saß und mittlerweile an einem Holzstück herumschnitzte.

„Ich bin zwar nicht dein Nomenklator, aber ich glaube schon“, war die Antwort.

Lucius ließ ihn stehen und ging auf den Waffenmeister zu, der gleichmütig aufsah und weiterschnitzte.