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Die Worte des Tribuns rissen den Optio aus seinen Gedanken. „Natürlich. Tribun …“, er warf einen Blick auf den Befehl, bevor er ihn zurückgab, „… Scapula. Bring die Wagen zum Forum und übergib sie dort dem Präfekten!“

Das große Zweilegionenlager war fast leer und wirkte beinahe unheimlich. Nur wenige Legionäre, Lucius schätzte maximal zwei Kohorten, waren anwesend.

Sie meldeten sich beim Lagerkommandanten, einem jungen Tribun mit harten Gesichtszügen und roten Haaren.

„Feuerhaar, was machst du denn hier?“, begrüßte ihn Scapula leutselig.

Der so Angesprochene grinste schief und antwortete mit leicht wehleidiger Stimme: „Unserem großmächtigen Feldherrn hat es in seinem weisen Ratschluss gefallen, mich zum Lagerkommandanten zu ernennen, während er abwesend ist!“

„Jupiter Stator, stehe uns bei!“, flehte Scapula mit gespieltem Entsetzen zum Himmel. „Lucius Domitius Ahenobarbus ist für unser Lager und unsere Vorräte verantwortlich, der Feldzug ist so gut wie gescheitert!“

„Vorsichtig mit solchen Aussagen!“, drohte Ahenobarbus mit dem Finger. „Du bist nur ein Ostorii, ich bin ein Domitii, meine Vorfahren haben Gallia Cisalpina erobert und die Allobroger unterworfen. Wir waren schon Konsuln, als deine Familie noch Schweine gehütet hat, also keine allzu große Vertraulichkeit!“

Jetzt guckte Scapula ein wenig beleidigt. „Ich geh in meine Unterkunft!“, bemerkte er kurz angebunden und verschwand.

Ahenobarbus wandte sich Lucius und seiner Centurie zu. „Centurio Marcellus?“, begann er fragend und musterte ihn ein wenig ungläubig. Lucius nickte zustimmend und der Tribun fuhr fort: „Nun, ich habe schon gehört, dass du unsere Kuriosität bist! Wie dem auch sei, deine Einheit ist spät dran. Wie kommt das?“

Lucius sah ihn ein wenig erstaunt an. War das nicht eine Frage, die er eigentlich Scapula hätte stellen müssen? Ahenobarbus musste wegen seines verdutzten Gesichtes lächeln. „Centurio, ich kenne Quintus Ostorius besser als du und weiß, dass er auf dem Weg zur Latrine mindestens in einem Bordell und zwei Tavernen einkehren würde. Ich bezweifle nur stark, dass ihr an vielen Tavernen oder Lupanaren vorbeigekommen seid.“

Lucius begann umständlich von dem schlechten Wetter und dem langsamen Marschtempo der Ochsengespanne zu erzählen, als Ahenobarbus die Hand hob und Lucius mitten im Satz unterbrach: „Lass erst einmal deine Leute wegtreten!“

Lucius drehte sich um und gab seinen Männern den Befehl wegzutreten. Mallius marschierte zum Fahnenheiligtum und stellte die Standarte ab. Als die Männer abgerückt waren, wandte sich der Tribun erneut an Lucius: „Jetzt unter uns: Nicht alle Tribune sind Deppen, also hör auf, mir so einen Blödsinn zu erzählen! Die anderen Abteilungen waren fünf oder sechs Tage schneller als ihr. Mir ist das egal, ich bin nicht dein Vorgesetzter, aber wenn du den Quatsch den primi ordines auftischst, grillen sie dich auf kleiner Flamme! Vale!“ Damit ließ er Lucius stehen.

Dieser sah ihm nach und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, aber der einzige, zugegebenermaßen nicht besonders kluge, Gedanke, der ihm kam, war: „Kein Wunder, dass sie ihn Feuerhaar nennen!“ Die roten Haare des Tribuns schimmerten im Sonnenlicht, als er zwischen den Zelten verschwand.

Einige Tage später konnte Lucius vom Wall aus beobachten, wie eine lange Schlange Legionäre auftauchte und sich einem Lindwurm gleich auf das Lager zu bewegte. Es war faszinierend zu beobachten, wie sich einzelne Einheiten von dem Lindwurm abspalteten und durch die verschiedenen Tore ins Lager marschierten und weiter zu ihren Plätzen zogen, wo sie ihre Maultiere abluden und ihre Zelte aufbauten. Stunde um Stunde strömten die Legionäre der Augusta und der Gallica in das Lager und der Lärmpegel stieg in gleichem Maße an.

Lucius erfuhr zufällig, dass der Legat der Augusta, Publius Quintilicius Varus, offenbar gar nicht glücklich über die Rolle war, die Scapula während des Transportes gespielt hatte. Exoratus, Lucius’ neuer Schreiber, ein Legionär des zweiten Contuberniums, hatte es ihm beiläufig erzählt. Centurionen und Legionäre hatten ihre eigenen Seilschaften in der Legion, über die sie Neuigkeiten erfuhren. Lucius wurde schmerzlich bewusst, dass er über keinerlei Verbindungen verfügte und deshalb in der Regel von den inoffiziellen Nachrichten abgeschnitten war.

Dass das Gerücht über Scapula stimmte, zeigte sich, als einige Tage darauf beide Legionen nach Basilia aufbrachen. Drei Kohorten der Augusta blieben unter dem Kommando eines unglücklichen Scapula zurück.

WINTERLAGER

BASILIA

Basilia war ein keltisches Oppidum, das es zu einigem Wohlstand gebracht hatte, da es verkehrsgünstig am Rhenus lag und sich hier die Straßen von Geneva und Lugdunum kreuzten. Deshalb sollten hier, diese Nachricht hatte sich in Windeseile in der Legion verbreitet, die Augusta und die Gallica überwintern. Die Legionen sollten sich an das Klima gewöhnen, so hieß es.

Die Hilfstruppen würden sich auf die Legionen aufteilen, die Reiterverbände ein Stück weiter westlich überwintern, da es dort gutes Weideland gab.

Nachdem Tiberius die Gallica nach Basilia geführt hatte, übergab er den Befehl an seinen Stellvertreter, den senatorischen Tribun Gaius Asinius Gallus, und reiste nach Lugdunum zurück, um bei seiner schwangeren Frau zu sein.

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit zogen die Männer über den Rhenus in die Wälder des Abnoba, fällten Bäume und verschifften sie über den Fluss. Auch die 8. Kohorte war zum Holzschlagen eingeteilt worden und Lucius ging seiner Centurie mit gutem Beispiel voran. Als die Baumstämme auf die Prahme verladen wurden, stand er wie seine Männer bis zu den Hüften im kalten Wasser des Rhenus und half beim Beladen.

„Hast du keine Angst, Centurio, dass dein Ding durch das kalte Wasser so einläuft, dass du es nicht mehr gebrauchen kannst?“, rief ihm Ripanus zu.

„Der ist so groß, dass es ihm nichts ausmacht, wenn er ein paar Fingerbreit einläuft!“, entgegnete Lucius schlagfertig unter dem Gelächter der Männer. Drusillus sah vom Ufer aus mit verkniffener Miene zu.

Im Lager wurden dann die Stämme zu Brettern verarbeitet und damit Hütten errichtet. Die Hütten waren nicht einmal mannshoch und erinnerten Lucius eher an einen Hühnerstall als an eine menschliche Behausung. Die Ritzen dieser „Hühnerställe“ wurden mit Moos und Erde verstopft, der Boden mit Stroh ausgelegt und die Türen und Fenster mit Ledervorhängen verhängt. So waren die Männer darin vor Eis, Schnee und kalten Winden geschützt.

Nachdem die Winterquartiere der Augusta fertiggestellt waren, übergab Varus das Kommando über die Legion an seinen senatorischen Tribun Publius Sulpicius Quirinius und reiste nach Lugdunum ab.

„Centurio Marcellus“, begann Canidius in seiner schleppenden Sprechweise. „Wir sind hier in Basilia im Winterquartier, was aber nicht heißt, dass wir uns auf die faule Haut legen!“

Er machte eine Pause und Lucius stand ratlos vor ihm. Wohin mochte diese merkwürdige Einleitung führen?

Canidius begann vor ihm auf und ab zu gehen. „Du sprichst keltische Dialekte?“, fragte er nach, und als Lucius bejahte, fuhr er fort: „Da bist du der einzige Centurio in der Augusta!“ Sein Tonfall und seine Stimme ließen keinen Zweifel daran, dass es sich für einen echten Centurio nicht wirklich geziemte, andere Sprachen als die römische zu sprechen. „Wir haben einige foederati, die in Kohorten zusammengefasst und von römischen Offizieren befehligt werden sollen. Diese müssen ausgebildet werden, und da werden deine Sprachkenntnisse von Nutzen sein!“

„Ich soll sie ausbilden?“, fragte Lucius erstaunt und freudig überrascht.

„DU?“, fragte Canidius gedehnt und brach dann in schallendes Gelächter aus. „DUU?“